Führungslektion – Führungskraft sein und Demut

Viele Jahre habe ich mich dagegen gesträubt, „Pastor“ zu sein.
Nein, ich sträubte mich nicht gegen die Arbeit an sich. Diesen Dienst tue ich mit Leidenschaft.
Aber ich mochte den Titel nicht.
Denn ich wollte nah bei den Menschen sein. Ich mag es, auf Augenhöhe zu sein. Schließlich bin ich nicht besser als die anderen. Von den anderen kann ich lernen. Und sie von mir. Formen der Hierarchie sind mir persönlich schnell suspekt. Möglicherweise eine deutsche Prägung. Auch von der Bibel konnte ich nicht erkennen, dass ein Pastor (Ältester) höhe stünde als jemand anderes.

Doch immer wieder spürte ich, wie Menschen in mir nicht zuerst „den Bruder“ sahen, sondern zuerst meine Funktion: nämlich Pastor zu sein.
Als würde sich die Mehrheit der Leute danach sehnen, sich an einer Führungskraft zu orientieren. Jemanden zu haben, der einem sagt, was richtig und falsch ist.
Dagegen habe ich mich gesträubt.

Mittlerweile sehe ich all das ein wenig anders.
Mittlerweile bejahe ich es, Führungskraft in der Gemeinde zu sein. Und ja: ich arbeite als Pastor (und bin dabei Mensch wie jeder andere auch).

Warum dieses Umdenken?

Diese Aspekte haben mich dazu gebracht, das Denken über meine Aufgabe zu ändern:
– Es entspricht schlichtweg der Realität, dass ich als Pastor mehr Einfluss und Verantwortung als andere habe.
Mit den anderen Ältesten der Gemeinde treffe ich Entscheidungen, die andere Gemeindemitglieder so nicht treffen dürfen.
Natürlich unterscheidet mich das von anderen.
Und wenn wir als Älteste Entscheidungen treffen, dann hat das Einfluss auf die Leben anderer Menschen, im Guten wie im Schlechten (denn nicht jede unserer Entscheidungen ist auch immer gut – bei allem Beten und gewissenhaften Prüfen im Miteinander). Eine fehlerhafte Kommunikation kann schnell viele Konflikte auslösen. Eine gelungene Kommunikation kann Menschen das Leben erleichtern.
Diese Verantwortung genauso zu bewerten wie die Verantwortung, ob der Sonntagskuchen gelungen ist, wäre eine unangemessene Gleichmacherei.

In der Bibel wird der Dienst des Pastors iSv. „Ältester einer Gemeinde“ genannt (neben einigen anderen Diensten wie den des Evangelisten, Lehrers, Propheten usw.). Es ist also ein Dienst, den das Wort Gottes vorsieht. Diesen Dienst nicht so zu benennen, könnte schlussendlich sogar auf eine Missachtung von Gottes Wort hinaus laufen. Positiv geschrieben: Wer den Dienst eines Ältesten (Pastors) ausübt, sollte das auch so nennen.

Jede Führungskraft hebt sich von anderen ab.
Ob man nun als Mutter/Vater die eigenen Kinder anleitet, als Lehrer die Klasse, als Firmenchef die Angestellten, als Trainer die Sportler oder als Pastor eine Gemeinde. Stets geht es um ein Mehr an Verantwortung, weil es auch ein Mehr an Einfluss gibt.
Das Privileg dabei ist das Mehr an Gestaltungsmöglichkeiten.
Die Last dabei ist eben die Verantwortung.
Doch das eine ist ohne das andere nicht zu haben.

Das sollte demütig machen.
Ganz im Wortsinn, denn „Demut“ ist der Mut zum Dienen.
Es ist mutig, Verantwortung zu übernehmen, weil man dabei eine Menge falsch machen kann und öfter als andere in der Öffentlichkeit steht und kritisiert werden kann. Es erfordert Mut, immer wieder neu den Entschluss zu fassen, anderen zu dienen und sich selbst dabei zurück zu stellen.
Es sollte auch demütig vor Gott machen. Abhängig von Ihm. Denn letztlich weiß ich nicht, wie meine Entscheidungen und Worte wirklich ankommen. Hilft diese Maßnahme wirklich? Sollte man es besser lassen? Nutzt sie? Schadet sie? Es gibt wenig eindeutige Situationen, in denen das immer klar ist. Das bewegt in das Gebet hinein. Hin zu dem, der der eigentliche Anführer ist: Gott, der den Überblick hat.

