Der Abschied von Gemeinde-Konzepten

Ich habe Bücher über den Gemeindeaufbau mit entsprechenden Konzepten geliebt!
Saddleback, Willow Creek, Hauskirchen bzw. „Organische Gemeinden“, missionaler Gemeindebau usw.
In meiner Funktion als erster Vorsitzender einer LKG, als Co-Prediger und Prediger für weitere Gemeinschaften, dann als Gemeindegründer und daran (hoffentlich) reifender Pastor… na, klar – damit muss man sich beschäftigen!

Vielleicht hat es geschadet.
Warum?
Weil bei mir schnell der Eindruck entstanden ist: „So macht man es!“

Der Abgleich zwischen der Erkenntnis der Autoren und meiner Realität war dann irgendwie ernüchternd.
Komischerweise wirkten diese Bücher auf mich wie die Veröffentlichung DES Geheimrezeptes.
Da schrieben Menschen auf, wie sie den Gemeindeaufbau erlebt hatten. Und diese Gemeinden waren „erfolgreich“! Sie hatten viel guten Einfluss und mitunter bestanden sie aus Hunderten oder gar Tausenden von Mitgliedern. Diese Konzepte mussten doch richtig sein!

Und so habe ich angefangen, meine Konzepte zu schreiben. Wie das Gemeindeleben sein müsste.
Konzepte, die auf dem weißen Papier so überzeugend wirkten und mich in meiner Ungeduld befeuerten.
Konzepte, die mir zwar halfen, das große Ganze zu sehen, aber mir den Blick für den einzelnen Menschen schwerer machten.
Und vor allem den Blick für die tatsächliche Gemeindesituation erschwerten.

Vielleicht lag das gar nicht an diesen Büchern, sondern an mir und meiner „Lesebrille“.
Vielleicht hätte ich viele dieser Bücher einfach nur als einen Erfahrungsbericht neben vielen anderen lesen sollen. Eine Art „theologisch-praktische Unterhaltung“.

Mit der Zeit hörte ich andere Pastoren, die schon ein paar Jahre mehr Diensterfahrung auf dem Buckel hatten, die mir sagten: „Ich verfolge kein Konzept mehr. Keine Ahnung, was kommt. Ich konzentriere mich auf die Menschen, mit denen ich zu tun habe.“

Zuerst war ich von solchen Aussagen irritiert. Aber man braucht doch eine Vision! Ein Leitbild! Ein Konzept! Sonst wird es doch alles orientierungslos und damit führungsschwach und dann entstehen Machtkämpfe in der Gemeinde usw.

Nach vielen weiteren Büchern – und wirklich auch vielen guten Gemeindebüchern – fange ich an, mich von Konzepten zu verabschieden.
Damit werde ich nicht konzeptlos. Irgendein Konzept hat man ja immer im Hinterkopf. Geht nicht anders.
Aber tatsächlich verlagert sich der Schwerpunkt.

Ich habe gemerkt, dass ich nur so weit komme, wie ich auch „reif“ bin.
Dass eine Gemeinde nur so weit kommt, wie die Mitglieder bereit und fähig sind.
Dass eine Gemeinde in einen kaum zu überblickenden Kontext eingebettet ist, der ihr Grenzen setzt als auch Möglichkeiten gibt.
Dass der Kern des Ganzen schlussendlich nicht ein Gemeinde-Programm ist, sondern unsere Beziehung zu Christus und untereinander und zu den Menschen um uns herum.

Und dass es letztlich um die gleichen Aspekte einer Gemeinde geht, die aber je nach Konstellation der Gemeinde ganz unterschiedlich aussehen müssen, weil unsere Charaktere, Fähigkeiten, Orte und andere Grenzen und Möglichkeiten unterschiedlich sind:
– Wie handhaben wir es mit dem Gebet?
– Wie wird Gottes Wort vermittelt?
– Wie werden Beziehungen bei uns und in unsere Gesellschaft hinein gelebt?
– Wie wollen wir Gott anbeten?
– Wie werden das Abendmahl und die Taufe bei uns zelebriert?
Und wenn wir verstehen, dass all das in die große Mission der Liebe Gottes zu dieser Welt eingefügt ist (Stichwort: Nachfolge Jesu / Jüngerschaft für Christus und Menschen), dann haben wir wohl schon die Hauptzutaten zur leckeren „Gemeindesuppe“.

