Erweckung in Berlin und Deutschland!?

Wie großartig wäre das, wenn innerhalb kürzester Zeit Berliner Gemeinden von allem lassen würden, was unnötig oder gar falsch ist und umso mehr Gott lieben würden, ihre Mitmenschen lieben würden und die Sünde hassen würden!?

Erweckung = radikaleres Christsein

Christen, die radikal für Vergebung einstehen.
Die nichts mehr machen, was andere kaputt macht.
Deren höchste Freude es ist, Gott zu ehren und anderen Menschen zu helfen.
Und die unbedingt erleben wollen, wie diese Kraft und dieser Friede andere Menschen erreicht und zum Guten verändert!
Die deshalb vom Evangelium erzählen.

Das könnte ebenso innerhalb kürzester Zeit die Stadt Berlin konstrukiv beeinflussen.
Menschen würden sich wieder vertragen. Streitigkeiten würden in Versöhnung enden.
Kinder würden nicht missbraucht werden, sondern Schutz und Wertschätzung erfahren.
Menschen würden schlagartig von Süchten befreit.
Chefs würden ihre Mitarbeiter mehr loben.
Die Kriminalitätsrate würden drastisch sinken.
Politiker und Manager wären noch mehr darum bemüht, dem Volk zu dienen.
Menschen würden durch Christus gerettet werden.

Man nennt einen solchen Vorgang „Erweckung“, weil er damit beginnt, dass Gottes Gemeinde „wach“ wird.
Dass so etwas möglich ist, beweist die Kirchengeschichte: überall dort, wo es solche Erweckungszeiten gab, haben sich dann auch ganze Regionen positiv verändert, weil viele Menschen zu einem Leben mit Christus gefunden haben.

Aber Erweckung in Berlin?

Allerdings scheint die geistliche Situation in Berlin und Deutschland eine andere Sprache zu sprechen.
Spannungen scheinen zuzunehmen. Zwischen Kulturen und politischen Gegnern. Die Wohnungsnot. Der Pflegenotstand. Mehr Menschen, die in Mülleimern nach Verwertbarem suchen. Zu wenig Kita-Plätze. Millionengräber wie ein Flughafen, die auch den politischen Frust der Menschen verstärken. Und schließlich zig ethisch bedenkliche Entwicklungen, die für unsere Gesellschaft nicht immer förderlich sind.
Im Grunde höchste Zeit für eine Erweckung!

Doch Berlin scheint anders zu ticken: eine Erweckung ist nicht in Sicht.
Berlin gilt mancherorts sogar als Hauptstadt des Atheismus in Europa.
Christen brauchen hier einen langen Atem.
Veränderungen gehen nicht schnell. Es müssen Jahre und vielleicht auch Jahrzehnte eingeplant werden, wenn eine Gemeinde Fuß fassen will.
Mit Großevangelisationen ist es nicht mehr getan. Attraktive Massenveranstaltungen gibt es genug in Berlin. Im besten Fall ist die Kirche ein Mitbewerber auf dem Markt der spirituellen Angebote. Aber gewiss kaum noch der hauptsächlich prägende Faktor. Stattdessen sind Gleichgültigkeit und Ablehnung in die vorderen Reihen gestiegen. Klar, es gibt auch noch eine beachtliche Anzahl von Kirchenmitgliedern. Es gibt auch sehr engagierte und gottverwurzelte Christen und durchaus blühende Gemeinden. Doch, wie erwecklich unsere Kirchenlandschaft insgesamt ist, dürfte kritisch zu betrachten sein. Zumindest, wenn man es an der Anzahl der neuen Mitglieder misst. In diesem Bereich reden wir eher von einem Transferwachstum: ein Christ wechselt die Gemeinde. Bekehrungen und Taufen bewegen sich in etlichen Gemeinden eher im einstelligen Bereich pro Jahr, wenn überhaupt.
Es riecht noch immer nach Stagnation und damit nach einem langsamen, stillen Sterben.

Ist Erweckung dennoch möglich?

Der Jesus-Gläubige geht von den Möglichkeiten Gottes aus: Ja, natürlich ist eine Erweckung möglich!

Aber bei allem Glauben: diese Zuversicht hatten manche Christen auch schon in den 80’ern des letzten Jahrhunderts.
Bisher gab es nicht „den Durchbruch“.

Wie sollen wir uns als Christen also verhalten?

 

Vier beachtliche Aspekte

Ich schlage vier Aspekte vor (womit nicht gemeint ist, dass darüber Erweckung funktionieren würde; ich würde die Situation, wenn überhaupt, mit der Situation der Juden im babylonischen Exil vergleichen; sprich: wir sind noch nicht da, wo wir sein sollen – trotzdem ist die gegenwärtige Zeit nicht unnütz; daher sind diese vier Aspekte eingebettet in möglicherweise hundert andere.):

1. Verstehe Berlin!
2. Starte mit Kleinem!
3. Bete!
4. Gemeinsam!


1. Verstehe Berlin!

Folgend nur einige meiner Beobachtungen:

Berlin funktioniert über Kleingruppen.
Man ist im Verein. Auf der Arbeit. Im Garten. Mit Freunden Sport machen. Zusammen in der Kneipe.
Jede Person hat etliche Orte, wo sie lebt und dort jeweils unterschiedliche Bekanntenkreise hat.
Großfamilien gibt es eher in der türkischen und arabischen Community. Wer dort Vertrauen findet, kann mit einem Schlag Dutzende von Menschen erreichen.
Aber die restliche Gesellschaft tickt anders. Vielleicht ist es noch immer die Berliner „Insel-Mentalität“ aus Mauerzeiten. Vielleicht ist es einfach auch nur „Stadtleben“. Vielleicht beides.
Wie hilfreich ist es dann, wenn Gemeinden hauptsächlich auf den Sonntags-Gottesdienst zur besten Brunch-Zeit setzen?

