Richard Rohr, der Franziskanermönch, und „Der göttliche Tanz“

In der Sommerzeit und Urlaubszeit bin ich tatsächlich dazu gekommen, innerhalb von ca. 14 Tagen drei Bücher zu lesen.

Unter anderem habe ich von Richard Rohr, dem Franziskanermönch, das Buch „Der göttliche Tanz – Wie uns ein Leben im Einklang mit dem dreieinigen Gott zutiefst verändern kann“ gelesen (adeo-Verlag, 1.Auflage September 2017). Das Buch wurde von Mike Morell mitverfasst.

Richard Rohr ist – gemessen an Bestsellerlisten – ein anerkannter spiritueller Berater.
Ich finde es toll, wenn es ein Christ schafft, auch säkulare, geistlich interessierte Menschen anzusprechen.

 

Gedankensplitter zu „Der göttliche Tanz“

In seinem Buch „Der göttliche Tanz“ gibt es ein paar interessante Gedanken, aber auch einige Aspekte, die mich gestört haben. Folgend ein paar meiner persönlichen Reaktionen, mehr Splitter als ein Bauwerk:

– Grundsätzlich geht es Richard Rohr darum, dem dreieinigen Gott nachzuspüren. Was heißt es für unser Leben, dass dieser Gott ein dreieiniger Gott ist (also: Vater, Sohn, Heiliger Geist)? Eine wichtige und spannende Fragestellung! Das eine ist ja die Theologie „im Elfenbeinturm“. Philosophisch vielleicht unterhaltsam, aber ohne praktischen Wert. Das andere ist doch das Bessere: Theologie, die Einfluss auf das Leben hat! Auf unser Denken und Handeln!

 

Die Bewegung des Geistes

– Richard Rohr betrachtet den Heiligen Geist. Er ist in Bewegung. Der Geist ist der Atem, eine Taube, wie ein Wind, Feuer… nichts Starres, sondern unfassbares Leben. Wer sich auf den Geist Gottes einlässt, steigt in einen Fluss ein. Der Fluss bewegt sich auch ohne mich. Nicht ich bewege den Fluss. Das macht er von alleine. Aber ich kann mich vom Fluss bewegen lassen. Das heißt dann aber auch: Kontrollverlust. Das Vertrauen darauf, dass ich vom Fluss getragen werde und nicht untergehe. Und damit ist auch Verletztlichkeit verbunden. Sich zu öffnen. Bereit zu sein für das Neue. Für die Bewegung. Das geht nur, wenn ich mich vom Fluss treiben lassen. Das geht nicht, wenn ich einen Anker an den Fuß binde und darum kämpfe, stehen zu bleiben. Somit ist die Bereitschaft zur Verletztlichkeit eine Voraussetzung für das Wirken des Heiligen Geistes. Wer sich und sein Herz zumauert, kann erstarren. Außen lebendig, aber innen tot. Wer sich öffnet, riskiert was. Es kann wehtun. Aber nur darin steckt die Bewegung und das Leben.
(Anstoß bei Richard Rohr: S.54 f.)

 

Gottes Gnade durch Christus

– Richard Rohr betrachtet Jesus. Jesus hat den Kranken sinngemäß gefragt: „Willst du geheilt werden?“
Es ging nicht um einen Wissenstest. Nicht darum, ob der andere im richtigen religiösen Verein ist. Nicht darum, was für ein Sünder er war oder ist. Es ging nur um die Frage: Willst du jetzt von Jesus berührt werden?
Nicht mehr und nicht weniger.
Ich finde, dass ist eine richtige und schöne Betrachtung. Was machen wir manchmal ein Aufhebens darum, ob wir auch in allen Details von theologischen Fragen übereinstimmen! Oder welche Voraussetzungen jemand erfüllen muss, um Mitglied in unserem Club zu sein! Ich will nicht sagen, dass all das egal sei. Aber wir verschieben so schnell den eigentlichen Schwerpunkt! Bei Jesus geht es um Gnade: das unverdiente Geschenk. Die einzige Bedingung: deine Entscheidung! Willst es haben oder nicht?
Bei uns geht es vorab um das richtige Bekenntnis Um Formalitäten. Um „Richtigkeiten“. Und nur, wenn man mit dem übereinstimmt, darf man beschenkt werden.
Ich vermute, dass vieles mit unserem Sicherheits- und Kontrollbedürfnis zusammenhängt. Was, wenn die Sache schiefgeht!? Vieles mag auch damit zusammenhängen, dass wir Besitz haben. Wir haben einen Gemeindesaal. Wir haben Gemeindelieberbücher. Wir haben einen Beamer und Computer. Wir müssen einen Pastor bezahlen. Klar: da kann nicht jeder, der will, mitmischen! Da müssen wir hingucken, wer im Club mitentscheiden darf!
Wie geschrieben: Das ist nicht egal. Natürlich stehen wir auch in Verantwortung vor Gott. Wie gehen wir mit dem um, was Er uns anvertraut hat? Wie kann Besitz segensreich eingesetzt werden?
Und dennoch: wie leicht verschiebt sich da der Schwerpunkt. Wie schnell wird es wichtiger, dass unser Gemeindebesitz in Sicherheit ist, statt loszulassen, damit aus purer Gnade andere Menschen beschenkt werden.
(Anstoß bei Richard Rohr: S.55)

