Lektionen aus der praktischen Gemeindegründungssarbeit

Mit hehren Vorsätzen bin ich in die Gemeindegründungsarbeit gegangen. Null Erfahrung in der Hinsicht, aber viel Passion. Eines war mir dabei klar: Ich will keine Christen aus anderen Gemeinden, sondern Menschen aus dem Kiez erreichen. In der ersten Zeit habe ich mit anderen zusammen das getan, was ich von Evangelisten gesehen hatte, wenn sie denn Menschen auf Jesus hin ansprechen wollen:
– Büchertisch
– Interviews führen
– Von Tür zu Tür gehen
– Verschenken von Getränken
– Verteilen von Abertausenden von Flyern
– Verschenken des Jesus-Films

Nach menschlichen Ermessen passierte so gut wie nichts. Niemand hatte Interesse an mehr von Jesus.
War der „Boden“ also zu hart?
Waren die Herzen der Menschen zu verschlossen?

Mittlerweile denke ich, dass ich zu dumm war.
Ich kann noch immer nicht behaupten, alles verstanden zu haben.
Aber das ist mir deutlicher geworden:

Es geht nicht um das Schaffen eines Angebots.
Es geht um Beziehungen.
Es geht nicht um kluge Reden.
Es geht um das Zuhören.
Es geht nicht darum, etwas Neues zu schaffen.
Es geht darum, im Bestehenden zu sein.
Es geht nicht darum, das große Projekt zu stemmen.
Es geht um die Mini-Schritte, die zur Vision passen.
Es geht nicht um meinen Zeitplan.
Es geht um Gottes Zeitplan.

All das andere (Teilnahme an Stadtteilfesten, Durchführen von Glaubenskursen, Bastelangebote für Kids…) hat seinen Stellenwert und kann punktuell auch sinnig sein.
Aber viel mehr geht es noch darum, Zeit für mein Gegenüber zu haben.
Es geht um den Menschen, der mir nahe ist (oder nahe werden soll) und nicht um das Schaffen eines Programms.

Ich bin gut im Erstellen von Plänen und Programmen. Das liegt mir. Und hin und wieder braucht man das auch.
Aber vielmehr will ich lernen, Zeit für den Nächsten zu haben.

Ich sehe das in der Entwicklung unserer Gemeindearbeit.
Wir haben viele Christen angezogen. In etlichen Fällen war das wirklich gut. Manche Christen waren seit längerer Zeit ohne Gemeinschaft mit Brüdern und Schwestern. Dabei sind wir doch ein Leib und brauchen einander! An dieser Stelle konnte unsere Gemeinde eine Hilfe sein. Und diese Christen sind uns zur Hilfe geworden, so dass ich nun sagen kann: mit ihnen zusammen sind wir Gemeinde.
Doch die Frage blieb (und bleibt): Wie können wir den Menschen um uns herum das Evangelium bringen?
Das sind meine Erfahrungen:

– Bleiben.
Nicht nach dem besseren Gemeinderaum suchen. Sondern dort bleiben, wo man etwas gefunden hat. Stabilität und Verlässlichkeit sind eine Botschaft für sich. Eine Gemeinde, die nach ein paar Jahren wieder in eine andere Straße zieht, weil das Haus dort schöner ist, der wird es kaum gelingen, Beziehungen in der Nachbarschaft zu bauen. Mitterweile bin ich dafür, „für immer“ in dem begrenzten Raum zu bleiben, in dem wir als Gemeinde nur Untermieter sind. Gemeindewachstum muss dann über zusätzliche Stationen/Räume geschehen, aber nicht durch das Verlassen des jetzigen Standortes. Es sollte nicht die Zentralisierung gesucht werden, sondern die Multiplikation.

