Gedanken zur Seelsorge: Kann man wirklich seelisch gesund werden?

Kann ein Mensch innerlich heil werden?
Kann ein Mensch seelisch gesund werden?

Ich will an der Stelle nicht allzu philosophisch werden, allerdings muss man sich fragen:
Was bedeutet „gesund“?
Wann ist man denn „gesund“ oder „heil“?
Wer bestimmt, was „gesund“ ist?

Doch wie auch immer man die Frage beantwortet, deutlich ist das:
Wenn sich ein Mensch seelisch belastet fühlt, dann sucht er nach Wegen, um diese Last loszuwerden.

Manche flüchten dann.
Saufen Alkohol. Stürzen sich in Arbeit. Zocken am PC. Gehen shoppen. Zappen am Fernsehgerät oder durchstöbern das Internet nach Ablenkung.

Damit ist die Last nicht weg. Sie wurde nur von einem anderen Reiz für eine zeitlang übertönt.

Dann kommt sie wieder.
Und nun?

Im schlechtesten Fall bilden sich aus der anfänglichen Flucht Suchtmuster heraus:
Aus dem Suff wird eine Alkoholsucht. Aus dem Zocken wird eine Spielsucht. Aus der kurzen Begierde wird eine Pornosucht. Aus dem Kick wird eine Machtsucht. Eine Adrenalinsucht. Eine Konsumsucht. Usw.

Im besten Fall wagt man es, sich der Last zu stellen. Ihr in das Auge zu gucken.
Das ist tatsächlich der erste Schritt, um in diesem Kampf zu bestehen.
Meine These ist, dass sich die Mehrheit der Menschen nicht stellt, sondern einfach so weiter macht.
Manchmal wundern sie sich, weshalb da was „rumpelt“ oder warum das Leben so doof sein kann… aber egal.. einfach weitermachen… wird schon!

Aber die, die sich stellen, ergreifen eine Chance, ihr Leben positiv zu gestalten.
Wer sich stellt, hat noch nicht gewonnen. Die eigentliche Arbeit kommt erst noch.
Es wird garantiert super anstrengend!
Aber wer ein befreiteres und erfüllteres Leben führen will, muss mit diesem ersten Schritt anfangen:
Sich den Lasten zu stellen.

Und?
Kann man auf Dauer wirklich frei werden von Lasten?
Ist „Heilung“ im vollständigen Sinn möglich?

Im Laufe der Jahre, mancher Coaching- und Seelsorgesituationen habe ich da meine Zweifel.
Natürlich weiß ich, dass man wirklich wundersam sofort von einer Sucht befreit werden kann.
Man kann sofort von wirklich bösen Belastungen frei werden.
Ja, das gibt es!

Aber wenn es um den Charakter geht, um die Prägung der eigenen Seele, dann kommt es mir eher wie das Zusammenfließen von zwei Strömen vor:
Der eine Strom enthält Wasser und Müll. Der Strom ist nicht wirklich sauber. Wenn man ihn filtert, kann er genießbar sein, aber eigentlich ist er nicht klar und rein. Das ist der Strom des „alten Lebens“. Das ist das, wie unsere Seele von Kindheit an geprägt wurde. Da stecken Muster drin, die wir nicht mit einem Gebet oder einer Seelsorgesitzung loswerden. Das sind Muster, die wirklich volle Kanne Teil von uns sind.
Der andere Strom kommt von Gott her. Es ist das neue Leben, das Gott durch Jesus Christus schenkt. Es geht um neue Muster. Um himmlische Muster, sozusagen. Jesus Christus hat vorgelebt, wie ein Leben aussieht, das nach göttlichem Muster gelebt wird. Dieser Strom ist glasklar, erfrischend, wohltuend.

Wenn ein Mensch dahin kommt, ein Leben in der Nachfolge Jesu zu führen, dann kommen diese beiden Ströme zusammen. Der dreckige Strom vermischt sich mit dem reinen Strom. Man guckt darauf und fragt sich: „Und was hat sich durch Gott geändert? Nix! Sieht ja noch immer so aus wie vorher!“
Doch das ist nur der punktuelle Blick.
Gott blickt weiter.
Gott weiß, dass Sein Strom mächtiger ist. Es ist ein Strom, der unablässig und mit Kraft wirkt.
Mit der Zeit nämlich wird der Strom Gottes den dreckigen Strom reinwaschen.
Gott wird das, was Er angefangen hat, auch vollenden.

So ist Seelsorge immer ein Prozess. Oft ein Lebensprozess.
Es geht weniger um das sofortige „Heilsein“, sondern mehr um das „Heilwerden“.
Nicht, dass wir es schon ergriffen hätten, aber wir strecken uns danach aus.
Die alten Prägungen werden immer wieder hochkommen. Sie werden sehr wahrscheinlich ein Leben lang unsere wunden Punkte bleiben.
Aber durch Gottes Wahrheit können wir lernen, mit diesen alten Mustern umzugehen.
Wir lernen, uns mehr von Gott prägen zu lassen.

Das ist schließlich der Ausblick in der Seelsorge:
Nein, meistens wird die Last nicht sofort verschwinden. Möglich, aber sehr selten. Rechne damit, dass deine Lasten auch immer deine wunden Punkte bleiben werden.
Ja, du wirst lernen, im Kampf zu bestehen. Du wirst dich nicht mehr so oft runterziehen lassen. Du wirst öfter Frieden haben. Die Last wird immer seltener deinen Tag bestimmen.
Es ist wie mit einem kläffenden und beißenden Hund: Am Anfang kläfft er und dann beißt er dich. Du hast Angst und es schmerzt. Doch im Laufe des Prozesses lernst du, dem Hund Kommandos zu geben. Wahrscheinlich haut der Hund nicht ab. Er kläfft schon wieder und fletscht wieder die Zähne. Aber nach und nach lernst du, dich zu verteidigen und Position zu beziehen. Eines Tages kläfft der Hund schon wieder. Aber du zuckst nicht mehr zusammen. Du weißt, was du zu tun hast. Du gibst dem Hund ein Kommando. Und der Hund wagt es nicht mehr, dich zu beißen.
So sieht das „Heilwerden“ aus.
Wir können heiler werden.

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