Ein Toter, Chemnitz und die Toten Hosen

Ein Mann wird in Chemnitz getötet. Es gibt zwei Tatverdächtige. Beide stammen aus dem Ausland (Syrien/Irak). Es folgen Demonstrationen in Chemnitz. Ein Mix aus normalen Bürgern, denen „es“ reicht, und Rechtsradikalen. Ausländisch aussehende Menschen werden in Chemnitz niedergemacht. In „den“ Medien wird analysiert: „Wie kommt es nur zu dieser rechten Gewalt?“ Und die „Toten Hosen“ samt einiger anderer Künstler wollen in Chemnitz ein Konzert gegen Rechtsradikale geben.

Ein Gemengenlage, das letztlich keiner bis in das Detail durchschauen kann, und das deshalb zu Pauschalisierungen und Verurteilungen verleitet.

Ist das Geschehen in Chemnitz auch ein Synonym für das, was sich in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt hat?
Eine Bewegung, die mancher noch nicht wahr haben will?

Doch vorher noch:
Ein Mann, Ehemann, Vater, Freund, Sohn, Kollege… wurde umgebracht. Einfach aus dem Leben gerissen. Wahrscheinlich wegen Nichtigkeiten. Wer tut so etwas? Warum sticht man jemanden nieder? Was ist das für ein Mensch, der im Konfliktfall einfach ein Messer zückt und rücksichtslos tötet?
Unfassbares Leid muss die Ehefrau und die Kinder getroffen haben. Dabei war der Vater doch einfach nur feiern gegangen…

Ja, wir müssen über die Entwicklung der rechten Szene reden und was Sinnvolles dagegensetzen.
Aber wir müssen auch über die Menschen reden, die als Gast hier sind und bösartig Gewalt gegen andere Menschen einsetzen.

Mein Eindruck ist, dass es in vielen Medien und bei manchen Politikern mal wieder nicht gelingt, eine Sprache zu sprechen, die von „Otto Normalverbraucher“ verstanden wird. Meines Erachtens wird wieder einmal Distanz erzeugt. Es wird auf die „rechten Ostdeutschen“ gezeigt. Aber die „rechten Ostdeutschen“ fragen sich, weshalb die „Toten Hosen“ nicht ein Konzert gegen Gewalt durch Ausländer geben.
Vielleicht sollten wir auch über das Medienverhalten von Politikern, Künstlern und Journalisten reden. Wie kann es gelingen, ehrlich und zugleich versöhnend zu kommunizieren? Wo werden auch die Medien, Künstler und Politiker zu Brandstiftern?
Im schlimmsten Fall haben wir Zündler aus allen Richtungen: gewaltbereite Ausländer und Rechtsgesinnte, Politiker, Künstler, Linksgerichtete und Journalisten… alle zündeln herum und fangen an, einen Flächenbrand auszulösen. Dabei verfahren sie wie Adam und Eva: „Ich war es nicht! Die anderen sind schuld!“

Wenn wir tiefer blicken, könnten wir vielleicht sehen, warum ein Ausländer gewalttätig ist.
Warum es in seiner Kultur normal ist, weil man sich dort als Mann bewähren muss und der Rechtsstaat nicht existiert, man der Polizei nicht trauen kann und sich selbst verteidigen muss, wenn man überleben will. Warum es traumatisierend sein kann, die eigene Heimat und Familie zurückzulassen und in der Fremde mit wenig Perspektive geduldet wird. Wie der Rest der Familie in der Heimat darauf wartet, dass man es endlich zu wirtschaftlichen Erfolg bringt, damit man den eigenen Stamm versorgen kann.

