Was mich besorgt

Ich bin ein Kind der 70’er und 80’er.
Jahre, in denen es in Deutschland vergleichsweise gut lief.
Kriminalität gab es dennoch. Vergewaltiger und Kindesmisshandler auch.
Das Wesen des Menschen war in diesen Zeiten nicht anders als heute (wiewohl manche Populisten gerne so tun, als wäre „damals“ alles besser gewesen).

Und trotzdem gab es einige, vielleicht sehr unterschwellige, Normen.
Oder verklären wir das nur so im Rückblick?

Nein, ich glaube nicht.
M.E. hat die Verunsicherung zugenommen. Und zwar im großen Stil.
Sicherlich auch bedingt durch manche Errungenschaften.
So bestellen wir billige Klamotten im Internet.
Kleidung, die, wenn sie in Deutschland allein gefertigt werden würde, richtig teuer wäre.
Und das Internet will kaum jemand missen.
Zugleich erleben wir mit dieser Errungenschaft die Verunsicherung:
Wir wissen, dass die Kleidung unter schrecklichen Bedingungen in Asien gefertigt wurde (gleiches betrifft z.B. die Kaffee-Produktion, die Kakao- und damit Schokoproduktion, manche Obsternten, Materialien für unsere Handys und Computer usw.). Manchmal arbeiten Sklaven dafür. Und Kinder.
Und das Internet liefert uns Informationen aus aller Welt in die Bude, die uns letztlich überfordern und uns ohnmächtig fühlen lassen. Wobei wir uns zunehmend fragen, ob wir diesen Infos überhaupt glauben können. Denn die anderen „aus dem Internet“ sagen was ganz anderes.

Wir erleben eine Verunsicherung im politischen Bereich.
Vielleicht war Politik schon immer eine unsichere Sache.
Aber definitiv wird sie durchsichtiger durch die Info-Flut aus den Medien.
Wir fangen an, Abneigung gegenüber manch wendehälserischen Manövern einiger Politik-Obrigen zu entwickeln. Und komischerweise wird auf der einen Seite über die etablierten Parteien geschimpft. Und dann werden sie auf der anderen Seite doch im beachtlichen Maße gewählt. So sieht Verunsicherung aus.

Innerhalb kurzer Zeit kommen Millionen Menschen aus anderen Kulturen nach Deutschland.
Etliche kommen aus der Not. Es geht um das Überleben. Klar, wir helfen. Manche kommen, um wirtschaftlich zu überleben. Da sind wir kritischer. Aber wenn wir auch nur eine Woche unter ihren Verhältnissen leben würden, würden wir verstehen, weshalb sie nach Deutschland wollten. Vielleicht hätten wir es an ihrer Stelle genauso versucht. Und einige wenige kommen als Schmarotzer und als Kriminelle. Gewiss eine Minderheit. Aber was die meisten mitbringen, ist eine fremde Kultur. Und ist oft auch ein Gemisch aus kulturellen Besonderheiten und dem religiösen Gepräge des Islam. Und wir erleben, dass Multi-Kulti abseits des „Karnevals der Kulturen“ doch nicht so einfach ist. Dass nicht jede Kultur gut ist, sondern auch schädliche Einflüsse haben kann (sowohl die unsrige als auch die der Geflüchteten). Und dass „der“ Islam Elemente aufweist, die dann doch unserer Rechtsauffassung widersprechen. Was wird noch kommen? Was wird noch passieren? Verunsicherung.

Dann wird auf die Wut-Bürger geschimpft. Und auf die Linken. Auf die Rechten. Auf die Russen. Die US-Amerikaner. Auf die Türken. Auf Merkel. Irgendwie scheint jeder kritisch zu sein. Keinem kann geglaubt werden. Verunsicherung.

Nach und nach, irgendwie langsam, aber dann doch zielgerichtet, werden wir mit dem Gender-Zeugs konfrontiert.
Manche Rahmenlehrpläne an den Schulen sehen Themen im Sexualkunde-Unterricht vor, die weniger dem Verständnis dienen, sondern einer Ideologie, die wissenschaftlich-biologisch nicht erwiesen ist. „Plötzlich“ sollen alle möglichen Denkarten von Geschlechtsleben in Ordnung sein und gleichberechtigt nebeneinander stehen. Der Schritt ist nicht weit zu „Wir leben Ehe zu Dritt“. Und es würde mich nicht wundern, wenn wir in ein paar Jahren so weit sind, das Sexualverhältnis von Volljährigen zu Teenagern als normal zu erklären. Letztlich ist damit der Kern der Persönlichkeit berührt, denn was ist intimer als das Sexualleben und die eigene Geschlechtlichkeit? Es treten Verunsicherungen im Identitätsbereich des Menschen auf.

