Gnade

Seit einigen Wochen bin ich am dem Thema „Gnade“ dran.
Ein Wort, das vielen Christen leicht von den Lippen geht.
Ja, klar – wir glauben an einen gnädigen Gott.
Und dann ist es doch so leicht, so zu leben, als gäbe es diesen gnädigen Gott nicht.
Oder nur, um uns mal die Sünden zu vergeben.
Aber ansonsten geht es dann wieder um das Motto: „Hilf dir selbst – dann hilft dir Gott!“
Was nicht immer verkehrt ist, wenn damit gemeint ist, dass wir Verantwortung für unser Leben haben und es gestalten sollen, können und dürfen.
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Ist das nur ein frommer Wunsch? Bitte antworten!

Ich brauche mal ein paar Meinungen und Gedanken von anderen. Deshalb schreibe ich das Folgende, damit man versteht, was ich meine:

„Liebe, die nach außen drängt!“
So hat sie es auf den Punkt gebracht. Fand ich gut. Passt.
Wir hatten einen Abschnitt in der Bibel gelesen: Apostelgeschichte 2,41 ff.

Da ist ja wirklich von beeindruckenden Dingen zu lesen:
3000 Menschen kommen an einem Tag zum Glauben an den Erlöser Jesus Christus.
Und dann treffen die sich jeden Tag: im jüdischen Tempel und in ihren Häusern.
Sie wollen mehr wissen von diesem Jesus. Und die Apostel erzählen den Leuten, was sie von Jesus gelernt haben. Beim gemeinsamen Essen erzählt man sich von den Tageserlebnissen. Und was für Geschichten da die Runde machen! Es wird von Heilungen erzählt. Von Befreiungen. Kaum hat man ein Stück Brot runtergeschluckt, kommt auch schon ein „Halleluja“ aus dem gleichen Mund. Zwischendurch berichtet ein anderer, dass er total dankbar für das Miteinander ist. Aber seit mehreren Jahren lebt er auf der Straße und das gemeinsame Essen hier ist zur Zeit seine einzige Versorgung. Die anderen hören betroffen zu. Dann meint einer: „Er ist unser Bruder durch Jesus Christus. Jesus hat gesagt, dass wir einander lieben sollen. Also, lasst uns ihm helfen!“ Und dann wird beraten und gebetet. Schließlich entscheiden sich einige dazu, geliebte Andenken und andere Sachen zu verkaufen. Davon kaufen sie dem Bruder ein kleines Häuschen. Wirklich klein. Bisschen schrottig sogar. Aber für ihn ist es wie ein Traum. Das erste Mal in seinem Leben hat er ein eigenes Dach über dem Kopf. Er ist so dankbar, dass er seitdem ständig den anderen hilft: beim Putzen, am Markttag, beim Umbau.
Und weiter treffen sie sich jeden Tag. Nicht jeder schafft es täglich. Es gibt etliche Angestellte und Sklaven unter den Gläubigen. Sie dürfen nicht einfach so weggehen. Auch manche Eltern müssen bei ihren Kindern bleiben… oder schleppen sie mal mit. Aber wer einen Gesamteindruck beschreiben will, muss dennoch sagen: „sie treffen sich täglich“.
Besonders die Zeit des gemeinsamen Gebets ist stark. Gott wird gelobt. Persönliche Bitten werden formuliert. Zwischendurch zitiert jemand einen Psalm. Es ist bunt. Manchmal leicht chaotisch, aber dann formt es sich wieder zu einer wunderschönen Symphonie.
Diese Menschen sind so von Gottes Liebe getrieben und so gefüllt von Gottes Kraft, dass es weitere Kreise zieht. Täglich kommen andere Menschen zum Glauben an Jesus Christus.

Nun – wer so etwas heutzutage liest, kann davon beeindruckt sein.
Wahlweise auch skeptisch. Ist das nicht christliche Romantik?
Gerne wird dann auf die vielen Probleme der Gemeinden im ersten Jahrhundert verwiesen: die haben sich auch gestritten. Apostel mussten eingreifen. Es gab Spannungen zwischen verschiedenen Volksgruppen in den Gemeinden. Manche Gemeinden sind Irrlehrern auf den Leim gegangen. Ja, es war nicht alles wunderbar!

Trotzdem bleibt Jesus bei Seinem Gebot: „Liebt einander! Liebt sogar Eure Feinde! So wird die Welt erkennen, dass Ihr meine Leute seid!“ (sinngemäß der Bibel entnommen)
Und auch die briefschreibenden Apostel blasen in das gleiche Horn: „Vergebt einander! Nehmt Rücksicht! Ohne Liebe ist der ganze Rest nichts wert! Gott hat uns zuerst geliebt… also liebt nun einander! Tut jedem Gutes! Betet füreinander!“
Sie geben einfach nicht auf.
Als hätten auch sie die Erfahrungen aus der Apostelgeschichte 2,41 ff. aufgesogen und als würden sie das nie wieder vergessen wollen.

