Erweckung in Berlin und Deutschland!?

Wie großartig wäre das, wenn innerhalb kürzester Zeit Berliner Gemeinden von allem lassen würden, was unnötig oder gar falsch ist und umso mehr Gott lieben würden, ihre Mitmenschen lieben würden und die Sünde hassen würden!?

Erweckung = radikaleres Christsein

Christen, die radikal für Vergebung einstehen.
Die nichts mehr machen, was andere kaputt macht.
Deren höchste Freude es ist, Gott zu ehren und anderen Menschen zu helfen.
Und die unbedingt erleben wollen, wie diese Kraft und dieser Friede andere Menschen erreicht und zum Guten verändert!
Die deshalb vom Evangelium erzählen.

Das könnte ebenso innerhalb kürzester Zeit die Stadt Berlin konstrukiv beeinflussen.
Menschen würden sich wieder vertragen. Streitigkeiten würden in Versöhnung enden.
Kinder würden nicht missbraucht werden, sondern Schutz und Wertschätzung erfahren.
Menschen würden schlagartig von Süchten befreit.
Chefs würden ihre Mitarbeiter mehr loben.
Die Kriminalitätsrate würden drastisch sinken.
Politiker und Manager wären noch mehr darum bemüht, dem Volk zu dienen.
Menschen würden durch Christus gerettet werden.

Man nennt einen solchen Vorgang „Erweckung“, weil er damit beginnt, dass Gottes Gemeinde „wach“ wird.
Dass so etwas möglich ist, beweist die Kirchengeschichte: überall dort, wo es solche Erweckungszeiten gab, haben sich dann auch ganze Regionen positiv verändert, weil viele Menschen zu einem Leben mit Christus gefunden haben.

Aber Erweckung in Berlin?

Allerdings scheint die geistliche Situation in Berlin und Deutschland eine andere Sprache zu sprechen.
Spannungen scheinen zuzunehmen. Zwischen Kulturen und politischen Gegnern. Die Wohnungsnot. Der Pflegenotstand. Mehr Menschen, die in Mülleimern nach Verwertbarem suchen. Zu wenig Kita-Plätze. Millionengräber wie ein Flughafen, die auch den politischen Frust der Menschen verstärken. Und schließlich zig ethisch bedenkliche Entwicklungen, die für unsere Gesellschaft nicht immer förderlich sind.
Im Grunde höchste Zeit für eine Erweckung!

Doch Berlin scheint anders zu ticken: eine Erweckung ist nicht in Sicht.
Berlin gilt mancherorts sogar als Hauptstadt des Atheismus in Europa.
Christen brauchen hier einen langen Atem.
Veränderungen gehen nicht schnell. Es müssen Jahre und vielleicht auch Jahrzehnte eingeplant werden, wenn eine Gemeinde Fuß fassen will.
Mit Großevangelisationen ist es nicht mehr getan. Attraktive Massenveranstaltungen gibt es genug in Berlin. Im besten Fall ist die Kirche ein Mitbewerber auf dem Markt der spirituellen Angebote. Aber gewiss kaum noch der hauptsächlich prägende Faktor. Stattdessen sind Gleichgültigkeit und Ablehnung in die vorderen Reihen gestiegen. Klar, es gibt auch noch eine beachtliche Anzahl von Kirchenmitgliedern. Es gibt auch sehr engagierte und gottverwurzelte Christen und durchaus blühende Gemeinden. Doch, wie erwecklich unsere Kirchenlandschaft insgesamt ist, dürfte kritisch zu betrachten sein. Zumindest, wenn man es an der Anzahl der neuen Mitglieder misst. In diesem Bereich reden wir eher von einem Transferwachstum: ein Christ wechselt die Gemeinde. Bekehrungen und Taufen bewegen sich in etlichen Gemeinden eher im einstelligen Bereich pro Jahr, wenn überhaupt.
Es riecht noch immer nach Stagnation und damit nach einem langsamen, stillen Sterben.

Ist Erweckung dennoch möglich?

Der Jesus-Gläubige geht von den Möglichkeiten Gottes aus: Ja, natürlich ist eine Erweckung möglich!

Aber bei allem Glauben: diese Zuversicht hatten manche Christen auch schon in den 80’ern des letzten Jahrhunderts.
Bisher gab es nicht „den Durchbruch“.

Wie sollen wir uns als Christen also verhalten?