Und dann die vielen anderen News:
Banken werden gerettet – kein Problem, Milliarden innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung zu stellen; aber die Kinderarmut und Altersarmut in Deutschland nehmen zu, ohne dass es sichtbare Lösungsvorschläge geben würde. Oder Russland werden moralische Vorhaltungen gemacht, aber das menschenverachtende System in Saudi-Arabien mit Steinigungen, der Unterdrückung der Frauen und der Verfolgung von Nicht-Moslems wird hofiert und mit Waffen beliefert.
Das verärgert und verunsichert.

All das kann weiter und weiter geführt werden.
Aber es endet zur Zeit in einer mehr oder weniger offenkundigen Verunsicherung der Menschen hierzulande.
Eigentlich sehnt sich der Mensch nach Sicherheit und Orientierung, aber finden tut er zur Zeit eine Menge an Verunsicherung.
Und ich schätze, dass das nicht aufhören wird.
Denn die Welt ist komplex.
Es gibt selten einfache Lösungen.
Dumm nur, dass mancher versucht, uns das vorzugaukeln.

Die einfachen Lösungen sind oft einfach zu entlarven.
Was wäre, wenn die Banken nicht mit Milliarden „gerettet“ worden wären?
Dann hätte uns ein Wirtschaftscrash ohne Gleichen treffen können. Renten, Sparvermögen usw. hätten völlig verloren gehen können. Firmen hätten Pleite gehen können. Es hätte noch mher Arbeitslose geben können. Und damit noch mehr Kinder im Armut. Wir müssen verstehen, dass unser Wohlstand auch durch ein kompliziertes Wirtschaftssystem mit Zinsen und Zinseszinsen getragen wird.
Was wäre, wenn wir die Geflüchteten nicht nach Deutschland gelassen hätten?
Sie wären trotzdem gekommen. Und sie werden weiter kommen. Denn es sind so viele. Sie werden sich nicht durch Zäune aufhalten lassen. Und: Manche Menschen kommen aus Ländern, denen wir unseren Reichtum verdanken. Wir müssen uns damit beschäftigen. Wir werden den Islam und andere Kulturen nicht negieren können. Sie sind da. Wie gehen wir damit um?
Was wäre, wenn Politiker nicht ihre Arbeit täten und nicht bereit wären, ihre Ansichten auch mal zu ändern?
Wer würde dann den Kopf für unsere Kommunen, Länder und die Bundesrepublik hinhalten – obwohl er sofort wüsste, dass er gar nicht alles verstehen oder ändern kann? Und Politiker, die ihre Ansicht nicht ändern, können auch zu Sturköpfen werden, die nichts gelernt haben. Gut, dass es manchmal Meinungsänderungen gibt.
Und so weiter.

Und trotzdem halte ich manche Prinzipien für elementar.
Egal, ob wir Zeiten der Verunsicherung haben.
Prinzipien, die sich im Laufe der Jahrhunderte als hilfreich für das Zusammenleben erwiesen haben.
Aber dazu demnächst mehr.

Gnade

Seit einigen Wochen bin ich am dem Thema „Gnade“ dran.
Ein Wort, das vielen Christen leicht von den Lippen geht.
Ja, klar – wir glauben an einen gnädigen Gott.
Und dann ist es doch so leicht, so zu leben, als gäbe es diesen gnädigen Gott nicht.
Oder nur, um uns mal die Sünden zu vergeben.
Aber ansonsten geht es dann wieder um das Motto: „Hilf dir selbst – dann hilft dir Gott!“
Was nicht immer verkehrt ist, wenn damit gemeint ist, dass wir Verantwortung für unser Leben haben und es gestalten sollen, können und dürfen.
Weiterlesen

Das Problem mit der christlichen Ethik und Moral

Viele kennen Sprüche wie diese:
„Das tut ein Christ nicht!“
Oder:
„Wenn du wirklich Christ wärst, würdest du das nicht machen!“

Und vielleicht ist etwas dran: Vielleicht würde in Christ wirklich nicht so handeln.
Aber was, wenn doch?