Wenn wir tiefer blicken, könnten wir vielleicht sehen, warum Menschen eine rechte Gesinnung entwickeln und dann gewalttätig werden.
Wir würden vielleicht verstehen, weshalb manch Deutscher frustriert ist. Statt eines blühenden Paradieses, das den Ostdeutschen nach der Wende versprochen wurde, kam die Arbeitslosigkeit. Wie man sich um Arbeit bemüht, aber außer Toilettenmann zu sein, findet man nichts. Vor allem nichts, um die Miete zu bezahlen und die eigene Familie zu ernähren. Da arbeitet man tüchtig und dann muss man dennoch mit Sozialleistungen aufstocken. Wie erniedrigend, wenn es trotz aller Mühe doch nicht reicht. Und dann kommen „die“ Politiker mit ihren Bodyguards und schicken Autos und halten kluge Reden, nach denen doch nichts besser wird. Aber die Ausländer! Die kommen her, haben nichts geleistet und erhalten ebenso Sozialhilfe wie der Familienvater, der sich mit den zwei Jobs fast kaputt rackert.

Tja, und dann die anderen:
Die unter dem Druck stehen, die nächste Wahl zu gewinnen. Die innerparteiliche Feinde haben. Die fast 24 Stunden lang um ihr Image kämpfen müssen und deren Bemerkungen ständig in der Presse zerrissen werden. Die eigentlich mit Idealen gestartet sind. Sie wollten helfen. Ihrem Land dienen. Etwas verbessern. Und dann sind sie im Getriebe und werden zerrieben, wenn sie nicht ständig mit einer inneren Alarmsirene unterwegs sind. Sie wollten helfen, diese Politiker, und dann befinden sie sich nur noch in Konflikten.
So manche Künstler, die mit ihrer Musik anderen Freude machen wollen. Die merken: Geld und Ruhm sind nicht alles. Die ihren Ruhm nutzen wollen, um sich für Gutes einzusetzen. Die auch mal ein Zeichen setzen wollen, weil sie Sorge um Entwicklungen in ihrem Land haben.
Journalisten, die oft als Freischaffende ihr tägliches Brot verdienen müssen. Die eher schlechte Nachrichten verkaufen, weil wir schlechte Nachrichten spannender finden als schöne Nachrichten. Nachfrage und Angebot. Anders können sie ihr Geld nicht erarbeiten. Deren Chefredakteure eine eigene Gesinnung haben. Da muss der Artikel schon reinpassen, sonst wird er nicht genommen. Vielleicht würde mancher Journalist noch ganz anders berichten, aber dann hätte er kein Einkommen mehr.

Ein Gemengenlage.
Ein Boden, bereitet für einen Flächenbrand.
Noch können einzelne Glutnester – vorerst – gelöscht werden.
Aber im Untergrund schwelt es weiter.
Denn viele zündeln noch.

Wir brauchen wieder eine Vision.
Etwas Gutes, für das wir aufstehen.
Nichts, was über Distanzierung und Hass definiert wird.
Sondern etwas, was größer, schöner und begeisternder ist als alles andere.

Wir brauchen das Evangelium.

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Lernen von Christus in der Natur – Christian Outdoor Leadership

Trekking

Seit einigen Jahren organisiere ich Wochenendwanderungen oder einwöchige Trekkingtouren für Freunde und Bekannte.
Das macht Spaß. Zugleich genieße ich es, tagelang in der Natur zu sein, nur mit dem Nötigsten ausgestattet.
Am besten sind die Touren, wo wir nur mit Zelt und Rucksack unterwegs sind. Klar, auch Hüttentouren haben ihre Vorteile. Aber das Übernachten im Wald, auf dem Feld oder auf norwegischen Höhen macht die Sache uriger.
Für mich sind das Erlebnisse, die ich nicht mehr missen will.

„Christian Outdoor Leadership“

Getrieben durch diese Sehnsucht, habe ich (teilweise) das Buch von Ashley Denton gelesen: „Christian Outdoor Leadership“. Er lehnt sich dabei an das Buch von Robert Coleman an („Masterplan of Evangelism“), der sogar das Vorwort zum Buch geschrieben hat.

