Ist die Bitte okay? „Und führe uns nicht in Versuchung…“

Führe uns nicht in Versuchung…

Unlängst hatte der Papst und manch anderer angeregt, über die Formulierung im Vater Unser nachzudenken:
„Und führe uns nicht in Versuchung…“
Sein Plädoyer war, diese Bitte umzuformulieren. Schließlich wolle Gott uns nicht in Versuchung führen. Vielmehr ginge es doch darum, dass wir in der Versuchung standhaft sein können oder gut durchkommen. Fand ich zuerst sympathisch.

Mittlerweile sind die kleinen medialen Wellchen geglättet, ich hatte sie auch nur oberflächlich verfolgt, aber letztens habe ich dann doch mehr darüber nachgedacht.

Das sind meine Erkenntnisse zur Bitte im Vater Unser „Und führe uns nicht in Versuchung…“:

In der gängigen alt-griechischen Übersetzung nach Nestle-Aland steht tatsächlich das da:

„Führe uns nicht in Versuchung!“

Eine andere Lesart ist zumindest mit diesem alt-griechischem Grundtext schwer vertretbar.

Gott führt in die Versuchung!

Und tatsächlich lässt sich das in der Bibel erkennen:
Gott führt hier und da in Versuchung!

Beispiele:
1.Mose 22: Gott versucht Abraham.

2.Mose 20: Mose sagt, dass Gott das Volk Israel versucht

5.Mose 8,2: Gott hat Israel in der Wüstenzeit versucht

2.Chronik 32,31: Gott versuchte Hiskia

Matthäus 4,1: Der Geist führt Jesus in die Wüste, damit Er vom Satan versucht wird

Das heißt:
Die Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ ist nicht abwegig.

Als Beter wissen wir, dass wir schwach und fehlbar sein können. Wir haben Respekt oder gar Angst davor, dass wir es nicht packen. Wir wissen, dass in schwierigen Situationen die Niederlage oft nur einen Hauch entfernt ist.
Deshalb die Bitte: Lieber nicht in Versuchung bringen, denn ich weiß, dass ich der Versuchung unterliegen kann!

Gott führt nicht in die Versuchung!

Aber steht nicht auch das in der Bibel:
Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand.“?
(Jakobus 1,13)

Tja, was denn nun?
Versucht Gott nun oder nicht?
Haben wir es hier etwa mit einem Widerspruch in der Bibel zu tun?

Die Sache erhellt sich, wenn wir das wissen:
Es gibt verschiedene Versuchungen!

 

Verschiedene Quellen der Versuchung

1) Es gibt Versuchungen von Gott (s.o. 1.Mose 22 – Matthäus 4,1).

2) Es gibt Versuchungen vom Satan.
(1Thess 3,5: Darum habe ich’s auch nicht länger ertragen und habe ihn gesandt, um zu erfahren, wie es mit eurem Glauben steht, ob der Versucher euch etwa versucht hätte und unsre Arbeit vergeblich würde.“ /  1.Kor 7,5: „…damit euch der Satan nicht versuche,“)

3) Es gibt Versuchungen, die aus uns selbst kommen.
(Jak 1,14: Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt.„)

Worin liegt der Unterschied dieser Versuchungen?

Die Versuchungen Satans kommen, um uns zu vernichten. Solche Versuchungen haben nichts Gutes an sich. Sie sind eine Qual. Sie sind bedrückend und machen uns von Anfang bis zum Ende fertig.
(Joh 8,44: „Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Begierden wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.“)

Die Versuchungen aus uns selbst (unserem Ego, bibl. „Fleisch“) haben unsere kurzfristige ungöttliche Befriedigung vor Augen (s.a. Jak 1,14). Sie machen uns vor, als würden wir durch das Nachgeben Erfüllung bekommen, wir bleiben aber eigentlich ziemlich leer zurück.