Natürlich suche ich dabei noch immer die Augenhöhe mit dem anderen. Anders kann ich mir Gemeindearbeit bzw. Arbeit mit Menschen nicht vorstellen. In der Regel funktioniert es nicht, vom „hohen Ross“ her zu leiten. Oft klappt es nur im Miteinander, weil dort das nötige Vertrauen existiert. Und natürlich poche ich nicht darauf, „Pastor“ genannt zu werden. Ich störe mich aber auch nicht mehr daran.

Für mich war und ist das eine wichtige Führungslektion:
Ja sagen zu der Aufgabe und Position, die man inne hat.
Wo „Pastor“ drin ist, sollte auch „Pastor“ drauf stehen.

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Führungslektion – Ermutigung

Eine wichtige Aufgabe von Führungskräften sehe ich darin, andere zu ermutigen.

Die Ermutigung kann ganz praktisch sein:
Zuerst heißt das für mich, dass die anderen Raum & Zeit haben sollen, um gestalten zu können.
Wenn ein Mitarbeiter eine Idee hat, dann will ich grundsätzlich offen sein und bin bereit, kleine Experimente zuzulassen. Mitarbeiter sollen sich ausprobieren dürfen. Manchmal entdeckt man erst dabei, welche Fähigkeiten jemand hat. „Experimente“ bedeuten für mich auch das: es muss nicht perfekt sein! Kleinere Fehler dürfen gemacht werden. Ist nicht schlimm! Wichtiger ist bei den ersten Gehversuchen die Einstellung des Mitarbeiters. Tut er das, um gut dazustehen? Um sich zu profilieren? Oder um den anderen wirklich zu dienen? Um Gott zu ehren?
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Der Abschied von Gemeinde-Konzepten

Ich habe Bücher über den Gemeindeaufbau mit entsprechenden Konzepten geliebt!
Saddleback, Willow Creek, Hauskirchen bzw. „Organische Gemeinden“, missionaler Gemeindebau usw.
In meiner Funktion als erster Vorsitzender einer LKG, als Co-Prediger und Prediger für weitere Gemeinschaften, dann als Gemeindegründer und daran (hoffentlich) reifender Pastor… na, klar – damit muss man sich beschäftigen!

Vielleicht hat es geschadet.
Warum?
Weil bei mir schnell der Eindruck entstanden ist: „So macht man es!“

Der Abgleich zwischen der Erkenntnis der Autoren und meiner Realität war dann irgendwie ernüchternd.
Komischerweise wirkten diese Bücher auf mich wie die Veröffentlichung DES Geheimrezeptes.
Da schrieben Menschen auf, wie sie den Gemeindeaufbau erlebt hatten. Und diese Gemeinden waren „erfolgreich“! Sie hatten viel guten Einfluss und mitunter bestanden sie aus Hunderten oder gar Tausenden von Mitgliedern. Diese Konzepte mussten doch richtig sein!

Und so habe ich angefangen, meine Konzepte zu schreiben. Wie das Gemeindeleben sein müsste.
Konzepte, die auf dem weißen Papier so überzeugend wirkten und mich in meiner Ungeduld befeuerten.
Konzepte, die mir zwar halfen, das große Ganze zu sehen, aber mir den Blick für den einzelnen Menschen schwerer machten.
Und vor allem den Blick für die tatsächliche Gemeindesituation erschwerten.

Vielleicht lag das gar nicht an diesen Büchern, sondern an mir und meiner „Lesebrille“.
Vielleicht hätte ich viele dieser Bücher einfach nur als einen Erfahrungsbericht neben vielen anderen lesen sollen. Eine Art „theologisch-praktische Unterhaltung“.

