Führungslektion – Ermutigung

Eine wichtige Aufgabe von Führungskräften sehe ich darin, andere zu ermutigen.

Die Ermutigung kann ganz praktisch sein:
Zuerst heißt das für mich, dass die anderen Raum & Zeit haben sollen, um gestalten zu können.
Wenn ein Mitarbeiter eine Idee hat, dann will ich grundsätzlich offen sein und bin bereit, kleine Experimente zuzulassen. Mitarbeiter sollen sich ausprobieren dürfen. Manchmal entdeckt man erst dabei, welche Fähigkeiten jemand hat. „Experimente“ bedeuten für mich auch das: es muss nicht perfekt sein! Kleinere Fehler dürfen gemacht werden. Ist nicht schlimm! Wichtiger ist bei den ersten Gehversuchen die Einstellung des Mitarbeiters. Tut er das, um gut dazustehen? Um sich zu profilieren? Oder um den anderen wirklich zu dienen? Um Gott zu ehren?
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Der Abschied von Gemeinde-Konzepten

Ich habe Bücher über den Gemeindeaufbau mit entsprechenden Konzepten geliebt!
Saddleback, Willow Creek, Hauskirchen bzw. „Organische Gemeinden“, missionaler Gemeindebau usw.
In meiner Funktion als erster Vorsitzender einer LKG, als Co-Prediger und Prediger für weitere Gemeinschaften, dann als Gemeindegründer und daran (hoffentlich) reifender Pastor… na, klar – damit muss man sich beschäftigen!

Vielleicht hat es geschadet.
Warum?
Weil bei mir schnell der Eindruck entstanden ist: „So macht man es!“

Der Abgleich zwischen der Erkenntnis der Autoren und meiner Realität war dann irgendwie ernüchternd.
Komischerweise wirkten diese Bücher auf mich wie die Veröffentlichung DES Geheimrezeptes.
Da schrieben Menschen auf, wie sie den Gemeindeaufbau erlebt hatten. Und diese Gemeinden waren „erfolgreich“! Sie hatten viel guten Einfluss und mitunter bestanden sie aus Hunderten oder gar Tausenden von Mitgliedern. Diese Konzepte mussten doch richtig sein!

Und so habe ich angefangen, meine Konzepte zu schreiben. Wie das Gemeindeleben sein müsste.
Konzepte, die auf dem weißen Papier so überzeugend wirkten und mich in meiner Ungeduld befeuerten.
Konzepte, die mir zwar halfen, das große Ganze zu sehen, aber mir den Blick für den einzelnen Menschen schwerer machten.
Und vor allem den Blick für die tatsächliche Gemeindesituation erschwerten.

Vielleicht lag das gar nicht an diesen Büchern, sondern an mir und meiner „Lesebrille“.
Vielleicht hätte ich viele dieser Bücher einfach nur als einen Erfahrungsbericht neben vielen anderen lesen sollen. Eine Art „theologisch-praktische Unterhaltung“.

Mit der Zeit hörte ich andere Pastoren, die schon ein paar Jahre mehr Diensterfahrung auf dem Buckel hatten, die mir sagten: „Ich verfolge kein Konzept mehr. Keine Ahnung, was kommt. Ich konzentriere mich auf die Menschen, mit denen ich zu tun habe.“

Zuerst war ich von solchen Aussagen irritiert. Aber man braucht doch eine Vision! Ein Leitbild! Ein Konzept! Sonst wird es doch alles orientierungslos und damit führungsschwach und dann entstehen Machtkämpfe in der Gemeinde usw.

Nach vielen weiteren Büchern – und wirklich auch vielen guten Gemeindebüchern – fange ich an, mich von Konzepten zu verabschieden.
Damit werde ich nicht konzeptlos. Irgendein Konzept hat man ja immer im Hinterkopf. Geht nicht anders.
Aber tatsächlich verlagert sich der Schwerpunkt.

