Lernen von Christus in der Natur – Christian Outdoor Leadership

Trekking

Seit einigen Jahren organisiere ich Wochenendwanderungen oder einwöchige Trekkingtouren für Freunde und Bekannte.
Das macht Spaß. Zugleich genieße ich es, tagelang in der Natur zu sein, nur mit dem Nötigsten ausgestattet.
Am besten sind die Touren, wo wir nur mit Zelt und Rucksack unterwegs sind. Klar, auch Hüttentouren haben ihre Vorteile. Aber das Übernachten im Wald, auf dem Feld oder auf norwegischen Höhen macht die Sache uriger.
Für mich sind das Erlebnisse, die ich nicht mehr missen will.

„Christian Outdoor Leadership“

Getrieben durch diese Sehnsucht, habe ich (teilweise) das Buch von Ashley Denton gelesen: „Christian Outdoor Leadership“. Er lehnt sich dabei an das Buch von Robert Coleman an („Masterplan of Evangelism“), der sogar das Vorwort zum Buch geschrieben hat.

Denton geht die Sache biblisch-theologisch an. Er untersucht Begriffe wie „Wildnis“ vor dem biblischen Hintergrund. Er analysiert Jesus, wie Er sich in der Wildnis bewegt hat, was Er gesagt und getan hat. Und vor allem: wie Er in diesem Natur-Setting seine Leute trainiert hat.
Und das ist der Kern von Dentons Buch: Wie kann das Naturerlebnis genutzt werden, um Menschen in der Nachfolge Jesu auszubilden?

Mein kurzes Statement zum Buch:
Wer eine wirklich gründliche theologische Untersuchung zum Thema „Outdoor-Jüngerschaft“ sucht, der wird an diesem Buch nicht vorbeikommen. Wer aber mehr praktische Tipps sucht, wird von dem Buch etwas enttäuscht sein. Zwar trägt das Buch den Untertitel „Theology, Theory and Practice“, aber vor allem werden die ersten beiden Aspekte behandelt. Für mich war das streckenweise zu langwierig, wobei ich diese theologische Grundlage von Denton nicht geringschätze. Eine richtige Fleißarbeit!

Mit Jesus Christus draußen!

Für mich bleibt eine Art Plädoyer zurück:
Mache weniger Indoor-Seminare und mehr Outdoor-Seminare!
Mehr das ganzheitliche Lernumfeld suchen als das rein intellektuelle. Lernen mit allen Sinnen!
Denn, wenn wir davon reden, „Jünger zu machen wie Jesus“, dann muss das als wesentliches Merkmal Seines Dienstes festgehalten werden:
Jesus wanderte und war viel in der Natur unterwegs!
Statt eine neue Synagoge zu bauen, war Er mal hier und mal dort.
Statt nur im Haus von Marta und Maria zu unterrichten, lehrte Er vielmehr auf Bergen, Feldern und an Seen.
Dieser Outdoor-Aspekt im Training von Jesus sollte wieder mehr Beachtung finden.

Erfahrungen im Outdoor-Bereich

Denn das Outdoor-Erlebnis macht was mit den Teilnehmern!
Wiewohl meine letzten Touren keinen direkten spirituellen Charakter hatten, so kann ich viele Erkenntnisse von Denton teilen:
– Die Konfrontation mit Gottes Schöpfung, Tag und Nacht, berührt Seele und Körper. Je nach Landschaftstypus steht die Entspannung, die Ruhe, das Staunen, das Kämpfen, das Bibbern oder die Dankbarkeit im Vordergrund. Aber keine Wandertour lässt die Teilnehmer kalt… es sei denn, man vergisst, wie ich, dass es im nächtlichen Norwegen-Sommer dennoch gefühlte Null Grad geben kann und man tatsächlich die Rettungsdecke braucht.
– Das gemeinschaftliche Erlebnis lässt die Menschen näher rücken. Man lernt sich mitunter noch ganz anders kennen. Persönliche Limits werden erfahren. Sowohl charakterlich als auch körperlich. Ich als Höhenangstgeprägter muss früher aufhören als andere. Der von Blasen an den Füßen gequälte Kamerad braucht Begleitung. Der eine verlangt mehr Erholungspausen. Der andere will voranstürmen. Ständig geht es darum, bewusst oder unbewusst Kompromisse einzugehen, damit das Team vorankommt. Hier wird nicht so viel über „Zusammenhalt“ geredet, sondern der Zusammenhalt wird gelebt und strapaziert.
– Das Lebenstempo wird ein anderes. Uhrzeit und Wochentag spielen eine untergeordnete Rolle. Man wacht mit den ersten Sonnenstrahlen auf. Man sucht Schutz in der Dunkelheit. Wärme bei Kälte und Erfrischung bei Wärme. Nicht der Terminkalender spornt an, sondern grundlegende Bedürfnisse.
– Die grundlegenden Bedürfnisse werden ausschlaggebend. Wo finde ich die nächste Wasserquelle? Wann kann ich mich endlich ausruhen? Entdecken wir einen geeigneten Lagerplatz? Wo erledige ich mein „Geschäft“? Wer gerade die Einsamkeit genießt, läuft etwas getrennt von der Gruppe. Wer den Austausch sucht, läuft zu zweit oder dritt.