– Lieber schwach sein als stark sein.
Jesus wurde in einem Stall geboren und war später oft unterwegs, ohne eine feste Bleibe zu haben. In der Hinsicht war Er schwach bzw. arm. Für uns heißt das: Wir müssen nicht alles stemmen. Wir brauchen keine durchgestylten Räume. Ja, es darf praktisch sein. Aber der Fokus ist nicht die Schaffung einer starken Gemeinde, die für jeden und alles ein Angebot hat und die größten und schönsten Räume der Gegend aufweisen kann. Vielleicht passt das in eine Gegend mit Millionären. Aber in einem Kiez, in dem über die Hälfte der Menschen Leistungen vom Jobcenter bekommen oder bestimmte soziale Leistungen beziehen, da brauchen wir das nicht. Dann lieber als Gemeinde ebenso abhängig und begrenzt sein. Nix gegen schöne Räume oder Zielgruppenarbeit. Aber wichtiger ist das Herz für Gott und Menschen. Das sollte nie verwechselt werden. Und möglicherweise hilft die eigene Begrenzung dazu, sich nicht zu überheben, sondern demütig zu bleiben.

– Langsam sein.
Nun, Jesus und Seine Leute waren beim Wandern langsam. Das muss kein göttliches Prinzip sein, sondern ist einfach dem technischen Fortschritt geschuldet. Und dennoch: auch, wenn uns Waschmaschine, Online-Banking und Handys helfen können, Zeit zu „sparen“ (geht ja nicht wirklich, da diese Zeit nicht zu einem Zeitpunkt beliebig abrufbar ist), so führen diese Tools auch dazu, dass wir in der gleichen Zeit mehr tun. Früher gab es den Waschtag. Heute wird an einem Tag nicht nur Wäsche gewaschen, sondern werden noch zig andere Dinge erledigt. Wir werden unruhig, wenn wir im Restaurant länger als 30 Minuten auf das Essen warten müssen. Das Problem ist, dass wir dieses Denken oft auf Lebensprozesse übertragen. Aber das funktioniert nicht. Beziehungsbau zu Nachbarn braucht Zeit. Da reicht es nicht, einen Glaubenskurs anzubieten und bei Nicht-Gelingen, aufzugeben. Es geht darum, beständig in Beziehungen zu investieren. Als Kiezgemeinde haben wir u.a. Grillfeste für die Nachbarn durchgeführt. Einfach miteinander essen und miteinander reden. Da muss nicht gleich beim ersten Mal was Großartiges geschehen. Wenn Jesus in unseren Herzen ist, dann wird Jesus irgendwann automatisch zum Thema werden. Ja, das braucht Zeit. Aber alles andere wirkt oft wie das Angebot für eine Clubmitgliedschaft und nicht wie echte Liebe zum Nächsten. Natürlich haben manche einen evangelistischen Drang in sich und würden am liebsten jedem sofort das Evangelium sagen… und manchmal gibt es ja wirklich Momente, in denen JETZT die Chance ist. Aber hier, in unserem Kiez, da würde das permamente Raushauen des Evangeliums wohl eher dazu führen, dass Menschen die Schotten dicht machen, weil eben der Eindruck schnell entsteht: „Die wollen ja nur mehr Mitglieder für ihren Verein haben!“ Stattdessen sollen die Menschen erfahren, dass das Evangelium wirklich der Liebe Gottes entspricht: „Nein, wir wollen nicht Dein Geld! Nein, wir wollen nicht mehr Mitglieder haben! Sondern Du sollst befreiter leben können! Du sollst wissen, dass Du von Gott geliebt bist!“
Und viele erfahren das nicht zuerst an unseren Worten (davon hören sie genügend in den Medien). Sie erfahren das zuerst an unserem Leben und Handeln. Sie brauchen die Chance, uns zu erleben. Nicht, dass wir alles richtig machen würden. Darum geht es gar nicht. Aber sie sollen erfahren können, dass wir selbst die Krisen und Macken mit Gottes Gnade und Kraft meistern können. Sie sollen erfahren können, dass wir nicht nur von Gottes Liebe reden, sondern sie wirklich Bestandteil unseres Lebens ist. Aber genau das braucht Beziehungen. Und Beziehungen brauchen Zeit. Lieber langsam sein!