So ist der Abschied von einfachen Gemeindekonzepten ein Willkommenheißen des Abenteuers, dass jede Gemeinde ihre ganz persönliche Geschichte, Gegenwart und Zukunft hat und einen ebenso individuellen Weg finden kann.

Umgang mit unterschiedlichen Erkenntnissen aus der Bibel

Bibelauslegung ist echt eine Kunst. Es ist manchmal wie das Stochern im Nebel. Tatsächlich kommt hier und da ein Sonnenstrahl durch, aber wir sehen nie den gesamten Horizont mit allen Details. Das führt zu unterschiedlichen Erkenntnissen.

Es ist nur traurig und schädlich für Gemeinden, wenn unterschiedliche Erkenntnisse zu Streit und Spaltungen führen. Natürlich: In den sog. heilsnotwendigen Dingen (Wie werde ich gerettet? Was geschah am Kreuz mit Jesus? Wie kann ich von Gott angenommen werden? Usw.) muss es eine gemeinsame und unverrückbare Basis geben, denn diese bestimmt schließlich, wer zu Jesus gehört und wer nicht.

Paulus kämpfte um diese heilsnotwendigen Fragen. Er eiferte für das Evangelium (s.a. der Galaterbrief).
Doch in den anderen Erkenntnis- und Gewissensfragen plädierte er für eine gegenseitige Toleranz und ein Mittragen der „Schwächeren“.
Wo diese Liebe aber nicht existiert, „bläht“ die Erkenntnis auf.
Sie ist von Stolz und Rechthaberei getränkt. Gift für jede Beziehung. Gift für jede Gemeinde.

Wie schrecklich ist es, wenn dann dem Bruder oder der Schwester vorgeworfen wird, zu „rebellieren“ oder „unbiblisch“ (damit wird letztlich gesagt: „gegen Gottes Willen gerichtet“) zu sein… nur, weil man eine andere Erkenntnis aus der Bibel zieht.
Aus solchen Rechthabereien sind in der Kirchengeschichte manche Denominationen entstanden. Nichts anderes als das Zeugnis für Spaltungen und Stolz. Selten geschahen solche Trennungen im Frieden und Segen. Kein Wunder, wenn mancher Mensch mit dem Finger darauf zeigt und den Christen ihre „Botschaft der Liebe und Versöhnung“ nicht abnimmt.

Die Alternative ist fraglos anstrengend: den anderen trotz der unterschiedlichen Erkenntnis anzunehmen. Die Ansicht des anderen zu tolerieren, auch, wenn es schwer fällt, diese Ansicht nachzuvollziehen.
Aber ich bin überzeugt (auch das ist eine Erkenntnis), dass dies der lohnendere Weg ist.
Denn er ist geprägt von Glaube, Liebe und Hoffnung. Und was gibt es Wichtigeres?

Gedanken zur Seelsorge: Kann man wirklich seelisch gesund werden?

Kann ein Mensch innerlich heil werden?
Kann ein Mensch seelisch gesund werden?

Ich will an der Stelle nicht allzu philosophisch werden, allerdings muss man sich fragen:
Was bedeutet „gesund“?
Wann ist man denn „gesund“ oder „heil“?
Wer bestimmt, was „gesund“ ist?

Doch wie auch immer man die Frage beantwortet, deutlich ist das:
Wenn sich ein Mensch seelisch belastet fühlt, dann sucht er nach Wegen, um diese Last loszuwerden.

Manche flüchten dann.
Saufen Alkohol. Stürzen sich in Arbeit. Zocken am PC. Gehen shoppen. Zappen am Fernsehgerät oder durchstöbern das Internet nach Ablenkung.

Damit ist die Last nicht weg. Sie wurde nur von einem anderen Reiz für eine zeitlang übertönt.

Dann kommt sie wieder.
Und nun?

