Ebook „Tribes“ – Teil 3 – Einblick in das nächste Kapitel

Nach und nach werde ich ein Kapitel von „Tribes“ – Teil 3 – hier veröffentlichen. Mal sehen. Vielleicht nicht alles, aber doch einiges.
Wer wissen will, worum es eigentlich geht, kann sich die ersten beiden Teile von „Tribes“ kaufen. Erschienen als Ebook beim Midnight-Verlag/Ullstein-Verlag. Wirklich zu einem erschwinglichen Preis: für unter 10,-€ gibt es eine Packung Spannung, Dystopie und ein winzig kleines bisschen Liebe und Gott in Schweden.

Hier ist nun das zweite Kapitel – Entwurf – vom Roman „Tribes“ – Teil 3:
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Ebook „Tribes“ – Teil 3 – die Fortsetzung – Kapitel 1

Hier folgt gleich das erste Kapitel von „Tribes“, Teil 3.
Wer an dieser Stelle zum ersten Mal bei „Tribes“ einsteigen will, dem empfehle ich weniger aus kapitalistischen, sondern vielmehr aus inhaltlichen Gründen, sich vorab „Tribes 1“ und „Tribes 2“ zu kaufen. Ist nicht teuer. Leider nur als Ebook erhältlich. Aber ohne diese ersten beiden Teile dürfte der dritte Teil eher schwer verständlich sein. Wer also den vollen Lesegenuss haben will, möge das nötige Kleingeld in die ersten beiden Teile investieren (erhältlich bei Amazon, Thalia u.a.).

Und das noch vorab: Es handelt sich um eine Dystopie. Ein Zukunftsszenario, das realistisch sein soll, aber einen Hauch von Not verbreitet. Das Leben ist ja kein Ponyhof. Und kein Zuckerschlecken.
Über Kommentare und Anmerkungen zum ersten Kapitel freue ich mich. Noch ist alles in der Entwurfsphase und wahrscheinlich dauert es etliche Wochen oder gar Monate, bis auch der dritte Teil von „Tribes“ fertig sein wird.

So – und jetzt gibt es hier den ersten Einblick in „Tribes 3“:
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Als Pastor arbeiten: Zweifel und Krisen

Jemand meinte mal zu mir:
„Du bist kein Leiter!“
Das war kein Versprecher. Er wollte nicht sagen: „Du bist keine Leiter!“ Damit hätte er wirklich Recht gehabt.
Was er sagen wollte, war das:
„Ich sehe in dir keinen Leitertypen!“
Und seine Vorstellung eines Leitertypen war wahrscheinlich die:
Das ist ein Typ, der vorangeht, andere mitzieht, den Ton angibt und sich nicht beirren lässt.

Mich hatte dieser Satz damals sehr getroffen und ich hatte angefangen, an meiner Arbeit als Pastor zu zweifeln. Mal wieder. Eine mittlerweile fast übliche „Routine“: Mindestens einmal pro Jahr kommen die grundlegenden Zweifel auf und ich stehe kurz davor, meine Arbeit hinzuschmeißen.

Doch mit der „Anfechtungsroutine“ kommt auch eine andere Routine in Gang:
Die Reflektions- und Lösungsroutine.

Es ist ein bisschen wie mit meinen Zweifeln zu Beginn meines Christseins:
Die ersten 2-3 Jahre hinterfragte ich die Basics des christlichen Glaubens immer wieder.
Gab es Jesus wirklich?
Ist die Bibel zuverlässig überliefert?
Ist Jesus wirklich auferstanden?
Usw.

Ich verschlang Bücher, suchte Antworten, bemühte mich, redlich zu sein und meinen Verstand nicht an der Garderobe abzugeben. Mit der Zeit hatte ich etliche plausible Antworten parat. Die Anfragen und Zweifel aber blieben… bis ich entdeckte, dass diese Zweifel auch ihre Routine hatten, mir aber nicht mehr weiterhalfen, sondern mich nur noch zermürbten. Mit der Erkenntnis, dass es konstruktive Zweifel und zerstörerische Zweifel gibt, entschloss ich mich, diesen nunmehr destruktiven Zweifeln keinen Raum zu geben.