– Kleiner denken.
Das korrespondiert mit der o.g. Schwäche. Aber ich möchte damit noch etwas anderes betonen: vor der eigenen Haustür starten! Ich bin visionär begabt und produziere mit Leichtigkeit große Ideen und Wünsche. Es ist kein Ding für mich, mir vorzustellen, wie Erweckung ausbricht und ganze Stadtteile radikal zum Guten verändert werden. Doch in der Praxis kann ich mich damit selbst erschlagen. Die große Idee ist da, aber wenn ich dann den Kiez sehe, dann fühle ich mich schnell ohnmächtig. Wie soll eine Gemeinde mit zwei Dutzend Mitgliedern einem Kiez dienen, der 17.000 Menschen umfasst? Es ist unmöglich. Die Probleme wie Arbeitslosigkeit, Bildungsmangel, häusliche Gewalt, Süchte usw. sind so vielfältig und wir sind froh, wenn wir unsere eigenen Herausforderungen gebacken kriegen. Die Folge von großen Ideen kann also sein, dass man dann lieber passiv bleibt oder sich in sein Schneckenhaus zurückzieht. Hilfreicher ist das: Ja, die Vision muss sein. Sie ist Herzstück der Motivation. Aber praktisch geht es nicht zuerst um den gesamten Kiez. Praktisch geht es zuerst um die direkten Nachbarn; bei uns als Gemeinde: um die Menschen in dem Haus, in dem wir Mieter sind. Es geht um den Menschen, den ich im Treppenflur treffe. Das reicht als Aufgabe. So kann man als Gemeinde ein anderes Wohnhaus geistlich adoptieren. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

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Gegen Gemeindegründung!

Lasst uns gegen Gemeindegründung sein!

Zugegeben: Ein provokanter Titel.
Und natürlich einseitig.

Aber verständlicher, wenn wir uns bewusst machen, dass
1. wir nicht Gemeinde gründen sollen
2. Jesus den Schwerpunkt für uns auf die Nachfolge legt!

In Matthäus 16,18 sagt Jesus den wohlbekannten Satz:
„Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.“

Wer baut Gemeinde?
Jesus will Seine Gemeinde bauen!
Und das tut Er!
So steht z.B. in Apg 2,47: „Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“
Nicht die Christen haben Menschen bekehrt.
Gott selbst hat hinzugefügt!

Selbstverständlich sollen sich Christen für die Gemeinde einbringen.
Die Anweisungen von Paulus dazu sind zahlreich.
Damit bauen aber nicht wir Gemeinde.
Wir sind zwar Mitarbeiter Gottes, aber Er ist der Erbauer.

Interessant ist, was Paulus zu einem ähnlichen Thema in 1.Korinther 3,5 ff. schreibt:
„Wer ist nun Apollos? Wer ist Paulus? Diener sind sie, durch die ihr gläubig geworden seid, und das, wie es der Herr einem jeden gegeben hat: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben.So ist nun weder der pflanzt noch der begießt etwas, sondern Gott, der das Gedeihen gibt.Der aber pflanzt und der begießt, sind einer wie der andere. Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit.Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

In diesem Text geht es um die Frage, wer in der Gemeinde denn besonders hervorgehoben werden sollte. Die Christen in Korinth waren darüber unterschiedlicher Meinung. Paulus aber stellt sich dagegen: Eben genau darum geht es nicht! Er stellt sich gegen jegliche Cliquenwirtschaft.
Man könnte fast sagen: Er stellt sich gegen denominationielles Denken.
Paulus betont, dass Gott das Gedeihen gibt.
All unser Tun und Machen hilft gar nichts, wenn nicht Gott das Leben und das Wachstum schenkt!
Oder so formuliert: Gott baut die Gemeinde!

Aber was ist mit der Aussage von Paulus, wonach er sich als „Baumeister“ bezeichnet? Heißt das nicht, dass er also doch Gemeinde baut?
Nein und Ja.
Nein, weil Paulus ja deutlich gemacht hat, dass nur Gott Gemeinde bauen kann.
Er, Paulus, hat sich nur diesbezüglich als Baumeister dargestellt:
Er hat Jesus Christus verkündet und er hat darüber gelehrt, was Jesus gelehrt hat.
Ja, weil Paulus ebenfalls deutlich macht, dass er Mitarbeiter Gottes ist.