Im schlechtesten Fall bilden sich aus der anfänglichen Flucht Suchtmuster heraus:
Aus dem Suff wird eine Alkoholsucht. Aus dem Zocken wird eine Spielsucht. Aus der kurzen Begierde wird eine Pornosucht. Aus dem Kick wird eine Machtsucht. Eine Adrenalinsucht. Eine Konsumsucht. Usw.

Im besten Fall wagt man es, sich der Last zu stellen. Ihr in das Auge zu gucken.
Das ist tatsächlich der erste Schritt, um in diesem Kampf zu bestehen.
Meine These ist, dass sich die Mehrheit der Menschen nicht stellt, sondern einfach so weiter macht.
Manchmal wundern sie sich, weshalb da was „rumpelt“ oder warum das Leben so doof sein kann… aber egal.. einfach weitermachen… wird schon!

Aber die, die sich stellen, ergreifen eine Chance, ihr Leben positiv zu gestalten.
Wer sich stellt, hat noch nicht gewonnen. Die eigentliche Arbeit kommt erst noch.
Es wird garantiert super anstrengend!
Aber wer ein befreiteres und erfüllteres Leben führen will, muss mit diesem ersten Schritt anfangen:
Sich den Lasten zu stellen.

Und?
Kann man auf Dauer wirklich frei werden von Lasten?
Ist „Heilung“ im vollständigen Sinn möglich?

Im Laufe der Jahre, mancher Coaching- und Seelsorgesituationen habe ich da meine Zweifel.
Natürlich weiß ich, dass man wirklich wundersam sofort von einer Sucht befreit werden kann.
Man kann sofort von wirklich bösen Belastungen frei werden.
Ja, das gibt es!

Aber wenn es um den Charakter geht, um die Prägung der eigenen Seele, dann kommt es mir eher wie das Zusammenfließen von zwei Strömen vor:
Der eine Strom enthält Wasser und Müll. Der Strom ist nicht wirklich sauber. Wenn man ihn filtert, kann er genießbar sein, aber eigentlich ist er nicht klar und rein. Das ist der Strom des „alten Lebens“. Das ist das, wie unsere Seele von Kindheit an geprägt wurde. Da stecken Muster drin, die wir nicht mit einem Gebet oder einer Seelsorgesitzung loswerden. Das sind Muster, die wirklich volle Kanne Teil von uns sind.
Der andere Strom kommt von Gott her. Es ist das neue Leben, das Gott durch Jesus Christus schenkt. Es geht um neue Muster. Um himmlische Muster, sozusagen. Jesus Christus hat vorgelebt, wie ein Leben aussieht, das nach göttlichem Muster gelebt wird. Dieser Strom ist glasklar, erfrischend, wohltuend.

Wenn ein Mensch dahin kommt, ein Leben in der Nachfolge Jesu zu führen, dann kommen diese beiden Ströme zusammen. Der dreckige Strom vermischt sich mit dem reinen Strom. Man guckt darauf und fragt sich: „Und was hat sich durch Gott geändert? Nix! Sieht ja noch immer so aus wie vorher!“
Doch das ist nur der punktuelle Blick.
Gott blickt weiter.
Gott weiß, dass Sein Strom mächtiger ist. Es ist ein Strom, der unablässig und mit Kraft wirkt.
Mit der Zeit nämlich wird der Strom Gottes den dreckigen Strom reinwaschen.
Gott wird das, was Er angefangen hat, auch vollenden.

So ist Seelsorge immer ein Prozess. Oft ein Lebensprozess.
Es geht weniger um das sofortige „Heilsein“, sondern mehr um das „Heilwerden“.
Nicht, dass wir es schon ergriffen hätten, aber wir strecken uns danach aus.
Die alten Prägungen werden immer wieder hochkommen. Sie werden sehr wahrscheinlich ein Leben lang unsere wunden Punkte bleiben.
Aber durch Gottes Wahrheit können wir lernen, mit diesen alten Mustern umzugehen.
Wir lernen, uns mehr von Gott prägen zu lassen.

