Frauen als Älteste einer Gemeinde?

Dürfen Frauenlaut Bibel Älteste einer Gemeinde sein?

Das ist tatsächlich eine Frage für manche Christen.
Ich habe darüber viel, viel nachgedacht. Seit Jahren.
Und wenn es dann an die Wahl einer Gemeindeleitung geht, kommt diese Frage bei Einzelnen wieder hoch.
Ein Dauerthema.

Interessanterweise wird diese Frage von Frauen selten so gestellt. Es sind eher die Männer, die das umtreibt.
Ihnen geht es oft darum, dass sie die biblischen Texte ernst nehmen wollen.
Was hat Gott über Gemeinde und Gemeindeleitung gesagt?
Was denkt Gott über das Ältestenamt?
Die Grundlage für weitere Überlegungen ist die Bibel als das schriftliche Fundament des christlichen Glaubens.

Und – das kann vorweg genommen werden – die Erkenntnisse zu diesem Thema sind unterschiedlich.
Allein diese Tatsache, dass verschiedene Christen sich ernsthaft und gottgläubig darum bemühen, eine Erkenntnis zu gewinnen, dann aber zu unterschiedlichen Meinungen kommen, lässt mich innehalten:
Dann sollte so ein Thema keine Hauptfrage sein. Sie kann nicht den gleichen Rang haben wie die Frage nach der Erlösung. Sie muss als „Nebenfrage“ behandelt werden, mit dem Respekt vor unterschiedlichen Erkenntnissen und trotzdem dem Mut, die eigene Ansicht zu vertreten.

Ich bin auch in diesem Blog schon öfter auf die „Frauen-Frage“ eingegangen, deshalb will ich hier nichts vertiefen.
Ich bringe nur in Stichwörtern meine Erkenntnis rüber:

– Frauen hatten auch im NT verantwortliche Leitungsfunktionen:
Junia als Apostel, Phöbe als Diakonin, Priscilla als Lehrerin (zusammen mit ihrem Mann).

– Es gibt kein Verbot, dass Frauen Älteste/Gemeindeleiter sind.
Deshalb dürfte es schwer sein, in diesem theologischen Bereich von „Sünde“ zu sprechen.

– Sinn der Aussage in 1.Tim 3,2b ist, dass ein verheirateter Ältester seiner Frau treu sein soll (Monogamie).
Es geht nicht um die Formulierung eines Verbotes des Ältestenamtes für Frauen.

– Die gleiche Aussage gibt es für Diakone, 1.Tim 3,12: auch ein Diakon soll Mann einer einzigen Frau sein.
Nach Röm 16,1 haben wir es mit „einem weiblichen Diakon“ zu tun.
Wenn wir davon ausgehen wollen, dass sich biblische Aussagen nicht widersprechen, sondern ergänzen, dann kann daraus nur das geschlussfolgert werden: Es gab weibliche Diakone und 1.Tim 3,12 will nicht Frauen ausschließen, sondern die Situation in Ephesus behandeln und die eheliche Treue betonen.
Das unterstreicht die Auslegung, wonach auch in 1.Tim 3,2b kein „Frauen-Verbot“ statuiert wird.

– Eine wortwörtliche Auslegung von 1.Tim 3,2b (=nur Männer dürfen Älteste sein) würde uns in viele Schwierigkeiten bringen (dann müssten Älteste stets verheiratet sein, mit nur einer Frau und müssten mehrere Kinder haben; Witwer oder Männer mit verstorbenen Kindern oder Männer mit nur einem Kind würden als Älteste ausscheiden).

– Zudem ist es ebenfalls bedenklich aus einer positiven Weisung („Mann einer einzigen Frau“) ein Verbot zu konstruieren („Dann dürfen Frauen keine Älteste sein!“). Das wäre ein Umkehrschluss. Dieser kann legitim sein, wenn sich entsrechende Verbote in der Bibel finden (z.B. das Gebot ehelich treu zu sein UND das Verbot der Ehescheidung). Wenn sich solche Verbote aber nicht finden, dann sind solche Umkehrschlüsse bedenklich (z.B. nach 1.Tim 2 sollen Männer an allen Orten beten, indem sie ihre Hände heben. Das ist die positive Weisung. Der Umkehrschluss wäre: „Es ist verboten, das Gebet zu unterlassen. Es ist verboten, beim Beten die Hände unten zu lassen!“). Da sich ein ausdrückliches Verbot für Frauen im Ältestenamt nicht finden lässt, muss von einem solchen Umkehrschluss Abstand genommen werden.

– Gesellschaftliche Wandlungen mit Auswirkungen auf das Gemeindeleben können legitim sein.
So haben wir heute keine legale Sklaverei mehr in Deutschland. Als Christen befürworten wir das und stehen dahinter. Doch nach Aussagen des NT war es damals anders: Auch Christen hatten Haus-Sklaven. Dieser Umstand hat sich gesellschaftlich geändert. Es wäre absolut grotesk und falsch, wenn Christen anhand des biblischen Wortlautes meinen würden, dass wir wieder die Sklaverei einführen müssten. Ebenso kann sich also die Position anderer Menschen in deiner Gesellschaft ändern. Es ist doch sehr gut, dass Frauen nicht mehr als Sache gehandelt werden, sondern als gleichwertige Menschen erkannt werden! Und natürlich muss das Auswirkungen auf das Gemeindeleben haben.

Den Vertretern der anderen Erkenntnis (Nur Männer sollen Älteste sein) muss ich zugute halten, dass es kein biblisches Beispiel für eine Frau im Ältestenamt gibt. Es ist, wenn dann, nur von Männern die Rede.
Woran das liegt, kann ich nicht mit Gewissheit sagen.
Es mag kulturell bedingt sein.
Es mag damit zusammenhängen, dass Gott den Mann als Hauptverantwortlichen für seine Frau sieht.
Es mag mit dem damaligen Bildungsniveau zusammenhängen.

Doch auch, wenn wir kein „Frauen-Älteste-Beispiel“ haben, so haben wir es dennoch nicht mit einem Verbot zu tun.
Daher ist das mein Plädoyer:
Eine Gemeinde, eine Gemeindeleitung oder die Gründer einer Gemeinde müssen zu diesem Thema eine Entscheidung treffen und diese muss dann von den Folge-Generationen respektiert werden. Alles andere würde eine Gemeinde nur in endlose und zumeist unfruchtbare Diskussionen stürzen.

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