An all diesen Stellen gibt es diverse Möglichkeiten, Gott bewusst zu machen.
Bisher lief das bei mir eher auf natürliche Weise. Es ergab sich in einzelnen Gesprächen. Genauso redeten wir über die Tour selbst, über das Berufsleben, über Beziehungen usw.

Gott bewusst machen

Aber mich interessiert es nun, Touren zu planen, die das Spirituelle bewusst hineinnehmen.
Noch bin ich der Brainstorming-Phase.
Meine Gedanken reichen von „Pilgertour für einen Tag„, über ein Wanderwochenende mit Jüngerschaftsschulung, bis hin zu Trekkingtouren für eine Woche.
Ich weiß: Gibt es alles schon!

Aber mich reizen vor allem diese Aspekte:
1) Wie können solche Touren genutzt werden, um suchende Menschen zu begleiten und ihnen Christus zu zeigen?
2) Wie können solche Touren genutzt werden, um Jesus-Leuten zu helfen, den nächsten Schritt in der Nachfolge umzusetzen?
3) Wie können solche Touren genutzt werden, um eine Verankerung im Gemeindekontext zu finden und zugleich darüber hinaus zu gehen (Mission)?

Mal schauen!
Vielleicht mache ich demnächst mal ein paar Probetouren…

Bis dahin würde es mich freuen, von den Erfahrungen anderer zu lesen! Herzlich willkommen im Kommentarbereich!

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Gemeinde oder Jüngerschaftsbewegung?

T4T, Discipleship Movement (Jüngerschaftsbewegung), Torben Sondergard... nur wenige Stichworte, die eines gemeinsam haben: es geht um die Bewegung und nicht um die Institution.

Jesus-Bewegung

Genauer gesagt: es geht darum, dass möglichst viele Menschen vom Evangelium hören, die Chance bekommen, sich zu entscheiden und im besten Fall dann lernen, im Alltag als Nachfolger Jesu zu leben, um dann wieder andere zu lehren. In diesem Lernprozess ist enthalten, dass man wiederum anderen vom Evangelium erzählt, diese die Chance bekommen, sich zu entscheiden… usw.
Nicht die Gemeindegründung steht im Fokus, sondern das Hingehen zu den Menschen, das Ausstreuen des Evangeliums und das Lernen & Lehren, damit wieder andere lernen und lehren.
In Anbetracht manch pompöser Kirchenbauten, kirchlichen Verwaltungseinheiten und der menschlichen Nabelschau, die auch vor Gemeinden keinen Halt macht, ist das eine dynamische Sichtweise. Und sie hat auch in der Bibel viele Belegstellen.
Wollte Jesus eine Bewegung?
Offenkundig!

Gemeinde Jesu

Was bei manchen Vertretern dieser Bewegung aber hochkommen kann, ist die Distanzierung von klassischer Gemeinde: Sonntags zur Gottesdienstfeier gehen, Vorstandstreffen, das Gemeindefest organisieren, regelmäßig miteinander beten…
Die Distanz rührt wohl daher, dass die klassische Gemeinde nicht sonderlich beweglich scheint. Tatsächlich ist vielen Gemeinden die Nabelschau näher als die Frage, wie sie ein Segen für ihre Umwelt sein kann.
Die Bewegungsanhänger sind gegen eine solche Form von Gemeinde allergisch geworden. Sie wollen sich nicht wieder einfangen lassen.
Aber:
Wollte Jesus Gemeinde?
Offenkundig!