Berlin hat Ost und West.
Das Kleingruppen-Leben gilt für die West- und Ostbezirke. Es mag kurios sein, darauf hinzuweisen, bald 30 Jahre nach dem Mauerfall. Tatsächlich gibt es aber noch die entsprechende Mentalität. Es gibt ja auch noch die entsprechenden Gebäude und Straßen. Viele Teile von Ostberlin sehen anders aus als Westberlin. Natürlich gibt es längst fließende Übergänge und auch eine neue Generation, der all das nicht mehr viel bedeutet. Aber ich merke die Unterschiede, wenn ich in einer westlichen oder östlichen Gemeinde bin. Manchmal ist es „nur“ die Atmosphäre. Aber dahinter stecken Einstellungen und Erfahrungen der Menschen. Es ist weise, das im Hinterkopf zu haben.

Berlin hat Multikulti.
Nicht, dass man stets im Miteinander der Kulturen leben würde. Wie so oft, ist es eher ein sich parallel entwickelndes Leben, das gelegentlich Begegnungen am Döner-Imbiss oder in öffentlichen Einrichtungen hat (obwohl der Döner-Imbiss ja auch eine öffentliche Einrichtung ist). Selbst in einem Kiez wie Heerstraße Nord in Berlin-Spandau gibt es verschiedenste Kulturen und Nationen. Während man mit den einen zum Warmwerden am besten einen türkischen Tee trinkt, trinkt man mit den anderen vielleicht einen Wodka. Und es kann sein, dass beides zusammen nie gehen würde.
Ost und West. Multikulti.
Wie sinnig ist es, wenn Gemeinden versuchen, ihre Gemeindekultur als die einzig passende zu sehen? Wie nötig ist es, die Vielzahl der Kulturen auch im Gemeindeleben zum Ausdruck zu bringen?

Berlin öffnet sich.
Berlin hatte die Insel-Mentalität. Mit dem Mauerfall ändert sich auch die Mentalität. Der Berliner hat das Umland entdeckt. Zumindest bis zu Karls Erdbeerhof bei Elstal/Wustermark. Berlin ist internationaler geworden. Hollywood-Filme werden hier gedreht. Internationale Konzerne haben hier Vertretungen. Das alles ist noch keine Weltmetropole wie Tokyo, aber vielleicht ganz kurz hinter London (!?). Gemäß meiner beschränkten Sicht gilt das auch für den christlichen Bereich: die Zahl der Gemeindegründungen hat zugenommen. Und andere gemeindliche Projekte sind vermehrt an den Start gegangen. Die Öffnung hat zugenommen. Auch mit unangenehmen Folgen, wie z.B. der Segregation oder den verstopften Zufahrtstraßen im Berufsverkehr.
Wie nötig ist es, dass sich Gemeinden gleichermaßen öffnen? Verstehen, dass ihre Stadt internationaler und beweglicher geworden ist? Was heißt das für die Kirchen mit ihren Programmen?

Berlin hat 24 Stunden.
Natürlich gelten etliche dieser Beobachtungen auch für andere Städte. Aber ebenso für Berlin!
Wir haben hier Schichtarbeiter. Pendler. Überstundenmacher. Start Ups. Kinder, die von morgens an bis zum frühen Abend fremdbetreut werden. Wir haben unzählige Vereine und Organisationen, mit denen man seine Freizeit sinnvoll füllen kann. Die permamente Erreichbarkeit über das Handy. Ja, in der Nacht ist es in Gesamt-Berlin ruhiger (auch, wenn es hier und da umso lebendiger wird). Aber insgesamt lebt die Dienstleistungsgesellschaft in all ihrer Betriebsamkeit. Es gibt keinen Stopp-Knopf.
Was heißt das für Gemeinden? Sind sie umso wichtiger als besinnlicher Gegenpol? Müssen sie lernen, 24-Stunde-Gemeinde zu werden?

Das sind nur ein paar Beobachtungen und Fragen.

Demnächst mehr zu:
Erweckung in Berlin – Starte mit Kleinem!

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Wenn Gemeinden sterben

Gemeinden sterben

Es ist ein Fakt: Gemeinden sterben.
Beweis: Keine der vom Apostel Paulus vor nahezu 2000 Jahren gegründeten Gemeinden existieren heute noch.

Eine Gemeinde ist ein lebendiger Organismus. Er wird geboren, er hat seine Reifezeit und irgendwann stirbt der Organismus. So ist das Leben eben. Manche Gemeinden werden auf diese Weise nur ein Dutzend Jahre alt, sterben gar im Kindesalter, andere können über hundert Jahre alt werden.
Wie gut ist es, wenn solch ein Organismus fruchtbar ist. Wenn er Kinder bekommt.
(Ich vermute, dass man vieles, was ich hier bedenke, auch auf viele andere Sozialformen beziehen kann)

Fruchtbare Gemeinden

Die „Kinder“ einer Gemeinde können neue Gemeinden sein. Oder kleinere Hausgruppen, die nach dem Tod der lokalen Gemeinden weiter existieren. Und manchmal sind es auch „nur“ die einzelnen „Zellen“, sprich: die einzelnen Menschen, die durch diese Gemeinde geprägt worden sind und sich dann einer anderen Gemeinde anschließen und ihre Prägung dort einbringen.
Traurig ist es allerdings, wenn es keine Nachkommen gibt. Wenn eine Gemeinde tatsächlich aus Altersgründen stirbt und weder eine Gruppe weiterlebt noch ein Gemeindemitglied.
Dann handelt es sich um einen „Gen-Defekt“ oder eine tödliche Krankheit.

