Was mich im Wahlkampf 2017 und vor allem für die Zeit danach wirklich interessieren würde

Die Bundestagswahlen 2017 stehen an, werden medial leider oft auf das Duell zwischen Merkel und Schulz verkürzt, und viele Schlagzeilen in den üblichen etablierten Online-Zeitungen schildern was vom Wahlkampf um das Dieselauto und ähnliches. Natürlich müssen die Fragen um die Dieselautoproblematik geklärt werden. Was ist schon unwichtig!?
Aber mich persönlich interessieren zunächst die „großen“ Themen.
Das sind Themen wie diese:

– Wie soll das Rentensystem der (nahen) Zukunft aussehen?
Wir wissen, dass wir in einer älter werdenden Gesellschaft leben. Weniger Steuereinzahler müssen mehr Rentner finanzieren. Es ist absehbar, dass das alte System auf Dauer nicht funktioniert. Vorsichtige Eingriffe wie z.B. die Einführung der Riester-Rente haben nicht die Wirkung entfaltet, wie es gewünscht war.
Nach meiner Ansicht gibt es nur zwei realistische Möglichkeiten:
a) Entweder der Staatshaushalt muss dauerhaft in das bestehende System „reinpumpen“.
Das heißt, dass in anderen Bereichen gekürzt werden muss. Aus meiner laienhaften Sicht würde selbst die Beteiligung der Beamten an der Finanzierung des Systems nicht wesentlich was ändern, wiewohl es eine finanzielle Hilfe wäre.
b) Oder die Bürger müssten massiv steuerlich entlastet werden, um privat anders vorsorgen zu können.
Das wäre die radikale Lösung, zu der wahrscheinlich kaum jemand Mut hat und die natürlich das erhöhte Risiko in sich birgt, dass die Kluft zwischen denen, die vorsorgen können, und denen, die es nicht/kaum können, größer werden würde als bisher schon. Allerdings würde es die Eigenverantwortung stärken. Man wäre etwas mehr „Herr über sein eigenes Geld“. Dies setzt natürlich voraus, dass die steuerliche Entlastung so groß ist, dass tatsächlich nennenswerte Beträge für die Rente gespart bzw. investiert werden können.
Mir ist klar, dass das deutsche Rentensystem eine besondere Errungenschaft in dieser Welt darstellt, und dass es womöglich nicht auf Dauer aufrechterhalten werden kann. Aber ich würde mir wünschen, dass die Parteien ein rundes Konzept entwickeln, das fair ist (Rentenhöhe entsprechend der Leistung), das sozial ist (Vermeidung von Altersarmut) und das Perspektive hat (keine Flickschusterei, sondern etwas, was man auf die nächsten Jahrzehnte denken kann).
Was sind die Vorhaben der Parteien?

– Wie soll das Bildungssystem der baldigen Gegenwart aussehen?
In Deutschland haben wir wenig Rohstoffe. Unser – vielleicht einziges – Hauptkapital sind Bildung, Forschung und Wissenschaft. Aber sehr viel hängt letztlich daran, wie unsere Kinder in der Schule ausgebildet werden. Das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, was gewiss Vor- und Nachteile hat. Doch insgesamt ist in den letzten Jahren immer wieder davon zu hören: Es fehlen Lehrer. Die Klassen sind zu groß. Die Schulen sind marode. Die Schulen sind zu schlecht ausgestattet. Usw. Zumindest in Berlin arbeitet die Senatsverwaltung immer wieder an Veränderungen im Rahmenlehrplan, aber tatsächliche Verbesserungen sind rar. Und die Gegenwart verheißt nicht viel Gutes, wenn mehr und mehr Quereinsteiger eingestellt werden, die mitunter fachfremden Unterricht bewerkstelligen sollen oder keine pädagogische Ausbildung haben. In der Not muss man zu solchen Maßnahmen greifen. Verständlich. Aber das kann kein Rezept für die Zukunft sein.
Ich stelle mir ein bundesweites Konzept vor: Klassengrößen bis 20 Schüler / in schwierigen Klassen mit bis zu 2 Pädagogen an Besetzung plus eventueller Reduzierung der Klassenstärke / eine praxisrelevantere Lehrerausbildung, die die zwischenmenschlich Unbegabten ausfiltert und die pädagogisch talentierten und fachlich tauglichen Lehrer fördert / damit die Lehrkräfte qualitativ guten Unterricht machen können, sollte eine Vollzeit-Stelle 20-23 Stunden Unterricht pro Woche ausmachen (zusätzlich kommen ja die Vorbereitung, Nachbereitung, die Eltengespräche, Konferenzen usw) / die Lehrer müssen ein Budget bekommen, über das sie für ihren Unterricht verfügen können / grundsätzlich vier Sonderpädagogen pro Schule / die Einführung lebenspraktischer Fächer wie z.B. „Nähen“, „Kochen“ u.ä. / eine Sportstunde pro Tag, damit die Kids fitter und gesünder werden.
Meinetwegen könnten dafür Gelder für das Militär abgezogen werden und in die Bildung investiert werden.
Ansonsten ist das deutsche Ausbildungssystem hinsichtlich der Lehrberufe international ein sehr taugliches und sollte bewahrt, ggf. punktuell verbessert werden.
Was ist das Konzept der Parteien?