Bewegung vs Gemeinde?

Natürlich droht auf beiden Seiten das Extrem:
hier die Gemeinde, die sich wochenlang mit der Frage beschäftigen kann, ob eine Wand nun weiß oder gelb gestrichen werden soll (bis dahin, dass Gemeindemitglieder die Gemeinde verlassen, wenn ihrem Wunsch nicht nachgegeben wird); dort der Bewegungsanhänger, der alleine herumstreut und niemanden mehr hat, mit dem er eine vertrauliche Beziehung leben kann, denn jede Regelmäßigkeit und Verpflichtung riecht ja sogleich nach normaler Gemeinde!

Ich frage:
Könnte es sein, dass Gott beides gewollt hat?
Nein! Nicht die Extreme!
Sondern das Miteinander von Gemeinde und Bewegung!?

Gemeinde UND Bewegung!

Es ginge darum, zu verstehen, dass Gemeinde und Dynamik keine Gegensätze sind, sondern man einander braucht!
Es braucht die „Wilden“, die Risiken eingehen, die was Neues wagen, die unkonventionell arbeiten, die sich immer wieder auf neue Menschen einstellen können, die keine Ruhe geben, bis „alle“ vom Evangelium gehört haben.
Es braucht aber auch die, die für Stabilität sorgen. Die einen sicheren Rahmen geben können. Die bereit sind, Menschen auch über Jahre und Jahrzehnte zu begleiten. Weil eben nicht jeder Mensch sofort geeignet ist, andere zu lehren und weil manche Menschen aus Lebenssituationen kommen, in denen Heilung wichtiger sein kann.

Oder anhand von biblischen Beispielen gesagt:
Manchem sagte Jesus, er möge zuhause bleiben und in seinem Dorf weiterleben.
Andere lud Jesus zur Wanderung ein.

Jesus war wirklich dynamisch und viel unterwegs.
Das ging auch, weil es Menschen gab, die ganz normal gearbeitet haben, und Jesus mit Finanzen und Nahrung unterstützt haben. Die Stationären sorgten für die Bewegten. Auch mit ihren Häusern, in denen Jesus zu Gast war.

Beachtlich ist, dass Jesus weder Tempel noch Synagoge als Einrichtung kritisiert hat. Stattdessen war Er dort, hat in den Häusern gelehrt und ist Menschen begegnet. Das heißt nicht, dass Tempel und Synagoge das eigentliche Ziel Jesu waren. Aber sie waren gut und hilfreich. All das ging nur, weil es Menschen gab, die für diese Gebäude sorgten und einen Rahmen schufen.

Nein, ich glaube nicht, dass es einen Gegensatz zwischen Gemeinde und Jüngerschaftsbewegung gibt.
Es muss vielmehr darum gehen, beides zusammen zu denken:
Wie kann Gemeinde die Bewegung unterstützen?
Wie kann die Bewegung der Gemeinde helfen?

Ich stelle mir Gemeinden dann wie geistliche Zentren vor:
Es gibt eine Kernmannschaft, die für das Wesentliche vor Ort sorgt.
Und es gibt Menschen, die ein- und ausgehen. Die dort inspiriert werden und dann weiterziehen.
Mit denen man in Kontakt bleibt und aneinander Anteil hat.
Und die dann bei ihrer Wiederkehr berichten und so die Gemeinde inspirieren.
Gemeinde also nicht als Festung, sondern mehr als Knotenpunkt.
Und die Jüngerschaftsbewegung nicht als losgelöste Parallele, sondern als Strom, der die Gemeinde umgibt.

Das wäre was!

Führungslektion – Führungskraft sein und Demut

Viele Jahre habe ich mich dagegen gesträubt, „Pastor“ zu sein.
Nein, ich sträubte mich nicht gegen die Arbeit an sich. Diesen Dienst tue ich mit Leidenschaft.
Aber ich mochte den Titel nicht.
Denn ich wollte nah bei den Menschen sein. Ich mag es, auf Augenhöhe zu sein. Schließlich bin ich nicht besser als die anderen. Von den anderen kann ich lernen. Und sie von mir. Formen der Hierarchie sind mir persönlich schnell suspekt. Möglicherweise eine deutsche Prägung. Auch von der Bibel konnte ich nicht erkennen, dass ein Pastor (Ältester) höhe stünde als jemand anderes.