Denton geht die Sache biblisch-theologisch an. Er untersucht Begriffe wie „Wildnis“ vor dem biblischen Hintergrund. Er analysiert Jesus, wie Er sich in der Wildnis bewegt hat, was Er gesagt und getan hat. Und vor allem: wie Er in diesem Natur-Setting seine Leute trainiert hat.
Und das ist der Kern von Dentons Buch: Wie kann das Naturerlebnis genutzt werden, um Menschen in der Nachfolge Jesu auszubilden?

Mein kurzes Statement zum Buch:
Wer eine wirklich gründliche theologische Untersuchung zum Thema „Outdoor-Jüngerschaft“ sucht, der wird an diesem Buch nicht vorbeikommen. Wer aber mehr praktische Tipps sucht, wird von dem Buch etwas enttäuscht sein. Zwar trägt das Buch den Untertitel „Theology, Theory and Practice“, aber vor allem werden die ersten beiden Aspekte behandelt. Für mich war das streckenweise zu langwierig, wobei ich diese theologische Grundlage von Denton nicht geringschätze. Eine richtige Fleißarbeit!

Mit Jesus Christus draußen!

Für mich bleibt eine Art Plädoyer zurück:
Mache weniger Indoor-Seminare und mehr Outdoor-Seminare!
Mehr das ganzheitliche Lernumfeld suchen als das rein intellektuelle. Lernen mit allen Sinnen!
Denn, wenn wir davon reden, „Jünger zu machen wie Jesus“, dann muss das als wesentliches Merkmal Seines Dienstes festgehalten werden:
Jesus wanderte und war viel in der Natur unterwegs!
Statt eine neue Synagoge zu bauen, war Er mal hier und mal dort.
Statt nur im Haus von Marta und Maria zu unterrichten, lehrte Er vielmehr auf Bergen, Feldern und an Seen.
Dieser Outdoor-Aspekt im Training von Jesus sollte wieder mehr Beachtung finden.

Erfahrungen im Outdoor-Bereich

Denn das Outdoor-Erlebnis macht was mit den Teilnehmern!
Wiewohl meine letzten Touren keinen direkten spirituellen Charakter hatten, so kann ich viele Erkenntnisse von Denton teilen:
– Die Konfrontation mit Gottes Schöpfung, Tag und Nacht, berührt Seele und Körper. Je nach Landschaftstypus steht die Entspannung, die Ruhe, das Staunen, das Kämpfen, das Bibbern oder die Dankbarkeit im Vordergrund. Aber keine Wandertour lässt die Teilnehmer kalt… es sei denn, man vergisst, wie ich, dass es im nächtlichen Norwegen-Sommer dennoch gefühlte Null Grad geben kann und man tatsächlich die Rettungsdecke braucht.
– Das gemeinschaftliche Erlebnis lässt die Menschen näher rücken. Man lernt sich mitunter noch ganz anders kennen. Persönliche Limits werden erfahren. Sowohl charakterlich als auch körperlich. Ich als Höhenangstgeprägter muss früher aufhören als andere. Der von Blasen an den Füßen gequälte Kamerad braucht Begleitung. Der eine verlangt mehr Erholungspausen. Der andere will voranstürmen. Ständig geht es darum, bewusst oder unbewusst Kompromisse einzugehen, damit das Team vorankommt. Hier wird nicht so viel über „Zusammenhalt“ geredet, sondern der Zusammenhalt wird gelebt und strapaziert.
– Das Lebenstempo wird ein anderes. Uhrzeit und Wochentag spielen eine untergeordnete Rolle. Man wacht mit den ersten Sonnenstrahlen auf. Man sucht Schutz in der Dunkelheit. Wärme bei Kälte und Erfrischung bei Wärme. Nicht der Terminkalender spornt an, sondern grundlegende Bedürfnisse.
– Die grundlegenden Bedürfnisse werden ausschlaggebend. Wo finde ich die nächste Wasserquelle? Wann kann ich mich endlich ausruhen? Entdecken wir einen geeigneten Lagerplatz? Wo erledige ich mein „Geschäft“? Wer gerade die Einsamkeit genießt, läuft etwas getrennt von der Gruppe. Wer den Austausch sucht, läuft zu zweit oder dritt.

