Gnade

Seit einigen Wochen bin ich am dem Thema „Gnade“ dran.
Ein Wort, das vielen Christen leicht von den Lippen geht.
Ja, klar – wir glauben an einen gnädigen Gott.
Und dann ist es doch so leicht, so zu leben, als gäbe es diesen gnädigen Gott nicht.
Oder nur, um uns mal die Sünden zu vergeben.
Aber ansonsten geht es dann wieder um das Motto: „Hilf dir selbst – dann hilft dir Gott!“
Was nicht immer verkehrt ist, wenn damit gemeint ist, dass wir Verantwortung für unser Leben haben und es gestalten sollen, können und dürfen.

Was mich inne halten lässt, ist, dass das sogenannte „Religiöse“ (= die menschliche Bemühung, Gott zu gefallen oder diesem Gott näher zu kommen) uns so leicht erwischt und uns dann von der Gnade wegzieht.

Das sind dann Sätze, die damit beginnen: „Wenn du das tust, dann wird Gott in deinem Leben mehr…“!
Oder: „Mache das, dann wirst du mehr Geistesfülle haben!“
„Dann wirst du heiliger leben!“
„Dann wird dein Leben heiler!“
„Dann kommt die Erweckung!“

Und auch diese „Wenn, dann“-Aussagen sind gar nicht immer falsch.
Wenn jemand nie betet, sich aber über mangelnde Gebetserhörungen beschwert, dann darf das gesagt werden:
„Wenn du betest, wirst du auch öfter Gebetserhörungen erleben!“
Oder wenn jemand immer wieder lügt und ihm gesagt wird:
„Wenn du aufhörst zu lügen, dann wird sich Gott freuen!“
Unbestritten gibt es „Wenn, dann“-Aussagen, die helfen und richtig sind.

Problematisch wird es, wenn es um eine „höhere Art von Geistlichkeit“ geht.
Oder um eine „höheres Level des Glaubens“.
Irgendwas gefällt mir daran nicht. Ich werde kritisch und kann es nicht immer sofort benennen.

Aber wahrscheinlich hängt es daran:
Dass jemand nicht oder zu wenig in der Gnade Gottes lebt.
Natürlich ist das auch ein Lernprozess. Natürlich lassen sich daraus auch „Wenn, dann“-Aussagen machen.
Natürlich kann auch hier der Eindruck entstehen, als ginge es um ein „höheres Christsein“.
Doch richtig verstanden ist das Leben aus der Gnade genau das Gegenteil von einem „Höher, besser, weiter“.
Es ist vielmehr ein dankbares „Ausruhen“ auf dem, was Jesus Christus für uns vollbracht hat.

Durch Seinen Tod am Kreuz und Seine Auferstehung hat Jesus die Basis für dieses Gnaden-Leben geschaffen.
Dadurch sind wir absolut von Gott begnadigt.
Alles ist vergeben. Und wenn jemand doch wieder sündigt, gibt es immer wieder Vergebung, weil Christus dafür bezahlt hat.
Durch Jesus gelten wir als Heilige. Gerechtfertigte. Erlöste. Befreite. Geliebte. Kinder Gottes.
Durch Jesus wissen wir, dass der Höchste – der Schöpfer von Himmel und Erde – für uns ist und uns liebt und sich das nie ändern wird.
Durch Jesus sind wir befreit von zerstörerischen Mächten, so dass unser Leben innerlich wie äußerlich aufblühen kann.
Weil Jesus ALLES vollbracht hat, müssen wir gar nichts mehr machen.
Nur im Bewusstsein dieser Gnade leben.
Wie jemand, der beständig an der Oase bleibt.
Wie jemand, der ständig Superman an seiner Seite hat.
Wie jemand, dessen Kühlschrank immer voll ist.
Wie jemand, der absolut sicher ist, weil ständig Bodyguards um ihn herum sind.
Wie die Rebe am Weinstock.
Wie das Schaf beim Hirten.

Nicht missverstehen: das sind nur Bilder.
Bilder, die deutlich machen sollen: Gott hat für alles gesorgt.
Auch, wenn es mal unangenehm wird und uns gefühlt Schlechtes widerfährt.
Doch die Gnade Gottes ist so groß, dass wir sagen können: „Auch das wird uns zum Besten dienen! Auch in meiner Schwachheit kann ich durch Gott stark sein!“

Das Leben in der Gnade ist ein dankbares Existieren.

Und wenn das so ist, dann sind wir frei davon, uns um die Anerkennung anderer Menschen zu bemühen.
Dann sind wir frei davon, andere beeindrucken zu müssen und Erfolg haben zu müssen.
Dann müssen wir geistlich nicht mehr glänzen.
Dann ist es egal, wieviel Bibelwissen wir haben und wie anständig unser Christenleben ist.
Denn Christus hat alles vollbracht.

Der Einwand, der dann kommen muss, ist der:
„Na, dann können wir ja weiter sündigen und die Sau rauslassen!“
Ja, theoretisch geht das. Praktisch auch.

Aber der Apostel Paulus stellt im Galaterbrief fest, dass ein Leben in der Gnade an einer Frucht erkannt wird.
Wer in Gottes Gnade lebt, dessen Leben hat automatisch Folgen. Es sind Folgen, die wir nicht planen, machen oder herauspressen können. Diese Folgen entstehen „von alleine“, einfach, indem wir dankbar Gottes Gnade genießen.
Diese Folge steht im Galaterbrief 5. Da ist die Rede davon, dass Gottes Geist eine Frucht wirkt. Diese Frucht besteht aus Liebe, Freundlichkeit, Sanftmut usw.
Anders geschrieben:
Wer in Gottes Gnade lebt, produziert mit der Zeit genau das, was Gott will.
Das „anständige“ Leben eines Christen wird also nicht aus seinen eigenen Idealen, Vorhaben und Anstrengungen geboren. Sondern es entsteht nur dadurch, indem wir uns an Gottes Gnade halten. An dem, was Christus für uns vollbracht hat.
Den Rest tut der Geist Gottes. Nicht wir.
Wir sind nur an Jesus dran.

Das will ich weiter lernen.
Oder wie Paulus es ausdrückt:
Mögen die Augen unserer Herzen offen sein, damit wir Gottes Liebe immer mehr erkennen.
Das verändert.

Und sind die Kernelemente des Christenlebens nun irrelevant?
Kein Bibellesen mehr?
Kein Beten mehr?
Keine Gottesdienstfeiern mehr?
Usw.

JA!
Sie sind irrelevant und sogar schädlich, wenn es darum geht, dadurch Gott oder Menschen gefallen zu wollen.
Wenn wir denken, dass wir damit Gott noch näher kommen würden.
Dass Er uns noch mehr lieben würde.
Oder wir noch geistlicher wären.

NEIN!
Diese Elemente sind hilfreich und nützlich, wenn wir weiter lernen wollen, in der Gnade zu leben.
Denn nur durch die Bibel weiß ich von der Gnade und kann lernen, das Leben durch diese „Gnaden-Brille“ zu sehen.
Denn mit Gebeten kann ich offen für diese Gnade Gottes bleiben.
Denn mit dem Gemeindeleben kann ich mit Gleichgesinnten lernen, in der Gnade zu sein.

Aber keines dieser Elemente macht mich besser in Gottes Augen (nur Christus hat uns besser gemacht vor Gott).
Nichts davon bringt mir Gott näher (immerhin ist Er schon durch Seinen Geist in uns!).
Nichts davon macht mich heiliger oder erlöster (das ist nur durch Jesus geschehen).

So ist das geistlichste Leben wohl das: das Leben in Gottes Gnade.

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