 

Vier beachtliche Aspekte

Ich schlage vier Aspekte vor (womit nicht gemeint ist, dass darüber Erweckung funktionieren würde; ich würde die Situation, wenn überhaupt, mit der Situation der Juden im babylonischen Exil vergleichen; sprich: wir sind noch nicht da, wo wir sein sollen – trotzdem ist die gegenwärtige Zeit nicht unnütz; daher sind diese vier Aspekte eingebettet in möglicherweise hundert andere.):

1. Verstehe Berlin!
2. Starte mit Kleinem!
3. Bete!
4. Gemeinsam!


1. Verstehe Berlin!

Folgend nur einige meiner Beobachtungen:

Berlin funktioniert über Kleingruppen.
Man ist im Verein. Auf der Arbeit. Im Garten. Mit Freunden Sport machen. Zusammen in der Kneipe.
Jede Person hat etliche Orte, wo sie lebt und dort jeweils unterschiedliche Bekanntenkreise hat.
Großfamilien gibt es eher in der türkischen und arabischen Community. Wer dort Vertrauen findet, kann mit einem Schlag Dutzende von Menschen erreichen.
Aber die restliche Gesellschaft tickt anders. Vielleicht ist es noch immer die Berliner „Insel-Mentalität“ aus Mauerzeiten. Vielleicht ist es einfach auch nur „Stadtleben“. Vielleicht beides.
Wie hilfreich ist es dann, wenn Gemeinden hauptsächlich auf den Sonntags-Gottesdienst zur besten Brunch-Zeit setzen?

Berlin hat Ost und West.
Das Kleingruppen-Leben gilt für die West- und Ostbezirke. Es mag kurios sein, darauf hinzuweisen, bald 30 Jahre nach dem Mauerfall. Tatsächlich gibt es aber noch die entsprechende Mentalität. Es gibt ja auch noch die entsprechenden Gebäude und Straßen. Viele Teile von Ostberlin sehen anders aus als Westberlin. Natürlich gibt es längst fließende Übergänge und auch eine neue Generation, der all das nicht mehr viel bedeutet. Aber ich merke die Unterschiede, wenn ich in einer westlichen oder östlichen Gemeinde bin. Manchmal ist es „nur“ die Atmosphäre. Aber dahinter stecken Einstellungen und Erfahrungen der Menschen. Es ist weise, das im Hinterkopf zu haben.

Berlin hat Multikulti.
Nicht, dass man stets im Miteinander der Kulturen leben würde. Wie so oft, ist es eher ein sich parallel entwickelndes Leben, das gelegentlich Begegnungen am Döner-Imbiss oder in öffentlichen Einrichtungen hat (obwohl der Döner-Imbiss ja auch eine öffentliche Einrichtung ist). Selbst in einem Kiez wie Heerstraße Nord in Berlin-Spandau gibt es verschiedenste Kulturen und Nationen. Während man mit den einen zum Warmwerden am besten einen türkischen Tee trinkt, trinkt man mit den anderen vielleicht einen Wodka. Und es kann sein, dass beides zusammen nie gehen würde.
Ost und West. Multikulti.
Wie sinnig ist es, wenn Gemeinden versuchen, ihre Gemeindekultur als die einzig passende zu sehen? Wie nötig ist es, die Vielzahl der Kulturen auch im Gemeindeleben zum Ausdruck zu bringen?

Berlin öffnet sich.
Berlin hatte die Insel-Mentalität. Mit dem Mauerfall ändert sich auch die Mentalität. Der Berliner hat das Umland entdeckt. Zumindest bis zu Karls Erdbeerhof bei Elstal/Wustermark. Berlin ist internationaler geworden. Hollywood-Filme werden hier gedreht. Internationale Konzerne haben hier Vertretungen. Das alles ist noch keine Weltmetropole wie Tokyo, aber vielleicht ganz kurz hinter London (!?). Gemäß meiner beschränkten Sicht gilt das auch für den christlichen Bereich: die Zahl der Gemeindegründungen hat zugenommen. Und andere gemeindliche Projekte sind vermehrt an den Start gegangen. Die Öffnung hat zugenommen. Auch mit unangenehmen Folgen, wie z.B. der Segregation oder den verstopften Zufahrtstraßen im Berufsverkehr.
Wie nötig ist es, dass sich Gemeinden gleichermaßen öffnen? Verstehen, dass ihre Stadt internationaler und beweglicher geworden ist? Was heißt das für die Kirchen mit ihren Programmen?

Berlin hat 24 Stunden.
Natürlich gelten etliche dieser Beobachtungen auch für andere Städte. Aber ebenso für Berlin!
Wir haben hier Schichtarbeiter. Pendler. Überstundenmacher. Start Ups. Kinder, die von morgens an bis zum frühen Abend fremdbetreut werden. Wir haben unzählige Vereine und Organisationen, mit denen man seine Freizeit sinnvoll füllen kann. Die permamente Erreichbarkeit über das Handy. Ja, in der Nacht ist es in Gesamt-Berlin ruhiger (auch, wenn es hier und da umso lebendiger wird). Aber insgesamt lebt die Dienstleistungsgesellschaft in all ihrer Betriebsamkeit. Es gibt keinen Stopp-Knopf.
Was heißt das für Gemeinden? Sind sie umso wichtiger als besinnlicher Gegenpol? Müssen sie lernen, 24-Stunde-Gemeinde zu werden?

Das sind nur ein paar Beobachtungen und Fragen.

Demnächst mehr zu:
Erweckung in Berlin – Starte mit Kleinem!