Doch immer wieder spürte ich, wie Menschen in mir nicht zuerst „den Bruder“ sahen, sondern zuerst meine Funktion: nämlich Pastor zu sein.
Als würde sich die Mehrheit der Leute danach sehnen, sich an einer Führungskraft zu orientieren. Jemanden zu haben, der einem sagt, was richtig und falsch ist.
Dagegen habe ich mich gesträubt.

Mittlerweile sehe ich all das ein wenig anders.
Mittlerweile bejahe ich es, Führungskraft in der Gemeinde zu sein. Und ja: ich arbeite als Pastor (und bin dabei Mensch wie jeder andere auch).

Warum dieses Umdenken?

Diese Aspekte haben mich dazu gebracht, das Denken über meine Aufgabe zu ändern:
– Es entspricht schlichtweg der Realität, dass ich als Pastor mehr Einfluss und Verantwortung als andere habe.
Mit den anderen Ältesten der Gemeinde treffe ich Entscheidungen, die andere Gemeindemitglieder so nicht treffen dürfen.
Natürlich unterscheidet mich das von anderen.
Und wenn wir als Älteste Entscheidungen treffen, dann hat das Einfluss auf die Leben anderer Menschen, im Guten wie im Schlechten (denn nicht jede unserer Entscheidungen ist auch immer gut – bei allem Beten und gewissenhaften Prüfen im Miteinander). Eine fehlerhafte Kommunikation kann schnell viele Konflikte auslösen. Eine gelungene Kommunikation kann Menschen das Leben erleichtern.
Diese Verantwortung genauso zu bewerten wie die Verantwortung, ob der Sonntagskuchen gelungen ist, wäre eine unangemessene Gleichmacherei.

In der Bibel wird der Dienst des Pastors iSv. „Ältester einer Gemeinde“ genannt (neben einigen anderen Diensten wie den des Evangelisten, Lehrers, Propheten usw.). Es ist also ein Dienst, den das Wort Gottes vorsieht. Diesen Dienst nicht so zu benennen, könnte schlussendlich sogar auf eine Missachtung von Gottes Wort hinaus laufen. Positiv geschrieben: Wer den Dienst eines Ältesten (Pastors) ausübt, sollte das auch so nennen.

Jede Führungskraft hebt sich von anderen ab.
Ob man nun als Mutter/Vater die eigenen Kinder anleitet, als Lehrer die Klasse, als Firmenchef die Angestellten, als Trainer die Sportler oder als Pastor eine Gemeinde. Stets geht es um ein Mehr an Verantwortung, weil es auch ein Mehr an Einfluss gibt.
Das Privileg dabei ist das Mehr an Gestaltungsmöglichkeiten.
Die Last dabei ist eben die Verantwortung.
Doch das eine ist ohne das andere nicht zu haben.

Das sollte demütig machen.
Ganz im Wortsinn, denn „Demut“ ist der Mut zum Dienen.
Es ist mutig, Verantwortung zu übernehmen, weil man dabei eine Menge falsch machen kann und öfter als andere in der Öffentlichkeit steht und kritisiert werden kann. Es erfordert Mut, immer wieder neu den Entschluss zu fassen, anderen zu dienen und sich selbst dabei zurück zu stellen.
Es sollte auch demütig vor Gott machen. Abhängig von Ihm. Denn letztlich weiß ich nicht, wie meine Entscheidungen und Worte wirklich ankommen. Hilft diese Maßnahme wirklich? Sollte man es besser lassen? Nutzt sie? Schadet sie? Es gibt wenig eindeutige Situationen, in denen das immer klar ist. Das bewegt in das Gebet hinein. Hin zu dem, der der eigentliche Anführer ist: Gott, der den Überblick hat.