 

Was ist Erfolg?

– Das System (biblisch: „Welt“), in dem wir stecken, hat oft ganz andere Messlatten als der dreieinige Gott. In der Welt ist Erfolg wichtig. Lohnt sich der Einsatz? Auch im kirchlichen Bereich streben wir oft danach: mehr Mitglieder, mehr Mitarbeiter, ein schönes Haus… mehr, schöner, besser…
Klar: Ästhetik ist toll! Gott hat die Natur oft wunderschön gestaltet! Auch unsere Kunst kann ein Lob für Gott sein und eine Hilfe für Menschen. Und ja: je mehr Menschen den Frieden mit Gott finden, desto besser! Das ist doch Jesu Wunsch: alle Völker sollen in die Nachfolge Christi finden!
Aber was ist, wenn wir Erfolg nur daran messen, ob wir es geschafft haben, eine große Gemeinde zu entwickeln!? Mit Strukturen, die einer Firma gleichen… und weniger einer dynamischen Jesus-Bewegung, die eigentlich mehr familiäre, organische Strukturen hat?
Wie gut ist es, dann auf Jesus zu sehen: er suchte sich 12 Männer aus – und nicht 100. Seine Bewegung begann klein. Eine von vielen anderen. Seine Hauptwaffe ist nicht die militärische Gewalt, sondern etwas, was in der Welt wie der vollkommene Ausdruck von Schwachheit aussieht: das Gebet. Kleiner und schwächer geht es kaum. „Du betest? Na, wenn’s dir hilft!“ Jesus suchte sich nicht die hellsten Köpfe aus, nicht nur ausgebildete Rabbiner, sondern Fischer und andere. Sein „Think Tank“ bestand aus Normalos und keinen Doktoren mit Eliteerfahrungen.
Und Jesus hatte Zeit. Der Sauerteig geht langsam auf. Die Frucht am Weinstock braucht Monate zum Wachstum. Der schützende Baum wächst nicht in zwei Stunden, sondern über Jahre. So ist das Reich Gottes.
Es fängt also mit dem Sehen an: Können wir sehen, wie sich Gottes Reich ausweitet? Sehen wir auf das Kleine und Schwache, in dem doch aber Gottes Wesen steckt? Sehen wir in dem bettelnden Obdachlosen am Straßenrand den von Gott geliebten Mann, der so viel Hoffnung in die Welt bringen kann? Sehen wir Gottes Freude in dem Kind, das ein kurzes Gebet spricht?
Was ist Erfolg?
Vielleicht ist Erfolg, wenn wir mit Gottes Augen sehen können. Und das geht nur in Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott durch Christus.
(Anstoß bei Richard Rohr: S.62 f.)

 

Grundvertrauen

– Ist es Zufall oder Führung durch Gott? Ist das auf meinem Mist gewachsen oder hat Gott das getan?
Richard Rohr geht es nicht um Fatalismus (also dem Denken, dass das hier unser Schicksal ist und wir rein gar nichts dagegen tun können). Ihm geht es um die Herzenshaltung: Vertraue ich grundsätzlich darauf, dass Gott mich in der Hand hat und mein Leben führt? Oder glaube ich, dass Er das nur hin und wieder tut, und ich mich anstrengen muss, um auch die Kontrolle zu behalten? Glaube ich, dass Gott größer ist, und Er selbst meine Fehler zum Guten verwenden kann? Oder glaube ich, dass ich Gottes Werk mit meinem Verhalten zerstören kann?
Natürlich beeinflussen wir! Natürlich können wir helfen und zerstören! Unser Verhalten macht einen Unterschied. Wir haben eine gewisse Entscheidungsfreiheit. Aber auf dem Weg mit Gott kommen wir nur mit Vertrauen weiter und nicht mit Misstrauen. Nur das Vertrauen hilft uns, weiter mit dem Fluss zu schwimmen. Das Misstrauen wird uns an das Ufer führen oder uns dazu verleiten, den Anker zu werfen.
(Anstoß bei Richard Rohr: S.100 f.)