Ähnlich verlief es bisher mit meinen Zweifeln am Dienst als Pastor.
Sie kommen mindestens einmal im Jahr und machen mich dann echt fertig.
Aber jedes Mal hilft mir irgendwas raus.
Manchmal ist es einfach ein Lebensumstand, der mich daran hindert, mir einen anderen Beruf zu suchen.
Und manchmal ist es ein göttliches Eingreifen (das ist eine sehr persönliche Geschichte).
Mittlerweile gab es so viele Krisen und so viele „Ermutigungserlebnisse“, das ich sagen kann:
„Ich soll als Pastor arbeiten.“

Ich bin mittlerweile davon überzeugt:
Wenn Gott uns eine Aufgabe gibt, dann sorgt Er auch dafür, dass wir dran bleiben.
Dann reifen wir an Krisen und werden stärker in diesem Dienst.
Das geht nur mit Leiden.
Aber diese Leiden dienen uns zum Besten.
Diese Krisen helfen, nicht mehr einem besonderen Image hinterherzurennen, sondern den Dienst zu sehen.
Sie vernichten den Wunsch nach einem „Titel“ und einem „Ansehen“ und zeigen auf das, worum es wirklich geht.
Sie helfen, eigene Schwächen und Stärken deutlicher zu sehen – und das Bedürfnis nach Gottes Gnade in Anspruch zu nehmen.
Sie verdeutlichen die eigene Berufung und den persönlichen Lebensauftrag.
Sie helfen, Prioritäten zu setzen und Grenzen zu setzen.

Wird man so ein „Leiter“? Oder ein besserer „Leiter“?
Das weiß Gott allein.
Und genau das reicht auch.

Seelsorge: Grenzen setzen

Ich bin gerne gnädig. Lieber verzeihe ich als einen Dauerkonflikt zu haben.
Lieber sehe ich das Potential in einem Menschen als seinen Mangel.
Lieber blicke ich einen Menschen freundlich an als kritisch.

Aber manchmal scheint es gnädiger zu sein, Grenzen zu setzen.
So kann es vorkommen, dass man mit einer seelsorgerlichen Situation überfordert ist.
Das Gnädige in mir möchte weiterhelfen. Irgendeine Lösung muss es doch geben: „Lass uns nochmal treffen und nochmal reden und nochmal beten.. irgendwann muss es doch helfen!“
Wie leicht kann dann übersehen werden, dass man nicht mehr helfen kann.
Sei es, dass mir das Fachwissen hilft (zB bei medizinischen Fragen oder traumatischen Erlebnissen);
sei es, dass ich nicht wirklich genügend Zeit habe, mein Gegenüber aber ganz viel davon bräuchte;
sei es, dass ich selbst auf dem letzten Loch pfeife und merke, dass mich die Seelsorge nur fertig machen würde (wie soll ein Blinder einen Blinden begleiten?);
oder sei es, weil mein Gegenüber tatsächlich keine Veränderung will.

Dann müssen Grenzen gesetzt werden. Auch aus Gnade für den anderen.
Denn die Vorspiegelung meiner „Hilfe“, die dann doch keine wäre, könnte zugleich eine Irreführung des anderen sein.
Das Setzen einer Grenze kann hart sein.
Aber sie kann mitunter ein wichtiges Signal an den anderen sein.
Und mitunter kann sie die eigentliche Hilfe werden, die die nötige Motivation auslöst, damit der andere aktiv an einer Lösung mitarbeitet.

Manchmal kann es gnädiger sein, eine Grenze zu setzen.

Das teile ich dem anderen dann mit.
„Ich weiß hier auch nicht weiter. Du bist wichtig und ich mag dich, aber mit unseren Treffen kann ich dir zur Zeit nicht helfen.“
Dann ermutige ich den anderen:
„Aber ich weiß, dass du das und das (die bestimmte Fähigkeit oder das gewünschte Ziel hängt von der Person ab) kannst und willst. Das steckt in dir. Ich glaube, dass du den nächsten Schritt gehen kannst. Das hast du früher schon bewiesen (das gilt natürlich nur, wenn dem tatsächlich so ist).“
Gegebenfalls biete ich einen Rat an, z.B. der Kontakt zu einem Experten oder eine Maßnahme, die manch anderen schon geholfen hat.
Und schließlich biete ich das segnende Gebet an, das dann auch an Ort und Stelle ausgeübt wird.
So wird zwar eine Grenze gesetzt, aber sie ist in die Melodie der Ermutigung und Segnung eingebettet.