Das ist schließlich der Ausblick in der Seelsorge:
Nein, meistens wird die Last nicht sofort verschwinden. Möglich, aber sehr selten. Rechne damit, dass deine Lasten auch immer deine wunden Punkte bleiben werden.
Ja, du wirst lernen, im Kampf zu bestehen. Du wirst dich nicht mehr so oft runterziehen lassen. Du wirst öfter Frieden haben. Die Last wird immer seltener deinen Tag bestimmen.
Es ist wie mit einem kläffenden und beißenden Hund: Am Anfang kläfft er und dann beißt er dich. Du hast Angst und es schmerzt. Doch im Laufe des Prozesses lernst du, dem Hund Kommandos zu geben. Wahrscheinlich haut der Hund nicht ab. Er kläfft schon wieder und fletscht wieder die Zähne. Aber nach und nach lernst du, dich zu verteidigen und Position zu beziehen. Eines Tages kläfft der Hund schon wieder. Aber du zuckst nicht mehr zusammen. Du weißt, was du zu tun hast. Du gibst dem Hund ein Kommando. Und der Hund wagt es nicht mehr, dich zu beißen.
So sieht das „Heilwerden“ aus.
Wir können heiler werden.

Handout „Frauen als Älteste und Predigerinnen?“

In Vorbereitung auf die Ältestenwahl unserer Gemeinde habe ich ein Video zum Text aus 1.Timotheus 3,1 ff. erstellt. Darin geht es um die Qualifikationen eines Ältesten. Die meisten Merkmale eines Ältesten sind ziemlich unstrittig in christlichen Gemeinden: klar, der soll kein Gewalttäter sein, keiner, der ständig mit anderen streitet, niemand, für den man sich schämen muss usw.
Aber es gibt immer wieder den einen Knackpunkt, über den manche stoßen:
Ein Ältester soll „Mann einer einzigen Frau“ sein.
Heißt das, dass nur Männer Gemeindeälteste sein dürfen und Frauen nicht?

Eine Frage, die unsere Gesellschaft heutzutage fraglos überflüssig findet oder altbacken (wiewohl es in Deutschland nicht lange her ist, dass das Rollenverhältnis von Mann und Frau gänzlich anders war als zur Zeit; geschichtlich gesehen stehen wir da gerade erst am Anfang).
Aber für Menschen, die die Bibel respektieren, ist diese Frage wirklich relevant. Man will ja seinen eigenen Glauben, Gott und das Wort Gottes ernst nehmen!

Deshalb habe ich nochmal ein überschaubares, dreiseitiges Handout zur Frage anfertigt „Dürfen Frauen Älteste und Predigerinnen sein?„.
Die wesentlichen Argumente sind aufgezeigt und hoffentlich nachvollziehbar.
Da es sich nur um ein Handout handelt, ist vielleicht nicht alles sofort verständlich. Aber als Zusammenfassung taugt es.

Hier zum kostenlosen Download im pdf-Format!

P.S. Nachtrag vom 17.03.2017:
Zu dem Thema „Frauen als Älteste“ habe ich gemerkt, dass manche meiner Argumentation schwer folgen können. Deshalb hier meine Argumente in etwas einfacherer Form:

– Alle Christen sollen andere Menschen lehren (Mt 28,18 ff.; Kol 3,16 u.a.).
Diese Lehrgebote unterscheiden nicht beim Geschlecht. Sie gelten für Männer und Frauen.

– Frauen in der Bibel nahmen leitende und lehrende Aufgaben wahr.
Das ist vor allem im Kontext des Patriarchats beachtlich. Deborah als Richterin im AT. Junia als Apostel im NT, Phöbe als Diakonin, Priscilla als Lehrerin, Missionarin und Gemeindeleiterin (zusammen mit ihrem Mann).
Ja, manche der Verse sind hinsichtlich der Auslegung strittig (z.B. war Junia wirklich Apostel oder nur anerkannt bei den Aposteln?). Aber es gibt immerhin Gründe für beide Sichtweisen, was zeigt, dass man „begründet“ unterschiedlicher Ansicht sein kann.