– Wie soll Integration gelingen?
Ob berechtigt oder nicht, aber ich nehme von vielen Menschen wahr, dass sie sich in Anbetracht der Flüchtlingssituation unwohl fühlen. Und tatsächlich werden auch in Zukunft viele Menschen versuchen, nach Deutschland/Europa zu kommen. Es gibt keine einfache Lösung, weil die Zusammenhänge extrem komplex sind. Aber das ist m.E. auch deutlich: ein Sozialsystem hat seine Grenze. Notleidende Menschen können und müssen die Chance haben, durch uns Hilfe zu bekommen. Aber wir können auch nicht „die Welt retten“. Zudem ist fraglich, ob den Notleidenden immer damit geholfen ist, wenn sie nach Deutschland gelangen. Es benötigt m.E. ein vielseitiges, ineinandergreifendes System von Hilfeleistungen: hier in Deutschland, in Europa und in den betroffenen Teilen dieser Welt.
Wenn Menschen nach Deutschland geflüchtet sind und ein Aufenthaltsrecht haben, ist die Frage, wie das Miteinander der Kulturen gelingen kann. Im Extremfall haben wir es mit – ich überzeichne jetzt mal, um den Punkt zu verdeutlichen – auf der einen Seite mit einer Emanze zu tun, die sich gegenüber einem Mann als höherwertiger empfindet; und auf der anderen Seite haben wir es mit einem islamischen Pascha zu tun, der für die Vielehe ist und der seine Frauen schlägt, wenn sie ihm nicht gehorchen. Was heißt Integration in solchen Fällen?
Sofern ich es beurteilen kann, war die Integrationspolitik und -gesetzgebung in Deutschland selten eines Ruhmestat.
Ich denke, dass es u.a. darauf ankommt:
– Menschen aus anderen Kulturen sollen ihre Kultur nicht aufgeben müssen. Es ist ihre Prägung und es gibt Elemente, an denen wir hierzulande was lernen können (zB die Gastfreundschaft und die Betonung des Familienzusammenhaltes). Wie können diese bereichernden Punkte in Deutschland mehr Fuß fassen?
– Es gibt kulturelle Aspekte, die ich nicht gut finde: ich will kein soziales Gefüge, das aus Angst und Manipulation besteht; ich will weder eine Männer- noch Frauendominanz, sondern ein Miteinander; ich will keine Vollverschleierung, sondern das Gesicht meines Gegenübers sehen können usw. Ich glaube, dass es eigentlich reicht, an diesen Stellen auf unsere Verfassung sowie eine christlich-humanistische Tradition zu verweisen, um Klarheit und Richtung für Werte zu haben, die wesentlich dazu beigetragen haben, dass wir in Deutschland ein Sozialsystem, ein Rentensystem und eine gewisse Rechtsstaatlichkeit haben. Wenn wir die Verfassung und die o.g. Tradition aufweichen, dann fangen wir an, an den Wurzeln herumzuschneiden, die uns das „Leben“ eingehaucht haben. Anders gesagt: Wir sollten diese Tradition und die Verfassung wert achten, pflegen und wieder mehr in das Bewusstsein rücken.
– Was das Asyl betrifft, haben wir eigentlich Regelungen, die relativ gut sind. Aber sie müssen angewandt werden. Dafür brauchen wir das Personal (Richter, Polizei, Sozialpädagogen usw) und die Kommunikation der Bundesländer. Und wie jeder Staat sollte auch Europa weiter bedenken, wie Grenzen geschützt werden können. Nicht, um sich nur abzuschotten. Aber das Gegenteil, die „offene Haustür“ 24 Stunden am Tag, ist auch keine Lösung. Es geht um die Prüfung, wer das „Wohnzimmer“ betritt. Und es geht darum, dass die Systeme funktionieren können oder wenigstens genügend Zeit haben, um angepasst zu werden. Ansonsten ist gar keinem geholfen.
– Es geht nicht an, dass Asylsuchende/Asylanten monatelang bei uns in Hallen leben müssen und keine hoffnungsvolle Perspektive entwickeln können. Und dann wundern wir uns, wenn manche nichts mit sich anzufangen wissen und auf schlechte Gedanken kommen. Diese Menschen brauchen nicht nur soziale Begleitung, eine Einführung in unser System und unser Denken, sondern auch fachliche Hilfen, damit sie lernen können, hier zu wirtschaften. Wenn diese Menschen zu Mitbürgern werden, dann soll nicht das Frusterlebnis am Anfang stehen, sondern die Geste der Gastfreundschaft und Barmherzigkeit.
– Es geht auch nicht an, dass unsere Systeme missbraucht werden oder kriminelle Handlungen geduldet werden. Es muss konsequent aufgezeigt werden, dass Missbrauch und Straftaten sofortige Konsequenzen haben (das gilt m.E. genauso im Bereich der Jugendkriminalität, wenn man einen pädagogischen Effekt erzielen will und nicht nur strafen möchte), bis hin zur sofortigen Ausweisung. Hier brauchen wir mehr Justizbeamte und Polizisten, die unser Strafrecht und Asylrecht auch entsprechend der Regelungen konsequent umsetzen können.
So ist Integration nicht nur Holschuld, sondern auch Bringschuld. Es betrifft uns alle.