Der Abschied von Gemeinde-Konzepten

Ich habe Bücher über den Gemeindeaufbau mit entsprechenden Konzepten geliebt!
Saddleback, Willow Creek, Hauskirchen bzw. „Organische Gemeinden“, missionaler Gemeindebau usw.
In meiner Funktion als erster Vorsitzender einer LKG, als Co-Prediger und Prediger für weitere Gemeinschaften, dann als Gemeindegründer und daran (hoffentlich) reifender Pastor… na, klar – damit muss man sich beschäftigen!

Vielleicht hat es geschadet.
Warum?
Weil bei mir schnell der Eindruck entstanden ist: „So macht man es!“

Der Abgleich zwischen der Erkenntnis der Autoren und meiner Realität war dann irgendwie ernüchternd.
Komischerweise wirkten diese Bücher auf mich wie die Veröffentlichung DES Geheimrezeptes.
Da schrieben Menschen auf, wie sie den Gemeindeaufbau erlebt hatten. Und diese Gemeinden waren „erfolgreich“! Sie hatten viel guten Einfluss und mitunter bestanden sie aus Hunderten oder gar Tausenden von Mitgliedern. Diese Konzepte mussten doch richtig sein!

Und so habe ich angefangen, meine Konzepte zu schreiben. Wie das Gemeindeleben sein müsste.
Konzepte, die auf dem weißen Papier so überzeugend wirkten und mich in meiner Ungeduld befeuerten.
Konzepte, die mir zwar halfen, das große Ganze zu sehen, aber mir den Blick für den einzelnen Menschen schwerer machten.
Und vor allem den Blick für die tatsächliche Gemeindesituation erschwerten.

Vielleicht lag das gar nicht an diesen Büchern, sondern an mir und meiner „Lesebrille“.
Vielleicht hätte ich viele dieser Bücher einfach nur als einen Erfahrungsbericht neben vielen anderen lesen sollen. Eine Art „theologisch-praktische Unterhaltung“.

Mit der Zeit hörte ich andere Pastoren, die schon ein paar Jahre mehr Diensterfahrung auf dem Buckel hatten, die mir sagten: „Ich verfolge kein Konzept mehr. Keine Ahnung, was kommt. Ich konzentriere mich auf die Menschen, mit denen ich zu tun habe.“

Zuerst war ich von solchen Aussagen irritiert. Aber man braucht doch eine Vision! Ein Leitbild! Ein Konzept! Sonst wird es doch alles orientierungslos und damit führungsschwach und dann entstehen Machtkämpfe in der Gemeinde usw.

Nach vielen weiteren Büchern – und wirklich auch vielen guten Gemeindebüchern – fange ich an, mich von Konzepten zu verabschieden.
Damit werde ich nicht konzeptlos. Irgendein Konzept hat man ja immer im Hinterkopf. Geht nicht anders.
Aber tatsächlich verlagert sich der Schwerpunkt.

Ich habe gemerkt, dass ich nur so weit komme, wie ich auch „reif“ bin.
Dass eine Gemeinde nur so weit kommt, wie die Mitglieder bereit und fähig sind.
Dass eine Gemeinde in einen kaum zu überblickenden Kontext eingebettet ist, der ihr Grenzen setzt als auch Möglichkeiten gibt.
Dass der Kern des Ganzen schlussendlich nicht ein Gemeinde-Programm ist, sondern unsere Beziehung zu Christus und untereinander und zu den Menschen um uns herum.

Und dass es letztlich um die gleichen Aspekte einer Gemeinde geht, die aber je nach Konstellation der Gemeinde ganz unterschiedlich aussehen müssen, weil unsere Charaktere, Fähigkeiten, Orte und andere Grenzen und Möglichkeiten unterschiedlich sind:
– Wie handhaben wir es mit dem Gebet?
– Wie wird Gottes Wort vermittelt?
– Wie werden Beziehungen bei uns und in unsere Gesellschaft hinein gelebt?
– Wie wollen wir Gott anbeten?
– Wie werden das Abendmahl und die Taufe bei uns zelebriert?
Und wenn wir verstehen, dass all das in die große Mission der Liebe Gottes zu dieser Welt eingefügt ist (Stichwort: Nachfolge Jesu / Jüngerschaft für Christus und Menschen), dann haben wir wohl schon die Hauptzutaten zur leckeren „Gemeindesuppe“.

So ist der Abschied von einfachen Gemeindekonzepten ein Willkommenheißen des Abenteuers, dass jede Gemeinde ihre ganz persönliche Geschichte, Gegenwart und Zukunft hat und einen ebenso individuellen Weg finden kann.