Entscheidend für die Fruchtbarkeit einer Gemeinde scheint die geistliche DNS zu sein.

Gemeinde-DNS
Und diese wird in der ersten Zeit der Gemeinde festgesetzt. Im Grunde in der Zeit, in der die Gemeinde noch ungeboren ist: Es gibt weder eine Gottesdienstfeier, noch ein Gemeindehaus oder eine Lobpreisband.
Die einzigen, die schon existieren, sind die einzelnen Zellen, also vielleicht 1-3 Christen, die den Wunsch haben, eine Gemeinde zu gründen.

Ihre erste Zeit ist die entscheidende.
Was sie zu Beginn entscheiden, wird die entstehende Gemeinde ihr Leben lang prägen.
Deshalb ist es am Anfang so relevant, sich Zeit zu nehmen. Hier werden die Weichen für die kommenden Jahrzehnte gestellt!

Die „Vision“ als geistliche DNS

Knackpunkt für die geistliche DNS ist – neben einigen anderen Aspekten – dieser:
Was genau ist die „Vision“ der Gründer?
Ob man es „Vision“, „Leitbild“ oder ganz anders nennt – es geht darum, WARUM diese Gemeinde gegründet werden soll.
Was genau treibt dazu an? Was begeistert?
Je genauer dieses Bild ist (denn mehr als ein Bild ist es ja nicht), desto besser.
Mit Genauigkeit ist nicht zuerst gemeint, welche Lieder man an welchem Sonntag singen will.
Mit Genauigkeit ist solches gemeint: Wo soll die Gemeinde sein? Was wird durch sie erreicht? Mit welchen Menschen wird man hauptsächlich zu tun haben? Was kann die Gemeinde bei diesen Menschen bewegen? Wie können diese Menschen die Gemeinde bereichern? Welchen Einfluss hat die Gemeinde auf ihr Umfeld? Und warum wird das Gründungsteam mit der Gemeindearbeit weitermachen, obwohl die erste Krise alles durchgerüttelt hat?

Diese Vision ist der Kern des Ganzen.
An ihr wird entschieden, wer am Anfang dabei sein wird. Und dabei sein darf. Wer darf und soll diese DNS leben?
An der Vision wird entschieden, wohin welche Ressourcen investiert werden.
Und in Krisenphasen wird anhand der Vision die nächste Entscheidung getroffen.

Wie bekommt man eine solche Vision?
Das ist ein Thema für sich. Klar ist das: Es hängt mit Gebet, göttlicher Inspiration und Fügung sowie den Charakteren der Startmannschaft zusammen.

Je nach Vision und der konsequenten Verfolgung dieser in der ersten Phase der Gründung wird die „Frucht“ sein.

Die fehlende Vision

Ich sehe mindestens zwei Gründe, weshalb eine Gemeinde später auch kinderlos sterben kann:
a) Es gab keine weitreichende und zugleich detaillierte Vision.
Vielleicht ging es einfach nur darum, eine Gemeinde zu gründen. Fertig. Aus.
Mit einer solchen Vision kommt man nicht weit.
Denn wenn die Gemeinde erst einmal gegründet ist, dann kann ein „Visionsloch“ entstehen: eigentlich weiß niemand, warum diese Gemeinde weiterleben soll. Biblisch mag man Argumente anführen. Aber sie klingen in einer solchen Loch-Phase mehr nach „Richtigkeiten“ statt nach lebendiger Überzeugung. Der Sterbeprozess steht vor der Tür, wenn nicht Einschneidendes geschieht.

b) Die Vision wurde nicht gepflegt und nicht angepasst.
Die erste Vision bestimmt zwar die DNS der Gemeinde. Aber so ein Organismus kann von Viren befallen werden und erkranken. Diese Angreifer lauern ständig überall. So kann es sein, dass die DNS zwar da ist – aber sie hat keinen Raum, um gelebt zu werden. Die Folge ist, dass der Organismus eingeht. Deshalb ist es wichtig, die Vision (=DNS) beständig zu pflegen. Das geschieht durch Predigten, Andachten und womöglich am meisten durch das Leben der Vision. Hier sind die Leiter der Gemeinde gefragt. Wie füllen sie die Vision? Geben sie der DNS Lebensraum? Werden die Ressourcen so eingesetzt, damit es der Vision dient? Stehen die Bereichsleiter hinter der Vision? Das muss ganz praktisch werden und kann sich bis hin zur Dekoration eines Gemeindesaals hinziehen.
Immer wieder gibt es dabei Situationen, die neu sind. So neu, dass man sie nicht bedenken und planen konnte. Die Herausforderung für den Organismus ist es, ob er sich der neuen Situation anpassen kann, ohne seine DNS zu verleugnen. Gelingt es dauerhaft nicht, kann der Gemeindekörper sterben.

„Visionskunde“ für die Ausbildung

Zur Zeit habe ich mit mehreren Gemeinden zu tun. Als angestellter Pastor, als Honorarkraft und als Gastprediger.
Als Gastprediger hier und da, ansonsten im Bereich der Freien evangelischen Gemeinde und der Landeskirchlichen Gemeinschaften.
Und tatsächlich geht es bei der Zukunft jeder dieser Gemeinden/Gemeinschaften um eben diesen Kernaspekt:
Was ist die Vision?

Und leider ist auch das zu merken:
Wo die Vision nicht existiert oder nicht nicht gepflegt wird, da schwindet eine Gemeinde.