– Es gibt kein Verbot für Frauen in der Gemeindeleitung.
Das muss man einfach mal festhalten. Es wird in der Bibel nicht als Sünde bezeichnet, wenn eine Frau Älteste ist. Dabei macht Gott durch die Bibel durchaus deutlich, was für Ihn Sünde ist. Das wird dann auch so benannt (zB Mord, Ehebruch, Lüge usw.). Wenn Gott also etwas nicht als Sünde bezeichnet, mit welchem Recht dürfen wir das tun? Ferner: Wir haben keine Befugnis, der Bibel ein Verbot hinzuzufügen. Was wäre das für eine Vermessenheit!?
Wir kämen in das „enge und versklavende“ Denken mancher Pharisäer der damaligen Zeit: sie erdachten sich weitere Regelungen und fügten sie den biblischen Geboten/Verboten hinzu. Natürlich meinten sie es ernst. Sie wollten Gott in allen Dingen gehorsam sein. Aber der Effekt war, dass sie sich selbst und anderen das Leben damit schwer machte und das Wesentliche – die Liebe – zunehmend vergaßen. Jesus musste sie oft deswegen kritisieren.

Das sind die Hauptpunkte, die es als möglich erscheinen lassen, dass auch Frauen Älteste sein können.
Natürlich existieren Gegenargumente. Und gegen diese Gegenargumente gibt es wiederum Gegenargumente. Ein „Diskussions-Spiel“ ohne Ende. Letztlich zermürbend und wegführend vom Wesentlichen.
Aber zwei Gegenargumente (und ihre Entkräftung) will ich hier bringen:

– Gegenargument 1
Nach 1.Tim 3,1 ff. soll ein Ältester „Mann einer einzigen Frau“ sein. D.h.: „Ein Ältester soll ein Mann sein!“

Auf dieses Argument kann man nur kommen, wenn man die wortwörtliche Auslegungsmethode benutzt. Besonders schwierig wird es, wenn man dann noch den Umkehrschluss hinzufügt: „Und deshalb dürfen Frauen keine Ältesten sein!“
Entkräftung:
Mit dieser Methode muss man auch zu diesen Folgerungen kommen: ein Ältester muss verheiratet sein. Er darf kein Witwer und kein Single sein. Er muss mindestens zwei Kinder haben (s.a. 1.Tim 3,1 ff.: da ist von „Kinder“ im Plural die Rede). Er darf nicht geschieden sein (auch nicht, wenn die Scheidung biblisch legitim war). Es dürfte schwer werden, dann wirklich Älteste zu finden.
Und wie erwähnt, ist es besonders fatal, wenn der Umkehrschluss verwendet wird.
Denn wenn wir diese Auslegungsmethode konsequent einsetzen, dann kämen wir auch diesen Ergebnissen:
– Wir müssen uns mit dem Bruderkuss, wie er im NT erwähnt ist, begrüßen. Jede andere Art der Begrüßung wäre verboten. Vielleicht wäre es sogar Rebellion gegen Gott…
– Wir müssen Wein trinken, wenn es uns nicht gut geht. Jede andere Medizin wäre verboten.
– Frauen dürften keinen Goldschmuck, keine Perlenketten und keine kostbaren Kleidungsstücke tragen. Silber und Diamanten wären aber in Ordnung.
Heilung würden wir nur von Jesus erwarten. Das wird in der Bibel bezeugt. Arztbesuche tauchen in der Bibel nicht auf. Also sind sie verboten.
– Usw.
Interessanterweise macht da aber keiner das Fass auf. Vielleicht, weil man instinktiv merkt, dass man wirklich zu schrägen Ergebnissen kommen würde.
Umso mehr verwundert es mich, wenn man aber bei 1.Tim 3,1 ff. diese Art der Auslegung verwendet:
ein Satz wird wortwörtlich genommen und mit einem Umkehrschluss begründet man ein Verbot. Das geschieht nur hier… bei so vielen anderen Themen macht das keiner. Komisch.
Deshalb muss man die historisch-grammatikalische Auslegungsmethode verwenden, die nach dem Sinn und Zweck, dem Kontext, dem Verfasser und den Adressaten fragt. Und da lautet das Ergebnis zu 1.Tim 3,1 ff. so:
Ein Ältester muss treu und monogam sein.
Ein Verbot für Frauen in dieser Position existiert nicht. Also ist es denkbar und möglich, dass auch Frauen Älteste sein können.