 

 

Zu wem beten wir eigentlich?

– Unser Gebet ist an den Vater im Himmel gerichtet.
Und nicht an Jesus Christus. Nicht an den Heiligen Geist.
Richard Rohr verweist darauf, dass alle großen Gebete der Kirchengeschichte an den Vater bzw. an Gott gerichtet sind, aber nicht direkt an Jesus oder den Heiligen Geist.
Seine Begründung: wir beten DURCH Jesus IM Heiligen Geist ZUM Vater.
Ich kann dem theologisch folgen, wobei ich zugleich gewiss bin, dass der Vater im Himmel unsere Gebete nicht nach der richtigen Anrede sortiert, sondern Er auf das Herz schaut. Ich gehe davon aus, dass ein aus dem Herzen kommendes „Jesus, hilf!“ mehr bewirken kann als ein theologisch korrekt formuliertes Gebet, das aber ohne Herzensbeteiligung gesprochen ist. Wahrscheinlich würde ich mit diesen Gedanken bei Richard Rohr offene Türen einrennen.
Aber geht es letztlich nur um theologische Korrektheiten?
Was macht es mit uns, wenn wir zum Vater beten, durch Jesus im Heiligen Geist?
M.E. ordnet sich da was in unserem Kopf. Es geht um das Bild, das wir von Gott haben. Wer ist Er?
Und unser Gottesbild beeinflusst unser Handeln und Beten.
Wenn es egal wäre, zum wem wir beten, dann hieße das: Vater, Sohn und Geist sind alle gleich. Ein- und derselbe. Es gibt diesbezüglich keinen Unterschied. Wir wären vielleicht wie der Gast, der eine Bitte hat, der aber nicht zwischen Vater, Mutter und Kind unterscheidet. Und – je nach Bitte – würde jedes Familienmitglied versuchen, dem Gast zu helfen. Und doch würde der Gast demonstrieren, dass er die Familie nicht gut kennt. Denn das Kind hat keine große Entscheidungskompetenz. Es leitet die Bitte an die Eltern weiter. Die Mutter würde gewiss viel helfen, aber – Achtung, Klischee! – wenn es um eine handwerkliche Reparatur ginge, würde sie an den Vater verweisen. Die Familie hält zusammen und sie wird alles dafür, damit sich der Gast wohl fühlt. Nach Außen hin bemerkt der Gast keinen Unterschied, wie die Kommunikation der Familie läuft. Aber würde er die Familie besser kennen, dann wüsste er: bei Handwerkerwünschen am besten gleich zum Vater!
Es ist nur ein Bild und mir fällt spontan kein besseres ein. Das Bild ist nicht ganz stimmig. Aber der Punkt ist der:
Wenn wir Gottes Wesen besser verstehen, dann wissen wir, dass wir unsere Bitten gleich an den Vater formulieren können! Denn dazu ist Jesus ja gekommen: um uns mit dem Vater zu verbinden. Klar: es geht nur DURCH Christus, aber von Ihm dann zum Vater. Und weil wir mitunter nicht wissen, wie wir zum Vater beten sollen, ist da der Geist Gottes. Er hilft im Gebet! Er bewegt zu Christus hin und Christus bewegt zum Vater hin…
und wenn wir den dreieinigen Gott ernst nehmen, dann müsste ich wohl fortführen:
… und der Vater bewegt zu Christus hin und Christus verweist auf den Geist…
es ist eben der „göttliche Tanz“ von drei Personen, die ihre eigene Identität haben und doch auf das Allerengste zusammengehören und darin eben der eine Gott sind!
(Anstoß bei Richard Rohr: S.166)

 

Sünde!!!