So können wir sicherlich sagen:
„Wir haben Gemeinde mitgebaut!“
Aber es wäre vermessen zu sagen, dass wir Gemeinde gegründet/gebaut hätten.
Dann nämlich würden wir Gott als den Lebensgeber und Gemeindebauer außer acht lassen.

Es gibt in der Bibel keine Aufforderung an uns, dass wir Gemeinde gründen oder bauen sollen. Wir sollen auch nicht beten „Deine Gemeinde komme“!

Wir haben nur einen „Job“:
Gemäß Matthäus 28,18 ff. in diese Welt zu gehen, alle Nationen zu Nachfolgern Jesu zu „machen“, sie zu taufen und im Sinne Jesu zu lehren.
Um den Rest – sprich: Gemeindegründung/Gemeindebau – kümmert sich Jesus.

So wird deutlich, dass es natürlich um Gemeindegründung und Gemeindebau geht. Na, klar!
Aber das ist nicht unser erster Auftrag. Und wenn, dann nur als Mitarbeiter einer bestehenden Gemeinde (die Gott schon gebaut hat).

Wir sollten daher weniger überlegen, wie wir Gemeinde bauen können, wiewohl ich das Thema liebe.
Wir sollten vielmehr überlegen, wie wir in der Nachfolge Jesu sein können.
Dann kommen wir auch zu einer harmonischen Arbeitsteilung zwischen Gott und uns.

Liebe geht vor!

Die Story klingt fast unglaublich:
Ying Kai und seine Ehefrau arbeiteten in einer asiatischen Stadt und gründeten jedes Jahr eine neue Gemeinde.

Sicherlich darf man hinterfragen, was im Einzelfall unter „Gemeinde“ verstanden wird.*

Dennoch:
Jedes Jahr eine Gemeinde zu gründen… das erscheint uns im „Westen“ fast unerreichbar.

Ying Kai war allerdings nicht zufrieden. Er hatte vor, eine Gegend mit 20 Millionen Menschen mit Gott bekannt zu machen. Die Rechnung lässt sich schnell machen:
Wenn pro Jahr eine Gemeinde gegründet wird, dann würde diese Arbeit Tausende von Jahren dauern!

Die Frage war also die:
Wie können 20 Millionen Menschen die Chance bekommen, sich für oder gegen Jesus Christus zu entscheiden?

Nachdem er und seine Frau Matthäus 28,18 ff. nochmals studiert hatten und entsprechend der biblischen Prinzipien ihre bisherigen Methoden verändert hatten, hatten sie eines Tages 20-30 Gruppen von Menschen pro Woche. Diese Gruppen wurden in den Lektionen des Christseins sehr praktisch unterrichtet.

Irgendwann entwickelten etliche dieser Gruppen ihre eigene Dynamik:
Manche blieben so, manche gingen ein, aber etliche wuchsen und einige begannen, sich fortzupflanzen.
Dieser „Fortpflanzung“ Raum zu geben, war einer der Schlüssel für das nachfolgende Wachstum.

Es wird geschätzt, dass Ying Kai und seine Frau auf diese Weise direkt oder indirekt dazu beigetragen haben, dass ca. 1,7 Millionen zum Glauben fanden und getauft wurden sowie ca. 140.000 Hausgemeinden gegründet wurden. Weltweit. Innerhalb von ca. 10-11 Jahren.

Ying Kai und Steve Smith haben zu diesen biblischen Prinzipien ein Buch veröffentlicht (T4T – will heißen: „Training for Trainers“). Dabei geht es nicht um den Namen T4T. Es geht um den Inhalt. Und für viele dürfte es ein Neu-Entdecken von biblischen Prinzipien für Jüngerschaft und Gemeindegründung gehen.

Seitdem ich mich mit diesen Prinzipien auseinandersetze (ca. seit Mitte 2012), habe ich einiges dazu gelernt und vieles noch nicht gelernt. Aber das bleibt für mich das Wichtige:
Die Liebe geht vor!