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Gemeindegründung in Berlin – Teil 1

Heute starte ich mit meiner Geschichte der Gemeindegründung in Berlin. Regelmäßig werde ich von meinen Erfahrungen der letzten 12-13 Jahre berichten. Eine Geschichte, die voll mit Fehlern, starken Erlebnissen, vielen Experimenten ist und die eine Menge von Gottes Gnade enthält.

Eine Geschichte, die mit drei, vier Personen angefangen hat. In der ca. 90 Personen direkt beteiligt waren. In der es etliche Menschen wieder woanders hingezogen hat. Und eine Geschichte, die zwischenzeitlich auf eine Gemeinde im Westen Berlins verweist, der sich ungefähr 50 Menschen nahe wissen.

Letztlich ist es Gottes Geschichte mit uns Menschen. Und, wenn man es ganz genau nehmen wollte, müsste man wirklich bei Adam und Eva anfangen.
Um aber den Prozess abzukürzen, fange ich hier an:

Es war klar für mich, dass ich in Berlin keine berufliche Perspektive als Pastor haben würde. Gemeinden wachsen hier nicht wie Sand am Meer. Und Pastoren wechseln nicht jedes Jahr ihre Stelle. Ganz anders in Süddeutschland: Dort gab es immer wieder Stellenausschreibungen (damit will ich nicht sagen, dass dort Pastoren jährlich die Gemeinde wechseln oder dass es dort den „Gemeinde-Sand“ geben würde). Die Zeit lief und ich musste mich entscheiden: Sollte ich in Berlin bleiben oder den Schritt in den Schwarzwald wagen, wo ich schon ein Angebot in Aussicht hatte?

In diesen Tagen der Entscheidung musste ich am Gebiet Heerstraße Nord in Berlin-Spandau vorbei. Eine Hochhausgegend mit damals ungefähr 16.000 – 17.000 Menschen. Und es geschah etwas mit mir, womit ich nicht gerechnet hatte: Plötzlich – und ich kann es nicht anders beschreiben – fuhr eine Idee in mich. Und zwar die Idee der Gemeindegründung. Eine Gemeinde mittem im Kiez. Eine Oase, zu der jeder kommen darf. Auftanken kann. Gott lobt. Und gestärkt weiter in den Alltag geht. Eine Stätte der Heilung.
Ich war so gepackt von dieser Idee, dass ich ein paar Nächte kaum einschlafen konnte, weil ich so viele Gedanken hatte. Ich war schnell dabei, Pläne zu schmieden.

Bis dato hatte ich im Rahmen meiner theologischen Ausbildung nur ein kleines Seminar zum Thema „Gemeindegründung“ besucht. „Gemeindegründung“ – das war was für Freaks… aber nicht für mich!
Doch in diesen Tagen war mir das egal. Ich war fasziniert. Ängstlich. Begeistert. Spürte eine enorme Motivation. Und hatte zugleich keine Ahnung, wie man das macht – Gemeinde zu gründen.

Egal.
Ich wollte starten.

Wenn Gemeinden sterben

Gemeinden sterben

Es ist ein Fakt: Gemeinden sterben.
Beweis: Keine der vom Apostel Paulus vor nahezu 2000 Jahren gegründeten Gemeinden existieren heute noch.

Eine Gemeinde ist ein lebendiger Organismus. Er wird geboren, er hat seine Reifezeit und irgendwann stirbt der Organismus. So ist das Leben eben. Manche Gemeinden werden auf diese Weise nur ein Dutzend Jahre alt, sterben gar im Kindesalter, andere können über hundert Jahre alt werden.
Wie gut ist es, wenn solch ein Organismus fruchtbar ist. Wenn er Kinder bekommt.
(Ich vermute, dass man vieles, was ich hier bedenke, auch auf viele andere Sozialformen beziehen kann)

Fruchtbare Gemeinden

Die „Kinder“ einer Gemeinde können neue Gemeinden sein. Oder kleinere Hausgruppen, die nach dem Tod der lokalen Gemeinden weiter existieren. Und manchmal sind es auch „nur“ die einzelnen „Zellen“, sprich: die einzelnen Menschen, die durch diese Gemeinde geprägt worden sind und sich dann einer anderen Gemeinde anschließen und ihre Prägung dort einbringen.
Traurig ist es allerdings, wenn es keine Nachkommen gibt. Wenn eine Gemeinde tatsächlich aus Altersgründen stirbt und weder eine Gruppe weiterlebt noch ein Gemeindemitglied.
Dann handelt es sich um einen „Gen-Defekt“ oder eine tödliche Krankheit.

Entscheidend für die Fruchtbarkeit einer Gemeinde scheint die geistliche DNS zu sein.

Gemeinde-DNS
Und diese wird in der ersten Zeit der Gemeinde festgesetzt. Im Grunde in der Zeit, in der die Gemeinde noch ungeboren ist: Es gibt weder eine Gottesdienstfeier, noch ein Gemeindehaus oder eine Lobpreisband.
Die einzigen, die schon existieren, sind die einzelnen Zellen, also vielleicht 1-3 Christen, die den Wunsch haben, eine Gemeinde zu gründen.