– Gegenargument 2
„Die Schöpfungsordnung von Mann und Frau wird auf den Kopf gestellt, wenn Frauen Älteste sein dürfen!“

Dieses Argument kommt sehr grundsätzlich daher. Demnach sind Männern und Frauen unterschiedliche Aufgaben zugedacht: Männer sollen leiten und Frauen sollen sich unterordnen. Wenn aber eine Frau Älteste wäre, dann würde sie ja über Männer leiten. Dies wäre gegen die Schöpfungsordnung.
Entkräftung:
Aber was besagt die Schöpfungsordnung?
Dass es Mann und Frau gibt. Sie sollen ein Fleisch sein. Und die Frau soll dem Mann helfen.
Es geht um das Eheverhältnis!
Es geht nicht um Ämter in der Gemeinde!
Ebenso betrifft es Verse wie in Epheser 5,21 ff.: Ja, hier wird das Verhältnis von Mann und Frau beschrieben. Der Mann als Haupt der Frau.
Doch wieder: es geht um das Eheverhältnis und nicht um Ämterfragen!
Es ist Unsinn, Anweisungen für die Ehe mit bestimmten Gemeindeaufgaben gleichzusetzen. Das ist eine Vermischung, die konstruiert ist.
Wenn eine Frau Älteste ist, dann wird sie doch nicht mit den Männern der Gemeinde verheiratet! Wieso also sollten Eheregeln für diese Gemeindeaufgabe gelten?
Wenn aber auf dieser Ebene diskutieren will, könnte man die Schöpfungsordnung sogar als Beleg dafür anwenden, dass Frauen Älteste sein sollen: denn, wenn männliche Älteste keine weiblichen Ältesten neben sich haben, dann wären sie ja unvollkommen und hilflos. Erst mit der weiblichen Ergänzung bekämen sie die Hilfe, die sie bräuchten, um wirklich gute Älteste zu sein.
Klingt das merkwürdig?
Ja.
Weil man damit eben das Eheverhältnis mit der Aufgabe von Ältesten vermischt.
Ist unsinnig.

Insgesamt ein Thema, das für erhitzte Gemüter sorgen kann. Man kann jahrelang darüber diskutieren.
Leider führt es manchmal zu persönlichen Herabwürdigungen. So musste ich mir schon manchen Vorwurf anhören („nicht bibeltreu“, „rebellisch“, „unbiblisch“, „enttäuscht von dir als Pastor“ usw.). Puh! Wenn ein nicht-heilsnotwendiges Nebenthema so auf die Goldwaage gelegt wird… dann kann es nur Streit produzieren. Gebe Gott, dass wir das Wesentliche wesentlich behandeln und das Nebensächliche nebensächlich sein lassen.

Vom Krankenbett in das „Krankenbett“

Mich hat ein Virus erwischt. Ein kleiner zwar, aber er reicht aus, um mich dem Bett hingezogen zu fühlen.
Viel schlafen – das ist gut! Und dann – wie es sich für heutzutage gehört – auch die Nachrichten und Meldungen aus den sozialen Netzwerken checken.
Und immer wieder überkommt mich der Eindruck, dass so vieles auf dieser Erde nach „Krankenbett“ aussieht.

Sicher gibt es manche äußeren Probleme:
Ein Sturm, der ein Dach auseinander fliegen lässt.
Eine Überschwemmung, die Küstenbewohner bedroht.
Oder ein Virus, der Menschen auf das Krankenbett schickt.

Gegen manche dieser Gefahren können wir uns wappnen. Manches lernen wir dazu. Und manchmal müssen wir ohnmächtig gegenüber „höheren“ Gewalten niederknien.

Doch die meisten Probleme dieser Welt werden in uns geboren.
Die Abfälligkeiten im Bereich der sozialen Medien. Sie sind kein Schicksal von außen.
Die Raffgier mancher Börsen-Akteure.
Die Ermordung von Menschen.
Die Tötung ungeborenen Lebens.
Das Quälen von Tieren.
Die Ausbeutung von Arbeitskräften.
Die Vergiftung der Umwelt.
Machtspiele in politischen Sphären.
Die Produktion von Altersarmut.