An all diesen Stellen gibt es diverse Möglichkeiten, Gott bewusst zu machen.
Bisher lief das bei mir eher auf natürliche Weise. Es ergab sich in einzelnen Gesprächen. Genauso redeten wir über die Tour selbst, über das Berufsleben, über Beziehungen usw.

Gott bewusst machen

Aber mich interessiert es nun, Touren zu planen, die das Spirituelle bewusst hineinnehmen.
Noch bin ich der Brainstorming-Phase.
Meine Gedanken reichen von „Pilgertour für einen Tag„, über ein Wanderwochenende mit Jüngerschaftsschulung, bis hin zu Trekkingtouren für eine Woche.
Ich weiß: Gibt es alles schon!

Aber mich reizen vor allem diese Aspekte:
1) Wie können solche Touren genutzt werden, um suchende Menschen zu begleiten und ihnen Christus zu zeigen?
2) Wie können solche Touren genutzt werden, um Jesus-Leuten zu helfen, den nächsten Schritt in der Nachfolge umzusetzen?
3) Wie können solche Touren genutzt werden, um eine Verankerung im Gemeindekontext zu finden und zugleich darüber hinaus zu gehen (Mission)?

Mal schauen!
Vielleicht mache ich demnächst mal ein paar Probetouren…

Bis dahin würde es mich freuen, von den Erfahrungen anderer zu lesen! Herzlich willkommen im Kommentarbereich!

Gemeinde oder Jüngerschaftsbewegung?

T4T, Discipleship Movement (Jüngerschaftsbewegung), Torben Sondergard... nur wenige Stichworte, die eines gemeinsam haben: es geht um die Bewegung und nicht um die Institution.

Jesus-Bewegung

Genauer gesagt: es geht darum, dass möglichst viele Menschen vom Evangelium hören, die Chance bekommen, sich zu entscheiden und im besten Fall dann lernen, im Alltag als Nachfolger Jesu zu leben, um dann wieder andere zu lehren. In diesem Lernprozess ist enthalten, dass man wiederum anderen vom Evangelium erzählt, diese die Chance bekommen, sich zu entscheiden… usw.
Nicht die Gemeindegründung steht im Fokus, sondern das Hingehen zu den Menschen, das Ausstreuen des Evangeliums und das Lernen & Lehren, damit wieder andere lernen und lehren.
In Anbetracht manch pompöser Kirchenbauten, kirchlichen Verwaltungseinheiten und der menschlichen Nabelschau, die auch vor Gemeinden keinen Halt macht, ist das eine dynamische Sichtweise. Und sie hat auch in der Bibel viele Belegstellen.
Wollte Jesus eine Bewegung?
Offenkundig!

Gemeinde Jesu

Was bei manchen Vertretern dieser Bewegung aber hochkommen kann, ist die Distanzierung von klassischer Gemeinde: Sonntags zur Gottesdienstfeier gehen, Vorstandstreffen, das Gemeindefest organisieren, regelmäßig miteinander beten…
Die Distanz rührt wohl daher, dass die klassische Gemeinde nicht sonderlich beweglich scheint. Tatsächlich ist vielen Gemeinden die Nabelschau näher als die Frage, wie sie ein Segen für ihre Umwelt sein kann.
Die Bewegungsanhänger sind gegen eine solche Form von Gemeinde allergisch geworden. Sie wollen sich nicht wieder einfangen lassen.
Aber:
Wollte Jesus Gemeinde?
Offenkundig!

Bewegung vs Gemeinde?

