Handout „Frauen als Älteste und Predigerinnen?“

In Vorbereitung auf die Ältestenwahl unserer Gemeinde habe ich ein Video zum Text aus 1.Timotheus 3,1 ff. erstellt. Darin geht es um die Qualifikationen eines Ältesten. Die meisten Merkmale eines Ältesten sind ziemlich unstrittig in christlichen Gemeinden: klar, der soll kein Gewalttäter sein, keiner, der ständig mit anderen streitet, niemand, für den man sich schämen muss usw.
Aber es gibt immer wieder den einen Knackpunkt, über den manche stoßen:
Ein Ältester soll „Mann einer einzigen Frau“ sein.
Heißt das, dass nur Männer Gemeindeälteste sein dürfen und Frauen nicht?

Eine Frage, die unsere Gesellschaft heutzutage fraglos überflüssig findet oder altbacken (wiewohl es in Deutschland nicht lange her ist, dass das Rollenverhältnis von Mann und Frau gänzlich anders war als zur Zeit; geschichtlich gesehen stehen wir da gerade erst am Anfang).
Aber für Menschen, die die Bibel respektieren, ist diese Frage wirklich relevant. Man will ja seinen eigenen Glauben, Gott und das Wort Gottes ernst nehmen!

Deshalb habe ich nochmal ein überschaubares, dreiseitiges Handout zur Frage anfertigt „Dürfen Frauen Älteste und Predigerinnen sein?„.
Die wesentlichen Argumente sind aufgezeigt und hoffentlich nachvollziehbar.
Da es sich nur um ein Handout handelt, ist vielleicht nicht alles sofort verständlich. Aber als Zusammenfassung taugt es.

Hier zum kostenlosen Download im pdf-Format!

P.S. Nachtrag vom 17.03.2017:
Zu dem Thema „Frauen als Älteste“ habe ich gemerkt, dass manche meiner Argumentation schwer folgen können. Deshalb hier meine Argumente in etwas einfacherer Form:

– Alle Christen sollen andere Menschen lehren (Mt 28,18 ff.; Kol 3,16 u.a.).
Diese Lehrgebote unterscheiden nicht beim Geschlecht. Sie gelten für Männer und Frauen.

– Frauen in der Bibel nahmen leitende und lehrende Aufgaben wahr.
Das ist vor allem im Kontext des Patriarchats beachtlich. Deborah als Richterin im AT. Junia als Apostel im NT, Phöbe als Diakonin, Priscilla als Lehrerin, Missionarin und Gemeindeleiterin (zusammen mit ihrem Mann).
Ja, manche der Verse sind hinsichtlich der Auslegung strittig (z.B. war Junia wirklich Apostel oder nur anerkannt bei den Aposteln?). Aber es gibt immerhin Gründe für beide Sichtweisen, was zeigt, dass man „begründet“ unterschiedlicher Ansicht sein kann.

– Es gibt kein Verbot für Frauen in der Gemeindeleitung.
Das muss man einfach mal festhalten. Es wird in der Bibel nicht als Sünde bezeichnet, wenn eine Frau Älteste ist. Dabei macht Gott durch die Bibel durchaus deutlich, was für Ihn Sünde ist. Das wird dann auch so benannt (zB Mord, Ehebruch, Lüge usw.). Wenn Gott also etwas nicht als Sünde bezeichnet, mit welchem Recht dürfen wir das tun? Ferner: Wir haben keine Befugnis, der Bibel ein Verbot hinzuzufügen. Was wäre das für eine Vermessenheit!?
Wir kämen in das „enge und versklavende“ Denken mancher Pharisäer der damaligen Zeit: sie erdachten sich weitere Regelungen und fügten sie den biblischen Geboten/Verboten hinzu. Natürlich meinten sie es ernst. Sie wollten Gott in allen Dingen gehorsam sein. Aber der Effekt war, dass sie sich selbst und anderen das Leben damit schwer machte und das Wesentliche – die Liebe – zunehmend vergaßen. Jesus musste sie oft deswegen kritisieren.

Das sind die Hauptpunkte, die es als möglich erscheinen lassen, dass auch Frauen Älteste sein können.
Natürlich existieren Gegenargumente. Und gegen diese Gegenargumente gibt es wiederum Gegenargumente. Ein „Diskussions-Spiel“ ohne Ende. Letztlich zermürbend und wegführend vom Wesentlichen.
Aber zwei Gegenargumente (und ihre Entkräftung) will ich hier bringen:

– Gegenargument 1
Nach 1.Tim 3,1 ff. soll ein Ältester „Mann einer einzigen Frau“ sein. D.h.: „Ein Ältester soll ein Mann sein!“