Doch für mich ergeben sich Fragen:
Was heißt das für uns heute?
Miteinander nett sein.. das geht gut, wenn man sich einmal in der Woche für zwei Stunden sieht, am Sonntag-Morgen, und davon die meiste Zeit einem Prediger zuhört und zusammen singt.
Andererseits: ist es überhaupt möglich, sich täglich zu treffen? In einer Großstadt? Mit Schichtarbeitern? Mit Kranken? Mit Leuten, die zwei Jobs haben?
Und: Geht es überhaupt um das „Tägliche“?
Geht es nicht vielmehr um die Einstellung der Liebe, die von Gott kommt?
Natürlich!
Aber wie kann sie sich zeigen und bewähren, wenn man nur zwei-vier Stunden wöchentlich miteinander verbringt?
Allerdings kann ja auch die Gefahr eines christlichen Kuschelclubs entstehen, der ganz in sich gekehrt ist und für diese Welt völlig irrelevant ist.

Ich freue mich über Kommentare dazu!

Mit Gebeten helfen

Wer kennt das nicht?
Man betet… und betet vielleicht noch einmal… aber es scheint nichts zu passieren.

Viele Stoßgebete funktionieren so. Ein kurzes Gebet in Richtung Himmel senden, hoffen, dass das irgendwie hilft und dann schnell wieder in den Alltagstrott gehen.

Fraglos sollen und dürfen wir so beten. Nicht umsonst heißt es in der Bibel: „Betet allezeit!“

Doch wenn wir Menschen mit Gebet helfen wollen, dann können diese Stoßgebete nur ein Anfang sein.

Nach der Gottesdienstfeier darf ich manchmal für andere Menschen beten.
Zuerst habe ich mir angehört, was den Menschen bewegt.
Und dann oft habe ich Stoßgebete formuliert.
Ein Gebet, ein „Amen“ und dann „Tschüss“.
Ich weiß nicht, ob das den Menschen geholfen hat.

Doch in letzter Zeit versuche ich, anders zu beten.
Natürlich will ich erst einmal wissen, wie es dem Menschen geht.
Ich achte darauf, dass daraus keine Seelsorge-Sitzung wird. Schließlich soll es zuerst um das Gebet gehen. Seelsorge passt oft besser, wenn man sich abseits des Trubels mehr Zeit nehmen kann. Unter Umständen biete ich das an: „Ist es okay, wenn wir uns darüber ein anderes Mal unterhalten? Wann hättest Du denn Zeit?“
Wenn ich genügend weiß, fange ich an, für den anderen zu beten und bitte um die Leitung durch den Heiligen Geist. Schließlich will ich nicht „Plappern“ im Gebet, sondern Gott soll durch diese Zeit führen.
Zwischendurch unterbreche ich und frage nach, wie es der Person geht. Kamen bestimmte Gedanken oder Gefühle auf?
Anschließend bete ich weiter, unter Berücksichtigung der genannten Dinge. Zugleich frage ich Gott, wie ich beten soll. Oder gibt es etwas, was ich dieser Person sagen soll?
Auf diese Weise kann es weitergehen. Vielleicht mal drei Minuten, vielleicht auch mal 15 Minuten.

Diese Art von Fürbitte erfahre ich als sehr hilfreich.
So wurden einige Menschen in letzter Zeit von Lasten befreit. Eine Person wurde von Rückenschmerzen geheilt. Wieder jemand anders kam ebenfalls mit Schmerzen und zugleich bedrückt… und ging nach dem Gebet mit weniger Schmerzen und einem erlösten Lächeln im Gesicht.
Es ist großartig, mitzuerleben, wie Menschen befreiter, heiler und froher werden.

Um das klarzustellen: Bei alledem weiß ich, dass ich das nicht hervorbringen kann. Es ist allein Gott, der das tut. Ich bin sowas von unperfekt, habe Mängel und Ecken und Kanten. Ich lebe von Gottes Gnade und brauche sie genauso wie mein Gegenüber. Es ist Gott, der das im Namen Jesu Christi wirkt.

Es ist also nicht nur eine Frage der Gebetstechnik (Fragen, beten, fragen, beten…).
Im Grunde geht es um die Frage der Liebe. Liebe gibt Raum. Liebe hat Zeit.
Wie oft beklagen sich Leute, wenn sie beim Arzt innerhalb von fünf Minuten abgefertigt werden!
Bei Gott ist das anders:
Gott hat Zeit für uns. Denn Er liebt uns!
Und ich vermute, dass das ein wesentlicher Aspekt beim Gebet ist: der Liebe Gottes Raum zu geben. Deshalb ist es gut, nicht nur ein Stoßgebet zu formulieren. Deshalb ist es gut, weiter zu beten… bis zu merken ist, dass Gott wirklich hilft.