Natürlich suche ich dabei noch immer die Augenhöhe mit dem anderen. Anders kann ich mir Gemeindearbeit bzw. Arbeit mit Menschen nicht vorstellen. In der Regel funktioniert es nicht, vom „hohen Ross“ her zu leiten. Oft klappt es nur im Miteinander, weil dort das nötige Vertrauen existiert. Und natürlich poche ich nicht darauf, „Pastor“ genannt zu werden. Ich störe mich aber auch nicht mehr daran.

Für mich war und ist das eine wichtige Führungslektion:
Ja sagen zu der Aufgabe und Position, die man inne hat.
Wo „Pastor“ drin ist, sollte auch „Pastor“ drauf stehen.

Führungslektion – Ermutigung

Eine wichtige Aufgabe von Führungskräften sehe ich darin, andere zu ermutigen.

Die Ermutigung kann ganz praktisch sein:
Zuerst heißt das für mich, dass die anderen Raum & Zeit haben sollen, um gestalten zu können.
Wenn ein Mitarbeiter eine Idee hat, dann will ich grundsätzlich offen sein und bin bereit, kleine Experimente zuzulassen. Mitarbeiter sollen sich ausprobieren dürfen. Manchmal entdeckt man erst dabei, welche Fähigkeiten jemand hat. „Experimente“ bedeuten für mich auch das: es muss nicht perfekt sein! Kleinere Fehler dürfen gemacht werden. Ist nicht schlimm! Wichtiger ist bei den ersten Gehversuchen die Einstellung des Mitarbeiters. Tut er das, um gut dazustehen? Um sich zu profilieren? Oder um den anderen wirklich zu dienen? Um Gott zu ehren?
Weiterlesen

Der Abschied von Gemeinde-Konzepten

Ich habe Bücher über den Gemeindeaufbau mit entsprechenden Konzepten geliebt!
Saddleback, Willow Creek, Hauskirchen bzw. „Organische Gemeinden“, missionaler Gemeindebau usw.
In meiner Funktion als erster Vorsitzender einer LKG, als Co-Prediger und Prediger für weitere Gemeinschaften, dann als Gemeindegründer und daran (hoffentlich) reifender Pastor… na, klar – damit muss man sich beschäftigen!

Vielleicht hat es geschadet.
Warum?
Weil bei mir schnell der Eindruck entstanden ist: „So macht man es!“

Der Abgleich zwischen der Erkenntnis der Autoren und meiner Realität war dann irgendwie ernüchternd.
Komischerweise wirkten diese Bücher auf mich wie die Veröffentlichung DES Geheimrezeptes.
Da schrieben Menschen auf, wie sie den Gemeindeaufbau erlebt hatten. Und diese Gemeinden waren „erfolgreich“! Sie hatten viel guten Einfluss und mitunter bestanden sie aus Hunderten oder gar Tausenden von Mitgliedern. Diese Konzepte mussten doch richtig sein!

Und so habe ich angefangen, meine Konzepte zu schreiben. Wie das Gemeindeleben sein müsste.
Konzepte, die auf dem weißen Papier so überzeugend wirkten und mich in meiner Ungeduld befeuerten.
Konzepte, die mir zwar halfen, das große Ganze zu sehen, aber mir den Blick für den einzelnen Menschen schwerer machten.
Und vor allem den Blick für die tatsächliche Gemeindesituation erschwerten.

Vielleicht lag das gar nicht an diesen Büchern, sondern an mir und meiner „Lesebrille“.
Vielleicht hätte ich viele dieser Bücher einfach nur als einen Erfahrungsbericht neben vielen anderen lesen sollen. Eine Art „theologisch-praktische Unterhaltung“.

Mit der Zeit hörte ich andere Pastoren, die schon ein paar Jahre mehr Diensterfahrung auf dem Buckel hatten, die mir sagten: „Ich verfolge kein Konzept mehr. Keine Ahnung, was kommt. Ich konzentriere mich auf die Menschen, mit denen ich zu tun habe.“

Zuerst war ich von solchen Aussagen irritiert. Aber man braucht doch eine Vision! Ein Leitbild! Ein Konzept! Sonst wird es doch alles orientierungslos und damit führungsschwach und dann entstehen Machtkämpfe in der Gemeinde usw.