Hier geht es nicht um „mal wieder“ eine neue Methode, die sich nun verkaufen soll.
Es geht um die Liebe Gottes zu uns.
Seine leidenschaftliche Liebe, die zum Tod und zur Auferstehung von Jesus Christus geführt hat.
Es ist Gottes Liebe, die berührt und verändert und die wiederum zur Nächstenliebe führt.
Wer sich unter diesem Gesichtspunkt mit dem Konzept von T4T beschäftigt, der kriegt die Sache in den „richtigen Hals“.
Wer aber nur technisch ein angebliches Erfolgskonzept umsetzen will, der wird sich selbst und anderen das Leben ziemlich schwer machen.

Die Liebe geht vor!

In Berlin wird es am 28.09.2013 ein Seminar zu „T4T“ geben.
Mehr Infos dazu gibt es hier: http://www.inmeinerstrasse.de/t4t-seminar-28-september/

* Nach meinen Beobachtungen geht es bei Gemeinde weniger um die Anzahl der Mitglieder oder um die Existenz eines eigenen Gemeindehauses. Es geht um den Inhalt und die Werte, die eine Gruppe von Menschen zusammenhalten. Gemeinde kann dann u.U. schon mit drei Menschen beginnen. Ich persönlich finde die Orientierung an den 12’en hilfreich. Jesus hatte 12 Apostel berufen. 12 Leute im Team zu haben, sorgt für eine gewisse Stabilität und erhöht die Chance auf weiteres Wachstum. Das kann ich statistisch nicht belegen und verstehe es daher auch nur als Wegmarke.

Mehr Heiliger Geist!

Das Thema „Heiliger Geist“ begleitet mich, seitdem ich Christ bin.
Ohne frommen Hintergrund aufgewachsen, war meine erste Gemeindeerfahrung in der Zeit als junger Erwachsener die in einer charismatisch gesinnten Gemeinde.

Im Rückblick ist die Bezeichnung „charismatische“ Gemeinde eigentlich sehr merkwürdig. Denn was diese Gemeinde damals auszeichnete, war, dass sie das Wirken des Heiligen Geistes erwartete. Tatsächlich war diese Gemeinde damit weniger eine „charismatische“ Gemeinde, sondern eine an der Bibel orientierte Gemeinde.

Doch spätestens mit dem Wechsel in eine eher pietistisch gesinnte Gemeinde begann ich, nach der Berechtigung des Wirkens des Heiligen Geistes zu fragen.
So schwankte ich zwischen „Mehr vom Heiligen Geist“ und „Das ist ein Geist von Unten“.

Das war eine Zeit des Prüfens.

Nun darf ich eine Gemeindegründung und deren Aufbau begleiten.
Von Beginn an schwinkt das Thema „Heiliger Geist“ als mehr oder weniger aufdringlicher Ton mit.
Und auch ich mache eine theologische Entwicklung mit.

Wer mich dabei von Außen betrachten würde, würde diese Entwicklung womöglich so titulieren: Vom Ahnungslosen zum Pfingstler.

Beide Bezeichnungen sind dabei pauschal und karikiert. Aber sie treffen den Nerv.

Mittlerweile stehe ich dazu, dass die Geistesgaben für die Gemeinde zu erwarten sind, und zwar ohne Ausnahme: die Gabe der Prophetie, der Erkenntnis, der Geisterunterscheidung, der Sprachenrede, der Auslegung…

Mehr und mehr finde ich dazu, dass diese Gaben auch bei den Gottesdienstfeiern zum Einsatz kommen sollten. Das geht nicht auf Befehl, aber die Offenheit dazu sollte gepflegt werden.

Ein persönlicher „Höhepunkt“ ist für mich die Frage nach den eher spektakulären Gaben wie der Wunderheilung, der Sprachenrede, des Sprachengesangs, der Auslegung usw.
Auch hier sehe ich mehr und mehr, dass wir dem Wortlaut der Bibel folgen sollten.
Unsere Frage sollte nicht sein, ob wir solche Gaben wollen, sondern, wie wir sie in unsere Versammlungen einpflanzen können.

Erst heute gehört und wärmstens zu empfehlen ist diese Predigt zur Taufe im Heiligen Geist: Die Lehre über die Taufe im Heiligen Geist (Prediger: Hartwig Henkel).