Mit der Zeit hörte ich andere Pastoren, die schon ein paar Jahre mehr Diensterfahrung auf dem Buckel hatten, die mir sagten: „Ich verfolge kein Konzept mehr. Keine Ahnung, was kommt. Ich konzentriere mich auf die Menschen, mit denen ich zu tun habe.“

Zuerst war ich von solchen Aussagen irritiert. Aber man braucht doch eine Vision! Ein Leitbild! Ein Konzept! Sonst wird es doch alles orientierungslos und damit führungsschwach und dann entstehen Machtkämpfe in der Gemeinde usw.

Nach vielen weiteren Büchern – und wirklich auch vielen guten Gemeindebüchern – fange ich an, mich von Konzepten zu verabschieden.
Damit werde ich nicht konzeptlos. Irgendein Konzept hat man ja immer im Hinterkopf. Geht nicht anders.
Aber tatsächlich verlagert sich der Schwerpunkt.

Ich habe gemerkt, dass ich nur so weit komme, wie ich auch „reif“ bin.
Dass eine Gemeinde nur so weit kommt, wie die Mitglieder bereit und fähig sind.
Dass eine Gemeinde in einen kaum zu überblickenden Kontext eingebettet ist, der ihr Grenzen setzt als auch Möglichkeiten gibt.
Dass der Kern des Ganzen schlussendlich nicht ein Gemeinde-Programm ist, sondern unsere Beziehung zu Christus und untereinander und zu den Menschen um uns herum.

Und dass es letztlich um die gleichen Aspekte einer Gemeinde geht, die aber je nach Konstellation der Gemeinde ganz unterschiedlich aussehen müssen, weil unsere Charaktere, Fähigkeiten, Orte und andere Grenzen und Möglichkeiten unterschiedlich sind:
– Wie handhaben wir es mit dem Gebet?
– Wie wird Gottes Wort vermittelt?
– Wie werden Beziehungen bei uns und in unsere Gesellschaft hinein gelebt?
– Wie wollen wir Gott anbeten?
– Wie werden das Abendmahl und die Taufe bei uns zelebriert?
Und wenn wir verstehen, dass all das in die große Mission der Liebe Gottes zu dieser Welt eingefügt ist (Stichwort: Nachfolge Jesu / Jüngerschaft für Christus und Menschen), dann haben wir wohl schon die Hauptzutaten zur leckeren „Gemeindesuppe“.

So ist der Abschied von einfachen Gemeindekonzepten ein Willkommenheißen des Abenteuers, dass jede Gemeinde ihre ganz persönliche Geschichte, Gegenwart und Zukunft hat und einen ebenso individuellen Weg finden kann.

Was ist wichtig für Gemeinden und Kirchen? Teil 3

Eine grundlegende Erkenntnis für die „Gemeinschaft im Sinne Jesu“ (Skizze „Gemeinschaft im Sinne Jesu“ hier klicken) ist, dass
a) Gott in sich selbst Gemeinschaft ist (Lies dazu Teil 2 der Themenreihe)
b) Er will, dass diese Gemeinschaft überfließt.

So heißt es in Genesis 1,28a:
„Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde…“

Gott schuf den Menschen als Mann und Frau.
Sie sind als Ebenbild Gottes zu Ihm hin in Beziehung gestellt und ebenso untereinander als sich ergänzende Gemeinschaftswesen gedacht.
Doch dabei soll es nicht bleiben.

Gott will, dass sich diese menschlichen Gemeinschaftswesen vermehren. Sie sollen fruchtbar sein.
Sein Wunsch ist, dass sie schließlich die ganze Erde bewohnen (Sollte es im Sinne Gottes eines Tages auf eine riesige Welt-Stadt hinauslaufen?).
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Gott sieht eine Gemeinschaft von Menschen, die mit Ihm Gemeinschaft haben und die miteinander Gemeinschaft haben. Weltweit.

Was sagt das über Gott aus?
Sein Wesen ist die überfließende Gemeinschaft.
Er genügt sich nicht selbst, sondern will Lebewesen als Gegenüber haben.
Bei Ihm dreht sich „alles“ um diese Gemeinschaft. Je mehr, desto besser.