Und was wäre, wenn unsere „christliche Moral und Ethik“ – zumindest in der oben dargestellten Weise – nicht hilft („Moral“ ist hier als Gesamtheit eines „richtigen“ Verhaltens zu sehen und „Ethik“ als die entsprechende Theorie/Lehre)?

Besonders problematisch ist es, wenn die Kirche bzw. die Christen selbst mit moralisch-ethischen Forderungen auftreten und diese gegen Interne oder gegen die säkulare Gesellschaft richten.
Wenn wir als Christen die „Moralapostel“ spielen.

Ein ungutes Gefühl beschleicht mich dann, ohne gewiss sagen zu können, dass es falsch wäre, bestimmte moralische Ideale hochzuhalten.
Natürlich: solche Ideale können im positiven Sinne Ziele sein und die Motivation zur Aktion wecken.
Sie können aber auch zu Druckmitteln werden, die belasten.
Und womöglich empfindet jeder Mensch ein und dasselbe Ideal als unterschiedlich. Während die einen längst entsprechend diesem Ideal leben, fühlt es sich für die anderen wie ein Gerichtsurteil an.

Beispiele gibt es einige dazu: heutzutage können das Fragen zur Homosexualität sein; vor sechzig Jahren waren es Fragen zum unehelichen Zusammenleben. Heutzutage können es Fragen zur Raubkopien und illegalen Streams im Internet sein; vor sechzig Jahren waren es Fragen zu Kinobesuchen und der Teilnahme an Tanzveranstaltungen.

Wenn wir diese Jahrzehnte der christlichen Moral und Ethik in unseren Breitengraden anschauen, dann muss auffallen, wie sehr sich manche Vorstellungen gewandelt haben. Wenn es für manchen Christen damals zum Gemeindeausschluss führen konnte, wenn er am „Tag des Herrn“ mit der Straßenbahn gefahren ist (denn u.U. könnte das ja Arbeit sein), so macht sich heutzutage wohl kaum ein Pastor darüber Gedanken, ob das Bedienen des Autos Arbeit am „Tag des Herrn“ sein könnte. Oder wenn das gemeinsame Übernachten eines unverheirateten Paares im Hotelzimmer damals gesamtgesellschaftlich unsittlich war, so wird es sogar in evangelikalen Kreisen heutzutage oft geduldet.

Ob das immer alles so richtig war und ist, ist schwer zu beurteilen – und vielleicht geht es auch gar nicht zuerst darum.
Vielleicht verfehlt die Frage nach einer gesamtverbindlichen christlichen Ethik und Moral das Ziel.
Zumindest dann, wenn sie ohne die Liebe Gottes entsteht.

Denn nach christlicher Weltanschauung ist der Kern des Ganzen die Liebe Gottes.
Er liebt diese Welt (Joh 3,16). Er hat die Menschen als Ebenbild geschaffen. Ein Ausdruck der Partnerschaftlichkeit, der Beziehung und Gemeinschaft. Er sendet Seinen Sohn Jesus Christus in diese Welt, um sie vom Bösen und Destruktiven zu erlösen. Um die Welt in die Gemeinschaft mit sich zu ziehen. Und der Sohn Gottes – das perfekte Ebenbild Gottes – lässt sich von den Menschen hinrichten statt sich zu wehren. Er lässt sich töten statt eine Revolution zu starten. Weil Er sie liebt.
Und so ist der Verweis Jesu Christi auf das höchste Gebot (die höchste Moral und Ethik) nur konsequent: Das Höchste ist es, Gott zu lieben und den Mitmenschen ebenso wie sich selbst. Bis hin zur Feindesliebe.
Der Apostel Paulus greift das auf, wenn er im 1.Korintherbrief 13 davon schreibt, dass „Glaube, Liebe, Hoffnung“ die wichtigsten Elemente des Christentums sind.

Von dieser Liebe her zu denken, befreit.
Das ermöglicht den Blick auf das Leben des Einzelnen.
Das sind doch die normalen Geschichten der „normalen“ Christen:
Anfänglich konnten sie nichts mit diesem Jesus anfangen.
Doch irgendwann in ihrem Leben macht es „Klick“ und sie lassen sich bewusst auf dieses Leben mit Jesus ein.
Damit beginnt der Lernprozess. Damit beginnt der Weg.

Und die einen lernen schnell. Die anderen langsamer.
Den einen fällt es leicht, zu einem dienenden Leben zu gelangen, das für Mitmenschen zunehmend eine Bereicherung ist. Und andere konsumieren mehr als sie dienen. Sie sind noch am Anfang.
Die einen leben moralisch nahezu einwandfrei.
Die anderen sind noch gefangen in ihren alten Mustern und gleichen mehr einem Süchtigen denn einem glänzenden Jesus-Nachfolger.