Ich habe gemerkt, dass ich nur so weit komme, wie ich auch „reif“ bin.
Dass eine Gemeinde nur so weit kommt, wie die Mitglieder bereit und fähig sind.
Dass eine Gemeinde in einen kaum zu überblickenden Kontext eingebettet ist, der ihr Grenzen setzt als auch Möglichkeiten gibt.
Dass der Kern des Ganzen schlussendlich nicht ein Gemeinde-Programm ist, sondern unsere Beziehung zu Christus und untereinander und zu den Menschen um uns herum.

Und dass es letztlich um die gleichen Aspekte einer Gemeinde geht, die aber je nach Konstellation der Gemeinde ganz unterschiedlich aussehen müssen, weil unsere Charaktere, Fähigkeiten, Orte und andere Grenzen und Möglichkeiten unterschiedlich sind:
– Wie handhaben wir es mit dem Gebet?
– Wie wird Gottes Wort vermittelt?
– Wie werden Beziehungen bei uns und in unsere Gesellschaft hinein gelebt?
– Wie wollen wir Gott anbeten?
– Wie werden das Abendmahl und die Taufe bei uns zelebriert?
Und wenn wir verstehen, dass all das in die große Mission der Liebe Gottes zu dieser Welt eingefügt ist (Stichwort: Nachfolge Jesu / Jüngerschaft für Christus und Menschen), dann haben wir wohl schon die Hauptzutaten zur leckeren „Gemeindesuppe“.

So ist der Abschied von einfachen Gemeindekonzepten ein Willkommenheißen des Abenteuers, dass jede Gemeinde ihre ganz persönliche Geschichte, Gegenwart und Zukunft hat und einen ebenso individuellen Weg finden kann.

Was ist wichtig für Gemeinden und Kirchen? Teil 2

Im ersten Teil zur Frage „Was ist wichtig für Gemeinden und Kirchen?“ habe ich eine Skizze eingefügt.
Der Titel ist „Gemeinschaft im Sinne Jesu“ (Teil 1 – hier klicken!)

Nun könnte man denken, dass das ein Punkt von vielen ist. Sozusagen neben Themen wie „Anbetung“, „Abendmahl“ und „Endzeitlehre“ stehend.
Tatsächlich handelt es sich m.E. um den elementarsten Aspekt des christlichen Glaubens.

Es beginnt mit Gott.
Gott ist nunmal der Erfinder von Gemeinde. Also, ist es wichtig, diesen Gott ein Stückchen besser zu verstehen. Dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass wir auch den Sinn von Gemeinde verstehen.

Schon im ersten Buch der Bibel wird uns Gott als ein Gott der Gemeinschaft dargestellt.
Wie auch immer man zur Dreieinigkeitslehre stehen mag, aber in Genesis gibt es Anklänge an den dreieinigen Gott (manche vertreten die Auslegung, dass wir es in Genesis mit einem Majestätsplural zu tun haben; ich würde sagen: „Ja, haben wir! Und zugleich haben wir den Hinweis auf die Dreieinigkeit Gottes!“).

In Genesis 1,1b steht:
„und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.“
Warum wird hier differenziert zwischen „Gott“ und dem „Geist Gottes“?
Warum schwebt nicht „Gott“ über dem Wasser?
Es lässt erahnen, dass Gott in sich anders ist, als wir es meinen.
Es gibt eine wie auch immer zu definierende Erscheinungsform Gottes, die sich wohl am besten mit „Geist Gottes“ benennen lässt.
Ein erster Hinweis darauf, dass Gott in sich mehr ist als nur eine Erscheinungsform/Person.

In Genesis 1,26a steht:
„Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei,…“
Dieses „Lasset uns“ kann für ein königliches Plural stehen: „Wir, der König, befehlen…“
Ebenso kann es hier ein Hinweis auf den dreieinigen Gott sein.
Warum nicht beides!? Ich finde beide Vorstellungen angemessen.