Das setzt sich auch nach dem Sündenfall fort.
So heißt es in Genesis 12,2 f. (Gott spricht zu Abram):
„Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“
Festzuhalten ist das:
– Aus Abram soll ein „großes“ Volk kommen; das kann durchaus als „zahlreich“ verstanden werden (Gen 15,5; 22,17; 26,4). Wieder geht es um das Thema „Fruchtbarkeit / Vermehrung“.
– Gottes Gedanken sind zuerst immer gute Gedanken: Er segnet (s.a. Gen 1,28a). Er will Gutes für die Menschen.
– Abram selbst soll ein Segen sein, und zwar für alle Geschlechter auf der Erde (s.a. Gen 26,4b: „Und durch dein Geschlecht sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden…“). Und wieder geht es um das Gute für alle Menschen auf der Welt.

Nach dem Sündenfall beruft sich Gott also einen Mann namens Abram, um mit ihm das durchzuführen, was Er sich bereits vor dem Sündenfall mit der Menschheit gedacht hat: Es soll zwischen Gott und der sich vermehrenden Menschheit zu einer guten Gemeinschaft kommen.
Nach Abraham spitzt es sich weiter auf Jakob zu, der dann Israel genannt wird und gegenüber dem, Gott Seinen Wunsch erneuert:
„Und Gott sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott; sei fruchtbar und mehre dich! Ein Volk und eine Menge von Völkern sollen von dir kommen, und Könige sollen von dir abstammen,…“ (Gen 35,11).

Deshalb hat Israel so eine Relevanz in Gottes Augen, denn Israel soll das Volk sein, durch das alle Menschen gesegnet sein sollen. Israel hat im Laufe der Jahrtausende – wie so viele andere Völker auch – immer wieder Unrecht getan. Gott hat Seinem Volk Propheten gesandt. Diese Propheten hatten im Kern diese Botschaft:
„Kehrt um, ihr Israeliten, zu dem, von welchem ihr so sehr abgewichen seid!“ (Jes 31,6)
Es war der Ruf in die Gemeinschaft mit Gott, damit sie wirklich ein Segen für die Welt sein können.

Schließlich sendet Gott Seinen Sohn Jesus Christus, der letztlich nichts anderes will, als Sein himmlischer Vater:
„Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ (Mt 4,17b)
Sprich: Kehrt um zu Gott! Gottes Einfluss und Herrschaft sind nahe!
Auch Jesus verkündet, dass es um die überfließende Gemeinschaft von Gott her geht:
„Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt 28,19 f.)

ALLE Völker sollen in die Beziehung zu Jesus und damit in die Beziehung zu Gott treten.
Gott will diese überfließende Gemeinschaft, weil Er selbst überfließende Gemeinschaft ist.

Es ließe sich sehr viel mehr dazu schreiben. Man könnte noch viel mehr in das Detail gehen und die vielen entsprechenden Bibelverse dazu betrachten. Aber auch an der Stelle soll die grobe Linie genügen.

Warum ist dieses Wissen wichtig?
Weil sich der christliche Glaube von diesem Gott herleitet.
Wenn wir mehr von Ihm erkennen, dann hat es Wirkung auf unseren Glauben, auf unser Leben.

Zu verstehen, dass Gott nicht zuerst ein moralischer Gott ist oder ein Gott, der aus der Ferne grimmige Urteile fällt, sondern, dass Er ein Gott ist, der sich leidenschaftlich danach verzehrt, dass alle Menschen in guter Gemeinschaft mit Ihn und miteinander sind, ist essentiell, um den Kern des christlichen Glaubens – und damit auch das Evangelium – zu verstehen.

Und wie wir noch sehen werden, muss es enorme Folgen für das Gemeindeleben haben!

Bildquelle: http://de.freeimages.com/photo/holding-hands-2-1309232 by BSK – Download am 22.06.2016

 

 

Was ist wichtig für Gemeinden und Kirchen? Teil 2

Im ersten Teil zur Frage „Was ist wichtig für Gemeinden und Kirchen?“ habe ich eine Skizze eingefügt.
Der Titel ist „Gemeinschaft im Sinne Jesu“ (Teil 1 – hier klicken!)

Nun könnte man denken, dass das ein Punkt von vielen ist. Sozusagen neben Themen wie „Anbetung“, „Abendmahl“ und „Endzeitlehre“ stehend.
Tatsächlich handelt es sich m.E. um den elementarsten Aspekt des christlichen Glaubens.