Das wäre doch mal was:
Wenn Theologiestudenten und Bibelschüler zwei Semester „Visionskunde“ hätten!
Das wäre eines der Themen, die für die Praxis existentiell wichtig sind. Wer weiß, wie unsere Gemeindelandschaft aussehen würde, wenn das gelehrt werden würde!?

Bildquelle: wikipedia – DNS – Seite aufgerufen am 24.02.2018

Die Gemeinde ist keine Familie!

Hier und da höre ich Folgendes von Christen:
„Wir brauchen mehr Miteinander in der Gemeinde! Wir sind doch eine Familie!“

Biblisch ist das Bild von der Gemeinde als Familie schwer haltbar.
Ja, es ist von „Brüdern“ und „Schwestern“ die Rede. Von Gott, dem Vater.
Aber Gemeinde wird an keiner Stelle ausdrücklich als „Familie“ bezeichnet!

Jetzt schaut mancher in seiner Bibel und sagt:
„Aber doch! Hier steht es in Galater 6,10 und Epheser 2,19!“

Nun übersetzen nicht alle Bibelwissenschaftler die genannten Stellen in Gal 6,10 und Eph 2,19 so.
So z.B. auch nicht die recht genaue Übersetzung der Elberfelder Bibel.

Warum nicht?
Weil im griechischen Grundtext das Wort „Familie“ tatsächlich nicht auftaucht, sondern das Wort „Hausgenossen“.

Und dieses Wort klingt nicht nur anders, sondern hat auch einen anderen Inhalt.

Hausgenossen sind gewiss fast genauso beieinander wie eine Familie.
Und dennoch sind sie nicht so verbunden wie eine Familie.
Die Distanz ist im Allgemeinen größer.

Ich vermute hinter dem Wunsch, dass Gemeinde wie eine Familie sein soll, die Sehnsucht nach mehr Miteinander.
Mehr Zeit miteinander verbringen.
Sich gegenseitig mehr helfen.
Mehr Verbundenheit und weniger Distanz.

Diesen Wunsch haben längst nicht alle Christen.
Ich kenne Christen, die im Alltag so ausgelastet sind, dass die Teilnahme am Sonntagsgottesdienst das höchste ihrer Gefühle ist. Sie haben bedingt durch ihren Beruf mit so vielen Menschen zu tun, dass ihnen am Wochenende mehr nach „Höhle“ als nach „Familienfeiern“ ist. Wer diesen Christen was Gutes tun will, müsste ihnen öfter mal Mut machen, sich am Samstag/Sonntag tatsächlich mal in die Einsamkeit zurückzuziehen.

So ist der Wunsch nach der Gemeinde-Familie ganz unterschiedlich ausgeprägt.

Woran orientieren wir uns also?
Natürlich am Wort Gottes, der Bibel.

Interessanterweise wird uns in der Bibel nicht vorgegeben, wie oft oder unter welchen Voraussetzungen sich Christen zu treffen haben oder wie toll doch alles zu laufen hat.
Es wird von Bräuchen erzählt (s.a. Apg: zu Beginn trafen sie sich täglich; hingegen scheinen sich andere Christen einmal wöchentlich – am Tag des Herrn – getroffen zu haben; Paulus wiederum hatte zwar ein Missionsteam, aber Kontakt zu lokalen Gemeinden war mitunter wochenlang nicht drin). Es wird aber auch von Konflikten der ersten Christen erzählt (s.a. Apg: die Versorgung der jüdischen und griechischen Witwen; der Betrug durch Ananias und Saphira; Konflikte zwischen Petrus und Paulus oder Paulus und Barnabas).

Natürlich geht es um das Miteinander der Christen. Und es geht auch um Gemeinschaft. Es geht um das gegenseitige Dienen.
Aber hat das täglich zu erfolgen? Oder zweiwöchentlich? Sonntags oder Dienstags? Morgens oder Abends? Zu dritt oder zu zehnt? Im Wohnzimmer oder im Café? Für eine Stunde oder für fünf Stunden? Mit Predigt oder ohne?
All das ist nicht ausdrücklich geregelt.

Denn es geht um die Herzenseinstellung. Diese Einstellung des „Ich bin für Jesus und für dich!“.
Und es geht um den eigentlichen Grund des Zusammenkommens: „Zusammen vor Gott durch Jesus und hinausgesandt in die Welt!“.

Wer das versteht, kann zum eigenen Wunsch nach mehr Gemeinschaft „Ja“ sagen. Es ist ein guter Wunsch.
Der kann aber ebenso „Ja“ sagen zu dem Wunsch des anderen, sich in die Höhle verziehen zu wollen.
So drückt man den eigenen Wunsch nicht dem Gegenüber auf und misst nicht eine ganze Gemeinde am persönlichen Wunsch. Sondern man fängt an, dem anderen zuhörender zu begegnen: Wie stellt sich der andere die Gemeinschaft vor?

Das wäre doch mal eine interessante Unterhaltung!

Warum triffst du dich mit anderen Christen?
Was hilft dir bei den oder durch die Treffen?
Inwiefern kannst du anderen helfen?
Wie kann diese Gemeinschaft den Nachbarn bzw. der Gesellschaft helfen?
Was sind deine zeitlichen und kräftemäßigen Möglichkeiten?
Was sind deine Limits?

Frauen als Älteste einer Gemeinde?

Dürfen Frauenlaut Bibel Älteste einer Gemeinde sein?

