Bruderschaft Christi

Das Thema „Mönche“ fixt mich immer wieder an.
In den ersten Zeiten meines Suchens nach dem Sinn des Lebens stand in einem der chinesischen Sternzeichen über mich, dass ich eine Neigung zum Mönchssein hätte.
Nun bin ich jemand, der von Jesus Christus lernen will und Ihm nachfolgt. Sternzeichen bedeuten mir nichts mehr. Das Thema „Mönche“ ist aber geblieben. Experte bin ich da wirklich nicht. Weder praktiziere ich das Mönchstum, noch finde ich daran alles toll oder weiß alles darüber.

Es gibt aber Elemente des Mönchstums, die mich ansprechen.
Einige Zeit fragte ich mich: Warum interessiert mich das Thema überhaupt?
Ich kam auf diese Antworten:
Es ist die radikale Hingabe, das Pflegen der Spiritualität und die gelebte Verbundenheit.

Im besten Fall sind das Elemente, die wir in unseren Kirchen finden sollten.
Dem ist aber offenkundig nicht so. Vereinzelt gibt es starke Freundschaften. Und natürlich gibt es Gottesdienstfeiern, in denen Spiritualität auftauchen. Wie es mit der radikalen Hingabe an Christus ist, vermag ich letztlich nicht zu beurteilen. Ich weiß, dass sich Einzelne wirklich bemühen.
Doch das Gesamtpaket „Kirche“ ist zu vielfältig, als dass ich sagen könnte, dass die genannten Elemente das Christentum in Deutschland ausmachen (an der Stelle will nicht über das Üble in der Kirche meckern – das habe ich schon oft getan und andere pflegen es munter weiter; vielleicht stoße ich mal wieder dazu…).

Mich hat das Thema „Mönchstum“ vor ein paar Tagen wieder gepackt.
Wegen der Elemente „radikale Hingabe, bewusste Spiritualität und Verbundenheit“.
Und weil ich überlegt hatte, wie die Bewegung Jesu weiter an Fahrt gewinnen kann (warum es aus meiner Sicht gut ist, wenn die Jesus-Bewegung weitergeht, kann man u.a. hier erkennen: „Nie jemand anderes als Jesus!“ / „Wie war Jesus?“ / „Was ist das Evangelium?„).

Auch in der Hinsicht bin ich kein Experte.
Bücher dazu habe ich etliche gelesen. Seminare besucht. Gespräche geführt. Es gibt so viele gute Ratschläge. Wirklich!
Aber was ich zumeist vermisse, ist das:
Ich sehe davon so wenig in der Praxis!
Das schreibe ich unter Einbeziehung meiner selbst.

Natürlich schreibt Gott Geschichten in Deutschland!
Es entstehen neue Gemeinden. Es werden neue Werke gegründet. Menschen finden zum Glauben an Christus. Da ist Gutes!
Aber mir ist es zu wenig.
Wir haben die beste Botschaft aller Zeiten – und dann dümpeln weite Teile des Christentums in Deutschland vor sich hin!?
Dann gibt es seit Jahren schwindende Mitgliederzahlen – in nahezu allen christlichen Verbänden!? Und dort, wo es „Wachstum“ gibt, handelt es sich oft um das sog. „Transferwachstum“, sei es, dass Einzelne die Gemeinde wechseln oder ganze Gemeinden an einen anderen Verband andocken.

Wie schnell bin ich selbst wieder drin in den gängigen Wegen und Strukturen.
Sie nehmen mich in Beschlag.
Und dann geht es viel um das Verwalten des Bestandes. Darum, etwas aufrecht zu erhalten, weil man es eben so macht.
Tatsächlich ist das hin und wieder sinnig.
Aber eben nicht immer.

Das ist mein Eindruck:
Unser christliches Leben gleicht eher dem Bemühen, einen Stausee anzulegen, statt dem Wasserstrom zu folgen.

Der Wasserstrom kann Angst machen.
Den habe ich nicht unter Kontrolle. Den kann ich nicht planen. Der bestimmt mich – und nicht andersherum!

Und doch hat Christus nichts anderes gemacht!
Er baute keine Synagoge.
Er gründete keinen Verein.
Er benutzte kein Logo.
Er rief nicht zur alljährlichen Konferenz auf.

Sondern Er ging hin.
Und Menschen kamen zu Ihm.
Er predigte in den Synagogen.
Und auf Feldern.
Er diskutierte mit Seinen Kritikern.
Und Er schwieg.
Er teilte Tag und Nacht mit Seinen zwölf engsten Weggefährten.
Und Er sandte sie aus.

Christus war in kein Schema zu pressen.
Denn Er war im „Wasserstrom“ Gottes.

Das war radikal hingegeben.
Das war spirituell mit jeder Faser Seines Daseins.
Das war engste Verbundenheit mit dem himmlischen Vater und Seinem Team.

In dem Sinne hat Christus auch irgendwie ein Mönchstum gelebt.
Er hat Bruderschaft gelebt. Verbunden mit Gott, miteinander und radikal in der Mission.
Nicht „radikal“ mit Schwert und Manipulation, sondern radikal liebend, radikal spirituell, radikal versöhnungsbereit.

