Als Pastor arbeiten: Zweifel und Krisen

Jemand meinte mal zu mir:
„Du bist kein Leiter!“
Das war kein Versprecher. Er wollte nicht sagen: „Du bist keine Leiter!“ Damit hätte er wirklich Recht gehabt.
Was er sagen wollte, war das:
„Ich sehe in dir keinen Leitertypen!“
Und seine Vorstellung eines Leitertypen war wahrscheinlich die:
Das ist ein Typ, der vorangeht, andere mitzieht, den Ton angibt und sich nicht beirren lässt.

Mich hatte dieser Satz damals sehr getroffen und ich hatte angefangen, an meiner Arbeit als Pastor zu zweifeln. Mal wieder. Eine mittlerweile fast übliche „Routine“: Mindestens einmal pro Jahr kommen die grundlegenden Zweifel auf und ich stehe kurz davor, meine Arbeit hinzuschmeißen.

Doch mit der „Anfechtungsroutine“ kommt auch eine andere Routine in Gang:
Die Reflektions- und Lösungsroutine.

Es ist ein bisschen wie mit meinen Zweifeln zu Beginn meines Christseins:
Die ersten 2-3 Jahre hinterfragte ich die Basics des christlichen Glaubens immer wieder.
Gab es Jesus wirklich?
Ist die Bibel zuverlässig überliefert?
Ist Jesus wirklich auferstanden?
Usw.

Ich verschlang Bücher, suchte Antworten, bemühte mich, redlich zu sein und meinen Verstand nicht an der Garderobe abzugeben. Mit der Zeit hatte ich etliche plausible Antworten parat. Die Anfragen und Zweifel aber blieben… bis ich entdeckte, dass diese Zweifel auch ihre Routine hatten, mir aber nicht mehr weiterhalfen, sondern mich nur noch zermürbten. Mit der Erkenntnis, dass es konstruktive Zweifel und zerstörerische Zweifel gibt, entschloss ich mich, diesen nunmehr destruktiven Zweifeln keinen Raum zu geben.

Ähnlich verlief es bisher mit meinen Zweifeln am Dienst als Pastor.
Sie kommen mindestens einmal im Jahr und machen mich dann echt fertig.
Aber jedes Mal hilft mir irgendwas raus.
Manchmal ist es einfach ein Lebensumstand, der mich daran hindert, mir einen anderen Beruf zu suchen.
Und manchmal ist es ein göttliches Eingreifen (das ist eine sehr persönliche Geschichte).
Mittlerweile gab es so viele Krisen und so viele „Ermutigungserlebnisse“, das ich sagen kann:
„Ich soll als Pastor arbeiten.“

Ich bin mittlerweile davon überzeugt:
Wenn Gott uns eine Aufgabe gibt, dann sorgt Er auch dafür, dass wir dran bleiben.
Dann reifen wir an Krisen und werden stärker in diesem Dienst.
Das geht nur mit Leiden.
Aber diese Leiden dienen uns zum Besten.
Diese Krisen helfen, nicht mehr einem besonderen Image hinterherzurennen, sondern den Dienst zu sehen.
Sie vernichten den Wunsch nach einem „Titel“ und einem „Ansehen“ und zeigen auf das, worum es wirklich geht.
Sie helfen, eigene Schwächen und Stärken deutlicher zu sehen – und das Bedürfnis nach Gottes Gnade in Anspruch zu nehmen.
Sie verdeutlichen die eigene Berufung und den persönlichen Lebensauftrag.
Sie helfen, Prioritäten zu setzen und Grenzen zu setzen.

Wird man so ein „Leiter“? Oder ein besserer „Leiter“?
Das weiß Gott allein.
Und genau das reicht auch.