Nach vielen weiteren Büchern – und wirklich auch vielen guten Gemeindebüchern – fange ich an, mich von Konzepten zu verabschieden.
Damit werde ich nicht konzeptlos. Irgendein Konzept hat man ja immer im Hinterkopf. Geht nicht anders.
Aber tatsächlich verlagert sich der Schwerpunkt.

Ich habe gemerkt, dass ich nur so weit komme, wie ich auch „reif“ bin.
Dass eine Gemeinde nur so weit kommt, wie die Mitglieder bereit und fähig sind.
Dass eine Gemeinde in einen kaum zu überblickenden Kontext eingebettet ist, der ihr Grenzen setzt als auch Möglichkeiten gibt.
Dass der Kern des Ganzen schlussendlich nicht ein Gemeinde-Programm ist, sondern unsere Beziehung zu Christus und untereinander und zu den Menschen um uns herum.

Und dass es letztlich um die gleichen Aspekte einer Gemeinde geht, die aber je nach Konstellation der Gemeinde ganz unterschiedlich aussehen müssen, weil unsere Charaktere, Fähigkeiten, Orte und andere Grenzen und Möglichkeiten unterschiedlich sind:
– Wie handhaben wir es mit dem Gebet?
– Wie wird Gottes Wort vermittelt?
– Wie werden Beziehungen bei uns und in unsere Gesellschaft hinein gelebt?
– Wie wollen wir Gott anbeten?
– Wie werden das Abendmahl und die Taufe bei uns zelebriert?
Und wenn wir verstehen, dass all das in die große Mission der Liebe Gottes zu dieser Welt eingefügt ist (Stichwort: Nachfolge Jesu / Jüngerschaft für Christus und Menschen), dann haben wir wohl schon die Hauptzutaten zur leckeren „Gemeindesuppe“.

So ist der Abschied von einfachen Gemeindekonzepten ein Willkommenheißen des Abenteuers, dass jede Gemeinde ihre ganz persönliche Geschichte, Gegenwart und Zukunft hat und einen ebenso individuellen Weg finden kann.

Was ist wichtig für Gemeinden und Kirchen? Teil 3

Eine grundlegende Erkenntnis für die „Gemeinschaft im Sinne Jesu“ (Skizze „Gemeinschaft im Sinne Jesu“ hier klicken) ist, dass
a) Gott in sich selbst Gemeinschaft ist (Lies dazu Teil 2 der Themenreihe)
b) Er will, dass diese Gemeinschaft überfließt.

So heißt es in Genesis 1,28a:
„Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde…“

Gott schuf den Menschen als Mann und Frau.
Sie sind als Ebenbild Gottes zu Ihm hin in Beziehung gestellt und ebenso untereinander als sich ergänzende Gemeinschaftswesen gedacht.
Doch dabei soll es nicht bleiben.

Gott will, dass sich diese menschlichen Gemeinschaftswesen vermehren. Sie sollen fruchtbar sein.
Sein Wunsch ist, dass sie schließlich die ganze Erde bewohnen (Sollte es im Sinne Gottes eines Tages auf eine riesige Welt-Stadt hinauslaufen?).
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Gott sieht eine Gemeinschaft von Menschen, die mit Ihm Gemeinschaft haben und die miteinander Gemeinschaft haben. Weltweit.

Was sagt das über Gott aus?
Sein Wesen ist die überfließende Gemeinschaft.
Er genügt sich nicht selbst, sondern will Lebewesen als Gegenüber haben.
Bei Ihm dreht sich „alles“ um diese Gemeinschaft. Je mehr, desto besser.

Das setzt sich auch nach dem Sündenfall fort.
So heißt es in Genesis 12,2 f. (Gott spricht zu Abram):
„Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“
Festzuhalten ist das:
– Aus Abram soll ein „großes“ Volk kommen; das kann durchaus als „zahlreich“ verstanden werden (Gen 15,5; 22,17; 26,4). Wieder geht es um das Thema „Fruchtbarkeit / Vermehrung“.
– Gottes Gedanken sind zuerst immer gute Gedanken: Er segnet (s.a. Gen 1,28a). Er will Gutes für die Menschen.
– Abram selbst soll ein Segen sein, und zwar für alle Geschlechter auf der Erde (s.a. Gen 26,4b: „Und durch dein Geschlecht sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden…“). Und wieder geht es um das Gute für alle Menschen auf der Welt.

