Wie könnte eine missionarische Gottesdienstfeier aussehen?

In dem Artikel „Ist die traditionelle Gottesdienstfeier unbiblisch?“ gehe ich davon aus, dass es neben vielen guten Elementen bei Gottesdienstfeiern letztlich in die verkehrte Richtung geht. Denn ob wirklich „Stärkung“ für den Glaubensalltag stattfindet, wird eher zu einem Zufallstreffer. Warum? Weil viel Monolog und wenig zielgerichteter Dialog stattfindet.

Aber wie könnte nun eine missionarische Gottesdienstfeier aussehen?

Ich scheue mich davor, das EINE Patentrezept darzustellen. Denn ich vermute, dass es das nicht gibt.
Gemeindesituationen und die Situationen der Einzelnen sind zu unterschiedlich, um die einzig wahre Vorgehensweise mit globaler Gültigkeit darzustellen.

Aber damit haben wir ja schon den eigentlichen Ansatz:
Wie geht es eigentlich dem Einzelnen, der zur Gottesdienstfeier kommt?

Vorab nochmal ein Beispiel, das nochmal meine These hinsichtlich der geringen Glaubensstärkungswirksamkeit von Gottesdienstfeiern erhärten soll:
Die letzte Woche war anstrengend. Bin erledigt. Ja, ich weiß, dass es darum geht, Gottes Liebe im Alltag zu verschenken. Aber ich fühle mich fern davon und will nur in meine Höhle.
Dennoch habe ich mich zur Gottesdienstfeier aufgerappelt.
Allerdings sind mir die Lieder heute zu laut. Ich würde lieber schweigen.
Die Predigt handelt davon, dass wir unsere Gaben einsetzen sollen.
Ich denke: „Auch das noch! Einsatz!!! Dabei will ich nur auftanken!“
Nach der Gottesdienstfeier bin ich möglichst schnell weg, weil ich meine Ruhe brauche.

Wir könnten dieses Beispiel auch auf andere Fälle übertragen:
Jemand hat etwas Tolles mit Gott erlebt – wird er die Chance haben, das den anderen mitzuteilen?
Jemand wurde von einem Bibelvers gepackt – kann sie davon berichten?
Jemand hatte ein schwieriges Gespräch gehabt – wird er jemanden davon erzählen können und dann Gebet empfangen?
Jemand plant einen persönlichen diakonischen Einsatz in der Nachbarschaft – wird er Leute bei der Gottesdienstfeier finden, die mitmachen oder für ihn beten?

Ich denke, das Problem wird deutlich: im Rahmen der offiziellen Gottesdienstfeier wird das meiste davon nicht behandelt werden. Oftmals werden diese Personen wieder in ihren Alltag gehen, ohne die persönliche Stärkung zu bekommen, die sie gebraucht hätten. Wie schon im anderen Artikel geschrieben: ob es zur persönlichen Stärkung in der Mission kommt, bleibt ein Zufallstreffer.

Die Gottesdienstfeier muss der Stärkung des Einzelnen dienen

Wie also dann?
Eben so, dass der Einzelne die Chance hat, diese Stärkung zu bekommen!

Prinzipiell geht das nur im Dialog: diese Person berichtet – ein anderer reagiert.
Die Reaktion kann darin bestehen: zuhören, beten, ermutigen, wertschätzend korrigieren, miteinander planen usw.

Wie verankert man das in einer Gottesdienstfeier?
Ich gehe davon aus, dass hier die kulturellen Besonderheiten der jeweiligen Gemeinde zutage treten.

Ein paar Denkbeispiele:
– Vielleicht wird im Rahmen der Feier Raum & Zeit gegeben, damit die Einzelnen nach vorne kommen können, um zu berichten. Die Gemeinde reagiert dann mit Gebet. M.E. ist das immerhin etwas. Allerdings ist der Dialog hier noch sehr schwach.
– Vielleicht werden Tische gestellt, so dass man sich in Kleingruppen begegnen kann. Dort kann jeder erzählen und die Kleingruppe reagiert. Wie erwähnt: nicht „nach“ der Gottesdienstfeier, sondern als Bestandteil der Gottesdienstfeier!
– Vielleicht wird diesbezüglich gar nichts organisiert, sondern nur eingeladen: „Nach dem Lobpreis nehmt Euch Zeit füreinander. Hört zu. Betet füreinander! Nach einer halben Stunde laden wir wieder zum Lobpreis ein!“ Und dann liegt es an den Einzelnen, ob sie sich in eine stille Ecke verziehen, das Gespräch unter vier Augen oder das Gruppengespräch suchen.