Natürlich droht auf beiden Seiten das Extrem:
hier die Gemeinde, die sich wochenlang mit der Frage beschäftigen kann, ob eine Wand nun weiß oder gelb gestrichen werden soll (bis dahin, dass Gemeindemitglieder die Gemeinde verlassen, wenn ihrem Wunsch nicht nachgegeben wird); dort der Bewegungsanhänger, der alleine herumstreut und niemanden mehr hat, mit dem er eine vertrauliche Beziehung leben kann, denn jede Regelmäßigkeit und Verpflichtung riecht ja sogleich nach normaler Gemeinde!

Ich frage:
Könnte es sein, dass Gott beides gewollt hat?
Nein! Nicht die Extreme!
Sondern das Miteinander von Gemeinde und Bewegung!?

Gemeinde UND Bewegung!

Es ginge darum, zu verstehen, dass Gemeinde und Dynamik keine Gegensätze sind, sondern man einander braucht!
Es braucht die „Wilden“, die Risiken eingehen, die was Neues wagen, die unkonventionell arbeiten, die sich immer wieder auf neue Menschen einstellen können, die keine Ruhe geben, bis „alle“ vom Evangelium gehört haben.
Es braucht aber auch die, die für Stabilität sorgen. Die einen sicheren Rahmen geben können. Die bereit sind, Menschen auch über Jahre und Jahrzehnte zu begleiten. Weil eben nicht jeder Mensch sofort geeignet ist, andere zu lehren und weil manche Menschen aus Lebenssituationen kommen, in denen Heilung wichtiger sein kann.

Oder anhand von biblischen Beispielen gesagt:
Manchem sagte Jesus, er möge zuhause bleiben und in seinem Dorf weiterleben.
Andere lud Jesus zur Wanderung ein.

Jesus war wirklich dynamisch und viel unterwegs.
Das ging auch, weil es Menschen gab, die ganz normal gearbeitet haben, und Jesus mit Finanzen und Nahrung unterstützt haben. Die Stationären sorgten für die Bewegten. Auch mit ihren Häusern, in denen Jesus zu Gast war.

Beachtlich ist, dass Jesus weder Tempel noch Synagoge als Einrichtung kritisiert hat. Stattdessen war Er dort, hat in den Häusern gelehrt und ist Menschen begegnet. Das heißt nicht, dass Tempel und Synagoge das eigentliche Ziel Jesu waren. Aber sie waren gut und hilfreich. All das ging nur, weil es Menschen gab, die für diese Gebäude sorgten und einen Rahmen schufen.

Nein, ich glaube nicht, dass es einen Gegensatz zwischen Gemeinde und Jüngerschaftsbewegung gibt.
Es muss vielmehr darum gehen, beides zusammen zu denken:
Wie kann Gemeinde die Bewegung unterstützen?
Wie kann die Bewegung der Gemeinde helfen?

Ich stelle mir Gemeinden dann wie geistliche Zentren vor:
Es gibt eine Kernmannschaft, die für das Wesentliche vor Ort sorgt.
Und es gibt Menschen, die ein- und ausgehen. Die dort inspiriert werden und dann weiterziehen.
Mit denen man in Kontakt bleibt und aneinander Anteil hat.
Und die dann bei ihrer Wiederkehr berichten und so die Gemeinde inspirieren.
Gemeinde also nicht als Festung, sondern mehr als Knotenpunkt.
Und die Jüngerschaftsbewegung nicht als losgelöste Parallele, sondern als Strom, der die Gemeinde umgibt.

Das wäre was!

Richard Rohr, der Franziskanermönch, und „Der göttliche Tanz“

In der Sommerzeit und Urlaubszeit bin ich tatsächlich dazu gekommen, innerhalb von ca. 14 Tagen drei Bücher zu lesen.