Nach dem Sündenfall beruft sich Gott also einen Mann namens Abram, um mit ihm das durchzuführen, was Er sich bereits vor dem Sündenfall mit der Menschheit gedacht hat: Es soll zwischen Gott und der sich vermehrenden Menschheit zu einer guten Gemeinschaft kommen.
Nach Abraham spitzt es sich weiter auf Jakob zu, der dann Israel genannt wird und gegenüber dem, Gott Seinen Wunsch erneuert:
„Und Gott sprach zu ihm: Ich bin der allmächtige Gott; sei fruchtbar und mehre dich! Ein Volk und eine Menge von Völkern sollen von dir kommen, und Könige sollen von dir abstammen,…“ (Gen 35,11).

Deshalb hat Israel so eine Relevanz in Gottes Augen, denn Israel soll das Volk sein, durch das alle Menschen gesegnet sein sollen. Israel hat im Laufe der Jahrtausende – wie so viele andere Völker auch – immer wieder Unrecht getan. Gott hat Seinem Volk Propheten gesandt. Diese Propheten hatten im Kern diese Botschaft:
„Kehrt um, ihr Israeliten, zu dem, von welchem ihr so sehr abgewichen seid!“ (Jes 31,6)
Es war der Ruf in die Gemeinschaft mit Gott, damit sie wirklich ein Segen für die Welt sein können.

Schließlich sendet Gott Seinen Sohn Jesus Christus, der letztlich nichts anderes will, als Sein himmlischer Vater:
„Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ (Mt 4,17b)
Sprich: Kehrt um zu Gott! Gottes Einfluss und Herrschaft sind nahe!
Auch Jesus verkündet, dass es um die überfließende Gemeinschaft von Gott her geht:
„Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt 28,19 f.)

ALLE Völker sollen in die Beziehung zu Jesus und damit in die Beziehung zu Gott treten.
Gott will diese überfließende Gemeinschaft, weil Er selbst überfließende Gemeinschaft ist.

Es ließe sich sehr viel mehr dazu schreiben. Man könnte noch viel mehr in das Detail gehen und die vielen entsprechenden Bibelverse dazu betrachten. Aber auch an der Stelle soll die grobe Linie genügen.

Warum ist dieses Wissen wichtig?
Weil sich der christliche Glaube von diesem Gott herleitet.
Wenn wir mehr von Ihm erkennen, dann hat es Wirkung auf unseren Glauben, auf unser Leben.

Zu verstehen, dass Gott nicht zuerst ein moralischer Gott ist oder ein Gott, der aus der Ferne grimmige Urteile fällt, sondern, dass Er ein Gott ist, der sich leidenschaftlich danach verzehrt, dass alle Menschen in guter Gemeinschaft mit Ihn und miteinander sind, ist essentiell, um den Kern des christlichen Glaubens – und damit auch das Evangelium – zu verstehen.

Und wie wir noch sehen werden, muss es enorme Folgen für das Gemeindeleben haben!

Bildquelle: http://de.freeimages.com/photo/holding-hands-2-1309232 by BSK – Download am 22.06.2016

 

 

Was ist wichtig für Gemeinden und Kirchen? Teil 2

Im ersten Teil zur Frage „Was ist wichtig für Gemeinden und Kirchen?“ habe ich eine Skizze eingefügt.
Der Titel ist „Gemeinschaft im Sinne Jesu“ (Teil 1 – hier klicken!)

Nun könnte man denken, dass das ein Punkt von vielen ist. Sozusagen neben Themen wie „Anbetung“, „Abendmahl“ und „Endzeitlehre“ stehend.
Tatsächlich handelt es sich m.E. um den elementarsten Aspekt des christlichen Glaubens.

Es beginnt mit Gott.
Gott ist nunmal der Erfinder von Gemeinde. Also, ist es wichtig, diesen Gott ein Stückchen besser zu verstehen. Dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass wir auch den Sinn von Gemeinde verstehen.

Schon im ersten Buch der Bibel wird uns Gott als ein Gott der Gemeinschaft dargestellt.
Wie auch immer man zur Dreieinigkeitslehre stehen mag, aber in Genesis gibt es Anklänge an den dreieinigen Gott (manche vertreten die Auslegung, dass wir es in Genesis mit einem Majestätsplural zu tun haben; ich würde sagen: „Ja, haben wir! Und zugleich haben wir den Hinweis auf die Dreieinigkeit Gottes!“).

