Was mich besorgt

Ich bin ein Kind der 70’er und 80’er.
Jahre, in denen es in Deutschland vergleichsweise gut lief.
Kriminalität gab es dennoch. Vergewaltiger und Kindesmisshandler auch.
Das Wesen des Menschen war in diesen Zeiten nicht anders als heute (wiewohl manche Populisten gerne so tun, als wäre „damals“ alles besser gewesen).

Und trotzdem gab es einige, vielleicht sehr unterschwellige, Normen.
Oder verklären wir das nur so im Rückblick?

Nein, ich glaube nicht.
M.E. hat die Verunsicherung zugenommen. Und zwar im großen Stil.
Sicherlich auch bedingt durch manche Errungenschaften.
So bestellen wir billige Klamotten im Internet.
Kleidung, die, wenn sie in Deutschland allein gefertigt werden würde, richtig teuer wäre.
Und das Internet will kaum jemand missen.
Zugleich erleben wir mit dieser Errungenschaft die Verunsicherung:
Wir wissen, dass die Kleidung unter schrecklichen Bedingungen in Asien gefertigt wurde (gleiches betrifft z.B. die Kaffee-Produktion, die Kakao- und damit Schokoproduktion, manche Obsternten, Materialien für unsere Handys und Computer usw.). Manchmal arbeiten Sklaven dafür. Und Kinder.
Und das Internet liefert uns Informationen aus aller Welt in die Bude, die uns letztlich überfordern und uns ohnmächtig fühlen lassen. Wobei wir uns zunehmend fragen, ob wir diesen Infos überhaupt glauben können. Denn die anderen „aus dem Internet“ sagen was ganz anderes.

Wir erleben eine Verunsicherung im politischen Bereich.
Vielleicht war Politik schon immer eine unsichere Sache.
Aber definitiv wird sie durchsichtiger durch die Info-Flut aus den Medien.
Wir fangen an, Abneigung gegenüber manch wendehälserischen Manövern einiger Politik-Obrigen zu entwickeln. Und komischerweise wird auf der einen Seite über die etablierten Parteien geschimpft. Und dann werden sie auf der anderen Seite doch im beachtlichen Maße gewählt. So sieht Verunsicherung aus.

Innerhalb kurzer Zeit kommen Millionen Menschen aus anderen Kulturen nach Deutschland.
Etliche kommen aus der Not. Es geht um das Überleben. Klar, wir helfen. Manche kommen, um wirtschaftlich zu überleben. Da sind wir kritischer. Aber wenn wir auch nur eine Woche unter ihren Verhältnissen leben würden, würden wir verstehen, weshalb sie nach Deutschland wollten. Vielleicht hätten wir es an ihrer Stelle genauso versucht. Und einige wenige kommen als Schmarotzer und als Kriminelle. Gewiss eine Minderheit. Aber was die meisten mitbringen, ist eine fremde Kultur. Und ist oft auch ein Gemisch aus kulturellen Besonderheiten und dem religiösen Gepräge des Islam. Und wir erleben, dass Multi-Kulti abseits des „Karnevals der Kulturen“ doch nicht so einfach ist. Dass nicht jede Kultur gut ist, sondern auch schädliche Einflüsse haben kann (sowohl die unsrige als auch die der Geflüchteten). Und dass „der“ Islam Elemente aufweist, die dann doch unserer Rechtsauffassung widersprechen. Was wird noch kommen? Was wird noch passieren? Verunsicherung.

Dann wird auf die Wut-Bürger geschimpft. Und auf die Linken. Auf die Rechten. Auf die Russen. Die US-Amerikaner. Auf die Türken. Auf Merkel. Irgendwie scheint jeder kritisch zu sein. Keinem kann geglaubt werden. Verunsicherung.

