Ist die traditionelle Gottesdienstfeier unbiblisch?

Unbiblisch

Ach, ach… eigentlich kann mich mittlerweile jagen mit Begriffen wie „unbiblisch“. Solche Wörter sind im negativen Sinne abgrenzend, wirken erstmal „anti“ und klingen so nach Besserwisserei.

Andererseits: natürlich gibt es Dinge, die „unbiblisch“ sind.
Damit ist gemeint: sie entsprechen nicht dem, was Gott will.
Z.B. Sünde.
Sünde taucht in der Bibel auf, daher könnte man sie als „biblisch“ bezeichnen. 🙂
Aber gemeint ist ja, dass Gott gegen die Sünde ist, weil sie von Ihm und vom Miteinander trennt.

 

Sind traditionelle Gottesdienstfeiern unbiblisch?

So ist auch meine Frage zu verstehen: Sind traditionelle Gottesdienstfeiern unbiblisch?
Noch immer ist das ein Thema für mich.
Auch nach zig Jahren des Christseins und der verschiedenen Gemeindemitgliedschaften.

Was mich aktuell wieder in das Fragen gebracht hat, war das:
Wenn es DEN EINEN Auftrag für uns Christen gibt, dann ist es der Auftrag aus Matthäus 28,18 ff.
Alle Menschen sollen in die Gemeinschaft mit Gott kommen, denn Gott liebt alle Menschen!

Es geht weder um Kirchenmitgliedschaften, noch um Zwangsbekehrungen (die ja dann idR gar keine Bekehrungen sind).
Sondern es geht um die leidenschaftliche Liebe Gottes zu uns. Und wer in die Gemeinschaft mit Gott findet, der fängt an, mehr zu lieben. Beziehungen werden heiler. Die Beziehung zu Gott, die zu anderen Menschen und die zu uns selbst. Das ist der Wille Gottes für uns.

 

Gottesdienstfeiern & Jüngerschaft

Und Sein Weg ist die „Jüngerschaft“.
Oder auch das „Schülersein“, wobei das zu kurz greift, denn Jüngerschaft heißt eigentlich das:
Ich lerne und ich lehre!
Ich werde begleitet und begleite!
Ich empfange und verschenke!
Oder eben so gedacht:
Jüngerschaft heißt, dass ich Christus nachfolge, darin lerne und fähig werde, wiederum andere zu begleiten, damit sie Christus nachfolgen, und diese dabei ebenfalls fähig werden, andere zu begleiten, damit diese dann Christus nachfolgen (das ist die fortgesetzte Idee aus Mt 28,18 ff. & 2.Tim 2,2).

In diesem Sinne denke ich die Treffen der Christen, wie sie im Neuen Testament beschrieben sind.
Immer wieder lesen wir davon, dass sie sich gegenseitig ermutigen sollen.
Wozu?
Zu einem konsequenten Leben in der Nachfolge!
Im Kern heißt das nicht nur: „Sündige weniger!“
Sondern es heißt: „Empfange Gottes Liebe, liebe Gott und den Nächsten wie dich selbst!“
Wenn ich aber von der Liebe Gottes bewegt werde, dann muss es raus in die Welt!
Denn Gott liebt diese Welt. Und wenn ich Gott liebe, dann liebe ich das, was Er liebt!
Also diese Welt!

Wozu also die Treffen der Christen?
Damit diese Welt in die Gemeinschaft mit Gott kommt!

Und weil das so einfach nicht ist, deshalb brauche ich die Brüder und Schwestern.
Die können für mich beten. Mich ermutigen. Mich auch mal wertschätzend korrigieren.
Gemeinsam empfangen wir von Gott, teilen das Gute miteinander, lassen uns für die Mission stärken und senden uns gegenseitig wieder aus.

Darum geht es!

 

Findet wirklich Ermutigung statt?

Wenn ich das aber abgleiche mit dem, was wir üblicherweise bei Gottesdienstfeiern machen, dann drängt sich eben die Frage auf: Sind traditionelle Gottesdienstfeiern unbiblisch?

Natürlich gibt es dabei viele gute Elemente!
Lieder, Gebete, Gottes Wort… toll!

Aber inwiefern findet die gegenseitige Ermutigung zum Leben in der Nachfolge statt?

Dazu muss gefragt werden:
Wie findet denn Ermutigung statt?

Nehmen wir an, ich wäre Teilnehmer einer Motivationskonferenz für Verkäufer.
Der Redner heizt ein. Die Leute gehen voll mit.
Aber ich bin betrübt. Zuhause läuft es nicht so gut. Meine Gesundheit ist nicht die beste. Und was das Verkaufen betrifft: da ist meine Situation so speziell, dass der Motivationstrainer da gar nicht reinsprechen kann.
Kurzum:
Alles, was da vorne auf der Bühne getan wird, mag gut sein für manche meiner Kollegen.
Aber es trifft nicht meine Situation!
Der Redner war gut – aber mir hat es nichts gebracht.

Nach der Konferenz schwärmen manche vom Redner.
Vom leckeren Essen.
Von ihren Verkaufszahlen.
Aber niemand hat mich gefragt, was bei mir los ist.
Niemand hat gefragt, was ich mit der Rede anfange.
Oder welche Ziele ich setze.
Ich merke: ein 4-Augen-Gespräch mit einem Coach hätte mir wesentlich mehr gebracht.
Oder einfach das erholsame Weiterschlafen statt der Besuch der Konferenz.