Umgang mit unterschiedlichen Erkenntnissen aus der Bibel

Bibelauslegung ist echt eine Kunst. Es ist manchmal wie das Stochern im Nebel. Tatsächlich kommt hier und da ein Sonnenstrahl durch, aber wir sehen nie den gesamten Horizont mit allen Details. Das führt zu unterschiedlichen Erkenntnissen.

Es ist nur traurig und schädlich für Gemeinden, wenn unterschiedliche Erkenntnisse zu Streit und Spaltungen führen. Natürlich: In den sog. heilsnotwendigen Dingen (Wie werde ich gerettet? Was geschah am Kreuz mit Jesus? Wie kann ich von Gott angenommen werden? Usw.) muss es eine gemeinsame und unverrückbare Basis geben, denn diese bestimmt schließlich, wer zu Jesus gehört und wer nicht.

Paulus kämpfte um diese heilsnotwendigen Fragen. Er eiferte für das Evangelium (s.a. der Galaterbrief).
Doch in den anderen Erkenntnis- und Gewissensfragen plädierte er für eine gegenseitige Toleranz und ein Mittragen der „Schwächeren“.
Wo diese Liebe aber nicht existiert, „bläht“ die Erkenntnis auf.
Sie ist von Stolz und Rechthaberei getränkt. Gift für jede Beziehung. Gift für jede Gemeinde.

Wie schrecklich ist es, wenn dann dem Bruder oder der Schwester vorgeworfen wird, zu „rebellieren“ oder „unbiblisch“ (damit wird letztlich gesagt: „gegen Gottes Willen gerichtet“) zu sein… nur, weil man eine andere Erkenntnis aus der Bibel zieht.
Aus solchen Rechthabereien sind in der Kirchengeschichte manche Denominationen entstanden. Nichts anderes als das Zeugnis für Spaltungen und Stolz. Selten geschahen solche Trennungen im Frieden und Segen. Kein Wunder, wenn mancher Mensch mit dem Finger darauf zeigt und den Christen ihre „Botschaft der Liebe und Versöhnung“ nicht abnimmt.

Die Alternative ist fraglos anstrengend: den anderen trotz der unterschiedlichen Erkenntnis anzunehmen. Die Ansicht des anderen zu tolerieren, auch, wenn es schwer fällt, diese Ansicht nachzuvollziehen.
Aber ich bin überzeugt (auch das ist eine Erkenntnis), dass dies der lohnendere Weg ist.
Denn er ist geprägt von Glaube, Liebe und Hoffnung. Und was gibt es Wichtigeres?

Gedanken zur Seelsorge: Kann man wirklich seelisch gesund werden?

Kann ein Mensch innerlich heil werden?
Kann ein Mensch seelisch gesund werden?

Ich will an der Stelle nicht allzu philosophisch werden, allerdings muss man sich fragen:
Was bedeutet „gesund“?
Wann ist man denn „gesund“ oder „heil“?
Wer bestimmt, was „gesund“ ist?

Doch wie auch immer man die Frage beantwortet, deutlich ist das:
Wenn sich ein Mensch seelisch belastet fühlt, dann sucht er nach Wegen, um diese Last loszuwerden.

Manche flüchten dann.
Saufen Alkohol. Stürzen sich in Arbeit. Zocken am PC. Gehen shoppen. Zappen am Fernsehgerät oder durchstöbern das Internet nach Ablenkung.

Damit ist die Last nicht weg. Sie wurde nur von einem anderen Reiz für eine zeitlang übertönt.

Dann kommt sie wieder.
Und nun?

Im schlechtesten Fall bilden sich aus der anfänglichen Flucht Suchtmuster heraus:
Aus dem Suff wird eine Alkoholsucht. Aus dem Zocken wird eine Spielsucht. Aus der kurzen Begierde wird eine Pornosucht. Aus dem Kick wird eine Machtsucht. Eine Adrenalinsucht. Eine Konsumsucht. Usw.

Im besten Fall wagt man es, sich der Last zu stellen. Ihr in das Auge zu gucken.
Das ist tatsächlich der erste Schritt, um in diesem Kampf zu bestehen.
Meine These ist, dass sich die Mehrheit der Menschen nicht stellt, sondern einfach so weiter macht.
Manchmal wundern sie sich, weshalb da was „rumpelt“ oder warum das Leben so doof sein kann… aber egal.. einfach weitermachen… wird schon!