Das ist tatsächlich eine Frage für manche Christen.
Ich habe darüber viel, viel nachgedacht. Seit Jahren.
Und wenn es dann an die Wahl einer Gemeindeleitung geht, kommt diese Frage bei Einzelnen wieder hoch.
Ein Dauerthema.

Interessanterweise wird diese Frage von Frauen selten so gestellt. Es sind eher die Männer, die das umtreibt.
Ihnen geht es oft darum, dass sie die biblischen Texte ernst nehmen wollen.
Was hat Gott über Gemeinde und Gemeindeleitung gesagt?
Was denkt Gott über das Ältestenamt?
Die Grundlage für weitere Überlegungen ist die Bibel als das schriftliche Fundament des christlichen Glaubens.

Und – das kann vorweg genommen werden – die Erkenntnisse zu diesem Thema sind unterschiedlich.
Allein diese Tatsache, dass verschiedene Christen sich ernsthaft und gottgläubig darum bemühen, eine Erkenntnis zu gewinnen, dann aber zu unterschiedlichen Meinungen kommen, lässt mich innehalten:
Dann sollte so ein Thema keine Hauptfrage sein. Sie kann nicht den gleichen Rang haben wie die Frage nach der Erlösung. Sie muss als „Nebenfrage“ behandelt werden, mit dem Respekt vor unterschiedlichen Erkenntnissen und trotzdem dem Mut, die eigene Ansicht zu vertreten.

Ich bin auch in diesem Blog schon öfter auf die „Frauen-Frage“ eingegangen, deshalb will ich hier nichts vertiefen.
Ich bringe nur in Stichwörtern meine Erkenntnis rüber:

– Frauen hatten auch im NT verantwortliche Leitungsfunktionen:
Junia als Apostel, Phöbe als Diakonin, Priscilla als Lehrerin (zusammen mit ihrem Mann).

– Es gibt kein Verbot, dass Frauen Älteste/Gemeindeleiter sind.
Deshalb dürfte es schwer sein, in diesem theologischen Bereich von „Sünde“ zu sprechen.

– Sinn der Aussage in 1.Tim 3,2b ist, dass ein verheirateter Ältester seiner Frau treu sein soll (Monogamie).
Es geht nicht um die Formulierung eines Verbotes des Ältestenamtes für Frauen.

– Die gleiche Aussage gibt es für Diakone, 1.Tim 3,12: auch ein Diakon soll Mann einer einzigen Frau sein.
Nach Röm 16,1 haben wir es mit „einem weiblichen Diakon“ zu tun.
Wenn wir davon ausgehen wollen, dass sich biblische Aussagen nicht widersprechen, sondern ergänzen, dann kann daraus nur das geschlussfolgert werden: Es gab weibliche Diakone und 1.Tim 3,12 will nicht Frauen ausschließen, sondern die Situation in Ephesus behandeln und die eheliche Treue betonen.
Das unterstreicht die Auslegung, wonach auch in 1.Tim 3,2b kein „Frauen-Verbot“ statuiert wird.

– Eine wortwörtliche Auslegung von 1.Tim 3,2b (=nur Männer dürfen Älteste sein) würde uns in viele Schwierigkeiten bringen (dann müssten Älteste stets verheiratet sein, mit nur einer Frau und müssten mehrere Kinder haben; Witwer oder Männer mit verstorbenen Kindern oder Männer mit nur einem Kind würden als Älteste ausscheiden).

– Zudem ist es ebenfalls bedenklich aus einer positiven Weisung („Mann einer einzigen Frau“) ein Verbot zu konstruieren („Dann dürfen Frauen keine Älteste sein!“). Das wäre ein Umkehrschluss. Dieser kann legitim sein, wenn sich entsrechende Verbote in der Bibel finden (z.B. das Gebot ehelich treu zu sein UND das Verbot der Ehescheidung). Wenn sich solche Verbote aber nicht finden, dann sind solche Umkehrschlüsse bedenklich (z.B. nach 1.Tim 2 sollen Männer an allen Orten beten, indem sie ihre Hände heben. Das ist die positive Weisung. Der Umkehrschluss wäre: „Es ist verboten, das Gebet zu unterlassen. Es ist verboten, beim Beten die Hände unten zu lassen!“). Da sich ein ausdrückliches Verbot für Frauen im Ältestenamt nicht finden lässt, muss von einem solchen Umkehrschluss Abstand genommen werden.

– Gesellschaftliche Wandlungen mit Auswirkungen auf das Gemeindeleben können legitim sein.
So haben wir heute keine legale Sklaverei mehr in Deutschland. Als Christen befürworten wir das und stehen dahinter. Doch nach Aussagen des NT war es damals anders: Auch Christen hatten Haus-Sklaven. Dieser Umstand hat sich gesellschaftlich geändert. Es wäre absolut grotesk und falsch, wenn Christen anhand des biblischen Wortlautes meinen würden, dass wir wieder die Sklaverei einführen müssten. Ebenso kann sich also die Position anderer Menschen in deiner Gesellschaft ändern. Es ist doch sehr gut, dass Frauen nicht mehr als Sache gehandelt werden, sondern als gleichwertige Menschen erkannt werden! Und natürlich muss das Auswirkungen auf das Gemeindeleben haben.

Den Vertretern der anderen Erkenntnis (Nur Männer sollen Älteste sein) muss ich zugute halten, dass es kein biblisches Beispiel für eine Frau im Ältestenamt gibt. Es ist, wenn dann, nur von Männern die Rede.
Woran das liegt, kann ich nicht mit Gewissheit sagen.
Es mag kulturell bedingt sein.
Es mag damit zusammenhängen, dass Gott den Mann als Hauptverantwortlichen für seine Frau sieht.
Es mag mit dem damaligen Bildungsniveau zusammenhängen.

