Facebook – Pro oder Contra?

Mittagessen und Freunde auf Facebook

Seit Jahren bin ich Facebook-Nutzer. Am Anfang lockte auch ein Stück Eitelkeit: sich präsentieren können. Wieviele likes habe ich bekommen?
Nun habe ich nie mit Bildern vom Mittagessen aufgewartet. Dafür war mir die Lebenszeit dann doch zu schade. Ich habe auf „höherem“ Niveau meine Eitelkeit ausgeübt. Mit anderen Bildern, Beiträgen und „Likes“. Ob das wirklich höherwertiger ist, mag jeder für sich beurteilen.

Aber mehr und mehr fand ich Facebook tatsächlich nützlich: in Kontakt zu bleiben mit Menschen.
Irgendwie auf Tuchfühlung zu bleiben.
Selbst, wenn man sich wochenlang, gar monatelang nicht geschrieben oder gesehen hat: immerhin ist man auf Facebook befreundet und sieht hin und wieder ein Bild vom Mittagessen des anderen. Besser als gar nichts.
Gerade für Menschen wie mich, die andere schnell in ihr Herz schließen und, selbst, wenn es lange keinen Kontakt gab, sich freuen, wenn man sich dann doch mal wieder spricht, ist Facebook eine grandiose Erfindung.

Facebooks Geschäftsmodell und Skandal

Nun musste allen internetkundigen Menschen schnell klar sein, dass Facebook nicht aufgrund purer Menschenfreundlichkeit existiert. Natürlich ist es ein Geschäftsmodell: Daten werden genutzt, um zielgerichtet Werbung vermitteln zu können. Damit kann ich leben. Ich muss die Werbung ja nicht anklicken.

Nun tauchte der Skandal auf: eine mit Facebook – zumindest zeitweilig – kooperierende Firma hat Millionen von Facebook-Daten „missbraucht“, um für politische Zwecke besser werben zu können.
Selbstverständlich dementierte Facebook, das gewollt zu haben. Irgendwie will ich ihnen das auch glauben.
Aber mal im Ernst: Wenn Facebook Daten nutzt und ggf. weitergibt, um zielgerichtet zu werben, dann ist es doch nur eine Frage der Zeit, bis das nächste Mal solche Daten missbraucht werden.
Und was, wenn der Missbrauch für politische oder moralische Zwecke stattfindet, die der Einzelne nicht gut heißen kann?

Wie mit Facebook umgehen?

Mancher wendet ein:
„Das kann ich ja eh nie verhindern!“
Oder:
„Sind wir nicht eh Spielball der Mächtigen?“
Oder:
„Davon muss man doch ausgehen, wenn man das Internet nutzt!“

Aber was steckt hinter diesen Aussagen?
Dahinter steckt ein Sich-Ergeben.
Eine Passivität und Lethargie.
Es ist ein Sich-Treiben-Lassen mit der Masse.

Das geht solange gut, solange man nicht direkt betroffen zu sein scheint.
Doch wenn das der Fall ist, wie bei manchen Gefangenen und Gefolterten in Diktaturen, dann ist es zu spät.
Bis dahin bleibt es ein diffuses Etwas, was fast parallel zum eigenen Leben zu existieren scheint.

Was soll ich tun?

Ich überlege auch, ob ich Facebook trotzdem verwenden sollte.
Auch, wenn meine Daten dabei missbraucht werden können für Zwecke, die ich nicht gutheiße.
Einfach, weil Facebook auch eine Plattform dafür sein kann, die eigene Meinung kundzutun
… oh, fast hatte ich es vergessen: seit einiger Zeit werden auf Facebook einzelne Kommentare gelöscht, wenn sie wider das Gesetz stehen könnten. Facebook fungiert als verlängerter und provisorisch tätiger Arm der Exekutive.
Naja, dann steht Facebook immerhin dafür, dass ich in Kontakt bleiben kann mit den Menschen, die mir wichtig sind (oder waren).
Doch, Moment!
Wenn mir Menschen wichtig sind, kann ich sie dann nicht auch per Email kontaktieren? Per Telefon? Per Besuch? Oder wie damals: per Brief?
Sollte Facebook so einflussreich geworden sein, dass ich meine, diese Plattform für wichtige Kontakte zu brauchen und keine Alternative zu haben?

In der Tat gibt es aus meiner Sicht einen einzigen Pluspunkt für das Netzwerk Facebook:
Und das ist das Netzwerk.
Ich kann innerhalb kürzester Zeit (theoretisch) Hunderte von „Freunden“ mit einer Anfrage oder einer Information erreichen.
So einfach bietet es mir kein anderes Medium.

Ist dieser Vorteil gewichtiger als die genannten Risiken/Nachteile?
Das kann nur jeder für sich beurteilen.

Meine persönliche Beurteilung von Facebook

Für mich sieht es zusammenfassend so aus:

DER Vorteil Facebooks:
Der Netzwerk-Gedanke.

Der Nachteil Facebooks:
Der Missbrauch meiner Daten für Zwecke, hinter denen ich nicht stehe, bis hin dazu, dass man u.U. persönliche Nachteile befürchten muss, wenn man für bestimmte Meinungen einsteht.
Es ist wie das Herausreißen eines Satzes aus einer Rede, ohne den Zusammenhang zu berücksichtigen, damit eine poitische Partei ihr Unwesen treiben kann.

Für Otto Normalverbraucher mag das alles nicht so furchtbar wichtig sein.
Allerdings muss dazu das erwähnt werden: Facebook besteht ja nur deswegen, weil es ganz viele Otto Normalverbraucher gibt!
Es ist die Masse, die Facebook bewegt.
Und in diesem Moment ist der Einzelne dann doch wichtig.
Denn ich bin Teil der Masse.

Schlussendlich gibt es das worst case-Szenario:
Wenn die Daten unterschiedlicher Sammelstellen zusammengefügt werden.
Die Daten des Finanzamtes, die Daten von Facebook, die Daten von NSA & Prism etc.
In diesem Moment wird jeder sofort steuerbar und erpressbar.
Man wird eine Marionette. Ein Datensklave.

„Unfassbar! So weit wird es nicht kommen!“, wendet mancher ein.
„Eine Frage der Zeit!“, reagieren die anderen.

„Letztlich weiß ich es nicht!“, sage ich.
„Aber ich muss dem auch keinen Vorschub leisten!“.

Deshalb entscheide ich: Tschüss, Facebook!
Vielleicht komme ich mal wieder. Doch erstmal bin ich raus.
Möge das worst-case-Szenario nie eintreten!

P.S. Und was ist mit meiner restlichen Internet-Nutzung? Zum Beispiel mit dem Schreiben eines Blogs?
In der Tat können auch diese Daten missbraucht werden.
Und doch wird sich ein Daten-Missbraucher wesentlich mehr Mühe machen müssen, um aus diesen Daten Werberelevantes zu ziehen. Ein Risiko besteht weiterhin. Aber es erscheint geringer. Wahrscheinlich geht es im Leben immer um diese Abwägung.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s