Deutscher Vergeltungsschlag in Syrien?

Unter anderem berichtet die welt.de, dass einzelne Politiker in Deutschland aus Regierungs- und Oppositionskreisen bereit wären, gegen Syrien einen „Vergeltungsschlag“ auszuführen, sollte Syrien Giftgas gegen die Stadt Idlib einsetzen.

Ach, ach… was für ein Szenario!
Ich bin im Schulunterricht noch damit groß geworden: Nie wieder darf Krieg von Deutschland aus ausgehen!
Gemeint war: Deutschland ist im letzten Jahrhundert schuldig geworden am Tod von Millionen von Menschen. Das darf sich nicht wiederholen. Deutschland sollte für den Frieden eintreten und vor Waffengewalt instinktiv zurückschrecken.

Offenbar hat sich die Mentalität innerhalb weniger Jahre geändert.
Schon die, zumindest operative, Unterstützung des Krieges gegen den Irak war ein erster Dammbruch. Mittlerweile verteidigt Deutschland die eigene Sicherheit am Hindukusch.

Mir gefällt diese Veränderung gar nicht.
Ja, ja… natürlich sollten wir dem Greuel dieser Welt nicht tatenlos zusehen, vor allem, wenn wir die Mittel haben, um Unrecht einzudämmen und für mehr Frieden zu sorgen. Und ja: Deutschland engagiert sich auch im Rahmen solcher Aktionen und Projekte.
Und doch: Woher haben wir das Mandat, um den angehenden Weltpolizisten zu spielen?

Die letzten Jahrzehnte haben mich das gelehrt:
Weltpolitik hat mit Moral nichts zu tun.
Es geht um Macht und Wirtschaft.

Würde es um Moral gehen, gäbe es keine deutschen Rüstungsverkäufe in das Ausland.
Würde es um Moral gehen, würde Deutschland nicht anderweitig mit Staaten im Geschäft stehen, die offenkundig Menschenrechte mit allen Füßen treten bzw. diese Rechte hängen, steinigen und foltern lassen.
Würde es um Moral gehen, würde Deutschland nicht zulassen, dass von deutschem Boden aus Mord-Drohnen der USA in der Welt herumfliegen und ohne jegliches Gerichtsverfahren Menschen erschießen. Und manchmal leider auch die Falschen erwischen.

Meine Befürchtung ist die:
Europa macht sich bereit, militärisch und außenpolitisch eine größere Nummer zu werden.
Herr Trump ist nicht der verlässliche Partner an der Seite der Europäer. Vor Putin haben viele eine diffuse Angst.
Also gilt das Motto: Wir sind uns selbst am nächsten! Lasst uns militärisch stärker werden!
Die Grundlage für die Aufrüstung wurde längst mit den Lissabon-Verträgen beschlossen.
Das hier ist keine Momentaufnahme, sondern ein Puzzlestück in einer längst gewollten Geschichte.

Nur, dass ich das eben nicht gut finde.
Ich will nicht, dass unsere Soldaten und unsere Steuergelder dafür verschwendet werden, um Syrien zu bombardieren.
Noch nie hat das zu etwas Gutem geführt!

Denken wir an das Geschehen im Irak:
Angeblich soll der Irak Giftgaswaffen gehabt haben.
Tatsächlich wurde nichts Relevantes gefunden.
Aber es hat gereicht, um den Irak für lange Zeit in einen unsicheren Staat zu verwandeln, bis dahin, dass Christen fliehen mussten, weil sie sonst umgebracht worden wären.

Denken wir an Afghanistan:
Angeblich sollte Afghanistan demokratisiert werden. Nachdem man über das Land hergefallen ist.
Als hätte niemand der Strategen und Berater gewusst, dass Afghanistan aus Stämmen besteht, die völlig anders ticken als der Westen, und dass eine Demokratisierung kaum möglich ist – schon gar nicht mit Waffengewalt und dem gelegentlichen Bombardieren von Hochzeitsfeiern.
Und noch immer sitzen unsere Soldaten dort in ihren „Burgen“ und kämpfen mehr um ihre Sicherheit als um die des Landes. So kann man es auch verstehen: Wir verteidigen die deutsche Sicherheit am Hindukusch.

Und nun denke ich an Syrien:
Wieder ein Land, das mehr von Stammeskultur geprägt ist, als scheinbar vielen bewusst ist.
Wieder ein Konflikt, in dem die Geheimdienste und Wirtschaftsbosse mächtig mitmischen.
Wieder ein Krieg, in dem die sog. „Rebellen“ in der Regel Islamisten sind, die sich auch schon mal für Fake-Giftgasangriffe nicht zu schade sind, und die – anders kann man es sich nicht erklären – wohl vom Westen aus finanziert worden sind.
Wer hat hier angefangen?
Gott weiß, wieviel Blut der Westen in Syrien bereits an den Händen hat.

Nein, ich erkläre Assad nicht zum lieben Diktator.
Wer auch immer Giftgas einsetzt, gehört verstoßen, gebrandmarkt und verurteilt.

Aber ich sage auch „Nein“ dazu, dass Deutschland und Europa „Vergeltungsmaßnahmen“ in dieser Welt durchführen.
Wir können unseren Leuten nichts davon erzählen, dass Selbstjustiz hier keinen Boden hat, und dann aber Selbstjustiz im großen Maßstab unterstützen.

Liebe Politiker!
Bitte ehrt Gott und liebt den Nächsten!
Aber tut nicht so, als dürften wir Weltenrichter sein!

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