Ihre erste Zeit ist die entscheidende.
Was sie zu Beginn entscheiden, wird die entstehende Gemeinde ihr Leben lang prägen.
Deshalb ist es am Anfang so relevant, sich Zeit zu nehmen. Hier werden die Weichen für die kommenden Jahrzehnte gestellt!

Die „Vision“ als geistliche DNS

Knackpunkt für die geistliche DNS ist – neben einigen anderen Aspekten – dieser:
Was genau ist die „Vision“ der Gründer?
Ob man es „Vision“, „Leitbild“ oder ganz anders nennt – es geht darum, WARUM diese Gemeinde gegründet werden soll.
Was genau treibt dazu an? Was begeistert?
Je genauer dieses Bild ist (denn mehr als ein Bild ist es ja nicht), desto besser.
Mit Genauigkeit ist nicht zuerst gemeint, welche Lieder man an welchem Sonntag singen will.
Mit Genauigkeit ist solches gemeint: Wo soll die Gemeinde sein? Was wird durch sie erreicht? Mit welchen Menschen wird man hauptsächlich zu tun haben? Was kann die Gemeinde bei diesen Menschen bewegen? Wie können diese Menschen die Gemeinde bereichern? Welchen Einfluss hat die Gemeinde auf ihr Umfeld? Und warum wird das Gründungsteam mit der Gemeindearbeit weitermachen, obwohl die erste Krise alles durchgerüttelt hat?

Diese Vision ist der Kern des Ganzen.
An ihr wird entschieden, wer am Anfang dabei sein wird. Und dabei sein darf. Wer darf und soll diese DNS leben?
An der Vision wird entschieden, wohin welche Ressourcen investiert werden.
Und in Krisenphasen wird anhand der Vision die nächste Entscheidung getroffen.

Wie bekommt man eine solche Vision?
Das ist ein Thema für sich. Klar ist das: Es hängt mit Gebet, göttlicher Inspiration und Fügung sowie den Charakteren der Startmannschaft zusammen.

Je nach Vision und der konsequenten Verfolgung dieser in der ersten Phase der Gründung wird die „Frucht“ sein.

Die fehlende Vision

Ich sehe mindestens zwei Gründe, weshalb eine Gemeinde später auch kinderlos sterben kann:
a) Es gab keine weitreichende und zugleich detaillierte Vision.
Vielleicht ging es einfach nur darum, eine Gemeinde zu gründen. Fertig. Aus.
Mit einer solchen Vision kommt man nicht weit.
Denn wenn die Gemeinde erst einmal gegründet ist, dann kann ein „Visionsloch“ entstehen: eigentlich weiß niemand, warum diese Gemeinde weiterleben soll. Biblisch mag man Argumente anführen. Aber sie klingen in einer solchen Loch-Phase mehr nach „Richtigkeiten“ statt nach lebendiger Überzeugung. Der Sterbeprozess steht vor der Tür, wenn nicht Einschneidendes geschieht.

b) Die Vision wurde nicht gepflegt und nicht angepasst.
Die erste Vision bestimmt zwar die DNS der Gemeinde. Aber so ein Organismus kann von Viren befallen werden und erkranken. Diese Angreifer lauern ständig überall. So kann es sein, dass die DNS zwar da ist – aber sie hat keinen Raum, um gelebt zu werden. Die Folge ist, dass der Organismus eingeht. Deshalb ist es wichtig, die Vision (=DNS) beständig zu pflegen. Das geschieht durch Predigten, Andachten und womöglich am meisten durch das Leben der Vision. Hier sind die Leiter der Gemeinde gefragt. Wie füllen sie die Vision? Geben sie der DNS Lebensraum? Werden die Ressourcen so eingesetzt, damit es der Vision dient? Stehen die Bereichsleiter hinter der Vision? Das muss ganz praktisch werden und kann sich bis hin zur Dekoration eines Gemeindesaals hinziehen.
Immer wieder gibt es dabei Situationen, die neu sind. So neu, dass man sie nicht bedenken und planen konnte. Die Herausforderung für den Organismus ist es, ob er sich der neuen Situation anpassen kann, ohne seine DNS zu verleugnen. Gelingt es dauerhaft nicht, kann der Gemeindekörper sterben.

„Visionskunde“ für die Ausbildung

Zur Zeit habe ich mit mehreren Gemeinden zu tun. Als angestellter Pastor, als Honorarkraft und als Gastprediger.
Als Gastprediger hier und da, ansonsten im Bereich der Freien evangelischen Gemeinde und der Landeskirchlichen Gemeinschaften.
Und tatsächlich geht es bei der Zukunft jeder dieser Gemeinden/Gemeinschaften um eben diesen Kernaspekt:
Was ist die Vision?

Und leider ist auch das zu merken:
Wo die Vision nicht existiert oder nicht nicht gepflegt wird, da schwindet eine Gemeinde.