All das kommt aus uns.
Dafür kann man keinen Gott verantwortlich machen.
So moralisch es klingt, aber es ist tatsächlich unsere Schuld.

Und was sollte die Reaktion der Christen daraufhin sein?

Ein Christ hat keine Alternative zu einem Leben der Gottes- und Menschenliebe und einem Leben in der Verantwortung für diese Welt.
Weder Rache, noch Hass-Postings, noch das normale Mitmachen (wie alle es tun) sind christliche Maßstäbe.
Uns bleibt nur der Weg der Liebe.

Konsequent, mühsam gelernt, vergebend, immer wieder enttäuscht werdend… aber dann doch alles daran setzend, dass Gottes Liebe, Hoffnung und das Vertrauen durchkommen.

Frauen als Älteste einer Gemeinde?

Dürfen Frauenlaut Bibel Älteste einer Gemeinde sein?

Das ist tatsächlich eine Frage für manche Christen.
Ich habe darüber viel, viel nachgedacht. Seit Jahren.
Und wenn es dann an die Wahl einer Gemeindeleitung geht, kommt diese Frage bei Einzelnen wieder hoch.
Ein Dauerthema.

Interessanterweise wird diese Frage von Frauen selten so gestellt. Es sind eher die Männer, die das umtreibt.
Ihnen geht es oft darum, dass sie die biblischen Texte ernst nehmen wollen.
Was hat Gott über Gemeinde und Gemeindeleitung gesagt?
Was denkt Gott über das Ältestenamt?
Die Grundlage für weitere Überlegungen ist die Bibel als das schriftliche Fundament des christlichen Glaubens.

Und – das kann vorweg genommen werden – die Erkenntnisse zu diesem Thema sind unterschiedlich.
Allein diese Tatsache, dass verschiedene Christen sich ernsthaft und gottgläubig darum bemühen, eine Erkenntnis zu gewinnen, dann aber zu unterschiedlichen Meinungen kommen, lässt mich innehalten:
Dann sollte so ein Thema keine Hauptfrage sein. Sie kann nicht den gleichen Rang haben wie die Frage nach der Erlösung. Sie muss als „Nebenfrage“ behandelt werden, mit dem Respekt vor unterschiedlichen Erkenntnissen und trotzdem dem Mut, die eigene Ansicht zu vertreten.

Ich bin auch in diesem Blog schon öfter auf die „Frauen-Frage“ eingegangen, deshalb will ich hier nichts vertiefen.
Ich bringe nur in Stichwörtern meine Erkenntnis rüber:

– Frauen hatten auch im NT verantwortliche Leitungsfunktionen:
Junia als Apostel, Phöbe als Diakonin, Priscilla als Lehrerin (zusammen mit ihrem Mann).

– Es gibt kein Verbot, dass Frauen Älteste/Gemeindeleiter sind.
Deshalb dürfte es schwer sein, in diesem theologischen Bereich von „Sünde“ zu sprechen.

– Sinn der Aussage in 1.Tim 3,2b ist, dass ein verheirateter Ältester seiner Frau treu sein soll (Monogamie).
Es geht nicht um die Formulierung eines Verbotes des Ältestenamtes für Frauen.

– Die gleiche Aussage gibt es für Diakone, 1.Tim 3,12: auch ein Diakon soll Mann einer einzigen Frau sein.
Nach Röm 16,1 haben wir es mit „einem weiblichen Diakon“ zu tun.
Wenn wir davon ausgehen wollen, dass sich biblische Aussagen nicht widersprechen, sondern ergänzen, dann kann daraus nur das geschlussfolgert werden: Es gab weibliche Diakone und 1.Tim 3,12 will nicht Frauen ausschließen, sondern die Situation in Ephesus behandeln und die eheliche Treue betonen.
Das unterstreicht die Auslegung, wonach auch in 1.Tim 3,2b kein „Frauen-Verbot“ statuiert wird.