Unter anderem habe ich von Richard Rohr, dem Franziskanermönch, das Buch „Der göttliche Tanz – Wie uns ein Leben im Einklang mit dem dreieinigen Gott zutiefst verändern kann“ gelesen (adeo-Verlag, 1.Auflage September 2017). Das Buch wurde von Mike Morell mitverfasst.

Richard Rohr ist – gemessen an Bestsellerlisten – ein anerkannter spiritueller Berater.
Ich finde es toll, wenn es ein Christ schafft, auch säkulare, geistlich interessierte Menschen anzusprechen.

 

Gedankensplitter zu „Der göttliche Tanz“

In seinem Buch „Der göttliche Tanz“ gibt es ein paar interessante Gedanken, aber auch einige Aspekte, die mich gestört haben. Folgend ein paar meiner persönlichen Reaktionen, mehr Splitter als ein Bauwerk:

– Grundsätzlich geht es Richard Rohr darum, dem dreieinigen Gott nachzuspüren. Was heißt es für unser Leben, dass dieser Gott ein dreieiniger Gott ist (also: Vater, Sohn, Heiliger Geist)? Eine wichtige und spannende Fragestellung! Das eine ist ja die Theologie „im Elfenbeinturm“. Philosophisch vielleicht unterhaltsam, aber ohne praktischen Wert. Das andere ist doch das Bessere: Theologie, die Einfluss auf das Leben hat! Auf unser Denken und Handeln!

 

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Ein Puzzlestück zum Heilwerden von schlechten Kindheitserfahrungen

In dem folgenden Video benenne ich ein Puzzlestück dafür, wie wir von schlechten Kindheitserfahrungen heilwerden können. Beim Heilwerden geht es um einen idR lebenslangen Prozess, bei dem unterschiedliche Aspekte wichtig sind. Hier werden 1-2 Aspekte beleuchtet.


Erweckung in Berlin und Deutschland!?

Wie großartig wäre das, wenn innerhalb kürzester Zeit Berliner Gemeinden von allem lassen würden, was unnötig oder gar falsch ist und umso mehr Gott lieben würden, ihre Mitmenschen lieben würden und die Sünde hassen würden!?

Erweckung = radikaleres Christsein

Christen, die radikal für Vergebung einstehen.
Die nichts mehr machen, was andere kaputt macht.
Deren höchste Freude es ist, Gott zu ehren und anderen Menschen zu helfen.
Und die unbedingt erleben wollen, wie diese Kraft und dieser Friede andere Menschen erreicht und zum Guten verändert!
Die deshalb vom Evangelium erzählen.

Das könnte ebenso innerhalb kürzester Zeit die Stadt Berlin konstrukiv beeinflussen.
Menschen würden sich wieder vertragen. Streitigkeiten würden in Versöhnung enden.
Kinder würden nicht missbraucht werden, sondern Schutz und Wertschätzung erfahren.
Menschen würden schlagartig von Süchten befreit.
Chefs würden ihre Mitarbeiter mehr loben.
Die Kriminalitätsrate würden drastisch sinken.
Politiker und Manager wären noch mehr darum bemüht, dem Volk zu dienen.
Menschen würden durch Christus gerettet werden.

Man nennt einen solchen Vorgang „Erweckung“, weil er damit beginnt, dass Gottes Gemeinde „wach“ wird.
Dass so etwas möglich ist, beweist die Kirchengeschichte: überall dort, wo es solche Erweckungszeiten gab, haben sich dann auch ganze Regionen positiv verändert, weil viele Menschen zu einem Leben mit Christus gefunden haben.

Aber Erweckung in Berlin?

Allerdings scheint die geistliche Situation in Berlin und Deutschland eine andere Sprache zu sprechen.
Spannungen scheinen zuzunehmen. Zwischen Kulturen und politischen Gegnern. Die Wohnungsnot. Der Pflegenotstand. Mehr Menschen, die in Mülleimern nach Verwertbarem suchen. Zu wenig Kita-Plätze. Millionengräber wie ein Flughafen, die auch den politischen Frust der Menschen verstärken. Und schließlich zig ethisch bedenkliche Entwicklungen, die für unsere Gesellschaft nicht immer förderlich sind.
Im Grunde höchste Zeit für eine Erweckung!