Das wäre doch mal was:
Wenn Theologiestudenten und Bibelschüler zwei Semester „Visionskunde“ hätten!
Das wäre eines der Themen, die für die Praxis existentiell wichtig sind. Wer weiß, wie unsere Gemeindelandschaft aussehen würde, wenn das gelehrt werden würde!?

Bildquelle: wikipedia – DNS – Seite aufgerufen am 24.02.2018

Die Gemeinde ist keine Familie!

Hier und da höre ich Folgendes von Christen:
„Wir brauchen mehr Miteinander in der Gemeinde! Wir sind doch eine Familie!“

Biblisch ist das Bild von der Gemeinde als Familie schwer haltbar.
Ja, es ist von „Brüdern“ und „Schwestern“ die Rede. Von Gott, dem Vater.
Aber Gemeinde wird an keiner Stelle ausdrücklich als „Familie“ bezeichnet!

Jetzt schaut mancher in seiner Bibel und sagt:
„Aber doch! Hier steht es in Galater 6,10 und Epheser 2,19!“

Nun übersetzen nicht alle Bibelwissenschaftler die genannten Stellen in Gal 6,10 und Eph 2,19 so.
So z.B. auch nicht die recht genaue Übersetzung der Elberfelder Bibel.

Warum nicht?
Weil im griechischen Grundtext das Wort „Familie“ tatsächlich nicht auftaucht, sondern das Wort „Hausgenossen“.

Und dieses Wort klingt nicht nur anders, sondern hat auch einen anderen Inhalt.

Hausgenossen sind gewiss fast genauso beieinander wie eine Familie.
Und dennoch sind sie nicht so verbunden wie eine Familie.
Die Distanz ist im Allgemeinen größer.

Ich vermute hinter dem Wunsch, dass Gemeinde wie eine Familie sein soll, die Sehnsucht nach mehr Miteinander.
Mehr Zeit miteinander verbringen.
Sich gegenseitig mehr helfen.
Mehr Verbundenheit und weniger Distanz.

Diesen Wunsch haben längst nicht alle Christen.
Ich kenne Christen, die im Alltag so ausgelastet sind, dass die Teilnahme am Sonntagsgottesdienst das höchste ihrer Gefühle ist. Sie haben bedingt durch ihren Beruf mit so vielen Menschen zu tun, dass ihnen am Wochenende mehr nach „Höhle“ als nach „Familienfeiern“ ist. Wer diesen Christen was Gutes tun will, müsste ihnen öfter mal Mut machen, sich am Samstag/Sonntag tatsächlich mal in die Einsamkeit zurückzuziehen.

So ist der Wunsch nach der Gemeinde-Familie ganz unterschiedlich ausgeprägt.

Woran orientieren wir uns also?
Natürlich am Wort Gottes, der Bibel.

Interessanterweise wird uns in der Bibel nicht vorgegeben, wie oft oder unter welchen Voraussetzungen sich Christen zu treffen haben oder wie toll doch alles zu laufen hat.
Es wird von Bräuchen erzählt (s.a. Apg: zu Beginn trafen sie sich täglich; hingegen scheinen sich andere Christen einmal wöchentlich – am Tag des Herrn – getroffen zu haben; Paulus wiederum hatte zwar ein Missionsteam, aber Kontakt zu lokalen Gemeinden war mitunter wochenlang nicht drin). Es wird aber auch von Konflikten der ersten Christen erzählt (s.a. Apg: die Versorgung der jüdischen und griechischen Witwen; der Betrug durch Ananias und Saphira; Konflikte zwischen Petrus und Paulus oder Paulus und Barnabas).

Natürlich geht es um das Miteinander der Christen. Und es geht auch um Gemeinschaft. Es geht um das gegenseitige Dienen.
Aber hat das täglich zu erfolgen? Oder zweiwöchentlich? Sonntags oder Dienstags? Morgens oder Abends? Zu dritt oder zu zehnt? Im Wohnzimmer oder im Café? Für eine Stunde oder für fünf Stunden? Mit Predigt oder ohne?
All das ist nicht ausdrücklich geregelt.

Denn es geht um die Herzenseinstellung. Diese Einstellung des „Ich bin für Jesus und für dich!“.
Und es geht um den eigentlichen Grund des Zusammenkommens: „Zusammen vor Gott durch Jesus und hinausgesandt in die Welt!“.

Wer das versteht, kann zum eigenen Wunsch nach mehr Gemeinschaft „Ja“ sagen. Es ist ein guter Wunsch.
Der kann aber ebenso „Ja“ sagen zu dem Wunsch des anderen, sich in die Höhle verziehen zu wollen.
So drückt man den eigenen Wunsch nicht dem Gegenüber auf und misst nicht eine ganze Gemeinde am persönlichen Wunsch. Sondern man fängt an, dem anderen zuhörender zu begegnen: Wie stellt sich der andere die Gemeinschaft vor?

Das wäre doch mal eine interessante Unterhaltung!