Da ist dann der „Otto-Normalchrist“, der als Handwerker seine Brötchen verdient, sich nicht mehr auf Schwarzgeschäfte einlässt, der sich Zeit für seine Kinder nimmt und seiner Frau regelmäßig Blumen schenkt und ein offenes Ohr für sie hat. Der seine Steuern zahlt und seinen Nachbarn bei der Gartenarbeit hilft. Der im Rahmen der Gemeinde gerne überall mitanpackt, wo gestrichen, gezimmert und gebaut werden muss.
Einer, der oft ein Lächeln im Gesicht hat – und das wirklich ernst meint.
So einen Christen wünscht man sich. Ein Vorzeige-Exemplar. Moralisch gut.

Dann gibt es aber diese Christin:
Sie, die sich am Wochenende immer noch besäuft.
Die mit anderen Männern flirtet, obwohl sie verheiratet ist.
Die zwar zu den Gottesdienstfeiern kommt, sich aber nur bedienen lässt: man darf für sie beten und außerdem isst sie gerne den dort angebotenen Kuchen.
Von Außen betrachtet würde man ihr nicht gleich eine Christin sehen.
Aber wer mit den Augen der Liebe blickt, erkennt Folgendes:
In ihrer Kindheit wurde sie missbraucht. Um die Schmerzen zu übertünchen, entwickelte sie ein Sucht-Muster, von dem sie auch heute noch nicht ganz frei ist. Sie versucht es immer wieder und tatsächlich schafft sie es, in der Arbeitswoche von Montag bis Freitag abstinent zu sein. Aber dann, wenn die Ruhe einkehrt und die Gefühle hochkommen, dann schlägt das Muster durch und sie greift zu Flasche.
Durch ihre Kindheit wurde ihr Selbstwertgefühl stark beschädigt. Eigentlich fühlt sie sich hässlich und ungeliebt. Deshalb versucht sie sich aufzuwerten, indem sie mit Männern flirtet. Sie liebt das nicht, aber sie hat noch nicht verstanden, nur aus der Liebe Gottes zu lieben (wie wohl die meisten der Christen). Irgendwie fühlt sie sich nach diesen Flirtversuchen „dreckig“ und sie bittet Gott jedes Mal um Vergebung, wenn es geschehen ist. Manchmal denkt sie, sie wäre jetzt frei von diesem Verhalten, wenn sie mal einen Tag nicht geflirtet hat.
Im Rahmen der Gemeinde weiß sie einfach nicht, wie sie anderen helfen kann. Bisher hat ihr keiner Mut gemacht. Die anderen Frauen meiden sie sogar, weil sie von ihrem Ruf wissen. Und jeder Mann, der mit ihr redet, wird ebenfalls schnell argwöhnisch angeblickt. Keiner will gegen sie sein, aber es gibt auch kaum jemanden, der für sie ist. Deshalb isst sie nur den Kuchen nach dem Gottesdienst, würde aber gerne helfen. Allerdings glaubt sie nicht, dass sie was auf dem Kasten hat. Und die anderen scheinen das auch nicht zu glauben.

Anhand moralisch und ethischer Vorstellungen ist klar, wer hier der Gewinner ist: der Handwerker-Mann.
Er verhält sich wie ein Christ. So müssen Christen sein. Das ist einer, dem man seinen Glauben abnimmt. Naja, und diese „Dame“ wirkt doch arg wie eine Ungläubige.

Aber könnte es sein, dass die Liebe Gottes anders guckt?
Gottes Liebe ist immer im Gleichschritt mit Gottes Wahrheit. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar.
Und so sieht diese Liebe Gottes, dass der Handwerker-Mann heimlich Probleme mit der Pornografie hat. Dass er unter dem ständigen Gemecker seiner Frau leidet. Dass er manche seiner guten Verhaltensweisen auch schon vor seinem Christenleben aufwies. Und dass er in seinem Inneren immer wieder unzufrieden und undankbar ist.