– Wie soll das Sicherheitssystem der Zukunft aussehen?
Ich kann nur von mir schreiben: einerseits darf die Entwicklung hin zum gläsernen Bürger nicht weitergehen. Wer freiwillig Daten von sich preisgibt, muss dann auch mit den Folgen leben. Aber eine Art Vollzeitüberwachung durch Kameras, durch Möglichkeiten des Internets, durch Abhöreinrichtungen, Datensammlungen usw. ist mir suspekt, denn was der Mensch zum Guten verwenden kann, kann er auch zum Schlechten verwenden. Und der Mensch wird es tun und tut es bereits. Wir haben eine Rechtsstaatlichkeit und können uns gegen Eingriffe in die Intim- und Privatsphäre wehren. Aber die Zeiten ändern sich. Wie kann der Spagat zwischen der Bewahrung der Privatsphäre und der Notwendigkeit, Straftaten präventiv und aufklärend anzugehen, gelingen?

– Was hilft wirklich der Schöpfung?
Dass die Massentierhaltung – mit all ihren Nebenhandlungen wie dem Einsatz von gesundheitlich schädlichen Mitteln – keine Ruhmestat ist, dürfte den meisten bekannt sein. Und natürlich kann sich nicht jeder die „perfekte, gesunde“ Kost leisten. Dennoch sollten Wege gefunden werden, Tiere immer weniger in der Massentierhaltung zu haben und sie entsprechend ihrer Art aufzuziehen. In der Bibel heißt es u.a., dass man einen frommen Menschen daran erkennt, dass er gut mit seinem Vieh umgeht. Eine klare Folge des Bewusstseins: Gott hat diese Welt erschaffen. Sie hat einen Wert und sollte entsprechend behandelt werden. An der Stelle geht es nicht nur um das Wohl der Tiere, sondern auch um unsere Gesundheit.
Zu wenig verstehe ich vom Thema „Energie“. So oder so greifen wir mit der Energiegewinnung immer in die Natur ein. Und jedes Mal kommt es zu Schädigungen. Vielleicht ist die Frage, welche Art von Energiegewinnung am wenigsten Schaden anrichtet. Ich fühle mich nur dann für dumm verkauft, wenn mir eine neue Technik als die „heilsbringende“ dargestellt wird, wie z.B. geschehen bei den Energiesparlampen. Ja, man spart damit sicherlich Energie. Aber dafür schädigen wir Mensch und Umwelt dann an anderen Stellen – s.a. Entsorgung der Giftstoffe in diesen Lampen.
Deshalb freue ich mich über politische Maßnahmen, die möglichst sachlich, abwägend und nicht mit Ideologie- oder Lobbyismus-Brillen helfen, unsere Umwelt zu bewahren.