Warum triffst du dich mit anderen Christen?
Was hilft dir bei den oder durch die Treffen?
Inwiefern kannst du anderen helfen?
Wie kann diese Gemeinschaft den Nachbarn bzw. der Gesellschaft helfen?
Was sind deine zeitlichen und kräftemäßigen Möglichkeiten?
Was sind deine Limits?

Was ist der Kern von Gemeinde?

Letztens hielt ich eine Bibelstunden zu diesem Thema ab. Was ist Gemeinde? Was ist die Identität von Gemeinde?
Vermutlich war ich zu schnell. Oder es war zu viel. Oder zu spät. Wie auch immer: nicht alle sind gedanklich mitgekommen.

Mein Ausgangspunkt war der:
Unsere ursprüngliche Identität als Menschen besteht darin, Ebenbild Gottes zu sein.
Durch die Trennung von Mensch und Gott ist diese Ebenbildlichkeit kaputt gegangen. Sie ist fragmentarisch noch vorhanden, aber stark verzerrt.
Gottes Absicht war nie, uns darin zu belassen, sondern Er will Seinen ersten Plan umsetzen: die Gemeinschaft zwischen Ihm und den Menschen.
Deshalb hat Er Jesus Christus gesandt. Jesus hat die Trennung überbrückt. Die Mauer, die zwischen Gott und uns stand, hat Er eingerissen und dabei mit Seinem Leben bezahlt. Denn diese Mauer bestand aus Schuld. Und zwar der Schuld: dass wir uns von Gott getrennt haben – und uns damit sogar „gut“ gefühlt haben. Der Preis ist der Tod. Warum? Deswegen: Wer sich von dem trennt, der das Leben gibt und erhält, bewegt sich vom Leben weg. Und damit in den Tod.
Jesus hat den Tod als Folge der Gottestrennung (das ist das, was mit „Sünde“ zuerst gemeint ist) am Kreuz auf sich genommen.
Durch Jesus ist die Gemeinschaft mit Gott wieder möglich und wir Menschen können in die Ebenbildlichkeit Gottes wieder hineinwachsen.

Was heißt es, Gott ebenbildlich zu sein?
Auch dazu ist Jesus gekommen!
Er sagte, wer Ihn sieht, sieht den Vater im Himmel. D.h.: Jesus ist der sichtbare Ausdruck von Gott.
Wenn wir also wissen wollen, was Ebenbildlichkeit Gottes bedeutet, müssen wir uns mit Jesus beschäftigen.

Und wie ist Jesus?
Das erkennen wir an den biblischen Berichten über Ihn. An Seinen Erzählungen. An Seinen Taten und Worten.
Da gibt es etliche Aspekte zu entdecken, doch letztlich konzentriert es sich in dem:
Jesus ist derjenige, der das höchste Gebot Gottes vollends gelebt hat!
Und was ist das höchste Gebot?
Gott zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst.

Noch kürzer:
Jesus ist Liebe, weil Gott Liebe ist.

Nochmal zurückgedreht:
Was heißt es, Gott ebenbildlich zu sein?
Es heißt, so zu lieben, wie Er liebt.

Und weiter zurückgedreht:
Was ist Gemeinde?
Gemeinde besteht aus den Menschen, die wieder Gemeinschaft mit Gott haben.
Es sind die, die angefangen haben, in die Ebenbildlichkeit Gottes zu wachsen.
Es sind die, die angefangen haben, so zu lieben, wie Gott liebt.

Anders formuliert:
Gemeinde besteht aus Menschen,
a) die durch Christus Gottes Liebe erkannt haben,
b) die einander lieben
c) und die diese Welt so lieben wie Gott es tut.

Natürlich ist das praktisch gesehen ein Prozess.
Niemand von uns Christen ist perfekt darin.
Aber wir sind durch Christus befähigt worden, weil Gottes Liebe in unsere Herzen ausgegossen wurde.
Die Umwandlung in Gottes Ebenbildlichkeit hat begonnen.

Der Abschied von Gemeinde-Konzepten

Ich habe Bücher über den Gemeindeaufbau mit entsprechenden Konzepten geliebt!
Saddleback, Willow Creek, Hauskirchen bzw. „Organische Gemeinden“, missionaler Gemeindebau usw.
In meiner Funktion als erster Vorsitzender einer LKG, als Co-Prediger und Prediger für weitere Gemeinschaften, dann als Gemeindegründer und daran (hoffentlich) reifender Pastor… na, klar – damit muss man sich beschäftigen!

Vielleicht hat es geschadet.
Warum?
Weil bei mir schnell der Eindruck entstanden ist: „So macht man es!“

Der Abgleich zwischen der Erkenntnis der Autoren und meiner Realität war dann irgendwie ernüchternd.
Komischerweise wirkten diese Bücher auf mich wie die Veröffentlichung DES Geheimrezeptes.
Da schrieben Menschen auf, wie sie den Gemeindeaufbau erlebt hatten. Und diese Gemeinden waren „erfolgreich“! Sie hatten viel guten Einfluss und mitunter bestanden sie aus Hunderten oder gar Tausenden von Mitgliedern. Diese Konzepte mussten doch richtig sein!