Und die Liebe Gottes sieht, dass die süchtige Frau ihren Kindern gerne Geschichten vorliest und sogar schonmal angefangen hat, eine eigene Geschichte zu schreiben. Dass sie ihren Kindern zur guten Nacht Lieder vorsingt und dass ihre Stimme so schön ist, dass selbst ihr Mann gerne zuhört. Dass sie früher jeden Tag gesoffen hat und sie drei Jahre daran gearbeitet hat, um nur noch am Wochenende zu trinken. Aber auch das will sie angehen. Dass sie zwischendurch immer wieder ganz still für andere betet. Keiner weiß es und es wäre ihr auch unangenehm, wenn andere das wüssten. Trotzdem betet sie jede Woche für ihre Nachbarn und für fast jedes Gemeindemitglied.

Mein Empfinden ist, dass wir hier mit feststehenden moralischen Vorstellungen wenig weiterkommen.
Natürlich implizieren diese Geschichten auch eine Moral. Natürlich heiße ich es auch gut, von einer Sucht frei zu werden; Zeit für Kinder zu haben; den Ehepartner zu schätzen; zuverlässig und freundlich zu sein.
Aber nicht diese Moral steht an vorderster Front, sondern die Liebe.

Und vielleicht würden Moral und Liebe auch ganz anders sprechen.
Die Moral würde sagen: „Du musst! Sonst bist du ein schlechter Christ!“
Die Liebe würde sagen: „Gut, dass du es bis hier geschafft hast. Wage den nächsten Schritt! Ich bin mit dir, auch, wenn du hinfällst. Dann stehe wieder auf! Ich verlasse dich dabei nicht und mache dir keine Vorwürfe. Sondern ich glaube, dass es für dich weitergeht und du das Potential hast. Und übrigens: Wer ein schlechter oder guter Christ ist, das beurteilt nur Gott. Ein Mensch kann das nicht beurteilen. Wichtig ist, dass du lernst, aus der Liebe Gottes zu leben.“

Das mag der Unterschied sein:
Vielleicht kann es keine „christliche“ Moral an sich geben.
Vielleicht kann es nur die Liebe Gottes geben und jegliche Moral und Ethik sind die Folge dieser, aber nie der Anfang und auch nie der Ersatz.

Vielleicht tut es uns gut, wenn wir so die Bibel lesen und so unsere Mitmenschen anschauen.
In der Bibel entdecken wir den Weg. Und wir erkennen, wohin diese Liebe Gottes führt: zu einem Leben, das voller wird mit Liebe, Freundlichkeit, Geduld und Sanftmut. Aber wir erkennen auch, dass es sich dabei um eine „Frucht“ handelt – nicht um die Bedingung.
Und wenn wir dann „die anderen“ anschauen, fangen wir an zu verstehen, dass jeder sein eigenes Tempo hat, seine eigene Geschichte hat, eigene Stärken und Schwächen hat – und dass keiner vor Gott besteht, weil wir mit einer Unmenge theologischem Wissen aufwarten können oder „gemeindlichen Heldentaten“, sondern dass ausnahmslos jeder nur deshalb vor Gott bestehen kann: weil Er gerne gnädig ist und Jesus den Weg für uns frei gemacht hat!

So könnte das ein praktischer Schritt sein:
Wenn wir mal wieder dabei sind, den anderen in eine Schublade zu stecken, dann können wir überlegen „Wie sehr liebt Gott diesen Menschen?“

Ebook „Tribes“ – Teil 3 – Einblick in das nächste Kapitel

Nach und nach werde ich ein Kapitel von „Tribes“ – Teil 3 – hier veröffentlichen. Mal sehen. Vielleicht nicht alles, aber doch einiges.
Wer wissen will, worum es eigentlich geht, kann sich die ersten beiden Teile von „Tribes“ kaufen. Erschienen als Ebook beim Midnight-Verlag/Ullstein-Verlag. Wirklich zu einem erschwinglichen Preis: für unter 10,-€ gibt es eine Packung Spannung, Dystopie und ein winzig kleines bisschen Liebe und Gott in Schweden.

Hier ist nun das zweite Kapitel – Entwurf – vom Roman „Tribes“ – Teil 3:
Weiterlesen

Ebook „Tribes“ – Teil 3 – die Fortsetzung – Kapitel 1

Hier folgt gleich das erste Kapitel von „Tribes“, Teil 3.
Wer an dieser Stelle zum ersten Mal bei „Tribes“ einsteigen will, dem empfehle ich weniger aus kapitalistischen, sondern vielmehr aus inhaltlichen Gründen, sich vorab „Tribes 1“ und „Tribes 2“ zu kaufen. Ist nicht teuer. Leider nur als Ebook erhältlich. Aber ohne diese ersten beiden Teile dürfte der dritte Teil eher schwer verständlich sein. Wer also den vollen Lesegenuss haben will, möge das nötige Kleingeld in die ersten beiden Teile investieren (erhältlich bei Amazon, Thalia u.a.).