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Allerdings tendiere ich dazu, hier einen Hinweis auf den dreieinigen Gott zu sehen.
Wenn der Mensch ein Abbild Gottes ist, diesem Gott „gleich“, dann kann das erste Menschsein von Adam und Eva ein Spiegelbild von Gottes Wesen sein.
Beachtlich ist das:
Gott schafft nicht einen Menschen. Er erschuf zwei Menschen. Mann und Frau.
Wie es dann in Genesis 2,23 nachzulesen ist, erkennt der Mann in der Frau etwas von sich, wiewohl sie offensichtlich anders aussieht („Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“). Und Gott bestimmt die Frau zur Hilfe für den Mann (Gen 2,18: „…Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.“ – Anmerkung: das Wort „Hilfe“ kann auch „Gegenüber“ oder „Entsprechung“ bedeuten).
Der Mann braucht Hilfe. Er ist auf sie angewiesen und sie entstammt ihm (Gen 2,21 ff.). Ohne ihn wäre sie nicht. Und ohne sie wäre er unvollkommen. Es ist ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis. Es gibt eine tiefe Beziehung zwischen den beiden, die Gott entsprechend bestimmt und geformt hat.
Und eben in dieser Art von Beziehung sind Adam und Eva ein Abbild von Gottes Wesen.
Das deutet daraufhin, dass Gott jemand ist, der auch in sich Beziehung hat. Ein Gott, dessen Wesen die Gemeinschaft und Ergänzung ist.

Später im NT ist von Jesus, dem Sohn Gottes zu lesen.
Z.B. deutet Galater 4,6 auf das dreieinige Wesen Gottes hin:
„Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater!“
An vielen anderen Versen des NT entdecken wir, wie Gott selbst, dann Sein Sohn, dann Sein Geist, dann Er als Vater in Erscheinung tritt.
Nur beispielhaft seien auch erwähnt:
a) „Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher eingesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu hüten, die er sich erworben hat durch das Blut seines eigenen Sohnes!“ (Apg 20,28)
b) „Von jenem Tag aber oder der Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern nur der Vater.“ (Mk 13,32)
c) „und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt.“ (Joh 14,16 f.)

Theologisch ließe sich hier noch tiefer graben, indem sämtliche relevanten Verse untersucht würden, aber für das Zeichnen der ersten groben Linie genügt es.
Zu entdecken ist das:
Gott ist in sich selbst Gemeinschaft.
Er tritt auf im Sohn, im Geist und im Vater.
Und so wie Adam und Eva aufeinander bezogen sind, so ist auch Gott in diesen drei Personen Vater, Sohn und Geist auf sich bezogen.

Kurzum:
Gott ist in erster Linie ein Gott der Gemeinschaft, ein Gott der Beziehung. Es ist Sein Wesen.


Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Abreha_and_Atsbeha_Church_-_Adam_and_Eve_01.jpg
From Wikimedia Commons, the free media repository –  GNU Free Documentation License, version 1.2

Anmerkung: Beachtlich, dass es von Adam und Eva wohl mehrheitlich Bilder hinsichtlich des Sündenfalls gibt, entweder mit Schlange und/oder Frucht/Apfel.. aber auf jeden Fall sind die Geschlechtsorgane bedeckt!

Was ist wichtig für Gemeinden und Kirchen? Teil 1

Es ist schon erstaunlich! Die Gemeinde Jesu gibt es seit ca. 2000 Jahren. Ein Modell, das einige Menschen der Weltgeschichte vernichten wollten – und sie haben es nicht geschafft. Erstaunlicherweise entwickelt sich Gemeinde gerade dort besonders stark, wo sie unterdrückt und verfolgt wird. Während Kirchen in Europa eher schrumpfen, wachsen sie in Ländern wie China oder im arabischen Raum, also in Regionen, in denen das Christsein oft unter Repressalien leidet.

Mancher Christ meint daraufhin: „Durch Verfolgung wächst Gemeinde!“
Die Schlussfolgerung wäre: „Wir brauchen Verfolgung!“
Oder anders gesagt: Wir bräuchten dann eine Gesetzgebung, die Christen diskriminiert; eine Gesellschaft, die den Jesus-Nachfolger beschimpft, foltert, in das Gefängnis wirft oder sogar tötet.
Ich bin mir recht sicher, dass das niemand wirklich will, so toll ein Wachstum von Gemeinden auch sein mag.
(Wahlweise könnten wir auch in Frage stellen, ob ein Wachstum erstrebenswert ist.)