Aber die, die sich stellen, ergreifen eine Chance, ihr Leben positiv zu gestalten.
Wer sich stellt, hat noch nicht gewonnen. Die eigentliche Arbeit kommt erst noch.
Es wird garantiert super anstrengend!
Aber wer ein befreiteres und erfüllteres Leben führen will, muss mit diesem ersten Schritt anfangen:
Sich den Lasten zu stellen.

Und?
Kann man auf Dauer wirklich frei werden von Lasten?
Ist „Heilung“ im vollständigen Sinn möglich?

Im Laufe der Jahre, mancher Coaching- und Seelsorgesituationen habe ich da meine Zweifel.
Natürlich weiß ich, dass man wirklich wundersam sofort von einer Sucht befreit werden kann.
Man kann sofort von wirklich bösen Belastungen frei werden.
Ja, das gibt es!

Aber wenn es um den Charakter geht, um die Prägung der eigenen Seele, dann kommt es mir eher wie das Zusammenfließen von zwei Strömen vor:
Der eine Strom enthält Wasser und Müll. Der Strom ist nicht wirklich sauber. Wenn man ihn filtert, kann er genießbar sein, aber eigentlich ist er nicht klar und rein. Das ist der Strom des „alten Lebens“. Das ist das, wie unsere Seele von Kindheit an geprägt wurde. Da stecken Muster drin, die wir nicht mit einem Gebet oder einer Seelsorgesitzung loswerden. Das sind Muster, die wirklich volle Kanne Teil von uns sind.
Der andere Strom kommt von Gott her. Es ist das neue Leben, das Gott durch Jesus Christus schenkt. Es geht um neue Muster. Um himmlische Muster, sozusagen. Jesus Christus hat vorgelebt, wie ein Leben aussieht, das nach göttlichem Muster gelebt wird. Dieser Strom ist glasklar, erfrischend, wohltuend.

Wenn ein Mensch dahin kommt, ein Leben in der Nachfolge Jesu zu führen, dann kommen diese beiden Ströme zusammen. Der dreckige Strom vermischt sich mit dem reinen Strom. Man guckt darauf und fragt sich: „Und was hat sich durch Gott geändert? Nix! Sieht ja noch immer so aus wie vorher!“
Doch das ist nur der punktuelle Blick.
Gott blickt weiter.
Gott weiß, dass Sein Strom mächtiger ist. Es ist ein Strom, der unablässig und mit Kraft wirkt.
Mit der Zeit nämlich wird der Strom Gottes den dreckigen Strom reinwaschen.
Gott wird das, was Er angefangen hat, auch vollenden.

So ist Seelsorge immer ein Prozess. Oft ein Lebensprozess.
Es geht weniger um das sofortige „Heilsein“, sondern mehr um das „Heilwerden“.
Nicht, dass wir es schon ergriffen hätten, aber wir strecken uns danach aus.
Die alten Prägungen werden immer wieder hochkommen. Sie werden sehr wahrscheinlich ein Leben lang unsere wunden Punkte bleiben.
Aber durch Gottes Wahrheit können wir lernen, mit diesen alten Mustern umzugehen.
Wir lernen, uns mehr von Gott prägen zu lassen.

Das ist schließlich der Ausblick in der Seelsorge:
Nein, meistens wird die Last nicht sofort verschwinden. Möglich, aber sehr selten. Rechne damit, dass deine Lasten auch immer deine wunden Punkte bleiben werden.
Ja, du wirst lernen, im Kampf zu bestehen. Du wirst dich nicht mehr so oft runterziehen lassen. Du wirst öfter Frieden haben. Die Last wird immer seltener deinen Tag bestimmen.
Es ist wie mit einem kläffenden und beißenden Hund: Am Anfang kläfft er und dann beißt er dich. Du hast Angst und es schmerzt. Doch im Laufe des Prozesses lernst du, dem Hund Kommandos zu geben. Wahrscheinlich haut der Hund nicht ab. Er kläfft schon wieder und fletscht wieder die Zähne. Aber nach und nach lernst du, dich zu verteidigen und Position zu beziehen. Eines Tages kläfft der Hund schon wieder. Aber du zuckst nicht mehr zusammen. Du weißt, was du zu tun hast. Du gibst dem Hund ein Kommando. Und der Hund wagt es nicht mehr, dich zu beißen.
So sieht das „Heilwerden“ aus.
Wir können heiler werden.