Führungslektion – Keine Kritik-Emails!

Wie nennt man das korrekt?
„Führung“?
Erinnert ja oft ein bisschen an sehr grausame Kapitel der deutschen Geschichte.
„Leitung“?
Da denke ich schnell an Stromkabel und wie der Strom geleitet wird.
Naja, ich nehme das Wort „Führung“, weil es sachlich zutreffend ist.
Denn alle haben Führungsverantwortung: jeder „führt“ das eigene Leben.
Manche haben eine besondere Führungsverantwortung: die eigenen Kinder werden an der Hand „geführt“, die Angestellten werden geführt oder eine Gemeindeleitung führt die Gemeinde.
Ob die Führung gut oder schlecht ist, ist dann eine andere Frage.

In meinen bisherigen Führungsaufgaben habe ich manches gelernt. Und vieles muss ich noch lernen!
Manche Erkenntnis blitzte schon vor längerer Zeit auf, aber bis sie dann auch gelebt wird, kann viel Zeit vergehen.

Für mich selbst und für die Interessierten notiere ich ab JETZT einige Lektionen, die mir im Laufe der Arbeit als Pastor wichtig geworden sind.

Die erste, willkürlich geordnet, Lektion ist die:
Niemals „Kritik-Emails“ schreiben!

Ich bin ein „Emailer vor dem Herrn“!
Ich kann die Emails schreiben, wann ich will und mein Gegenüber kann sie lesen, wann er will. Und antworten, wann er will. Das ist so praktisch!

Aber wenn es um kritische Themen geht bzw. um Kritik am Verhalten des anderen, dann ist eine Email grundverkehrt. Das gilt auch für SMS und ähnliche Textnachrichten.

Warum?
Ich habe noch nie jemanden getroffen, der Kritik an sich mag.
Keiner.
Alle sind bei persönlicher Kritik verdutzt, erschrocken, verletzt, enttäuscht.
Nur die Selbstbeherrschten bemühen sich, in diesem Moment der Kritik sachlich zu bleiben. Aber innerlich bewegt sich gerade ganz viel.
Bei vielen löst Kritik keine Dankbarkeit aus, sondern Distanz. Es findet – zumindest für einen kleinen Moment – Entfremdung statt.
Das heißt: Kritik zu üben ist ein ganz, ganz sensibles Thema!

Kritik in einer Email, SMS, Whatsapp sorgt für noch mehr Entfremdung.
Denn der Kritiker ist nicht zu sehen und nicht zu hören Es gibt keine Chance, sogleich auf die Person zu reagieren.
Die Beziehung ist also schon distanziert und wird durch die Kritik noch mehr in Distanz gebracht.

Und in der Regel kommt das dazu:
Weil wir den Kritiker nicht sehen, gibt es keine Mimik und keinen Ton zur Kritik, sondern nur die eigene Interpretation des Gelesenen. Man kann mit der Interpretation richtig liegen, aber ebenso falsch.
Vielleicht wurde der kritische Satz in ein Lächeln verpackt? Vielleicht hätte die Sprachmelodie verraten, dass der andere nicht verletzen will. Mögliche, beziehungsorientierte Facetten bleiben aus und wir bleiben mit unserer Fantasie zurück.
Und so kann ein einzelner Satz einen Sturm an Wut und Frust auslösen.
Auch, wenn er anders gemeint war.

Deshalb:
Wenn man Kritik loswerden will, dann nur mündlich. Von Angesicht zu Angesicht. Wenn es gar nicht anders geht, per Telefon/Skype.
Das signalisiert Nähe.
Es gibt die sofortige Reaktionschance.
Man kann unmittelbar klären.
Natürlich kann das Ergebnis dennoch ein Streit sein.
Aber selbst im Streit gibt es die Chance, sich zu begegnen.
Und nur darin ist das Miteinander verborgen.

Was mir dabei noch wichtig ist:
Kritik einfach rauszuhauen, kann jeder.
Das Resultat sind oft Verletzungen.
Die Kunst ist, „in Liebe“ zu kritisieren!
Denn Kritik nutzt nur etwas, wenn sie dem anderen hilft.
Ansonsten ist man einfach ein verbaler Schläger.

Wie kann Kritik wirklich helfen?
Indem ich mir bewusst mache, wie es dem anderen geht. Und wenn ich das nicht weiß, frage ich nach.
Wenn ich den anderen dann annähernd verstanden habe, kann ich Kritik so formulieren, dass sie zu einer guten Veränderung führt. Wer das in Perfektion ausführt, kann aus einer Kritik ein Lob machen.
Plötzlich wird nicht auf den Mangel des anderen geschaut, sondern auf das positive Ziel, das erreicht werden kann.

Beispiel:
Die einfache Kritik würde sagen:
„Du schaffst den 100-Meter-Lauf nicht!“
Fertig. Den anderen einfach mal in die Tonne gehauen.
Die konstruktive Kritik würde sagen:
„Ganz toll, wie deine Sportkleidung aussieht! Aber den 100-Meter-Lauf schaffst du nicht. Trotzdem bist du ein dufter Typ!“
Die perfekte Kritik würde sagen:
„Du willst den 100-Meter-Lauf schaffen? Komm, wir gehen zusammen die ersten Meter! Und morgen wieder. Ich bin sicher, dass du es packst!“

Ist natürlich sehr schlicht dargestellt und trifft nicht jeden Moment.
Aber das Prinzip ist das:
Die beste Kritik ist ein Lob, das den anderen zum Lernen motiviert.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s