Es beginnt mit Gott.
Gott ist nunmal der Erfinder von Gemeinde. Also, ist es wichtig, diesen Gott ein Stückchen besser zu verstehen. Dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass wir auch den Sinn von Gemeinde verstehen.

Schon im ersten Buch der Bibel wird uns Gott als ein Gott der Gemeinschaft dargestellt.
Wie auch immer man zur Dreieinigkeitslehre stehen mag, aber in Genesis gibt es Anklänge an den dreieinigen Gott (manche vertreten die Auslegung, dass wir es in Genesis mit einem Majestätsplural zu tun haben; ich würde sagen: „Ja, haben wir! Und zugleich haben wir den Hinweis auf die Dreieinigkeit Gottes!“).

In Genesis 1,1b steht:
„und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.“
Warum wird hier differenziert zwischen „Gott“ und dem „Geist Gottes“?
Warum schwebt nicht „Gott“ über dem Wasser?
Es lässt erahnen, dass Gott in sich anders ist, als wir es meinen.
Es gibt eine wie auch immer zu definierende Erscheinungsform Gottes, die sich wohl am besten mit „Geist Gottes“ benennen lässt.
Ein erster Hinweis darauf, dass Gott in sich mehr ist als nur eine Erscheinungsform/Person.

In Genesis 1,26a steht:
„Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei,…“
Dieses „Lasset uns“ kann für ein königliches Plural stehen: „Wir, der König, befehlen…“
Ebenso kann es hier ein Hinweis auf den dreieinigen Gott sein.
Warum nicht beides!? Ich finde beide Vorstellungen angemessen.

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Allerdings tendiere ich dazu, hier einen Hinweis auf den dreieinigen Gott zu sehen.
Wenn der Mensch ein Abbild Gottes ist, diesem Gott „gleich“, dann kann das erste Menschsein von Adam und Eva ein Spiegelbild von Gottes Wesen sein.
Beachtlich ist das:
Gott schafft nicht einen Menschen. Er erschuf zwei Menschen. Mann und Frau.
Wie es dann in Genesis 2,23 nachzulesen ist, erkennt der Mann in der Frau etwas von sich, wiewohl sie offensichtlich anders aussieht („Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“). Und Gott bestimmt die Frau zur Hilfe für den Mann (Gen 2,18: „…Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.“ – Anmerkung: das Wort „Hilfe“ kann auch „Gegenüber“ oder „Entsprechung“ bedeuten).
Der Mann braucht Hilfe. Er ist auf sie angewiesen und sie entstammt ihm (Gen 2,21 ff.). Ohne ihn wäre sie nicht. Und ohne sie wäre er unvollkommen. Es ist ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis. Es gibt eine tiefe Beziehung zwischen den beiden, die Gott entsprechend bestimmt und geformt hat.
Und eben in dieser Art von Beziehung sind Adam und Eva ein Abbild von Gottes Wesen.
Das deutet daraufhin, dass Gott jemand ist, der auch in sich Beziehung hat. Ein Gott, dessen Wesen die Gemeinschaft und Ergänzung ist.

Später im NT ist von Jesus, dem Sohn Gottes zu lesen.
Z.B. deutet Galater 4,6 auf das dreieinige Wesen Gottes hin:
„Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater!“
An vielen anderen Versen des NT entdecken wir, wie Gott selbst, dann Sein Sohn, dann Sein Geist, dann Er als Vater in Erscheinung tritt.
Nur beispielhaft seien auch erwähnt:
a) „Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher eingesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu hüten, die er sich erworben hat durch das Blut seines eigenen Sohnes!“ (Apg 20,28)
b) „Von jenem Tag aber oder der Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater.“ (Mk 13,32)
c) „und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt.“ (Joh 14,16 f.)

Theologisch ließe sich hier noch tiefer graben, indem sämtliche relevanten Verse untersucht würden, aber für das Zeichnen der ersten groben Linie genügt es.
Zu entdecken ist das:
Gott ist in sich selbst Gemeinschaft.
Er tritt auf im Sohn, im Geist und im Vater.
Und so wie Adam und Eva aufeinander bezogen sind, so ist auch Gott in diesen drei Personen Vater, Sohn und Geist auf sich bezogen.