– Welche Zukunft hat unser Finanzsystem?
Die Griechenland-Krise taucht in den Medien kaum noch auf. Aber gelöst ist sie auch nicht. Viele Gelder sind geflossen – tatsächlich eine Haftung anderer für die Schulden Dritter -, und oft wurden damit nur die Gläubiger bedient. Aber dem Staate Griechenland wurde nicht wegweisend geholfen. So weit meine laienhafte Einschätzung. Und im Grunde geht es etlichen anderen EU-Staaten ebenso. Sie befinden sich auf einem Pfad, der in dieselbe Richtung zeigt. Es gibt keinen EU-Staat ohne Schulden, oder? Das mag noch nicht dramatisch sein. Es wird allerdings dramatisch, wenn man sich die Höhe der Schulden anguckt. Und wenn man sieht, dass die spekulativen Börsengeschäfte nicht wirklich gestoppt worden sind. Und das Bankensystem noch immer sehr viel freie Hand hat und letztlich damit rechnen darf, gerettet zu werden. Und zwar mit den Steuergeldern, die den Bürgern dann an anderer Stelle fehlen. Nichts gegen stabilisierende Maßnahmen des Staates, damit wir nicht pleite gehen. Aber jeder Privatmann, der so mit dem Geld anderer umgeht, würde u.U. in das Gefängnis geworfen werden. Natürlich ist das Finanzsystem komplex und wahrscheinlich oft viel mehr von der Psyche gesteuert als von harten Fakten. Aber irgendwie sollte doch auch das klar sein: Es darf nicht so weit kommen, dass Staatsgebilde wegen mancher Börsengeschäfte oder des Gebahren des IWF einknicken, sich zunehmend an Private und Banken verkaufen und zum Schluss machtlos dastehen. Welche Partei hat dafür ein Konzept?

– Rüstungsdeals!?
Ich verstehe es nicht: Wieso liefert Deutschland Waffen nach Saudi-Arabien? Es ist offenkundig, dass der extrem-islamisch geprägte Staat von sich aus wiederum islamische Krieger unterstützt. Vielleicht sogar eine zeitlang den IS. Wieso verkauft Deutschland überhaupt Waffen in Krisengebiete? Waffen für die eigene Verteidigung in Deutschland und Europa zu haben, ist realpolitisch geboten. Aber Waffen in Länder zu liefern, in denen Menschenrechte nach unserem Verständnis mit Füßen getreten werden? In denen Menschen gesteinigt werden? Ich weiß ja, dass unsere Realität und das politische Handeln darin längst nicht so einfach ist, wie man es gerne am Stammtisch hätte. Und trotzdem muss es Grenzen geben. Es muss eine Ethik geben, die es uns verbietet, Waffen an Staaten zu liefern, die damit dann andere Länder bombardieren oder die ohne mit der Wimper zu zucken, Menschen hängen, foltern und unterdrücken. Das Deutschland, das so etwas tut, befindet sich offenkundig im Bereich der Doppelmoral, gar Heuchelei. Welche Partei hat wegweisende Antworten darauf?

– Wer tut was gegen die Kinderarmut?
Wenn ich die letzten Berichte richtig im Kopf habe, dann ist die Kinderarmut in Deutschland gestiegen.
Die Kinderarmut ist oft eine Folge davon, dass die Eltern arbeitslos sind oder schlichtweg zu wenig verdienen. Ich bin dankbar, dass es in unserem Land noch ein Sozialsystem gibt, das Hilfen anbietet. In der Regel können Wege gefunden werden, um den Familien und Kindern zu helfen. Damit werden sie nicht plötzlich zu Gutverdienern, aber sie haben eine Wohnung und bekommen weitere Unterstützung. Das ist gut. Fragwürdig finde ich die wachsende Kinderarmut vor dem Hintergrund, dass die Steuereinnahmen in Deutschland in den letzten Jahren „gesprudelt“ sind und dass viele Großfirmen hohe Gewinne einfahren. Unser Land ist eines der reichsten der Welt. Wieso haben wir dann eine wachsende Armut? Wieso muss die Kluft zwischen Großverdienern und Normalverdienern weiter wachsen? Geht es nicht anders, weil die „Globalisierung schuld ist“? Oder kann es ein Staatssystem geben, in dem Kinder nicht ärmer werden?
Welche Partei will was tun?

Nun ja, es gäbe so viel mehr. Ich bin nur Laie und stecke nicht im politischen Geschehen drin.
Und bei allem Verständnis für die vielen eifrigen Politiker, die wahrlich nicht immer ein einfaches Leben haben:
Wir brauchen alsbald entscheidende Weichenstellungen in unserem Land, damit unser Land nicht zerreißt.

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Ebook „Tribes“ – Teil 3 – Einblick in das nächste Kapitel

Nach und nach werde ich ein Kapitel von „Tribes“ – Teil 3 – hier veröffentlichen. Mal sehen. Vielleicht nicht alles, aber doch einiges.
Wer wissen will, worum es eigentlich geht, kann sich die ersten beiden Teile von „Tribes“ kaufen. Erschienen als Ebook beim Midnight-Verlag/Ullstein-Verlag. Wirklich zu einem erschwinglichen Preis: für unter 10,-€ gibt es eine Packung Spannung, Dystopie und ein winzig kleines bisschen Liebe und Gott in Schweden.

Hier ist nun das zweite Kapitel – Entwurf – vom Roman „Tribes“ – Teil 3:
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