Doch Berlin scheint anders zu ticken: eine Erweckung ist nicht in Sicht.
Berlin gilt mancherorts sogar als Hauptstadt des Atheismus in Europa.
Christen brauchen hier einen langen Atem.
Veränderungen gehen nicht schnell. Es müssen Jahre und vielleicht auch Jahrzehnte eingeplant werden, wenn eine Gemeinde Fuß fassen will.
Mit Großevangelisationen ist es nicht mehr getan. Attraktive Massenveranstaltungen gibt es genug in Berlin. Im besten Fall ist die Kirche ein Mitbewerber auf dem Markt der spirituellen Angebote. Aber gewiss kaum noch der hauptsächlich prägende Faktor. Stattdessen sind Gleichgültigkeit und Ablehnung in die vorderen Reihen gestiegen. Klar, es gibt auch noch eine beachtliche Anzahl von Kirchenmitgliedern. Es gibt auch sehr engagierte und gottverwurzelte Christen und durchaus blühende Gemeinden. Doch, wie erwecklich unsere Kirchenlandschaft insgesamt ist, dürfte kritisch zu betrachten sein. Zumindest, wenn man es an der Anzahl der neuen Mitglieder misst. In diesem Bereich reden wir eher von einem Transferwachstum: ein Christ wechselt die Gemeinde. Bekehrungen und Taufen bewegen sich in etlichen Gemeinden eher im einstelligen Bereich pro Jahr, wenn überhaupt.
Es riecht noch immer nach Stagnation und damit nach einem langsamen, stillen Sterben.

Ist Erweckung dennoch möglich?

Der Jesus-Gläubige geht von den Möglichkeiten Gottes aus: Ja, natürlich ist eine Erweckung möglich!

Aber bei allem Glauben: diese Zuversicht hatten manche Christen auch schon in den 80’ern des letzten Jahrhunderts.
Bisher gab es nicht „den Durchbruch“.

Wie sollen wir uns als Christen also verhalten?

 

Vier beachtliche Aspekte

Ich schlage vier Aspekte vor (womit nicht gemeint ist, dass darüber Erweckung funktionieren würde; ich würde die Situation, wenn überhaupt, mit der Situation der Juden im babylonischen Exil vergleichen; sprich: wir sind noch nicht da, wo wir sein sollen – trotzdem ist die gegenwärtige Zeit nicht unnütz; daher sind diese vier Aspekte eingebettet in möglicherweise hundert andere.):

1. Verstehe Berlin!
2. Starte mit Kleinem!
3. Bete!
4. Gemeinsam!


1. Verstehe Berlin!

Folgend nur einige meiner Beobachtungen:

Berlin funktioniert über Kleingruppen.
Man ist im Verein. Auf der Arbeit. Im Garten. Mit Freunden Sport machen. Zusammen in der Kneipe.
Jede Person hat etliche Orte, wo sie lebt und dort jeweils unterschiedliche Bekanntenkreise hat.
Großfamilien gibt es eher in der türkischen und arabischen Community. Wer dort Vertrauen findet, kann mit einem Schlag Dutzende von Menschen erreichen.
Aber die restliche Gesellschaft tickt anders. Vielleicht ist es noch immer die Berliner „Insel-Mentalität“ aus Mauerzeiten. Vielleicht ist es einfach auch nur „Stadtleben“. Vielleicht beides.
Wie hilfreich ist es dann, wenn Gemeinden hauptsächlich auf den Sonntags-Gottesdienst zur besten Brunch-Zeit setzen?