Die Versuchungen Gottes sind anders.
– Sie können Freude zur Folge haben (1.Petr 4,12 f: „Ihr Lieben, lasst euch durch das Feuer nicht befremden, das euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Fremdes,sondern freut euch, dass ihr mit Christus leidet, damit ihr auch durch die Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt.“).
– Sie lehren uns Ehrfurcht vor Gott und lassen uns die Sünde hassen ( 2.Mo 20,20: Mose aber sprach zum Volk: Fürchtet euch nicht, denn Gott ist gekommen, euch zu versuchen, damit ihr’s vor Augen habt, wie er zu fürchten sei, und ihr nicht sündigt.“).
– Sie zeigen uns, wie es in unserem Herz ist und machen uns demütig (5.Mo 8,2: „Und gedenke des ganzen Weges, den dich der HERR, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht.“ / 2.Chr 32,31: Als aber die Botschafter der Fürsten von Babel zu ihm gesandt waren, um nach dem Wunder zu fragen, das im Lande geschehen war, verließ ihn Gott, um ihn zu versuchen, auf dass kundwürde alles, was in seinem Herzen war.“).
– Sie können uns stark im Heiligen Geist machen (s.a. Jesus nach der Versuchung in der Wüstenzeit (der Geist Gottes führte Ihn, damit Er versucht wird); Lukas 4,14: „Und Jesus kam in der Kraft des Geistes wieder nach Galiläa; und die Kunde von ihm erscholl durch das ganze umliegende Land.“).

Also, simpel gesagt:
1) Gottes Versuchungen dienen letztlich zum Guten für uns.
2) Alle anderen Versuchungen machen uns kaputt oder lähmen uns.

Gott hilft in Versuchungen

Dabei hilft uns Gott in den Versuchungen:
– Wenn Gott uns versucht, weiß Er, was wir ertragen können und wo die Grenze ist:
1.Kor 10,13: Bisher hat euch nur menschliche Versuchung getroffen. Aber Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr’s ertragen könnt.“

– Jesus leidet mit uns, wenn wir versucht werden und tritt für uns ein:
Hebr 4,15: Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.“

– Gott rettet aus der Versuchung:
2.Petr 2,9:Der Herr weiß die Frommen aus der Versuchung zu erretten, die Ungerechten aber aufzubewahren für den Tag des Gerichts, um sie zu strafen,“

 

Nun könnte man also sagen:
Dann sind ja die Versuchungen Gottes gut!

Sie können Freude bewirken, können Ehrfurcht wachsen lassen, den Hass auf die Sünde, zeigen uns, wie es im Innersten um uns bestellt ist und können uns sogar stark im Heiligen Geist machen!
Und zudem hilft uns Gott in den Versuchungen!

Wieso dann die Bitte:
„Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Bösen“?

Wie ich oben schon schrieb:
Weil wir Menschen schwach sind. Wir sind fehlbar.

Ja, die Versuchung kann Freude bewirken …. aber wir können auch daneben hauen. Und dann gibt es keine Freude!
Ja, die Versuchung kann uns lehren, die Sünde zu hassen. Aber wir können auch umso mehr an der Sünde kleben!
Ja, die Versuchung kann uns stark im Heiligen Geist machen. Aber wir können es auch versemmeln und sind danach schwächer.

Wir wissen um die Möglichkeit des Fehlschlags.

Deshalb beten wir: Führe uns nicht hinein in die Versuchung (denn ich weiß, dass wir schwach sein können)!

 

Erlöse uns vom Bösen

Wie gut, dass die Bitte im Vater Unser weitergeht:

„Erlöse uns vom Bösen!“

Von dem Bösen, dem Satan!

Von dem Bösen in uns selbst!

Es ist der Ruf nach der vollständigen Erlösung.

Danach, dass Gott umfassend regiert.

Dass Sein Reich endlich völlig durchgekommen ist.

„Dein Reich komme!“

Dann sind Schmerz, Leiden, Satan und Tod endgültig vorbei!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s