– Uuuiiii…. spannende Überlegung: Wie ist es mit der Sünde?
Rohr schreibt: „Wir werden nicht für unsere Sünden bestraft, sondern durch unsere Sünden!“ (S.175).
Sünde sei an sich nichts, was Gott verletzen könne oder ärgern könne. Höchstens, wenn wir uns selbst verletzen, könne Gott verletzt werden.
Mmhhh… ich denke „laut“ nach:
Auch die Füllung des Begriffs der Sünde hat mit unserem Gottesbild zu tun.
Gott bestraft nicht wegen unserer Sünden? Sondern wir bestrafen uns selbst mit den Sünden?
Ich finde das zu kurz gedacht. Denn mindestens hat Gott es so eingerichtet, dass Sünde möglich ist. Dass Sünde bestimmte Folgen hat. Wenn wir also ganz weit zurückdenken, quasi an den Anfang, dann muss ich doch festhalten: Gott hat das System so eingerichtet, dass Sünden bestimmte Folgen haben, und sei es, dass wir uns mit den Sünden selbst bestrafen können. Aber weil Gott es so eingerichtet hat, wäre darin dann auch Seine Strafe zu sehen. Vielleicht sehr platt gesagt: Gott hätte es so einrichten können, dass Morden Spaß macht und die Menschen in Verzückung bringt. Doch tatsächlich verursacht Mord Wut, Tränen und Schmerz. Nachvollziehbar? Gott wollte, dass Sünden negative Folgen haben.
Und dann haben wir es mit einem absolut leidenschaftlich liebenden Gott zu tun.
Wie verhält sich denn jemand, der einen anderen absolut liebt?
Liebe ist freiwillig und wird nicht zwingen. Aber sie wirbt und lädt ein.
Sie will nur das Beste für den anderen und kein Mittelmaß.
Sie hasst alles, was den Geliebten zerstört.
Was ist, wenn sich der Geliebte gegen den Liebhaber wendet? Ihn bekämpft? Ihn ignoriert?
Muss es da nicht zwangsläufig zur Strafe kommen?

Ich komme hier an meine Grenzen.
Denn ich weiß um die Sätze in meinem Kopf: „Gott verabscheut den Sünder.“
Die Sünde ist so mächtig, dass sie den Tod zur Folge haben muss. Die Todesstrafe sei das einzig Richtige für den Sünder. Das sei Gerechtigkeit! Ein heiliger Gott kann den Sünder nicht in Seiner Gegenwart dulden. Er, der 100% Liebe ist, kann niemanden bei sich haben, der auch nur ein Stück lieblos ist. Er, der 100% Liebe ist, kann mit niemanden verschmelzen, der Lieblosigkeit in die Beziehung bringt. Deshalb müsse der Sünder sterben.
Aber Gottes Liebe besteht darin, dass Jesus Christus diese Strafe getragen hat. Darin zeigt Gott Seine Gerechtigkeit, Heiligkeit und Liebe: die Strafe wird vollzogen – und damit wird zugleich alle Liebe offenbart, denn die Strafe trifft Gott selbst und nicht den Sünder!

ABER! ACHTUNG!
Wenn Gott so handelt, dann zeigt Er doch: Er liebt den Sünder! Sonst würde Er so nicht handeln!
Deshalb sagen manche: „Gott hasst die Sünde, aber Er liebt den Sünder!“
Und gemessen am Opfertod Christi stimmt diese Aussage. Alles andere kriege ich sonst nicht zusammen.
Wenn Gott aber den Sünder liebt, welchen Stellenwert hat dann der Tod?
Der Tod ist dann die Folge der Sünde. Der Lohn. Er ist nicht die Strafe! Als ginge es Gott nicht darum, mit dem Tod zu strafen, sondern um die Sünde und ihre Folgen zu begrenzen. Sünder, die ewig lang sündigen können, wären ein Horror. Aber die irdische Endlichkeit ist eine Begrenzung. Eine Schutzmauer gegen die Sünde. Und wer wird geschützt? Nicht Gott, denn Er ist doch größer! Wer wird also geschützt? Die Menschen und die Schöpfung! Der Tod als Folge der Sünde wäre dann der Schutz für die Menschen!
Übrigens: bislang habe ich keinen Bibelvers im NT gefunden, der den Tod ausdrücklich als Strafe bezeichnet!