Motiviert durch die letzten Gebets- und Fastentage bleibe ich dabei: Wir brauchen mehr vom Heiligen Geist.
Denn wenn er wirkt, dann haben wir mehr von Jesus Christus!

Bewegung und Kultur

Ständig finden soziale Bewegungen statt.
Facebook mag eine solche Bewegung sein: Menschen unterschiedlichster Kulturen und Generationen nutzen Facebook als Kommunikationsmedium.
Es wird von den Nutzern kaum etwas verlangt. Und vielleicht sind es auch diese Elemente, die eine umso stärkere Bindung erzeugen:
– Es ist freiwillig (Einladungsaspekt).
– Man meint, davon zu profitieren (Ego-Aspekt).
– Es ist auf Menschen bezogen (Gemeinschaftsaspekt).
Und u.a. das scheint die Bereitschaft zu steigern, jeden Tag bei Facebook reinzuschauen.

Gemeinde ist ebenso als Bewegung gedacht. Jesus sagte: „Geht hin in alle Welt…“. Gemeinde als soziale Bewegung, die sogar die körperliche Bewegung beinhaltet.
Vor allem in den ersten drei Jahrhunderten – so die Kirchenhistoriker – war das Christentum eine enorm dynamische Bewegung und breitete sich vergleichsweise effektiv aus.
Es wurde eingeladen zum Vertrauen auf Jesus Christus,
persönliches Seelenheil wurde zugesagt und
man wurde Teil einer Gemeinschaft.

Manche sagen, dass diese Bewegung an Dynamik verlor, als die Konstantinische Wende Einzug hielt (das Christentum wurde zur Staatsreligion). Die Gemeinde als Institution und Organisation nahm gegenüber der Gemeinde als Bewegung zu.
Kirche war nun weniger die Versammlung derjenigen, die zum Herrn Jesus Christus gehören, sondern Kirche wurde mehr zum Gebäude.

Die Auswirkungen haben wir bis heute.
Auch, wenn viele Deutsche mit „Gemeinde und Kirche“ kaum noch etwas anfangen können, so scheint doch die Vorstellung eines Gebäudes mitzuschwingen.
Eltern, die höchstens per Karteikarte Kirchenmitglied sind, wollen plötzlich ihre Säuglinge taufen lassen. Zwar sind sie in der Regel unwissend, was die Bedeutung der Taufe betrifft, aber sie sehen darin eine Zugehörigkeit, die (hoffentlich) zu einem gelungenen Leben beiträgt. Sie erwarten dann ein Kirchengebäude und entsprechende Zeremonie-Handlungen.

In dieser Herausforderungen stehen m.E. auch die heutigen Gemeindegründungsbewegungen (GGB).
Dies sind Bewegungen, die innerhalb von kurzer Zeit zu einer Vielzahl von Gemeindegründungen führen (wiewohl man bei einem Ersntnehmen der ursprünglichen Bedeutung von Gemeinde dieselbe mit Bewegung gleichsetzen müsste und das Wort „Gemeindegründungsbewegung“ sozusagen doppeltgemoppelt wäre).

Diese Bewegungen scheren sich kaum darum, ob man sich im Wohnzimmer, in der Kneipe oder in einem traditionellen Kirchengebäude trifft. Denn sie wissen: Gemeinde besteht nicht aufgrund eines Gebäudes, sondern besteht durch die Menschen, die Jesus Christus zugehörig sind. Und diese können sich „überall“ treffen und Gemeinde sein.

Vor allem die Hauskirchen-Bewegung (schon wieder so eine Bewegung!) hat den Finger auf einen wunden Punkt der westlichen Christenheit gelegt: „Wir brauchen kein sakrales Haus. Wir können uns auch im Wohnzimmer treffen!“

Theoretisch gedacht, ist das eine nicht nur berechtigte, sondern sogar richtige Ansicht, wenn wir den neutestamentlichen Kontext beachten. Genau diese Rückbesinnung könnte dazu verhelfen, wirklich eine Bewegung in Deutschland zu werden.