In Genesis 1,1b steht:
„und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.“
Warum wird hier differenziert zwischen „Gott“ und dem „Geist Gottes“?
Warum schwebt nicht „Gott“ über dem Wasser?
Es lässt erahnen, dass Gott in sich anders ist, als wir es meinen.
Es gibt eine wie auch immer zu definierende Erscheinungsform Gottes, die sich wohl am besten mit „Geist Gottes“ benennen lässt.
Ein erster Hinweis darauf, dass Gott in sich mehr ist als nur eine Erscheinungsform/Person.

In Genesis 1,26a steht:
„Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei,…“
Dieses „Lasset uns“ kann für ein königliches Plural stehen: „Wir, der König, befehlen…“
Ebenso kann es hier ein Hinweis auf den dreieinigen Gott sein.
Warum nicht beides!? Ich finde beide Vorstellungen angemessen.

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Allerdings tendiere ich dazu, hier einen Hinweis auf den dreieinigen Gott zu sehen.
Wenn der Mensch ein Abbild Gottes ist, diesem Gott „gleich“, dann kann das erste Menschsein von Adam und Eva ein Spiegelbild von Gottes Wesen sein.
Beachtlich ist das:
Gott schafft nicht einen Menschen. Er erschuf zwei Menschen. Mann und Frau.
Wie es dann in Genesis 2,23 nachzulesen ist, erkennt der Mann in der Frau etwas von sich, wiewohl sie offensichtlich anders aussieht („Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“). Und Gott bestimmt die Frau zur Hilfe für den Mann (Gen 2,18: „…Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.“ – Anmerkung: das Wort „Hilfe“ kann auch „Gegenüber“ oder „Entsprechung“ bedeuten).
Der Mann braucht Hilfe. Er ist auf sie angewiesen und sie entstammt ihm (Gen 2,21 ff.). Ohne ihn wäre sie nicht. Und ohne sie wäre er unvollkommen. Es ist ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis. Es gibt eine tiefe Beziehung zwischen den beiden, die Gott entsprechend bestimmt und geformt hat.
Und eben in dieser Art von Beziehung sind Adam und Eva ein Abbild von Gottes Wesen.
Das deutet daraufhin, dass Gott jemand ist, der auch in sich Beziehung hat. Ein Gott, dessen Wesen die Gemeinschaft und Ergänzung ist.

Später im NT ist von Jesus, dem Sohn Gottes zu lesen.
Z.B. deutet Galater 4,6 auf das dreieinige Wesen Gottes hin:
„Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater!“
An vielen anderen Versen des NT entdecken wir, wie Gott selbst, dann Sein Sohn, dann Sein Geist, dann Er als Vater in Erscheinung tritt.
Nur beispielhaft seien auch erwähnt:
a) „Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher eingesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu hüten, die er sich erworben hat durch das Blut seines eigenen Sohnes!“ (Apg 20,28)
b) „Von jenem Tag aber oder der Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater.“ (Mk 13,32)
c) „und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt.“ (Joh 14,16 f.)

Theologisch ließe sich hier noch tiefer graben, indem sämtliche relevanten Verse untersucht würden, aber für das Zeichnen der ersten groben Linie genügt es.
Zu entdecken ist das:
Gott ist in sich selbst Gemeinschaft.
Er tritt auf im Sohn, im Geist und im Vater.
Und so wie Adam und Eva aufeinander bezogen sind, so ist auch Gott in diesen drei Personen Vater, Sohn und Geist auf sich bezogen.

Kurzum:
Gott ist in erster Linie ein Gott der Gemeinschaft, ein Gott der Beziehung. Es ist Sein Wesen.


Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Abreha_and_Atsbeha_Church_-_Adam_and_Eve_01.jpg
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Anmerkung: Beachtlich, dass es von Adam und Eva wohl mehrheitlich Bilder hinsichtlich des Sündenfalls gibt, entweder mit Schlange und/oder Frucht/Apfel.. aber auf jeden Fall sind die Geschlechtsorgane bedeckt!