Aber weitergedacht:
Von Strafe wird durchaus geschrieben!
Strafe erleiden z.B. die, die nicht Jesus gefolgt sind (Mt 25,46; 2.Thess 1,9). Was genau für eine Strafe das ist, steht dort nicht. Wir ahnen nur, dass sie qualvoll sein wird. Aber die Bilder von einem gehörnten Satan und finsteren Dämonen, die Menschen im Untergrund mit Folterinstrumenten quälen dürfen, entstammen nicht der Bibel, sondern der Fantasie damaliger Künstler! Ohne den Schrecken der Strafe mildern zu wollen: aber von diesen Kunstbildern müssen wir uns verabschieden!
Gott sieht also Strafe vor.
Doch die Strafe ist nicht der Tod selbst. Was dann?
Schwierig, denn die Suche im NT nach der Wortkombination „Strafe“ plus „X“ ergibt wenig Stoff. Zu wenig Stoff, um sagen zu können, worin genau die Strafe besteht.
Allerdings gibt es Folgen!
So steht eine sehr ernste Folge in der Offb 20,15:
„Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.“
In der Bibel gibt es einige Verse, die letztlich auf eine Zweiteilung hinauslaufen: entweder man gehört zu Christus, dann geht es gut weiter. Oder man gehört nicht zu Ihm, dann geht es schlecht weiter. Mal ganz einfach formuliert.
Gott sieht also Konseuqenzen für die vor, die die Gemeinschaft mit Ihm abgelehnt haben.

Zum Schluss, also zum sog. Endgericht, werden die Menschen eingeteilt: die einen haben das ewige Leben durch Christus, die anderen landen im Feuersee.
Doch wie lange sind sie dort?
Ewig?
Schwer zu sagen, denn die entsprechenden Bibelstellen dazu sind nicht eindeutig. Ja, das Feuer ist ewig. Ja, der Satan wird ewig gepeinigt. Aber werden auch die Gottlosen ewig leiden? Oder wird ihr Leiden ein Ende haben? Werden sie ausgelöscht? Wird es gar eine Chance zur Umkehr geben?
All das ist m.E. mehr spekulativ als gesichert. So oder so würde ich damit nicht spielen wollen.
Klar ist nur: Gott will diese Zweiteilung.

Heißt das, dass Seine Liebe ein Ende haben wird für bestimmte Menschen?
Wer davon ausgeht, dass Gott Menschen ewig lang im Feuersee quälen wird, der geht auch davon aus, dass Seine Liebe irgendwann „Schluss“ sagt. Dass irgendwann der Moment kommt, an dem Gott sinngemäß sagt: „Jetzt liebe ich diesen Menschen nicht mehr!“
Warum sollte Gott das tun?
Weil dieser Mensch Sünder ist?
Aber das sind wir doch alle!
Und trotzdem liebt Er uns.
Deshalb sagen manche: „Es gibt eine Gnadenzeit und die ist irgendwann vorbei!“
D.h.: noch liebt Gott die Sünder, aber eines Tages würde Er das nicht mehr tun! Denn wenn Er die Sünder dann noch lieben würde, dann würde Er ihnen doch die Chance der Umkehr geben!
Interessanterweise gibt es den Begriff „Gnadenzeit“ in der Bibel nicht!
Und interessanterweise ist es schwer, aus der Bibel ein Ende von Gottes Gnade mit den Menschen zu finden. Wo genau steht, dass Gottes Gnade aufhört? Vielleicht gibt es diese Verse… ich muss weitersuchen…

Ich halte zwischendurch fest:
Angefangen hat es mit der Frage: Straft Gott uns durch Sünde oder strafen wir uns?
Ja, Gott straft in dem Sinne, weil Er es so eingerichtet hat, dass Sünde Strafe zur Folge hat (z.B. Mt 25,46; 2.Thess 1,9). Doch der Tod selbst wird nicht als Strafe bezeichnet. Im Grunde wissen wir nicht, wie genau die Strafe aussehen wird, nur, dass Jesus davor warnt. Zum Schluss (besser: zum Schluss des Bösen und zum Begin des Guten, denn Jesus richtet ja dann Sein Reich vollkommen auf) wird es eine Zweiteilung geben: hier die, die mit Christus verbunden sind, dort die, die von Gott getrennt sind. Diese erwartet der Feuersee. Wobei wir nicht mit Sicherheit wissen, ob diese Qual ewig sein wird, zeitlich begrenzt, ob es eine Auslöschung sein wird oder ob es dann noch die Chance der Umkehr gibt.
Wie dem auch sei: so oder so ist es besser, mit Gott zu leben, schon in diesem Leben.
Und was die Strafe betrifft: Gott hat Strafe vorgesehen. Aber das stimmt dann natürlich auch: wer nicht mit Gott lebt, straft sich selbst damit, denn er verpasst all das Gute, was Gott gibt. Und durch aktive Sünde können auch „Strafen“ folgen, weil Sünde nie konstruktiv ist, sondern immer einen zerstörerischen Kern hat. Das aber ist eine praktische Erkenntnis und müsste biblisch erst gut untermauert werden.