Aber eine Schwierigkeit der Hauskirchenbewegung und der GGB ist die:
Wir leben nicht im Zeitalter des Neuen Testamentes.
Wir sind kulturell durch die Kirchengeschichte geprägt.
Und wenn ein Deutscher an Kirche denkt, dann denkt er sicherlich nicht an Christen, die sich im Wohnzimmer treffen, sondern an eine Institution, die durch Prunkbauten repräsentiert wird.

Der Effekt bei der praktischen Umsetzung von GGB in Deutschland ist dann wahrscheinlich der: Christen, die sich in einem Wohnzimmer treffen und sich „Gemeinde“ nennen, gelten schnell als Sekte. Damit drückt der Laie etwas aus, was ihm suspekt erscheint, ohne den Begriff als solchen passend zu platzieren.
Da mögen die Anhänger der GGB rufen: „Aber was wir tun, ist doch biblisch!“
Das wird andere Menschen im Zweifel nicht beeindrucken.

Somit könnte bei einer GBB schon von Beginn an der Tod im Topf sein.
Schließlich kostet es viel Geld und Zeit, um Gebäude zu kaufen oder zu bauen. So etwas können sich nur ein paar wenige Gemeinden auf Dauer leisten.
Wenn aber ein Gebäude feste Bedingung für eine Gemeinde wird, dann verlangsamt sich das Entwicklungstempo und eine Bewegung wird kaum möglich werden.

Wie müsste eine GGB in Deutschland also aussehen, um auch kulturell angenommen zu werden?

Ideen dazu?

Training für Trainer – T4T

Jesus gab uns in Matthäus 28,18 ff. eine Anweisung mit, die bis heute Gültigkeit hat:
Macht andere zu Jüngern Jesu. Schließlich: Macht alle Völker zu Jüngern Jesu!

Ein gewaltiger Wunsch!

Konkret heißt das:
Jeder Christ sollte fähig sein, andere Menschen im Glauben zu trainieren.
Unsere Praxis dürfte anders aussehen und es dürfte ebenso fraglich sein, ob die Predigt des Pastors schon Training ist. Wohl eher nicht.

„Training für Trainer“ (T4T = Training For Trainers) setzt da an:
Jedem Christen wird die Chance gegeben, nicht nur Training zu bekommen, sondern sogar jemand zu werden, der andere trainiert.

Wenn das beständig verfolgt wird, ist irgendwann einer kritischer Moment erreicht.
In diesem Moment beginnt nämlich die Multiplikation von Gemeinden.
Nicht nur mal eine Gemeindegründung, nicht das bloße Addieren von Gemeinden, sondern tatsächlich eine Multiplikation.
Was das auch geistlich für eine Stadt, ein Land bzw. einen Kontinent bedeuten kann, kann man nur erahnen.

Die entsprechende Konferenz zu „T4T“ wird vom 18.02.2013 bis 21.02.2013 in Deutschland stattfinden.
Wer mehr wissen will, möge hier klicken.

Geht da noch was?

Geht da noch was in/auf diesem Blog?

Eine Zwischendurch-Anmerkung im schlafenden Blog, vergleichbar mit einem nächtlichen Toilettengang, um anschließend wieder in’s Bettlein zu huschen (wobei das Bettlein tatsächlich eher eine Baustelle ist):

Gerne würde ich hin und wieder ein paar Zeilen auf diesem Blog loswerden: Mini-Gedanken, die mir beim Bibellesen kommen, grandiose Thesen, die wahrscheinlich nur ich für grandios halte und die zig andere vor mir schon tausendmal bedacht haben…

Doch im nicht-rein-virtuellen Leben gibt es so viele Herausforderungen, dass mir das Bloggen wie zeitlicher Luxus erscheint. Der Aufbau unserer Gemeindegründung, der Aufbau des Familiencafés, Dienste hier und da, Treffen mit Menschen in „4D“ (einschl. Geruch) … all das hat Priorität.

Nun denn – sollte hier wieder ein Artikel erscheinen (ja, das wird er!), dann weiß jeder Leser: der Verfasser hatte 1-2 Stunden Zeit für das Luxus-Bloggen.

So long…