Auf dieses Argument kann man nur kommen, wenn man die wortwörtliche Auslegungsmethode benutzt. Besonders schwierig wird es, wenn man dann noch den Umkehrschluss hinzufügt: „Und deshalb dürfen Frauen keine Ältesten sein!“
Entkräftung:
Mit dieser Methode muss man auch zu diesen Folgerungen kommen: ein Ältester muss verheiratet sein. Er darf kein Witwer und kein Single sein. Er muss mindestens zwei Kinder haben (s.a. 1.Tim 3,1 ff.: da ist von „Kinder“ im Plural die Rede). Er darf nicht geschieden sein (auch nicht, wenn die Scheidung biblisch legitim war). Es dürfte schwer werden, dann wirklich Älteste zu finden.
Und wie erwähnt, ist es besonders fatal, wenn der Umkehrschluss verwendet wird.
Denn wenn wir diese Auslegungsmethode konsequent einsetzen, dann kämen wir auch diesen Ergebnissen:
– Wir müssen uns mit dem Bruderkuss, wie er im NT erwähnt ist, begrüßen. Jede andere Art der Begrüßung wäre verboten. Vielleicht wäre es sogar Rebellion gegen Gott…
– Wir müssen Wein trinken, wenn es uns nicht gut geht. Jede andere Medizin wäre verboten.
– Frauen dürften keinen Goldschmuck, keine Perlenketten und keine kostbaren Kleidungsstücke tragen. Silber und Diamanten wären aber in Ordnung.
Heilung würden wir nur von Jesus erwarten. Das wird in der Bibel bezeugt. Arztbesuche tauchen in der Bibel nicht auf. Also sind sie verboten.
– Usw.
Interessanterweise macht da aber keiner das Fass auf. Vielleicht, weil man instinktiv merkt, dass man wirklich zu schrägen Ergebnissen kommen würde.
Umso mehr verwundert es mich, wenn man aber bei 1.Tim 3,1 ff. diese Art der Auslegung verwendet:
ein Satz wird wortwörtlich genommen und mit einem Umkehrschluss begründet man ein Verbot. Das geschieht nur hier… bei so vielen anderen Themen macht das keiner. Komisch.
Deshalb muss man die historisch-grammatikalische Auslegungsmethode verwenden, die nach dem Sinn und Zweck, dem Kontext, dem Verfasser und den Adressaten fragt. Und da lautet das Ergebnis zu 1.Tim 3,1 ff. so:
Ein Ältester muss treu und monogam sein.
Ein Verbot für Frauen in dieser Position existiert nicht. Also ist es denkbar und möglich, dass auch Frauen Älteste sein können.

– Gegenargument 2
„Die Schöpfungsordnung von Mann und Frau wird auf den Kopf gestellt, wenn Frauen Älteste sein dürfen!“

Dieses Argument kommt sehr grundsätzlich daher. Demnach sind Männern und Frauen unterschiedliche Aufgaben zugedacht: Männer sollen leiten und Frauen sollen sich unterordnen. Wenn aber eine Frau Älteste wäre, dann würde sie ja über Männer leiten. Dies wäre gegen die Schöpfungsordnung.
Entkräftung:
Aber was besagt die Schöpfungsordnung?
Dass es Mann und Frau gibt. Sie sollen ein Fleisch sein. Und die Frau soll dem Mann helfen.
Es geht um das Eheverhältnis!
Es geht nicht um Ämter in der Gemeinde!
Ebenso betrifft es Verse wie in Epheser 5,21 ff.: Ja, hier wird das Verhältnis von Mann und Frau beschrieben. Der Mann als Haupt der Frau.
Doch wieder: es geht um das Eheverhältnis und nicht um Ämterfragen!
Es ist Unsinn, Anweisungen für die Ehe mit bestimmten Gemeindeaufgaben gleichzusetzen. Das ist eine Vermischung, die konstruiert ist.
Wenn eine Frau Älteste ist, dann wird sie doch nicht mit den Männern der Gemeinde verheiratet! Wieso also sollten Eheregeln für diese Gemeindeaufgabe gelten?
Wenn aber auf dieser Ebene diskutieren will, könnte man die Schöpfungsordnung sogar als Beleg dafür anwenden, dass Frauen Älteste sein sollen: denn, wenn männliche Älteste keine weiblichen Ältesten neben sich haben, dann wären sie ja unvollkommen und hilflos. Erst mit der weiblichen Ergänzung bekämen sie die Hilfe, die sie bräuchten, um wirklich gute Älteste zu sein.
Klingt das merkwürdig?
Ja.
Weil man damit eben das Eheverhältnis mit der Aufgabe von Ältesten vermischt.
Ist unsinnig.

Insgesamt ein Thema, das für erhitzte Gemüter sorgen kann. Man kann jahrelang darüber diskutieren.
Leider führt es manchmal zu persönlichen Herabwürdigungen. So musste ich mir schon manchen Vorwurf anhören („nicht bibeltreu“, „rebellisch“, „unbiblisch“, „enttäuscht von dir als Pastor“ usw.). Puh! Wenn ein nicht-heilsnotwendiges Nebenthema so auf die Goldwaage gelegt wird… dann kann es nur Streit produzieren. Gebe Gott, dass wir das Wesentliche wesentlich behandeln und das Nebensächliche nebensächlich sein lassen.

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