Und das noch vorab: Es handelt sich um eine Dystopie. Ein Zukunftsszenario, das realistisch sein soll, aber einen Hauch von Not verbreitet. Das Leben ist ja kein Ponyhof. Und kein Zuckerschlecken.
Über Kommentare und Anmerkungen zum ersten Kapitel freue ich mich. Noch ist alles in der Entwurfsphase und wahrscheinlich dauert es etliche Wochen oder gar Monate, bis auch der dritte Teil von „Tribes“ fertig sein wird.

So – und jetzt gibt es hier den ersten Einblick in „Tribes 3“:
Weiterlesen

Als Pastor arbeiten: Zweifel und Krisen

Jemand meinte mal zu mir:
„Du bist kein Leiter!“
Das war kein Versprecher. Er wollte nicht sagen: „Du bist keine Leiter!“ Damit hätte er wirklich Recht gehabt.
Was er sagen wollte, war das:
„Ich sehe in dir keinen Leitertypen!“
Und seine Vorstellung eines Leitertypen war wahrscheinlich die:
Das ist ein Typ, der vorangeht, andere mitzieht, den Ton angibt und sich nicht beirren lässt.

Mich hatte dieser Satz damals sehr getroffen und ich hatte angefangen, an meiner Arbeit als Pastor zu zweifeln. Mal wieder. Eine mittlerweile fast übliche „Routine“: Mindestens einmal pro Jahr kommen die grundlegenden Zweifel auf und ich stehe kurz davor, meine Arbeit hinzuschmeißen.

Doch mit der „Anfechtungsroutine“ kommt auch eine andere Routine in Gang:
Die Reflektions- und Lösungsroutine.

Es ist ein bisschen wie mit meinen Zweifeln zu Beginn meines Christseins:
Die ersten 2-3 Jahre hinterfragte ich die Basics des christlichen Glaubens immer wieder.
Gab es Jesus wirklich?
Ist die Bibel zuverlässig überliefert?
Ist Jesus wirklich auferstanden?
Usw.

Ich verschlang Bücher, suchte Antworten, bemühte mich, redlich zu sein und meinen Verstand nicht an der Garderobe abzugeben. Mit der Zeit hatte ich etliche plausible Antworten parat. Die Anfragen und Zweifel aber blieben… bis ich entdeckte, dass diese Zweifel auch ihre Routine hatten, mir aber nicht mehr weiterhalfen, sondern mich nur noch zermürbten. Mit der Erkenntnis, dass es konstruktive Zweifel und zerstörerische Zweifel gibt, entschloss ich mich, diesen nunmehr destruktiven Zweifeln keinen Raum zu geben.

Ähnlich verlief es bisher mit meinen Zweifeln am Dienst als Pastor.
Sie kommen mindestens einmal im Jahr und machen mich dann echt fertig.
Aber jedes Mal hilft mir irgendwas raus.
Manchmal ist es einfach ein Lebensumstand, der mich daran hindert, mir einen anderen Beruf zu suchen.
Und manchmal ist es ein göttliches Eingreifen (das ist eine sehr persönliche Geschichte).
Mittlerweile gab es so viele Krisen und so viele „Ermutigungserlebnisse“, das ich sagen kann:
„Ich soll als Pastor arbeiten.“

Ich bin mittlerweile davon überzeugt:
Wenn Gott uns eine Aufgabe gibt, dann sorgt Er auch dafür, dass wir dran bleiben.
Dann reifen wir an Krisen und werden stärker in diesem Dienst.
Das geht nur mit Leiden.
Aber diese Leiden dienen uns zum Besten.
Diese Krisen helfen, nicht mehr einem besonderen Image hinterherzurennen, sondern den Dienst zu sehen.
Sie vernichten den Wunsch nach einem „Titel“ und einem „Ansehen“ und zeigen auf das, worum es wirklich geht.
Sie helfen, eigene Schwächen und Stärken deutlicher zu sehen – und das Bedürfnis nach Gottes Gnade in Anspruch zu nehmen.
Sie verdeutlichen die eigene Berufung und den persönlichen Lebensauftrag.
Sie helfen, Prioritäten zu setzen und Grenzen zu setzen.

Wird man so ein „Leiter“? Oder ein besserer „Leiter“?
Das weiß Gott allein.
Und genau das reicht auch.