Doch auch, wenn wir kein „Frauen-Älteste-Beispiel“ haben, so haben wir es dennoch nicht mit einem Verbot zu tun.
Daher ist das mein Plädoyer:
Eine Gemeinde, eine Gemeindeleitung oder die Gründer einer Gemeinde müssen zu diesem Thema eine Entscheidung treffen und diese muss dann von den Folge-Generationen respektiert werden. Alles andere würde eine Gemeinde nur in endlose und zumeist unfruchtbare Diskussionen stürzen.

Anschlag auf Herz-Jesu-Gemeinde in Berlin!?

Laut B.Z.-Bericht soll es einen Anschlag auf die Herz-Jesu-Gemeinde in Berlin, Prenzlauer Berg gegeben haben (B.Z.-Artikel). Bislang habe ich dazu weder eine Polizeimeldung gefunden, noch einen Pressebericht der Berliner Regierung, noch eine Meldung in einer anderen Online-Zeitung. Das Kirchengebäude sei beschmiert worden sein, eine Scheibe sei zerschlagen worden sein und hineingeworfene Farbbeutel hätten das Inventar beschädigt. Dazu solle es ein Bekennerschreiben im Internet geben (diese Seite habe ich auch noch nicht gefunden).
Wiewohl es keine anderen Fundstellen im Internet gibt, gehe ich mal davon aus, dass sich Gunnar Schupelius, der Verfasser des B.Z.-Textes, kein Märchen ausgedacht hat. Sein journalistischer Ruf wäre schnell ruiniert.

Vielleicht hätte ein Brandanschlag auf ein Kirchengebäude mehr mediale Wirkung entfaltet. Denn Graffiti mit blöden Sprüchen finden wir überall in der Stadt. Klar, ein religiöses Gebäude zu beschmieren, ist noch dreister. Doch das Zerstören eines Fensters und das Beschädigen von Inventar, wäre eine Zeile in den Medien wert gewesen. Man stelle sich nur vor, dies wäre bei einer Synagoge, einer Moschee oder einem Parteibüro passiert.
Ob dieses Schweigen der restlichen Medien nun absichtlich stattfindet oder ob das Geschehen für sie eher in den Bereich „Hund pinkelt an den Baum“ fällt, weiß ich nicht.
Sicher finde ich nur das: Für die Täter sollten wir beten und sie segnen, damit sie erkennen, dass sie auf dem falschen Weg sind. Und für die Christen der betroffenen Gemeinde sollten wir beten, dass sie weise reagieren und durch Gott geschützt werden.

Lektionen aus der praktischen Gemeindegründungssarbeit

Mit hehren Vorsätzen bin ich in die Gemeindegründungsarbeit gegangen. Null Erfahrung in der Hinsicht, aber viel Passion. Eines war mir dabei klar: Ich will keine Christen aus anderen Gemeinden, sondern Menschen aus dem Kiez erreichen. In der ersten Zeit habe ich mit anderen zusammen das getan, was ich von Evangelisten gesehen hatte, wenn sie denn Menschen auf Jesus hin ansprechen wollen:
– Büchertisch
– Interviews führen
– Von Tür zu Tür gehen
– Verschenken von Getränken
– Verteilen von Abertausenden von Flyern
– Verschenken des Jesus-Films

Nach menschlichen Ermessen passierte so gut wie nichts. Niemand hatte Interesse an mehr von Jesus.
War der „Boden“ also zu hart?
Waren die Herzen der Menschen zu verschlossen?

Mittlerweile denke ich, dass ich zu dumm war.
Ich kann noch immer nicht behaupten, alles verstanden zu haben.
Aber das ist mir deutlicher geworden:

Es geht nicht um das Schaffen eines Angebots.
Es geht um Beziehungen.
Es geht nicht um kluge Reden.
Es geht um das Zuhören.
Es geht nicht darum, etwas Neues zu schaffen.
Es geht darum, im Bestehenden zu sein.
Es geht nicht darum, das große Projekt zu stemmen.
Es geht um die Mini-Schritte, die zur Vision passen.
Es geht nicht um meinen Zeitplan.
Es geht um Gottes Zeitplan.

All das andere (Teilnahme an Stadtteilfesten, Durchführen von Glaubenskursen, Bastelangebote für Kids…) hat seinen Stellenwert und kann punktuell auch sinnig sein.
Aber viel mehr geht es noch darum, Zeit für mein Gegenüber zu haben.
Es geht um den Menschen, der mir nahe ist (oder nahe werden soll) und nicht um das Schaffen eines Programms.

Ich bin gut im Erstellen von Plänen und Programmen. Das liegt mir. Und hin und wieder braucht man das auch.
Aber vielmehr will ich lernen, Zeit für den Nächsten zu haben.

Ich sehe das in der Entwicklung unserer Gemeindearbeit.
Wir haben viele Christen angezogen. In etlichen Fällen war das wirklich gut. Manche Christen waren seit längerer Zeit ohne Gemeinschaft mit Brüdern und Schwestern. Dabei sind wir doch ein Leib und brauchen einander! An dieser Stelle konnte unsere Gemeinde eine Hilfe sein. Und diese Christen sind uns zur Hilfe geworden, so dass ich nun sagen kann: mit ihnen zusammen sind wir Gemeinde.
Doch die Frage blieb (und bleibt): Wie können wir den Menschen um uns herum das Evangelium bringen?
Das sind meine Erfahrungen:

– Bleiben.
Nicht nach dem besseren Gemeinderaum suchen. Sondern dort bleiben, wo man etwas gefunden hat. Stabilität und Verlässlichkeit sind eine Botschaft für sich. Eine Gemeinde, die nach ein paar Jahren wieder in eine andere Straße zieht, weil das Haus dort schöner ist, der wird es kaum gelingen, Beziehungen in der Nachbarschaft zu bauen. Mitterweile bin ich dafür, „für immer“ in dem begrenzten Raum zu bleiben, in dem wir als Gemeinde nur Untermieter sind. Gemeindewachstum muss dann über zusätzliche Stationen/Räume geschehen, aber nicht durch das Verlassen des jetzigen Standortes. Es sollte nicht die Zentralisierung gesucht werden, sondern die Multiplikation.