Und so habe ich angefangen, meine Konzepte zu schreiben. Wie das Gemeindeleben sein müsste.
Konzepte, die auf dem weißen Papier so überzeugend wirkten und mich in meiner Ungeduld befeuerten.
Konzepte, die mir zwar halfen, das große Ganze zu sehen, aber mir den Blick für den einzelnen Menschen schwerer machten.
Und vor allem den Blick für die tatsächliche Gemeindesituation erschwerten.

Vielleicht lag das gar nicht an diesen Büchern, sondern an mir und meiner „Lesebrille“.
Vielleicht hätte ich viele dieser Bücher einfach nur als einen Erfahrungsbericht neben vielen anderen lesen sollen. Eine Art „theologisch-praktische Unterhaltung“.

Mit der Zeit hörte ich andere Pastoren, die schon ein paar Jahre mehr Diensterfahrung auf dem Buckel hatten, die mir sagten: „Ich verfolge kein Konzept mehr. Keine Ahnung, was kommt. Ich konzentriere mich auf die Menschen, mit denen ich zu tun habe.“

Zuerst war ich von solchen Aussagen irritiert. Aber man braucht doch eine Vision! Ein Leitbild! Ein Konzept! Sonst wird es doch alles orientierungslos und damit führungsschwach und dann entstehen Machtkämpfe in der Gemeinde usw.

Nach vielen weiteren Büchern – und wirklich auch vielen guten Gemeindebüchern – fange ich an, mich von Konzepten zu verabschieden.
Damit werde ich nicht konzeptlos. Irgendein Konzept hat man ja immer im Hinterkopf. Geht nicht anders.
Aber tatsächlich verlagert sich der Schwerpunkt.

Ich habe gemerkt, dass ich nur so weit komme, wie ich auch „reif“ bin.
Dass eine Gemeinde nur so weit kommt, wie die Mitglieder bereit und fähig sind.
Dass eine Gemeinde in einen kaum zu überblickenden Kontext eingebettet ist, der ihr Grenzen setzt als auch Möglichkeiten gibt.
Dass der Kern des Ganzen schlussendlich nicht ein Gemeinde-Programm ist, sondern unsere Beziehung zu Christus und untereinander und zu den Menschen um uns herum.

Und dass es letztlich um die gleichen Aspekte einer Gemeinde geht, die aber je nach Konstellation der Gemeinde ganz unterschiedlich aussehen müssen, weil unsere Charaktere, Fähigkeiten, Orte und andere Grenzen und Möglichkeiten unterschiedlich sind:
– Wie handhaben wir es mit dem Gebet?
– Wie wird Gottes Wort vermittelt?
– Wie werden Beziehungen bei uns und in unsere Gesellschaft hinein gelebt?
– Wie wollen wir Gott anbeten?
– Wie werden das Abendmahl und die Taufe bei uns zelebriert?
Und wenn wir verstehen, dass all das in die große Mission der Liebe Gottes zu dieser Welt eingefügt ist (Stichwort: Nachfolge Jesu / Jüngerschaft für Christus und Menschen), dann haben wir wohl schon die Hauptzutaten zur leckeren „Gemeindesuppe“.

So ist der Abschied von einfachen Gemeindekonzepten ein Willkommenheißen des Abenteuers, dass jede Gemeinde ihre ganz persönliche Geschichte, Gegenwart und Zukunft hat und einen ebenso individuellen Weg finden kann.

Frauen als Älteste einer Gemeinde?

Dürfen Frauenlaut Bibel Älteste einer Gemeinde sein?

Das ist tatsächlich eine Frage für manche Christen.
Ich habe darüber viel, viel nachgedacht. Seit Jahren.
Und wenn es dann an die Wahl einer Gemeindeleitung geht, kommt diese Frage bei Einzelnen wieder hoch.
Ein Dauerthema.

Interessanterweise wird diese Frage von Frauen selten so gestellt. Es sind eher die Männer, die das umtreibt.
Ihnen geht es oft darum, dass sie die biblischen Texte ernst nehmen wollen.
Was hat Gott über Gemeinde und Gemeindeleitung gesagt?
Was denkt Gott über das Ältestenamt?
Die Grundlage für weitere Überlegungen ist die Bibel als das schriftliche Fundament des christlichen Glaubens.

Und – das kann vorweg genommen werden – die Erkenntnisse zu diesem Thema sind unterschiedlich.
Allein diese Tatsache, dass verschiedene Christen sich ernsthaft und gottgläubig darum bemühen, eine Erkenntnis zu gewinnen, dann aber zu unterschiedlichen Meinungen kommen, lässt mich innehalten:
Dann sollte so ein Thema keine Hauptfrage sein. Sie kann nicht den gleichen Rang haben wie die Frage nach der Erlösung. Sie muss als „Nebenfrage“ behandelt werden, mit dem Respekt vor unterschiedlichen Erkenntnissen und trotzdem dem Mut, die eigene Ansicht zu vertreten.