Kurzum:
Gott ist in erster Linie ein Gott der Gemeinschaft, ein Gott der Beziehung. Es ist Sein Wesen.


Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Abreha_and_Atsbeha_Church_-_Adam_and_Eve_01.jpg
From Wikimedia Commons, the free media repository –  GNU Free Documentation License, version 1.2

Anmerkung: Beachtlich, dass es von Adam und Eva wohl mehrheitlich Bilder hinsichtlich des Sündenfalls gibt, entweder mit Schlange und/oder Frucht/Apfel.. aber auf jeden Fall sind die Geschlechtsorgane bedeckt!

Reformation & Erweckung

Angeregt durch Gedanken bei Richard (Warum wir keine Erweckung brauchen…) kommt nun mein „Senf“ dazu:
Kirche/Gemeinde steht in unserem westlichen Kulturkreis in einem Dilemma, denn die alten Traditionen ziehen die Menschen nicht mehr in die Kirchengebäude rein, aber eine völlige Anpassung an das Zeitgeschehen macht Gemeinde zumeist noch unattraktiver. Hinzu kommen diverse Skandale und Skandälchen, die der Kirche Schande bereitet haben. Deshalb treten seit Jahren Heerscharen von Menschen aus den verfassten Kirchen aus.
Aber auch die freien Gemeinden hierzulande, die ja dann doch das Bibelwort und das Gebet hochhalten wollen, verzeichnen einen Mitgliederschwund und nur selten ein kleines, letztlich kaum in Gewicht fallendes Wachstum (das z.T. auch durch Übertritte von ehemaligen Landeskirchlern erklärbar ist).
Manche resignieren dabei und erklären sich das mit der „Endzeit“, in der die Liebe erkalten wird und die Schar der Gläubigen würde eh immer weniger werden. M.E. ist das ein Konzept, das letztlich zur Lethargie führt und die christliche Depression nur vergrößert, also keine wirkliche Hilfe ist.

Andere machen eine Aktion nach der anderen, in der Hoffnung, irgendwann den Stein der Weisen zu finden, der eine Art Auslöser für großartige Geschehnisse sein soll. Dabei verausgaben sie sich, werden frustriert und irgendwann versuchen ein paar wenige „Streiter Christi“, den lahmen Karren aus dem Sumpf zu ziehen. Nee, Aktionismus iss’es auch nicht…

Wie auch immer: „Lösungsansätze“ gibt es viele und auch ich weiß nicht, ob es wirklich DIE Lösung gibt. Ich vermute, dass es sich um ein sehr organisches Ding handelt, das viele Facetten hat und wofür es kein Schema gibt, das bei entsprechender Befolgung zum Erfolg führt (worin bestünde überhaupt der „Erfolg“ ?).

Aber ich meine, die Grundlinien zu sehen, auf denen wir uns bewegen sollten:
a) Reformation der Strukturen
b) Erweckung.

Weiteres dazu folgt….

Ist das nur ein frommer Wunsch? Bitte antworten!

Ich brauche mal ein paar Meinungen und Gedanken von anderen. Deshalb schreibe ich das Folgende, damit man versteht, was ich meine:

„Liebe, die nach außen drängt!“
So hat sie es auf den Punkt gebracht. Fand ich gut. Passt.
Wir hatten einen Abschnitt in der Bibel gelesen: Apostelgeschichte 2,41 ff.