Verstanden?
Die Frage war:
Wie findet Ermutigung statt?
Die Antwort:
In der persönlichen Begegnung!
Denn damit ich ermutigt werde, muss mein Gegenüber wissen, wer ich bin und was mich bewegt.
Ansonsten bleibt es fruchtlos oder verkommt zu einem Zufallstreffer.

Aber genau das zelebrieren wir bei den allermeisten Gottesdienstfeiern!
Von vorne findet „der Dienst“ statt. Die Lieder, die Gebete, die Predigten, die Ansagen.
Ob das was mit meinem Leben zu tun hat, ist Zufall.
Und ob ich was damit anfangen kann, wird nicht gefragt.
Es kann also sein, dass ich zu einer Gottesdienstfeier gehe und mich danach fragen muss:
„Brauche ich das wirklich?“

 

Die Folgen traditioneller Gottesdienstfeiern

Ehrlich gesagt:
Kein Wunder, dass
a) etliche Christen keine Lust an Gottesdienstfeiern haben
b) und wir kaum missionarische Frucht sehen!

Denn unsere Gottesdienstfeiern sind – so hart es klingt – zumeist irrelevant!
Natürlich gibt es denen einen oder anderen, dem die Predigt was gebracht hat oder der durch ein Lied angesprochen wurde. Aber das ist nicht der Normalfal. Es bleibt „Zufall“.
Wir produzieren ein Programm.
Ein Stück Show.
Ich weiß: klingt wirklich hart und vielleicht bin ich da zu einseitig.

Aber das ist doch Tatsache:
Die meisten Christen können zu einer Gottesdienstfeier gehen, ohne irgendwas mit Predigt & Liedern machen zu müssen!
Ich kann kommen und gehen – und es ist nichts passiert.
Besonders krass ist das in Gemeinden, wo man noch nicht mal begrüßt wird. Es gibt Gottesdienstfeiern, wo jemand hingeht, nach Hause geht – und NIEMAND hat ein Wort mit ihm gewechselt!
Klar, manche mögen das Anonyme.
Aber das ist doch nicht Sinn & Ziel der Gottesdienstfeiern, dass wir möglichst anonym bleiben können!

 

Gottesdienstfeiern missionarisch denken!

Wir müssen Gottesdienstfeiern von der Mission aus denken!
D.h. entweder müssen diese Treffen einen absoluten missionarischen Charakter haben,
oder sie müssen mehr als „Insider-Treffen“ der Jüngerschaft dienen.

Wenn ich vom „missionarischen Charakter“ der Gottesdienstfeiern schreibe, dann meine ich nicht, dass die Predigt evangelistisch sein soll und wir ein Anspiel brauchen und moderne Musik.
Sondern dann meine ich, dass wir den Menschen helfen & begegnen.
Dahinter steckt die Frage:
Was ist die Not der Menschen um uns herum?
Vielleicht Einsamkeit. Dann könnte man Brunch-Treffen machen.
Oder zu wenig gute Familienzeit. Dann könnte man etwas von der „Messy Church“ kopieren.
Also: Was brauchen die Menschen?
Und was können wir tun, damit dieser Not im Namen Christi begegnet wird?

Wenn es um „Insider-Treffen“ geht, dann geht es hauptsächlich um die persönliche Begegnung.
GEMEINSAM beten!
ZUSAMMEN Gott loben!
Nachfragen, EINANDER zuhören!
MITEINANDER Gottes Wort verstehen wollen!
Dialog mit Gott – Dialog miteinander!
Und dann das Aussenden in den Alltag.

Wie auch immer, ob deutlich missionarisch-offen oder insidermäßig:
Immer geht es um die persönliche Begegnung.
Immer geht es um den Dialog.
Immer um die Möglichkeit, miteinander zu lernen.
Immer darum, dass das von Christus aus und zu Christus hin gelebt wird.

 

Wir brauchen neue Gottesdienstfeiern!

Die traditionelle Gottesdienstfeier hat diese Elemente so gut wie nicht.
„Ermutigt einander“ wird auf die Predigt beschränkt.
„Singt einander Psalmen“ wird auf die Liedauswahl des musikalischen Leiters beschränkt.
„Betet füreinander“ wird auf das Gebet von vorne beschränkt.
All das wird in die Hand von einigen Wenigen gegeben.
Und die vielen anderen müssen gar nichts machen.
Noch nicht mal mitsingen. Hauptsache, die Kollekte stimmt.

Ich weiß: scharfe Worte.
Aber ist es nicht so?

Das ist nun meine These:
Die traditionelle Gottesdienstfeier verfolgt ein Konzept, das so im Neuen Testament nicht existiert!
Wir produzieren Konsumenten und Jury-Mitglieder, aber nicht Nachfolger Christi!
Und damit verfehlen wir unseren Auftrag immens!
Krass gesagt:
Damit folgen wir nicht der Liebe Gottes!
Ist jetzt wirklich hart geschrieben…

Mal sehen, ob auch darüber beim Treffen im Dezember nachgedacht werden wird:
Treffen von „Band of Brothers and Sisters“ vom 14.-16.12.2018

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Ein Gedanke zu „Ist die traditionelle Gottesdienstfeier unbiblisch?

  1. Pingback: Wie könnte eine missionarische Gottesdienstfeier aussehen? | berlinjc

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