Ich bin überzeugt, dass äußerer Druck kein „Gemeindegründungsmittel“ ist.
Aber: äußerer Druck kann dazu führen, sich auf das Wesentliche von Gemeinde zu konzentrieren.
Plötzlich muss man sich Fragen stellen:
Wie lebe ich meinen Glauben, wenn ich mich nicht offiziell mit anderen Christen treffen darf?
Wie, wenn wir kein Kirchengebäude besitzen dürfen?
Wie, wenn kein Geld für einen Pastor vorhanden ist?

In diesen Fragen steckt die Chance, sich auf das Wesentliche von Gemeinde zu besinnen.
Und das Wesentliche von Gemeinde habe ich versucht, in der angefügten Skizze darzustellen:
Gemeinschaft im Sinne Jesu - SkizzeDa diese Skizze hier und da erklärungsbedürftig ist, werde ich in den folgenden Beiträgen entsprechende Erklärungen abgeben.

Heerstraße Nord – Analyse eines Stadtteils unter Berücksichtigung des christlichen Engagements

Zum kostenlosen Download eine Analyse des Stadtteils Heerstraße Nord in Berlin (mit einigen, noch nicht verbesserten Rechtschreibfehlern). Das Gebiet zählt als eines der Problemkieze in Berlin. 2012 gab es dort den größten Anteil an Kinderarmut in Berlin. Die Zahlen der Arbeitslosen und Langzeitarbeitslosen sind entsprechend hoch. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bzw. der von Ausländern beträgt insgesamt knapp über 50%. Da es hier mit den billigsten Wohnraum in ganz Berlin gibt, ist von Negativ-Folgen der Gentrifizierung auszugehen. Dennoch gibt es auch viele Hoffnunge, wertvolle Dienste und etliche Chancen, diesen Kiez in einen Hoffnungskiez zu verwandeln.

Hier der kostenlose pdf-Download:
Stadtsoziologie – Seminararbeit – Heerstraße Nord – Webversion

Reformation & Erweckung

Angeregt durch Gedanken bei Richard (Warum wir keine Erweckung brauchen…) kommt nun mein „Senf“ dazu:
Kirche/Gemeinde steht in unserem westlichen Kulturkreis in einem Dilemma, denn die alten Traditionen ziehen die Menschen nicht mehr in die Kirchengebäude rein, aber eine völlige Anpassung an das Zeitgeschehen macht Gemeinde zumeist noch unattraktiver. Hinzu kommen diverse Skandale und Skandälchen, die der Kirche Schande bereitet haben. Deshalb treten seit Jahren Heerscharen von Menschen aus den verfassten Kirchen aus.
Aber auch die freien Gemeinden hierzulande, die ja dann doch das Bibelwort und das Gebet hochhalten wollen, verzeichnen einen Mitgliederschwund und nur selten ein kleines, letztlich kaum in Gewicht fallendes Wachstum (das z.T. auch durch Übertritte von ehemaligen Landeskirchlern erklärbar ist).
Manche resignieren dabei und erklären sich das mit der „Endzeit“, in der die Liebe erkalten wird und die Schar der Gläubigen würde eh immer weniger werden. M.E. ist das ein Konzept, das letztlich zur Lethargie führt und die christliche Depression nur vergrößert, also keine wirkliche Hilfe ist.

Andere machen eine Aktion nach der anderen, in der Hoffnung, irgendwann den Stein der Weisen zu finden, der eine Art Auslöser für großartige Geschehnisse sein soll. Dabei verausgaben sie sich, werden frustriert und irgendwann versuchen ein paar wenige „Streiter Christi“, den lahmen Karren aus dem Sumpf zu ziehen. Nee, Aktionismus iss’es auch nicht…

Wie auch immer: „Lösungsansätze“ gibt es viele und auch ich weiß nicht, ob es wirklich DIE Lösung gibt. Ich vermute, dass es sich um ein sehr organisches Ding handelt, das viele Facetten hat und wofür es kein Schema gibt, das bei entsprechender Befolgung zum Erfolg führt (worin bestünde überhaupt der „Erfolg“ ?).

Aber ich meine, die Grundlinien zu sehen, auf denen wir uns bewegen sollten:
a) Reformation der Strukturen
b) Erweckung.

Weiteres dazu folgt….