Ich bin auch in diesem Blog schon öfter auf die „Frauen-Frage“ eingegangen, deshalb will ich hier nichts vertiefen.
Ich bringe nur in Stichwörtern meine Erkenntnis rüber:

– Frauen hatten auch im NT verantwortliche Leitungsfunktionen:
Junia als Apostel, Phöbe als Diakonin, Priscilla als Lehrerin (zusammen mit ihrem Mann).

– Es gibt kein Verbot, dass Frauen Älteste/Gemeindeleiter sind.
Deshalb dürfte es schwer sein, in diesem theologischen Bereich von „Sünde“ zu sprechen.

– Sinn der Aussage in 1.Tim 3,2b ist, dass ein verheirateter Ältester seiner Frau treu sein soll (Monogamie).
Es geht nicht um die Formulierung eines Verbotes des Ältestenamtes für Frauen.

– Die gleiche Aussage gibt es für Diakone, 1.Tim 3,12: auch ein Diakon soll Mann einer einzigen Frau sein.
Nach Röm 16,1 haben wir es mit „einem weiblichen Diakon“ zu tun.
Wenn wir davon ausgehen wollen, dass sich biblische Aussagen nicht widersprechen, sondern ergänzen, dann kann daraus nur das geschlussfolgert werden: Es gab weibliche Diakone und 1.Tim 3,12 will nicht Frauen ausschließen, sondern die Situation in Ephesus behandeln und die eheliche Treue betonen.
Das unterstreicht die Auslegung, wonach auch in 1.Tim 3,2b kein „Frauen-Verbot“ statuiert wird.

– Eine wortwörtliche Auslegung von 1.Tim 3,2b (=nur Männer dürfen Älteste sein) würde uns in viele Schwierigkeiten bringen (dann müssten Älteste stets verheiratet sein, mit nur einer Frau und müssten mehrere Kinder haben; Witwer oder Männer mit verstorbenen Kindern oder Männer mit nur einem Kind würden als Älteste ausscheiden).

– Zudem ist es ebenfalls bedenklich aus einer positiven Weisung („Mann einer einzigen Frau“) ein Verbot zu konstruieren („Dann dürfen Frauen keine Älteste sein!“). Das wäre ein Umkehrschluss. Dieser kann legitim sein, wenn sich entsrechende Verbote in der Bibel finden (z.B. das Gebot ehelich treu zu sein UND das Verbot der Ehescheidung). Wenn sich solche Verbote aber nicht finden, dann sind solche Umkehrschlüsse bedenklich (z.B. nach 1.Tim 2 sollen Männer an allen Orten beten, indem sie ihre Hände heben. Das ist die positive Weisung. Der Umkehrschluss wäre: „Es ist verboten, das Gebet zu unterlassen. Es ist verboten, beim Beten die Hände unten zu lassen!“). Da sich ein ausdrückliches Verbot für Frauen im Ältestenamt nicht finden lässt, muss von einem solchen Umkehrschluss Abstand genommen werden.

– Gesellschaftliche Wandlungen mit Auswirkungen auf das Gemeindeleben können legitim sein.
So haben wir heute keine legale Sklaverei mehr in Deutschland. Als Christen befürworten wir das und stehen dahinter. Doch nach Aussagen des NT war es damals anders: Auch Christen hatten Haus-Sklaven. Dieser Umstand hat sich gesellschaftlich geändert. Es wäre absolut grotesk und falsch, wenn Christen anhand des biblischen Wortlautes meinen würden, dass wir wieder die Sklaverei einführen müssten. Ebenso kann sich also die Position anderer Menschen in deiner Gesellschaft ändern. Es ist doch sehr gut, dass Frauen nicht mehr als Sache gehandelt werden, sondern als gleichwertige Menschen erkannt werden! Und natürlich muss das Auswirkungen auf das Gemeindeleben haben.

Den Vertretern der anderen Erkenntnis (Nur Männer sollen Älteste sein) muss ich zugute halten, dass es kein biblisches Beispiel für eine Frau im Ältestenamt gibt. Es ist, wenn dann, nur von Männern die Rede.
Woran das liegt, kann ich nicht mit Gewissheit sagen.
Es mag kulturell bedingt sein.
Es mag damit zusammenhängen, dass Gott den Mann als Hauptverantwortlichen für seine Frau sieht.
Es mag mit dem damaligen Bildungsniveau zusammenhängen.

Doch auch, wenn wir kein „Frauen-Älteste-Beispiel“ haben, so haben wir es dennoch nicht mit einem Verbot zu tun.
Daher ist das mein Plädoyer:
Eine Gemeinde, eine Gemeindeleitung oder die Gründer einer Gemeinde müssen zu diesem Thema eine Entscheidung treffen und diese muss dann von den Folge-Generationen respektiert werden. Alles andere würde eine Gemeinde nur in endlose und zumeist unfruchtbare Diskussionen stürzen.