Wenn ich das alles reflektiere, dann spüre ich die Sehnsucht nach so einer Bruderschaft Christi.
Ich meine nicht die gemeinsame Teilnahme an einer Gottesdienstfeier.
Im Zweifel geht man dorthin und geht wieder weg – und es gab weder eine Gottesberührung noch eine tiefere menschliche Begegnung.
Ich meine auch nicht den Besuch eines Hauskreises.
Im Zweifel hat man eine nette Zeit miteinander und ein paar inspirierende Gedanken gehabt – und es gab kein tieferes Hineinwirken in den Alltag.
So gut all diese Treffen sein können – aber oftmals fehlen bestimmte Elemente.

Aus meiner momentanen Erkenntnis sind das u.a. diese Elemente:
– Vision
– Wegbegleitung
– Gemeinsames Gebet.

Vision:
Es wird so schnell vergessen, warum wir all diese Treffen haben.
Wir sind in einer Mission!
Christus will, dass wir „hingehen“ und andere Menschen zu Seinen Nachfolgern machen.
Es geht also nicht zuerst darum, ob mir die Wandfarbe im Kirchengebäude gefällt oder ob meine Lieblingslieder gesungen werden. Die Frage ist: Sind unsere Treffen von der Mission Christi durchdrungen?
Wenn eher nicht: Was müssen wir ändern?
Wenn ja: Wie kann es sich fortpflanzen?

Wegbegleitung:
Das scheint ja das Normale zu sein:
Ein Christ nimmt an einer Gottesdienstfeier oder einem anderen Gemeindetreffen teil…
UND NIEMAND FRAGT NACH!
Wann wurdest du das letzte Mal gefragt, was du letzte Woche mit Gott erlebt hast?
Wann hat dich jemand gefragt, wie es um dein Gebetsleben bestellt ist?
Hat dich jemand gefragt, wann du das Evangelium weitergeben konntest?
So etwas passiert kaum bis gar nicht!
Und dann wundern wir uns, weshalb wir christliche Konsumenten großziehen und nicht Wegbegleiter!
Ich bin überzeugt, dass wir einander Wegbegleiter sein müssen.
So wie Jesus im Team war und so wie Er Seine Leute zu 2. ausgesandt hat.
„Alleine da durch müssen“ – das war nie Christi Option.
Wir brauchen eine Wiederbelebung eines liebevollen und wertschätzenden Rechenschaftselementes!
Nur, wenn ich weiß, dass da jemand barmherzig nachfragt, werde ich bestärkt, anders zu leben!
Ansonsten kann ich mich auch gut versteckt halten.

Gemeinsames Gebet:
Ein Thema für sich. Ich will es kurz halten:
Wo nehmen wir uns als Gemeinden ausreichend Zeit für das gemeinsame Beten?
Ich meine mehr als das Tischgebet. Mehr als das Eröffnungsgebet zur Gottesdienstfeier. Mehr als das Abschlussgebet vom Treffen. Ich meine das:
Die 1-2 (plus X) Stunden, um gemeinsam vor Gott zu sein, Ihn zu suchen, von Ihm zu empfangen?
Nicht das Standard-Gebet, sondern der Gebetsstrom.

Mein Empfinden ist das:
Wir können noch lange auf die Reformation oder gar Revolution der bestehenden Strukturen warten.
Entweder passiert es nicht oder zu wenig.
Ich glaube, dass wir eine Bruderschaft/Schwesternschaft brauchen, die das umsetzt. Die wie ein Verstärker für das Bestehende funktioniert.

Gemeindeübergreifend.
Verbindlich.
Nicht als neues Werk. Nicht, um wieder eine Parallelstruktur neben den Gemeinden zu entwickeln.
Die Strukturen müssen auf das Nötigste beschränkt bleiben.
Sie dürfen nur dazu dienen, dass die Bewegung weitergeht.
Ansonsten möge jeder dort sein, wo er ist.
Aber verbunden mit denen, die
– radikal hingegeben sein wollen
– die ihre Spiritualität bewusst pflegen
– die an der Vision Christi festhalten.

Wie kann die Bruderschaft gelebt werden?
Es braucht ein paar existentielle Regeln.
– So z.B. die Verbindlichkeit im gemeinsamen, wöchentlichen Gebet. Sei es live vor Ort, per Telefon oder via Skype/Zoom. Nicht jeder mit jedem, sondern je 2-4- Brüder gemeinsam.
– Die 1-2 wöchentliche Wegbegleitung mit den Nachfragen. Ebenfalls live, per Telefon oder via Skype/Zoom. Entscheidend werden die Fragen sein, die einander gestellt werden. So muss die Vision Christi regelmäßiger Bestandteil sein.
– Die Verbundenheit mit der Bruderschaft. Wahrscheinlich wird nichts an der „jährlichen Konferenz“ vorbeiführen. Ich schreibe das in Anführungszeichen. Tatsächlich kann es verschiedene Formate geben, die die Verbundenheit ausdrücken. Vielleicht wird es auch regionale Unterschiede geben. Für manche könnten dreimonatliche Treffen besser sein. Für andere das Jahrestreffen. Entscheidend ist das gemeinsame Lernen und Beten. Wir brauchen keine „pro forma“-Treffen. Sondern Treffen, von denen Kraft ausgeht. Denn letztlich existiert die Bruderschaft nicht um ihrer selbst willen, sondern sie ist für Christus und diese Welt!

Vielleicht kann das Treffen im Dezember von „Band of Brothers and Sisters“ ein weiterer Schritt in diese Richtung sein.

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