Solche Dialog-Gottesdienstfeiern sind wesentlich trubeliger als die traditionellen Treffen.
Denn es kommt zum Stimmengewirr im Raum. Das kann akustisch herausfordernd sein.
Eigentlich fast ein Plädoyer für die kleine Gemeinde. Oder für eine gute Raum- und Akustikgestaltung.
Aber alles machbar!

Und die Predigt?

Allerdings taucht eine weitere Frage auf:
Was ist mit der Predigt?
Diese ist in manchen Gemeinden ein zentrales Element.
Als ich in einer Gemeinde mal einen Workshop zum Thema „Gottesdienstfeier“ durchgeführt hatte, kam u.a. heraus, dass die Predigt mit am wichtigsten erachtet wird (neben der Begegnung mit den anderen und der Musik… übrigens etwas, was sich auch mit dem Ergebnis anderer Umfragen deckt, insofern ein zu erwartendes Ergebnis).

Interessant war aber das: Auf die Frage, was den Leuten bei der Gottesbegegnung am meisten hilft, tauchte die Predigt als eher irrelevant auf. Bei der Gottesbegegnung ging es eher um die Musik, die Stille iVm dem persönlichen Gebet.

Wieso ist die Predigt dann so wichtig?
Auch das wurde in einer Umfrage beim Workshop ermittelt.
Nicht die Predigt an sich ist wichtig, sondern die Predigt ist wichtig, die den Einzelnen anspricht und alltagsrelevant ist!
Das ist nichts anderes als das:
Man sucht die persönliche Stärkung!
Hier mittels des Wortes Gottes.

Und an der Stelle kommen wir wieder an meine erwähnte Kritik:
Eine Predigt, die sich an 50 oder 100 Zuhörer richtet, kann gar nicht alle ansprechen!
Denn sie wird immer auch pauschal bleiben. Selbst, wenn es in der Predigt alltagsbezogene Beispiele gibt und Anwendungstipps, so wird diese Predigt nie in jede konkrete Lebenssituation sprechen.
Demütige Christen bemühen sich, dann wenigstens „den einen Satz“ mitzunehmen, der interessant war, was nichts anderes ist als: „Und die anderen 500 Sätze waren irrelevant für mich!“
Ein wirklich schlechter Schnitt, wenn von 500 Sätzen nur ein Satz nachhallt!

Wenn es in der Predigt noch einige multimediale Einsätze gibt und der Prediger gut betont und nicht über 30 Minuten geht, dann kann die Predigt immerhin noch als „nett“, „gut gemacht“ oder „unterhaltsam“ betitelt werden.
Doch die Kernfrage muss doch die sein:

Hilft die Predigt dem Einzelnen in der Mission?

Weil eine Predigt also eher pauschal ist und gar nicht jede Einzelsituation berücksichtigen kann, ist die Antwort einfach: Nein, sie hilft zumeist nicht in der Mission!

Klar, es gibt Ausnahmen.
Pfingsten zum Beispiel. Eine Predigt des Petrus und Tausende kommen zum Glauben an Christus.
Leider ist das nicht die Normalfall und es gibt keine Garantie dafür.
Jesus hat auch vor Tausenden gepredigt und trotzdem haben Ihn zum Ende hin fast alle Nachfolger verlassen!
Kurzum: es gibt bombastische Predigten, die „alle“ berühren – aber diese sind nicht der Normalfall, sondern ein Geheimnis von Gottes Timing, dem Wirken des Heiligen Geistes, der Begabung des Predigers und der Offenheit der Zuhörer.

Wir gehen also vom Normalfall aus.
Und im Normalfall hilft die Predigt eher wenig.

Im Ergebnis ist es wieder ein Plädoyer für den Dialog!
Es geht wieder darum, die Situation des Einzelnen sehen zu können!

Praktisch müsste es nicht um das Streichen der Predigt gehen.
Aber vielleicht sollte sie mehr Anleitung zum Weiterdenken sein.
So könnte ein Impuls von 10-15 Minuten mitgegeben werden.
Und dieser Impuls wird dann in kleinen Gruppen weiterbehandelt.

Dem kommt auch das zugute:
Die Predigt als Monolog ist die schlechteste Lernform.
Am besten lernen wir, indem wir selber machen.
Aber auch der Dialog ist noch zigmal besser zum Lernen geeignet als die Monolog-Predigt.

So weit erstmal!
Ich gehe davon aus, dass es möglich ist, Gottesdienstfeiern zu haben, die tatsächlich viel mehr den Einzelnen in der Mission stärken.
Dafür muss der Dialog in Gottesdienstfeiern wesentlich gestärkt werden.
Das kann geschehen, indem bewusst Zeit für den Dialog eingeräumt wird.

In einem anderen Artikel werde ich darauf eingehen, welche Prinzipien in diesem Dialog helfen.

 

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