– Lieber schwach sein als stark sein.
Jesus wurde in einem Stall geboren und war später oft unterwegs, ohne eine feste Bleibe zu haben. In der Hinsicht war Er schwach bzw. arm. Für uns heißt das: Wir müssen nicht alles stemmen. Wir brauchen keine durchgestylten Räume. Ja, es darf praktisch sein. Aber der Fokus ist nicht die Schaffung einer starken Gemeinde, die für jeden und alles ein Angebot hat und die größten und schönsten Räume der Gegend aufweisen kann. Vielleicht passt das in eine Gegend mit Millionären. Aber in einem Kiez, in dem über die Hälfte der Menschen Leistungen vom Jobcenter bekommen oder bestimmte soziale Leistungen beziehen, da brauchen wir das nicht. Dann lieber als Gemeinde ebenso abhängig und begrenzt sein. Nix gegen schöne Räume oder Zielgruppenarbeit. Aber wichtiger ist das Herz für Gott und Menschen. Das sollte nie verwechselt werden. Und möglicherweise hilft die eigene Begrenzung dazu, sich nicht zu überheben, sondern demütig zu bleiben.

– Langsam sein.
Nun, Jesus und Seine Leute waren beim Wandern langsam. Das muss kein göttliches Prinzip sein, sondern ist einfach dem technischen Fortschritt geschuldet. Und dennoch: auch, wenn uns Waschmaschine, Online-Banking und Handys helfen können, Zeit zu „sparen“ (geht ja nicht wirklich, da diese Zeit nicht zu einem Zeitpunkt beliebig abrufbar ist), so führen diese Tools auch dazu, dass wir in der gleichen Zeit mehr tun. Früher gab es den Waschtag. Heute wird an einem Tag nicht nur Wäsche gewaschen, sondern werden noch zig andere Dinge erledigt. Wir werden unruhig, wenn wir im Restaurant länger als 30 Minuten auf das Essen warten müssen. Das Problem ist, dass wir dieses Denken oft auf Lebensprozesse übertragen. Aber das funktioniert nicht. Beziehungsbau zu Nachbarn braucht Zeit. Da reicht es nicht, einen Glaubenskurs anzubieten und bei Nicht-Gelingen, aufzugeben. Es geht darum, beständig in Beziehungen zu investieren. Als Kiezgemeinde haben wir u.a. Grillfeste für die Nachbarn durchgeführt. Einfach miteinander essen und miteinander reden. Da muss nicht gleich beim ersten Mal was Großartiges geschehen. Wenn Jesus in unseren Herzen ist, dann wird Jesus irgendwann automatisch zum Thema werden. Ja, das braucht Zeit. Aber alles andere wirkt oft wie das Angebot für eine Clubmitgliedschaft und nicht wie echte Liebe zum Nächsten. Natürlich haben manche einen evangelistischen Drang in sich und würden am liebsten jedem sofort das Evangelium sagen… und manchmal gibt es ja wirklich Momente, in denen JETZT die Chance ist. Aber hier, in unserem Kiez, da würde das permamente Raushauen des Evangeliums wohl eher dazu führen, dass Menschen die Schotten dicht machen, weil eben der Eindruck schnell entsteht: „Die wollen ja nur mehr Mitglieder für ihren Verein haben!“ Stattdessen sollen die Menschen erfahren, dass das Evangelium wirklich der Liebe Gottes entspricht: „Nein, wir wollen nicht Dein Geld! Nein, wir wollen nicht mehr Mitglieder haben! Sondern Du sollst befreiter leben können! Du sollst wissen, dass Du von Gott geliebt bist!“
Und viele erfahren das nicht zuerst an unseren Worten (davon hören sie genügend in den Medien). Sie erfahren das zuerst an unserem Leben und Handeln. Sie brauchen die Chance, uns zu erleben. Nicht, dass wir alles richtig machen würden. Darum geht es gar nicht. Aber sie sollen erfahren können, dass wir selbst die Krisen und Macken mit Gottes Gnade und Kraft meistern können. Sie sollen erfahren können, dass wir nicht nur von Gottes Liebe reden, sondern sie wirklich Bestandteil unseres Lebens ist. Aber genau das braucht Beziehungen. Und Beziehungen brauchen Zeit. Lieber langsam sein!