Eventuell habe ich Rohr an der Stelle auch missverstanden.
Was, wenn er nicht von den Menschen im Allgemeinen schreibt, sondern nur von den Erlösten?
Nun denn…
auf jeden Fall irritiert seine Aussage, regt im besten Fall zum Weiterdenken an, kommt mir selbst aber dann zu oberflächlich vor, weil er seine Aussage kaum unterfüttert.
(Anstoß bei Richard Rohr: S.174 f.)

 

Gott ist nicht zornig???

– An verschiedenen Stellen behauptet Richard Rohr, dass Gott nicht zornig sei. Es gäbe keinen zornigen Gott.
Leider begründet er diese Behauptung nicht. Stattdessen kritisiert er diejenigen, die an einen zornigen Gott glauben.
Die Bibel verweist ausdrücklich auf anderes: Wer nicht an Christus glaubt, auf dem bleibt der Zorn Gottes (Joh 3,36). Gottes Zorn wird über die Gottlosigkeit offenbart (Röm 1,18). Wir sollen uns nicht selbst rächen, sondern Gottes Zorn Raum geben (Röm 12,19). Über die „Kinder des Ungehorsams“ kommt der Zorn Gottes (Eph 5,6). Usw.
An der Stelle habe ich den Eindruck, dass sich Richard Rohr vom biblischen Gottesbild entfernt hat.
Ich sage nicht, dass Richard Rohr ein Irrlehrer ist. Auch seine Erkenntnis ist nur Stückwerk, wie meine.
Allerdings mutet es bedenklich an, wenn ein ausgebildeter Theologe und Bestsellerautor diese Behauptung aufstellt, die eindeutig gegen den biblischen Wortlaut ist. Weiß Richard Rohr nicht um diese Verse? Oder was geht in ihm vor, dass er wider besseren Wissens diese Verse unterschlägt und damit ein Gottesbild transportiert, das nicht der Bibel entspricht?

Ja, meines Erachtens steht seine Behauptung auch gegen das Wesen Gottes!
Muss ein liebender Gott nicht auch zornig werden?
Wäre alles andere nicht Gleichgültigkeit? Wischi-Waschi? Nach dem Motto: „Wir haben uns alle lieb, piep, piep, piep!“?
Ich meine, dass ein Gott der Liebe zornig werden muss auf all das Böse, das getan wird.
Die Liebe muss das hassen, was die Liebe zerstört. Sie muss zornig auf das werden, was zerstört.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein liebender Gott gleichgültig oder nur still leidend auf eine Kindesmisshandlung blickt. Ich glaube, dass dieser Gott zornig wird und Strafe vorbereitet.
Weil Er liebt.

 

Zum Schluss

– Unter dem Vorbehalt, dass ich Richard Rohr an manchen Stellen missverstanden habe: mein Eindruck war, dass er im Laufe des Buches anfängt, bestimmte Aussagen immer wieder darzustellen. Vielleicht mit Absicht. Aber auf mich machte es den Eindruck, dass ihm manchmal der Stoff ausgegangen ist. Manchmal auch, dass er – neben etlichen guten und wichtigen Erkenntnissen – die Dreieinigkeit Gottes nicht so tiefgehend auslotet, bis sie immer lebensnäher wird. Das soll kein Vorwurf sein. Wer soll schon diese Tiefen Gottes verstehen und beschreiben können!? Aber der Leser sollte das wissen: es gibt auch andere Literatur zu diesem Thema, die möglicherweise tiefer geht.

– Würde ich sein Buch nun empfehlen?
Ja, wenn man bereit ist, kritisch zu reflektieren.
Nein, wenn man ein schwaches biblisches Wissen hat.
Wie geschrieben: ich schätze etliche seiner Erkenntnisse! Hier und da profitiere ich davon.
Aber Richard Rohr scheint mir den Hang zu haben, einen zu lieben Gott zu verkünden.
Mehr einen Gott, der aus der Hippie-Zeit stammt, als einen Gott, der auch erhaben und Majestät ist.
So wirkt manches leicht esoterisch. Ihm scheint es mehr um das Mittanzen mit Gott zu gehen (an sich wirklich ein schönes Bild, das auch seine Richtigkeiten hat), als um das Niederfallen vor dem heiligen Gott (s.a. Offb 1).

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