Nach und nach, irgendwie langsam, aber dann doch zielgerichtet, werden wir mit dem Gender-Zeugs konfrontiert.
Manche Rahmenlehrpläne an den Schulen sehen Themen im Sexualkunde-Unterricht vor, die weniger dem Verständnis dienen, sondern einer Ideologie, die wissenschaftlich-biologisch nicht erwiesen ist. „Plötzlich“ sollen alle möglichen Denkarten von Geschlechtsleben in Ordnung sein und gleichberechtigt nebeneinander stehen. Der Schritt ist nicht weit zu „Wir leben Ehe zu Dritt“. Und es würde mich nicht wundern, wenn wir in ein paar Jahren so weit sind, das Sexualverhältnis von Volljährigen zu Teenagern als normal zu erklären. Letztlich ist damit der Kern der Persönlichkeit berührt, denn was ist intimer als das Sexualleben und die eigene Geschlechtlichkeit? Es treten Verunsicherungen im Identitätsbereich des Menschen auf.

Und dann die vielen anderen News:
Banken werden gerettet – kein Problem, Milliarden innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung zu stellen; aber die Kinderarmut und Altersarmut in Deutschland nehmen zu, ohne dass es sichtbare Lösungsvorschläge geben würde. Oder Russland werden moralische Vorhaltungen gemacht, aber das menschenverachtende System in Saudi-Arabien mit Steinigungen, der Unterdrückung der Frauen und der Verfolgung von Nicht-Moslems wird hofiert und mit Waffen beliefert.
Das verärgert und verunsichert.

All das kann weiter und weiter geführt werden.
Aber es endet zur Zeit in einer mehr oder weniger offenkundigen Verunsicherung der Menschen hierzulande.
Eigentlich sehnt sich der Mensch nach Sicherheit und Orientierung, aber finden tut er zur Zeit eine Menge an Verunsicherung.
Und ich schätze, dass das nicht aufhören wird.
Denn die Welt ist komplex.
Es gibt selten einfache Lösungen.
Dumm nur, dass mancher versucht, uns das vorzugaukeln.

Die einfachen Lösungen sind oft einfach zu entlarven.
Was wäre, wenn die Banken nicht mit Milliarden „gerettet“ worden wären?
Dann hätte uns ein Wirtschaftscrash ohne Gleichen treffen können. Renten, Sparvermögen usw. hätten völlig verloren gehen können. Firmen hätten Pleite gehen können. Es hätte noch mher Arbeitslose geben können. Und damit noch mehr Kinder im Armut. Wir müssen verstehen, dass unser Wohlstand auch durch ein kompliziertes Wirtschaftssystem mit Zinsen und Zinseszinsen getragen wird.
Was wäre, wenn wir die Geflüchteten nicht nach Deutschland gelassen hätten?
Sie wären trotzdem gekommen. Und sie werden weiter kommen. Denn es sind so viele. Sie werden sich nicht durch Zäune aufhalten lassen. Und: Manche Menschen kommen aus Ländern, denen wir unseren Reichtum verdanken. Wir müssen uns damit beschäftigen. Wir werden den Islam und andere Kulturen nicht negieren können. Sie sind da. Wie gehen wir damit um?
Was wäre, wenn Politiker nicht ihre Arbeit täten und nicht bereit wären, ihre Ansichten auch mal zu ändern?
Wer würde dann den Kopf für unsere Kommunen, Länder und die Bundesrepublik hinhalten – obwohl er sofort wüsste, dass er gar nicht alles verstehen oder ändern kann? Und Politiker, die ihre Ansicht nicht ändern, können auch zu Sturköpfen werden, die nichts gelernt haben. Gut, dass es manchmal Meinungsänderungen gibt.
Und so weiter.

Und trotzdem halte ich manche Prinzipien für elementar.
Egal, ob wir Zeiten der Verunsicherung haben.
Prinzipien, die sich im Laufe der Jahrhunderte als hilfreich für das Zusammenleben erwiesen haben.
Aber dazu demnächst mehr.

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