– Kleiner denken.
Das korrespondiert mit der o.g. Schwäche. Aber ich möchte damit noch etwas anderes betonen: vor der eigenen Haustür starten! Ich bin visionär begabt und produziere mit Leichtigkeit große Ideen und Wünsche. Es ist kein Ding für mich, mir vorzustellen, wie Erweckung ausbricht und ganze Stadtteile radikal zum Guten verändert werden. Doch in der Praxis kann ich mich damit selbst erschlagen. Die große Idee ist da, aber wenn ich dann den Kiez sehe, dann fühle ich mich schnell ohnmächtig. Wie soll eine Gemeinde mit zwei Dutzend Mitgliedern einem Kiez dienen, der 17.000 Menschen umfasst? Es ist unmöglich. Die Probleme wie Arbeitslosigkeit, Bildungsmangel, häusliche Gewalt, Süchte usw. sind so vielfältig und wir sind froh, wenn wir unsere eigenen Herausforderungen gebacken kriegen. Die Folge von großen Ideen kann also sein, dass man dann lieber passiv bleibt oder sich in sein Schneckenhaus zurückzieht. Hilfreicher ist das: Ja, die Vision muss sein. Sie ist Herzstück der Motivation. Aber praktisch geht es nicht zuerst um den gesamten Kiez. Praktisch geht es zuerst um die direkten Nachbarn; bei uns als Gemeinde: um die Menschen in dem Haus, in dem wir Mieter sind. Es geht um den Menschen, den ich im Treppenflur treffe. Das reicht als Aufgabe. So kann man als Gemeinde ein anderes Wohnhaus geistlich adoptieren. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

Hausgemeinde Buxtehude

Das Thema „Hausgemeinde“ finde ich immer wieder interessant. Mir geht es weniger darum, dieses Modell als alleinseligmachend darzustellen. Aber dahinter stecken Christen, die versuchen, Gemeinde anders zu leben. Solche Alternativ-Szenarien können uns helfen, liebgewonnene Gestaltungsmethoden zu hinterfragen. Im Kern geht es für mich aber auch um die Frage: Wie können wir Gemeinde leben? Wie sollten wir Gemeinde leben?

Hier nun ein kleiner Einblick in die Hausgemeinde Buxtehude. Vielen Dank an Euch, dass Ihr geantwortet habt! Ich habe die Antworten so übernommen, wie sie mir übermittelt wurden.

1. Seit wann existiert Ihr?

Oktober 2005

2. Was war euer Wunsch?

  • Biblisches Gemeindeleben praktizieren –> Apg 2, 42: Abendmahl,  Gebet, Lehre der Apostel, in Liebe zusammenhalten

  • Weniger Termine in der Woche, dafür mehr Zeit für noch nicht Erlöste, Nachbarn, Freunde, Beziehungen zu Nichtchristen

  • In größeren Gemeinden wollte man etwas verändern, konnte aber nicht. In einer Hausgemeinde ist man „der eigene Chef“ in Sachen Gemeindestrukturen

  • Kontakte zu Gemeinden vor Ort suchen, sich eingebunden wissen in den Leib Christi der Stadt (bekannt sein, ohne Leute aus anderen Gemeinde abzuwerben)

  • Nähe zu Nichtchristen, statt Nähe zu Christen/in Kirchenmauern von „der Welt“ abgeschottet

  • Alltagsnahe Gottesdienste: Wir sind der Kern des Gottesdienstes /der Hausgemeindetreffen und bestimmen die Themen und den Ablauf mit großem Bezug zu unserem konkreten Alltag

3. Welche Hindernisse/Herausforderungen taten sich auf, als Ihr angefangen habt?

Keine!

  • Neuanfang für beide Familien an neuem Ort. Daher kein Herauslösen aus bestehender Großgemeinde

  • Bei Allianzgebets-Treffen: wie ernst genommen wird man als Haus-„Kirche“? Britta: ich hätte uns gerne als Gebetstreffen-Gastgeber vorgeschlagen, hatte dazu aber keinen Mut.

  • Anfangs haben wir Christen aus anderen Gemeinden zu einem Lobpreisabend eingeladen. Daran haben sich einige Jahre später noch erinnert und fragten öfter, wann wir das wiederholen. Durch Familienzuwachs fühlten sich beide Hausgemeinde-Familien jedoch über Jahre kräftemäßig nicht in der Lage, so etwas zu wiederholen.


4. Was würdet Ihr rückblickend noch einmal so machen?
– In Sachen „Kinderstunde“ viele verschiedene Varianten ausprobiert, je nach Alter und Familiensituation.

– Kontakte zu anderen christlichen Gemeinden suchen und halten (ohne Mitglieder abzuwerben)

– gemeinsame Wochenenden verbringen (hatten wir lange nicht mehr- ist mal wieder Zeit 🙂 )


5. Was würdet Ihr rückblickend anders machen?

Überlegen, einen Coach zu suchen, mit dem man sich regelmäßig trifft und Entwicklung reflektiert.

6. Welche Tipps würdet Ihr anderen mitgeben, die eine Hausgemeinde starten wollen?
Mut zur Lücke!

Auf gehts 🙂


7. Hausgemeinden werden manchmal auch Vorhaltungen gemacht. Welchen Vorhaltungen/Vorwürfen seid Ihr begegnet und was sind Eure Antworten darauf?
– Gaben verschwenden, weil man sie nicht in Großgemeinde einbringt

– „theologische Rosinenpickerei“; Gefahr, dass man nicht von einem Pastor korrigiert wird.


8. Welche Perspektive habt Ihr für die nächsten Jahre als Hausgemeinde?
– Nächstes Jahr wird das jüngste Kind 3!! Setzt Kapazität bei den Eltern frei 🙂

– offenen Lobpreisabend 1/Monat, zu dem Christen aus anderen Gemeinden kommen, in denen Lobpreiszeiten nicht vorkommen (frühestens 2015)

-weitere Projekte in der „Kinderkirche im Wohnzimmer“ mit den Nachbarfamilien beider Familien-Standorte


9. Seid Ihr damit einverstanden, dass ich Eure Antworten oder Teile davon auf meinem Blog veröffentliche? Ja.

Mehr Infos zur Hausgemeinde Buxtehude: http://www.hausgemeinde-buxtehude.de/wb/index.php