Da ist ja wirklich von beeindruckenden Dingen zu lesen:
3000 Menschen kommen an einem Tag zum Glauben an den Erlöser Jesus Christus.
Und dann treffen die sich jeden Tag: im jüdischen Tempel und in ihren Häusern.
Sie wollen mehr wissen von diesem Jesus. Und die Apostel erzählen den Leuten, was sie von Jesus gelernt haben. Beim gemeinsamen Essen erzählt man sich von den Tageserlebnissen. Und was für Geschichten da die Runde machen! Es wird von Heilungen erzählt. Von Befreiungen. Kaum hat man ein Stück Brot runtergeschluckt, kommt auch schon ein „Halleluja“ aus dem gleichen Mund. Zwischendurch berichtet ein anderer, dass er total dankbar für das Miteinander ist. Aber seit mehreren Jahren lebt er auf der Straße und das gemeinsame Essen hier ist zur Zeit seine einzige Versorgung. Die anderen hören betroffen zu. Dann meint einer: „Er ist unser Bruder durch Jesus Christus. Jesus hat gesagt, dass wir einander lieben sollen. Also, lasst uns ihm helfen!“ Und dann wird beraten und gebetet. Schließlich entscheiden sich einige dazu, geliebte Andenken und andere Sachen zu verkaufen. Davon kaufen sie dem Bruder ein kleines Häuschen. Wirklich klein. Bisschen schrottig sogar. Aber für ihn ist es wie ein Traum. Das erste Mal in seinem Leben hat er ein eigenes Dach über dem Kopf. Er ist so dankbar, dass er seitdem ständig den anderen hilft: beim Putzen, am Markttag, beim Umbau.
Und weiter treffen sie sich jeden Tag. Nicht jeder schafft es täglich. Es gibt etliche Angestellte und Sklaven unter den Gläubigen. Sie dürfen nicht einfach so weggehen. Auch manche Eltern müssen bei ihren Kindern bleiben… oder schleppen sie mal mit. Aber wer einen Gesamteindruck beschreiben will, muss dennoch sagen: „sie treffen sich täglich“.
Besonders die Zeit des gemeinsamen Gebets ist stark. Gott wird gelobt. Persönliche Bitten werden formuliert. Zwischendurch zitiert jemand einen Psalm. Es ist bunt. Manchmal leicht chaotisch, aber dann formt es sich wieder zu einer wunderschönen Symphonie.
Diese Menschen sind so von Gottes Liebe getrieben und so gefüllt von Gottes Kraft, dass es weitere Kreise zieht. Täglich kommen andere Menschen zum Glauben an Jesus Christus.

Nun – wer so etwas heutzutage liest, kann davon beeindruckt sein.
Wahlweise auch skeptisch. Ist das nicht christliche Romantik?
Gerne wird dann auf die vielen Probleme der Gemeinden im ersten Jahrhundert verwiesen: die haben sich auch gestritten. Apostel mussten eingreifen. Es gab Spannungen zwischen verschiedenen Volksgruppen in den Gemeinden. Manche Gemeinden sind Irrlehrern auf den Leim gegangen. Ja, es war nicht alles wunderbar!

Trotzdem bleibt Jesus bei Seinem Gebot: „Liebt einander! Liebt sogar Eure Feinde! So wird die Welt erkennen, dass Ihr meine Leute seid!“ (sinngemäß der Bibel entnommen)
Und auch die briefschreibenden Apostel blasen in das gleiche Horn: „Vergebt einander! Nehmt Rücksicht! Ohne Liebe ist der ganze Rest nichts wert! Gott hat uns zuerst geliebt… also liebt nun einander! Tut jedem Gutes! Betet füreinander!“
Sie geben einfach nicht auf.
Als hätten auch sie die Erfahrungen aus der Apostelgeschichte 2,41 ff. aufgesogen und als würden sie das nie wieder vergessen wollen.

Doch für mich ergeben sich Fragen:
Was heißt das für uns heute?
Miteinander nett sein.. das geht gut, wenn man sich einmal in der Woche für zwei Stunden sieht, am Sonntag-Morgen, und davon die meiste Zeit einem Prediger zuhört und zusammen singt.
Andererseits: ist es überhaupt möglich, sich täglich zu treffen? In einer Großstadt? Mit Schichtarbeitern? Mit Kranken? Mit Leuten, die zwei Jobs haben?
Und: Geht es überhaupt um das „Tägliche“?
Geht es nicht vielmehr um die Einstellung der Liebe, die von Gott kommt?
Natürlich!
Aber wie kann sie sich zeigen und bewähren, wenn man nur zwei-vier Stunden wöchentlich miteinander verbringt?
Allerdings kann ja auch die Gefahr eines christlichen Kuschelclubs entstehen, der ganz in sich gekehrt ist und für diese Welt völlig irrelevant ist.

Ich freue mich über Kommentare dazu!