– Eine wortwörtliche Auslegung von 1.Tim 3,2b (=nur Männer dürfen Älteste sein) würde uns in viele Schwierigkeiten bringen (dann müssten Älteste stets verheiratet sein, mit nur einer Frau und müssten mehrere Kinder haben; Witwer oder Männer mit verstorbenen Kindern oder Männer mit nur einem Kind würden als Älteste ausscheiden).

– Zudem ist es ebenfalls bedenklich aus einer positiven Weisung („Mann einer einzigen Frau“) ein Verbot zu konstruieren („Dann dürfen Frauen keine Älteste sein!“). Das wäre ein Umkehrschluss. Dieser kann legitim sein, wenn sich entsrechende Verbote in der Bibel finden (z.B. das Gebot ehelich treu zu sein UND das Verbot der Ehescheidung). Wenn sich solche Verbote aber nicht finden, dann sind solche Umkehrschlüsse bedenklich (z.B. nach 1.Tim 2 sollen Männer an allen Orten beten, indem sie ihre Hände heben. Das ist die positive Weisung. Der Umkehrschluss wäre: „Es ist verboten, das Gebet zu unterlassen. Es ist verboten, beim Beten die Hände unten zu lassen!“). Da sich ein ausdrückliches Verbot für Frauen im Ältestenamt nicht finden lässt, muss von einem solchen Umkehrschluss Abstand genommen werden.

– Gesellschaftliche Wandlungen mit Auswirkungen auf das Gemeindeleben können legitim sein.
So haben wir heute keine legale Sklaverei mehr in Deutschland. Als Christen befürworten wir das und stehen dahinter. Doch nach Aussagen des NT war es damals anders: Auch Christen hatten Haus-Sklaven. Dieser Umstand hat sich gesellschaftlich geändert. Es wäre absolut grotesk und falsch, wenn Christen anhand des biblischen Wortlautes meinen würden, dass wir wieder die Sklaverei einführen müssten. Ebenso kann sich also die Position anderer Menschen in deiner Gesellschaft ändern. Es ist doch sehr gut, dass Frauen nicht mehr als Sache gehandelt werden, sondern als gleichwertige Menschen erkannt werden! Und natürlich muss das Auswirkungen auf das Gemeindeleben haben.

Den Vertretern der anderen Erkenntnis (Nur Männer sollen Älteste sein) muss ich zugute halten, dass es kein biblisches Beispiel für eine Frau im Ältestenamt gibt. Es ist, wenn dann, nur von Männern die Rede.
Woran das liegt, kann ich nicht mit Gewissheit sagen.
Es mag kulturell bedingt sein.
Es mag damit zusammenhängen, dass Gott den Mann als Hauptverantwortlichen für seine Frau sieht.
Es mag mit dem damaligen Bildungsniveau zusammenhängen.

Doch auch, wenn wir kein „Frauen-Älteste-Beispiel“ haben, so haben wir es dennoch nicht mit einem Verbot zu tun.
Daher ist das mein Plädoyer:
Eine Gemeinde, eine Gemeindeleitung oder die Gründer einer Gemeinde müssen zu diesem Thema eine Entscheidung treffen und diese muss dann von den Folge-Generationen respektiert werden. Alles andere würde eine Gemeinde nur in endlose und zumeist unfruchtbare Diskussionen stürzen.

Das Ältestenamt in der Bibel – 1.Timotheus 3

Das Ältestenamt / der Ältestendienst ist eine Aufgabe, die es in der Gemeinde zu erfüllen gilt. Dazu werden viele Bücher geschrieben. Es gibt verschiedene Betonungen dieser Aufgabe als „Gemeindeleiter“. Aber die biblischen Texte bleiben natürlich die zentrale Grundlage für das Ältestenamt.
Was sind die Qualifikationen, die ein Ältester erfüllen sollte?
Ein wichtiger Text ist der aus dem 1.Timotheus-Brief, Kapitel 3.
Dazu dieses Video:

Und weil der Satz „Mann einer einzigen Frau“ in 1.Timotheus 3,2b oft für Diskussionen sorgt, empfehle ich die Lektüre dieses kleinen, spontan zusammengehämmerten Papers: Frauen als Älteste? (pdf)