Ist das Losen eine gute Methode, um Gottes Willen zu erkennen?

Vor kurzem sprach mich jemand an und meinte, dass es biblisch (damit ist gemeint: „Das ist die richtige Methode!“) sei, eine Gemeindeleitung per Losverfahren „zusammenzuwürfeln“.
Eigentlich hatte ich das wieder abgehakt, bin aber in Vorbereitung auf ein Treffen auf die Apostelgeschichte 1,12 ff. gestoßen.
Dort wird gelost.
Der Sachverhalt:
Es gab einmal 12 Apostel (Augenzeugen und Nachfolger Jesu Christi).
Einer von ihnen hatte sich das Leben genommen.
Später sollte dieser 12’er-Kreis wieder ergänzt werden.
Doch wen nehmen?
Klar war, dass es ein Augenzeuge Jesu sein sollte.
Die Wahl fiel auf zwei Männer. Und für die endgütlige Entscheidung wurde das Losverfahren benutzt.

Ist das Losen nun eine empfehlenswerte Methode, damit wir Gottes Willen erkennen?

Ich meine: Nein.

Denn:
1. Die Geschichte über das Losverfahren ist nur ein Bericht und keine Weisung!
Die Apostelgeschichte ist zuerst ein Bericht über das, was geschehen ist.
Die Apostelgeschichte ist kein „Lehrbrief“, in dem direkt steht, was wir zu tun und zu lassen haben.
Natürlich kann es Prinzipien geben, die wir sowohl in der Apostelgeschichte als auch in anderen Teilen der Bibel entdecken und die somit direkte Geltung für uns haben. Es kann aber auch sein, dass in der Apostelgeschichte etwas beschrieben ist, was uns gar nicht direkt gilt. Beispiel: der Apostel Paulus erleidet Schiffbruch. Heißt das, was wir alle mal einen Schiffbruch erleiden sollten? Natürlich nicht!
Das ist also klar zu unterscheiden: die Beschreibung eines Geschehens und die direkte Anweisung.

2. Es gibt keine Anweisung für das Losverfahren im Neuen Testament!
Keine einzige Bibelstelle im NT befiehlt uns, das Losverfahren zu benutzen.
Und schon gar nicht im Zusammenhang mit der Wahl von Gemeindeältesten.

3. Selbst für die Gemeinde in der Apg 1 war das Losverfahren einmalig!
Wenn es ein etabliertes Verfahren gewesen wäre, hätten sie es bei der Wahl der Diakone ebenfalls angewandt (Apg 6). Das taten sie aber nicht. Somit kann noch nicht mal von einem Brauch in der Gemeinde gesprochen werden.

4. Wort Gottes & Heiliger Geist!
Und der vielleicht bedeutendste Unterschied zur Situation in der Apg 1 ist der: Mittlerweile haben wir das NT. Das hatte die Gemeinde damals so noch nicht. Durch das NT erkennen wir Gottes Willen. Wir bekennen es als Gottes Wort.
Und: Die Gemeinde damals hatte noch nicht den Heiligen Geist so empfangen, wie es von Jesus versprochen worden war. Dieser Geistesempfang geschah erst in Apg 2. Der Heilige Geist wiederum leitet weiter in die Wahrheit, führt zu Jesus, tröstet, korrigiert… sprich: Gottes Geist kann uns Klarheit über Entscheidungen geben.
Und eben diesen Geist und diese Klarheit konnten die Leute in Apg 1 noch nicht haben.

Ist das Losverfahren damit „Sünde“, also absolut falsch?
Das ist damit nicht gesagt.
Aber es gibt auch keine fundierte biblische Grundlage für dieses Verfahren.
Wer das Verfahren anwendet, kann das tun, befindet sich damit aber nicht auf der Basis von Gottes Wort.

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Ein Gedanke zu „Ist das Losen eine gute Methode, um Gottes Willen zu erkennen?

  1. Man sollte außerdem daran denken, dass der so zum Apostel bestimmte Matthäus nach diesem Zeitpunkt nie mehr in der Apostelgeschichte auftaucht. In Apg 9 kommt Gott dann mit dem von Ihm erwählten Apostel „um die Ecke“ und von dem lesen wir dann nur noch – nicht nur in der Apg, sondern auch in 13 Briefen. Das Losverfahren gehört zum AT (Urim und Thumin) und gemäß zahlreicher NT-Aussagen ist dieser Bund nun obsolet. Wer sich also dieser Methode bedient, lebt immer noch im AT.

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