Berlin hat Ost und West.
Das Kleingruppen-Leben gilt für die West- und Ostbezirke. Es mag kurios sein, darauf hinzuweisen, bald 30 Jahre nach dem Mauerfall. Tatsächlich gibt es aber noch die entsprechende Mentalität. Es gibt ja auch noch die entsprechenden Gebäude und Straßen. Viele Teile von Ostberlin sehen anders aus als Westberlin. Natürlich gibt es längst fließende Übergänge und auch eine neue Generation, der all das nicht mehr viel bedeutet. Aber ich merke die Unterschiede, wenn ich in einer westlichen oder östlichen Gemeinde bin. Manchmal ist es „nur“ die Atmosphäre. Aber dahinter stecken Einstellungen und Erfahrungen der Menschen. Es ist weise, das im Hinterkopf zu haben.

Berlin hat Multikulti.
Nicht, dass man stets im Miteinander der Kulturen leben würde. Wie so oft, ist es eher ein sich parallel entwickelndes Leben, das gelegentlich Begegnungen am Döner-Imbiss oder in öffentlichen Einrichtungen hat (obwohl der Döner-Imbiss ja auch eine öffentliche Einrichtung ist). Selbst in einem Kiez wie Heerstraße Nord in Berlin-Spandau gibt es verschiedenste Kulturen und Nationen. Während man mit den einen zum Warmwerden am besten einen türkischen Tee trinkt, trinkt man mit den anderen vielleicht einen Wodka. Und es kann sein, dass beides zusammen nie gehen würde.
Ost und West. Multikulti.
Wie sinnig ist es, wenn Gemeinden versuchen, ihre Gemeindekultur als die einzig passende zu sehen? Wie nötig ist es, die Vielzahl der Kulturen auch im Gemeindeleben zum Ausdruck zu bringen?

Berlin öffnet sich.
Berlin hatte die Insel-Mentalität. Mit dem Mauerfall ändert sich auch die Mentalität. Der Berliner hat das Umland entdeckt. Zumindest bis zu Karls Erdbeerhof bei Elstal/Wustermark. Berlin ist internationaler geworden. Hollywood-Filme werden hier gedreht. Internationale Konzerne haben hier Vertretungen. Das alles ist noch keine Weltmetropole wie Tokyo, aber vielleicht ganz kurz hinter London (!?). Gemäß meiner beschränkten Sicht gilt das auch für den christlichen Bereich: die Zahl der Gemeindegründungen hat zugenommen. Und andere gemeindliche Projekte sind vermehrt an den Start gegangen. Die Öffnung hat zugenommen. Auch mit unangenehmen Folgen, wie z.B. der Segregation oder den verstopften Zufahrtstraßen im Berufsverkehr.
Wie nötig ist es, dass sich Gemeinden gleichermaßen öffnen? Verstehen, dass ihre Stadt internationaler und beweglicher geworden ist? Was heißt das für die Kirchen mit ihren Programmen?

Berlin hat 24 Stunden.
Natürlich gelten etliche dieser Beobachtungen auch für andere Städte. Aber ebenso für Berlin!
Wir haben hier Schichtarbeiter. Pendler. Überstundenmacher. Start Ups. Kinder, die von morgens an bis zum frühen Abend fremdbetreut werden. Wir haben unzählige Vereine und Organisationen, mit denen man seine Freizeit sinnvoll füllen kann. Die permamente Erreichbarkeit über das Handy. Ja, in der Nacht ist es in Gesamt-Berlin ruhiger (auch, wenn es hier und da umso lebendiger wird). Aber insgesamt lebt die Dienstleistungsgesellschaft in all ihrer Betriebsamkeit. Es gibt keinen Stopp-Knopf.
Was heißt das für Gemeinden? Sind sie umso wichtiger als besinnlicher Gegenpol? Müssen sie lernen, 24-Stunde-Gemeinde zu werden?

Das sind nur ein paar Beobachtungen und Fragen.

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Erweckung in Berlin – Starte mit Kleinem!